Wichtige Chronologien und andere Denkwürdigkeiten für antifaschistische Antikapitalisten.
1738 der Zar fiel in den Schacht.
1946 Die Nazis sind jetzt umgebracht.
1748 Das Volk hat darüber gelacht.
1947 Nur noch Opfer sind geblieben.
1758 Der Schacht wird zugemacht.
1948 Wir haben uns aus dem Staub gemacht.*
Wer als Nazi am Gedeihen des besseren Deutschlands mithalf, der wurde ganz schnell freigesprochen und durfte vielleicht auch einer von 280.000 Spitzeln unter 17 Millionen Antifaschisten werden
Denn als es, kurz nach dem Kriege, rechts der Elbe, keine Täter mehr gab und alle Nazis kaltgemacht, da war ein Opferstaat geboren, der den Opfern nicht mehr verpflichtet war und wahrscheinlich sogar glaubte, selbst ganz knapp der Gaskammer entronnen zu sein und der den vielen Nazis links der Elbe die Täterrolle überließ. Fein gemacht und Daumen hoch.
Dagegen die Erinnerungen z.B. des Rechtsanwaltes und Kinderbuchautoren Heinrich Hannover, der viele Kommunisten nach dem Krieg verteidigte, die mit Arroganz von einer konservativen Richterschaft erneut bestraft wurden, weil die deutschen Gerichte es ihnen absprachen Verfolgte des NS-Regimes gewesen zu sein, will ich nicht vergessen.
Genauso wenig wie ich ertragen kann, dass der sogar mit einem Ehrentag gefeierte Widerstand gegen das NS-Regime ausschließlich in diesem Land dem aus konservativen Wurzeln entstiegenen Widerstand des Kreises um Stauffenberg gewidmet ist und nicht dem Widerstand des kleinen Arbeiters Elser oder den Geschwister Scholl oder den zahlreichen anderen Kommunisten und Sozialisten.
Nein, ein Brandt war schnell ein Vaterlandsverräter und ein Stauffenberg ein Kriegsheld und ein Held. Ein Held, der gern weiterhin mit dem Segen der Alliierten die Sowjetunion bekämpft hätte und dem und seinen konservativen Freunden das freiheitliche Ideal der Weimarer Verfassung – der mutigsten und freiheitlichsten ihrer Zeit – eher ein Greuel als ein Segen war.
Der Konservativismus, der Hitler den Steigbügel gehalten hatte, reklamierte am 9.5.1945 die kompletten Rechte am Widerstand und grämt sich und ziert sich, wenn Fahnenflüchtige nicht mehr kriminalisiert sein wollen und Zwangsarbeiter ihren kargen Lohn einfordern und selbst dann wenn nur ein Künstler kommt, um den einstmals gehassten Reichstag zu verhüllen. Aber immer noch besser als ein paar Mörder zu erschießen, und dann zu behaupten man hätte sich in diesem Blute reingewaschen. Das ist so billig wie falsch und nur eines Janusgesichtes würdig.
*Die Zeilen mit den Zaren stammen m.E. aus Dr. Muffels Telebrause und ich meine, dass sie von R. Gernhardt stammen. Nicht Silbe für Silbe, aber sinngemäß.