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#1

Mit Kandisin, bitte!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2009 22:47
von Joame Plebis | 3.555 Beiträge | 3510 Punkte

„Mit Kandisin, bitte“ hatte ich noch hinzugefügt. Als die Bedienung in meine Richtung auf mich hinzukam, sah ich auf. Aber sie ging zum Nebentisch, um zu kassieren. Dabei streifte sich mich leicht am Arm. Etwas lauter als vorher, jetzt mit etwas kräftigerer Stimme, wiederholte ich meine Bitte.
Ein Griff von ihr in die Schürzentasche, aus der sie zuerst die große schwarze Geldtasche nahm, noch einmal hinein gegriffen – und mit einem „Bitte!“ bot sie mir das kleine Papiersäckchen, in dem sich zwei Stück Kandisin befanden.

Irgendwo zwischen den Tischen quietschte ein Hund laut auf. „Blödes Hundsvieh!“ Zugleich gestand ich mir ein, wenn ihm jemand möglicherweise auf die Pfoten getreten war, war sein Aufjaulen wohl verständlich und auch berechtigt.

Als ich zwischen Fuß- und Stuhlbeinen suchte, erschallte abermals ein schrilles Quietschen. Jetzt sah ich einen jener langhaarigen weißen kleinen Vierbeiner, die oft in Begleitung von Damen mit passendem Handttäschchen zum Kostüm auffallen. Nach meiner schnellen Einschätzung war weit und breit keine Dame zu sehen. Statt dessen tänzelte in diesem Augenblick vor mit eine Wespe zwischen meiner Kaffeetasse und dem Wasserglas, hin und her, sauste einen Meter zur Seite, kam wie im Sturzflug zurück, indem sie es auf mein Gesicht abgesehen zu haben schien. Ich blieb ruhig. Wildes Fuchteln mit der vor mir stehenden Eiskarte hätte sie auch nicht vertrieben, soviel sagte mir meine Erfahrung. Jetzt saß sie auf dem Rand der Kaffeetasse. In diesem Moment hörte ich wieder ein schrilles Gewinsel.

An so einem sonnigen Spätsommertag war nicht verwunderlich, dass in diesem stets gut besuchten Straßen-Café ein Kommen und Gehen herrschte. Der Besitzer musste sich nicht sorgen, ob jemand zu lange einen der geflochtenen Metallstühle an den weißen Tischen beanspruchte. Kaum verließen einige Gäste ihren Tisch, war er von neu hinzukommenden Gästen beschlagnahmt.

Mit Sicherheit war ich einer von jenen wenigen, die etwas länger blieben; einer der die Beine unter dem Tisch gestreckt und sich gemütlich zurück gelehnt hatte, um so etwas ähnliches wie Gemütlichkeit oder Entspannung zu bewirken. Demgegenüber saßen etliche vorüber gebeugt und löffelten ihren Eismix, als gälte es, einen Rekord zu brechen. Dabei waren sie in ihrer Konzentration abgelenkt, indem sich ihr Blick an den Törtchen förmlich festsaugte, die ihnen soeben serviert wurden. Jene, die kaum genießen konnten, waren auch vertreten; sie blickten unentwegt um sich oder auf die Nachbartische, oder sie versuchten mit süßklebrigem vollen Mund ihre Konversation weiterzuführen. Das Thema behandelte Begebenheiten und Vergleiche mit anderen süßen Köstlichkeiten und cremigen Torten, die in ihrer Erinnerung waren und die jetzt ausgiebig besprochen wurden.
Durch einem leichten Knall, einsetzendem Geplärr und den keifenden Worten „Was führst du jetzt wieder auf!“, gelang es mir rechtzeitig, den Jungen zu sehen, der seines Opas Brille mit Vanilleeis putzte. Opa verhielt sich sehr ruhig, hatte vielleicht noch gar nicht registriert, was geschah, dafür hatte aber seine Tochter ihre gute Reaktion bewiesen und Opas Enkel eine 'Verkehrte' gelangt.

Mich fesselte wieder die Flugbahn der Wespe, doch die verlor ich aus dem Auge, in das sie glücklicherweise nicht hinein geflogen war, weil dieser weiße hysterische Hund urplötzlich wie im Stimmbruch kläffte. Der Tisch neben mir war frei geworden und ein junges Paar saß schon mit überschlagenen Beinen, die Karte studierend. Sie sahen nur kurz auf und sich anschließend grinsend an, als ich mich erhob und zwischen den Zähnen hervorstieß: „ Ich glaube, jetzt verblöden auch die Tiere – sie werden immer menschlicher!“


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#2

RE: Mit Kandisin, bitte!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 07.09.2009 20:47
von gheggrun | 377 Beiträge | 377 Punkte

Hallöchen, Joame Plebis!
Der Ich-held schildert eine Szene, die er genießt und doch nicht so ganz akzeptieren mag.
An einigen Stellen blieb ich beim Lesen stecken.Z.B.:
Ab.1Z1: "streifte sich mich"- streifte sie mich ; Ab.2: "quietschte auf" ist legitim, aber haklich;
Ab.2Z1: "Blödes Hundevieh!"- sagte, brüllte,dachte- wer?-vielleicht die Kellnerin?
Ab.3Z1: "Als ich....zwischen Beinen suchte,..."- was?-erst später(mir viel später)wird erkenntlich,
daß der Held nicht wirklich unter den Tischen suchte, sondern nur geschaut hat. "Jetzt sah ich
einen Vierbeiner"--- Also, ich befand mich beim Lesen des ganzen Abschnitts ständig unter dem
Tisch und das nur, weil "suchen" Aktion über das Schauen hinaus beinhaltet-m.E.
Ab3.Z4: hier ließe ich das Komma hinter "Wasserglas" weg, stezte hiner "her" einen Punkt und
führe fort mit "Sie sauste...".
Ab.4Z3+4 anstelle von "hinzukommenden Gästen" läse ich lieber "Neuankömmlinge" o.ä., wegen
Wortwiederholung im Satz.
Ab.5Z2: "etwas ähnliches" und Z3: "saßen etliche"- Ich schriebe beide -"Ähnliches, Etliche"- (?).
Ab.5Z4: "ihr (pl.) Blick" ersetzen durch "ihre Blicke" und "saugte" durch "saugten", weil Mehrere
schlecht nur einen Blick haben können, aber sehr wohl eine gemeinsame Ansicht.
Ab.5Z9: "Durch" verlangt m.E. den Akusativ.( "Durch einen Knall, einsetzendes Geplärr und die
gekeiften Worte: "..... ", gelang....)
Ab.6 vermittelt den Eindruck der Einäugigkeit des Helden, was ja Absicht sein kann, weil der Held,
im Gegensatz zum Schriftsteller, den eingangs angeführten Widerspruch nicht erkennt.
Da ich außer Menschen- auch Tierfreund bin und Hunde habe, glaube ich nicht, daß Hundegebell
nachhaltig "fesselnde" Wespenflugbahnen beeinflussen kann.
Wenn auch dein Held am Ende den Ort "angesäuert" verläßt, so bitte ich dich doch, mein Geschreibsel
großmütig aufzunehmen und alle meine eigenen Fehler darin, sowie mein mangelndes Verständnis zu
entschuldigen.
Das hier war mein erster Versuch einer Prosakritik.
Sei gegrüßt!


Hastanirwana
GHEG
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#3

RE: Mit Kandisin, bitte!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 11.09.2009 15:22
von Joame Plebis | 3.555 Beiträge | 3510 Punkte

Wie aufmerksam von Dir, gheggrun, das gewissenhafte Durchlesen. Die zwei Flüchtigkeitsfehler hätte ich leicht mermeiden können:
soll natürlich heißen 'streifte sie mich' und 'Durch einen leichten Knall'. Das habe ich übersehen und Dir Mehrarbeit gemacht.
Deine Kritik weiß ich zu schätzen, besonders weil ich ziemlich unroutiniert bei Prosa bin.
Ich nehme mir vor, in Hinkunft sorgfältiger zu kontrollieren und klarer zu schreiben; in vorliegendem Fall hätte ich dann auch zum besseren Wort 'Neuankömmlinge gegriffen. Die Differenzierung zwischen suchen und blicken, was nicht das gleiche ist, hätte mir nicht passieren müssen.
Nur daß es sich hakt, das Quietschen, verstehe ich nicht ganz. Ich suchte zwar einen besseren Ausdruck, fand aber keinen.
Vielleicht fällt Dir ein besseres Wort ein, für dieses hohe schmerzhaft schrille Quietschen, das sich auch ergibt, wenn Stahlblech auf Stahlblech kratzt - dabei sollen sich die feinsten Haare aufstellen.

Danke für Deinen produktiven Beitrag!
Gruß von Joame


zuletzt bearbeitet 11.09.2009 15:23 | nach oben

#4

RE: Mit Kandisin, bitte!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.09.2009 02:12
von gheggrun | 377 Beiträge | 377 Punkte

Hallo, Joame!
Das "quietschen" ist schon ok, nur "aufquietschen" klingt mir seltsam,
während "aufheulen, aufschreien, aufkreischen u.ä. ganz gebräuchlich
sind.
Paßt vielleicht "durchdringes" oder "gellendes, quietschiges Aufjaulen"?
Also, in deiner Antwort schreibst du "dieses hohe, schmerzhaft schrille
Quietschen". Das bezeichnet den Vorgang m.E.richtig gut -ohne "auf".
Aber wichtig ist meine Auffassung dazu nicht -war nur ein Gefühl.



Hastanirwana
GHEG
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