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#1

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 28.02.2007 21:12
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte

Hitzige Nacht - Kapitel 2

Jetzt bekam er Hustenreiz. Zu laut hatte er geschrien, vielleicht auch seine Stimmbänder
etwas verletzt.
Hustend und keuchend ging er in die Küche, wo er einen Schluck Mineralwasser trank.
Jenes mit der Kohlensäure mochte er nicht,
das konnte man nicht rasch trinken, ohne daß sich der Magen hob.

So bevorzugte er die milden Sorten oder etwas abgestandeneres Wasser.
Nochmals nahm er einen kräftigen Schluck. Obwohl fast gänzlich ohne Kohlensäure,
entfuhr ihm ein lautes Rülpsen.

Das erinnerte ihn an seinen Freund, den er schon lange nicht gesehen hatte.
Sein Name war Borticum oder so ähnlich. Das war jetzt nicht wichtig, es war ihm nur so
durch den Sinn gegangen. Jedenfalls hatte der auch stets gerülpst
hatte
und sich überhaupt nie kümmerte, wo sie gerade waren.

Warum der enge Kontakt plötzlich abgerissen war, fiel Hein auf Anhieb gar nicht ein;
möglicherweise war damals irgend eine Frau ihm Spiel gewesen,
das wäre diesem 'Borticum' schon zuzutrauen gewesen.


Noch einen Schluck Wasser ließ er durch seine wunde Kehle laufen.
Jetzt war er schon überzeugt, daß er von seinem Gebrüll zumindest
eine Stimmbandzerrung abbekommen hatte.

Hätte nicht jeder andere in seiner Situation auch so reagiert?
Ätzende Wut stieg in ihm hoch, wenn er nur daran dachte, wie viel
Unrecht ihm widerfahren war.

Wo er auch immmer war, was er machte, stets fanden sich Besserwisser und Meckerer.
Seinem Chef konnte er auch nichts recht machen.
Tag für Tag wurde an ihm genörget. Dabei war er bestrebt, mit jedem gut auszukommen.
Ungerechtigkeit und falsche Schuldzuweisungen, das vertrug er nicht.
Da brannte bei ihm die 'Sicherung' durch.

Verächtlich blickte er auf das Schreiben, das er auf den Boden geworfen hatte,
das ihn so in Rage versetzt hatte und er zuerst beim Fenster hinausspringen wollte,
dann aber nur überlaut geschrien hatte
"Ja, ich gebe es zu. Ich war es!"

Seine laute Stimme war förmlich durch die Straße gedonnert. Das Gebäude mußte
wie ein Schalltrichter gewirkt haben.
Dann hatte er keuchend am Fenster verharrt. Mit Wut im Bauch,
Haß und einer brennenden Kehle.

Nur verschwommen und ungenau hatte er gemerkt, wie man zu ihm heraufgeblickt hatte,
wie sich die Hausbewohner diskutierend zusammengerottet hatten.

Jetzt braucht er aber endlich mehr Luft! Doch woher bei dieser Schwüle
und auslaugenden Hitze. Die von der Nacht erhoffte und ersehte Abkühlung
gab es schon seit Wochen nicht.

Es war ihm mit einem Schlag egal, daß er seinen Arbeitsplatz verloren hatte
und was in der Kündigung, die zerknüllt und zerfetzt am Boden lag, stand.
Er, der Ehrlichkeit stets sehr hoch hielt, sollte verantwortlich sein,
weil aus seinem Transporter eine Ladung teurer technischer Geräte fehlte!

Das war ja nicht einmal zum Lachen, das war zum Brüllen
- und das hatte er ausgiebig getan. Er wollte nun nichts wie raus aus der Wohnung!
Irgendwohin, vielleicht hinüber in den Park - egal, jetzt gleich!
Schon lief er, wie er war, nur mit Socken an den Füßen, die Stufen hinunter. Den Lift haßte er.


Unten, beim Hauseingang nahm er die gestikulierenden lautstarken Gaffer kaum gewahr.
Sie wichen vor ihm. In seiner Stimmung und mit dem Gefühl, das ihn jäh überkommen hatte,
vermeinte er, Häuser und Autos zertreten zu können.

Auf der anderen Straßenseite angekommen, ging er schnurstracks durch das Gebüsch,
mißachete das Brechen von Zweigen, nach ihm peitschende Gerten und drang einige
Meter bis an den Rand einer Lichtung ein.
Durch ein Geräusch doch aufmerksam geworden, blickt er aufwärts. Da geschah es.

----

Er merkte Licht in seinen Augen, hörte Stimmen, nicht unweit war Blaulicht zu sehen.
Soeben hatte sich eine über ihn gebeugt gewesene Gestalt
aufgerichtet und war gegangen.

Hein verspürte ein Kribbeln in den Fingern und Beinen und merkte, er
konnte sich wieder bewegen. Ebenso funktionerte wieder sein Gehirn
und er konnte sich an alles erinnern.
Die Lieder hatte er nur leicht geschlossen, bemerkte dennoch, wie man ihm kaum noch Aufmerksamkeit schenkte.

© Joame Plebis

zuletzt bearbeitet 20.11.2011 21:43 | nach oben

#2

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 28.02.2007 21:29
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Auf die Schnelle, Joame, ich bleibe ungern etwas schuldig. Das zweite Kapitel ist dichter und besser als das erste. Das Zweite hat richtig Fahrt, Witz, keine Mützlis und Wichtigs, die ich nicht ausstehen kann, ist schnell und gibt mir vieles was ich im ersten vermisste. Alles aber auch noch nicht. Kritisch anzumerken ist natürlich, ob außerhalb des Tümpels die Spielereien mit Balticum oder Brot auch funktionieren. Ich glaube eher nicht. Hier klappt das natürlich ganz wunderbar.

PS: Es ist zwar jetzt ein anderer Faden, aber die Fragen, die ich zum ersten Kapitel stellte, sind - IMHO - immer noch nicht beantwortet. Da bleibt für mich ein fader Nachgeschmack. Das erste Kapitel, Joame, könnte die Geradlinigkeit des Zweiten vertragen. Unbedingt. Ich hoffe, die Hausarbeit versagt Dir nicht eine solide Antwort.
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#3

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.03.2007 09:59
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi Joame,
das ist jetzt also die Parallele zu dem ersten Teil? Die Sicht des Protagonisten auf das, was zuvor der Erzähler aus der eher weiteren Perspektive geschildert hat? Vielleicht sollte man die Teile irgendwie verquicken, nicht aneinandersetzen. Aber einen Plan dazu hab ich auch nicht parat.
Soweit erst mal,
mit Gruß
KB

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#4

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.03.2007 10:11
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte
Danke, liebe Kratzbürste. So ähnlich habe ich auch gedacht.
Im Moment kann ich gar nicht sagen, wie und was es wird
- und ob überhaupt. Viel Stumpfsinn habe ich wahrscheinlich auch geschrieben.
Ich weiß auch gar nicht, ob längere Stücke erwünscht oder nur geduldet werden.

Dann muß ich Dir auch noch ein Geheimnis verraten:
ich kann gar nicht schreiben, auch keine Gedichte. Ich bin nämlich gar kein richtiger Poet.
Aber bitte, verrate es nicht unbedingt weiter. Hier wird es
glücklicherweise sowieso kaum jemand lesen.

Mit liebem Gruß
Joame
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#5

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.03.2007 11:32
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi Joame,
ich denk' mal, Du solltest ruhig dran weiterarbeiten. Denn Du kannst ja ganz spannend erzählen. Es täte der Story gut, einen fortlaufenden Faden zu haben und/oder einen offensichtlich(er)en Perspektivwechsel in Innen- und Außenschau. Ich find's aber gut, dass Du (Kurz)Geschichten schreibst! Ein paar Rechtschreib- oder Flüchtigkeitsschnitzer sind auch hierin, die sind aber schenll ausmerzbar. Manches Mal neigst Du zu allzuvielen Ausdrücklichkeiten bzw. wiederholst Aussagen, indem Du sie nur anders ausformulierst. Aber das passiert wohl Jedem. Wir sind ja alle dafür da zu helfen, wir sind ja alle noch nicht 'fertig' - ein Glück!, denn was bliebe uns dann noch?
(ach, und Dank für den Respekt - nu muss das Brot wieder warten... *grmpf*)
Gruß
KB

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#6

Hitzige Nacht - Kapitel 2

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.03.2007 11:59
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte
Danke für die Meldung, Kratzbürste.
Hinter den Wiederholungen läßt sich der Wunsch vermuten, ja recht verstanden zu werden. Ausuferungen ins Detail geschehen gelegentlich bewußt, doch erkannte ich schon die Neigung von mir dazu.

Sehr interessieren würden mich die Rechtschreibfehler.
Obwohl ich kaum exakt kontrolliere, überfliege ich meistens Geschriebenes.

(Die Antwort für Brotnic2um habe ich ihm bereits im Faden zu Kapitel 1 gegeben.)
Ich würde nicht mit Absicht gerne jemandem Vorrang geben oder einen Spaß wissentlich übertreiben.
Er war schließlich Erstkommentator und hat so wie Du seine Zeit geopfert. Dafür gehört Euch beiden Dank. Ich kann aus jeder Meldung einiges gewinnen.

Mit Gruß
Joame
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