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#1

Herbstwärts

in Natur 12.09.2009 01:58
von Joame Plebis | 2.554 Beiträge

Von Hügeln ziehen Berge weißer Daunen,
die Schatten auf die Sonnenfarben legen.
Aus Wäldern kommt ein Seufzen und ein Raunen
und mit ihm Duft von Frische und von Regen,
den Winde südwärts über Felder tragen.

Ein Lichter-zucken, erstes Tropfen-fallen,
begleitet von gigantisch schwarzem Drohen;
mit machtvoll donnerndem Gewalten-ballen,
entspringt bizarres, gleißend helles Lohen,
verkündet Abschied von den Sommertagen.



vorher:
Ein Lichterzucken, erstes Tropfenfallen,
begleitet das gigantisch schwarze Drohen.
Dem machtvoll donnernden Gewalteballen
entspringt bizarres, gleissend helles Lohen,
kündet den Abschied von den Sommertagen.

zuletzt bearbeitet 09.10.2009 12:30 | nach oben springen

#2

RE: Herbstwärts

in Natur 13.09.2009 23:56
von Schnurzelpurzel | 19 Beiträge

Hallo Joame,

auch wenn Deine Verse den Sommer zu Grabe tragen und dieses Thema sicher zu den ausgetreteneren gehört, kann ich nicht anders, als mir seufzend einzugestehen, dass sie mich erfolgreich "herbstwärts" ziehen. Wie Du die Stimmung vor dem Spätsommergewitter in Worte fasst, überzeugt mich sehr.

In der zweiten Strophe sind mir allerdings Kleinigkeiten aufgefallen:

In Antwort auf:
Ein Lichterzucken, erstes Tropfenfallen,
begleitet das gigantisch schwarze Drohen.
Dem machtvoll donnernden Gewalteballen
entspringt bizarres, gleissend helles Lohen,
kündet den Abschied von den Sommertagen.


V1: Am Ende kein Komma,
V2: Weil das Zucken und das Fallen zwei Subjekte darstellen, müsste es m.E. "begleiten" heßen, oder? Weil das Drohen hier erstmals genannt wird, fände ich "ein gigantisch schwarzes Drohen" besser. Was meinst Du?
V3: Was hieltest Du von "Gewaltenballen" - tolles Wort!
V4: Zu Beginn findet sich die einzige Abweichung vom sonst konsequent durchgezogenen Iambus, ohne dass mir ein Grund einsichtig wäre. Vll. "und kündet Abschied von den..."(dann natürlich ohne Komma nach "Lohen")?

Wirklich nur Peanuts! Gern gelesen. Liebe Grüße

Purzel

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#3

RE: Herbstwärts

in Natur 14.09.2009 16:58
von Joame Plebis | 2.554 Beiträge

Danke Purzel! Eigentlich hast Du mit sämtlichen Punkten recht! Gleich vorweg, die Kommas gingen mir an diesem Tag so leicht von der Hand, das mußte ich ausnützen. Etwas ernster meine ich, mir zogen Deine Bedenken auch schon durch den Sinn, wenn auch nicht mit dieser Wortwahl. Zweimal knapp hintereinander galt es das 'ein' zu vermeiden, wo mir die Auffassung gelegen kam, wie wohlbekannt doch das schwarze Drohen sein sollte. Damit war mein Gewissen gleich beschwichtigt und ich wählte den bestimmten Artikel. Du sahst mit Berechtigung zwei Subjekte, ich war aber vertieft, eine Aufzählung zu sehen, die in Summe das Subjekt darstellen und schon war es passiert. Es ist doch äußerst günstig, von aufmerksamen Lesern darauf hingewiesen zu werden. Ob es Neogolismus ist oder nicht, je öfter ich mir das Wort Gewaltenballen oder Gewalteballen vorsagte, umso fremder und unmöglicher wurde es mir. Hier gilt ebenso die Aussage, wie praktisch ein aufmerksamer Kritiker ist.
Meinte doch schon Cicero: Jeder Mensch kann irren! Unsinnige nur verharren im Irrtum! Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare.

Sofort korrigiere ich begleitet auf begleiten und Gewalteballen auf Gewaltenballen.
Mein Dank gebührt Dir. Meiner Ansicht nach sind es keine Peanuts.

Lieben Gruß
Joame

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#4

RE: Herbstwärts

in Natur 14.09.2009 18:23
von Schnurzelpurzel | 19 Beiträge

Hallo Joame,

oh, die Doppelung des "ein" war mir im Eifer des Klugscheißens gar nicht aufgefallen. Und klar, ist das Drohen den Lesern allgemein bekannt. Hier aber handelt es sich ja um das im Moment des Gedichtes heraufziehende Drohen. Für den Sprung in die Situation gefiele mir nach wie vor ein "ein" hier besser. Dem würde ich den unbetonten Auftakt von S2Z1 opfern, was vielleicht sogar den jähen Wechsel der Stimmung unterstützte. Fiel mir so ein beim erneuten Lesen und wollte ich Dir nicht vorenthalten.

Herzlichsten Gruß

Purzel

edit: Gerade lese ich Deine Änderung. So hast Du das doppelte "ein" natürlich elegant vermieden. Was mich nun aber stört, dass das Gewaltenballen nun keiner Quelle mehr "entspringt". Du musst das natürlich selbst wissen, aber warum nicht einen Doppelpunkt nach "Drohen" und dann den kompletten Satz "Dem machtvoll ...", wie in der Ursprungsversion?

zuletzt bearbeitet 14.09.2009 21:01 | nach oben springen

#5

RE: Herbstwärts

in Natur 14.09.2009 22:00
von Joame Plebis | 2.554 Beiträge

Danke Purzel!

Auch der Doppelpunkt wäre kein Fehler. Es bieten sich viele Möglichkeiten an. Zwar glaube ich kaum, daß sich noch jemand zu Wort meldet, wobei sich eine bisher nicht beachtete Sichtweise ergeben könnte, die Möglichkeit besteht aber immerhin. So warte ich noch etwas zu.
(Ich bin darauf gefaßt, daß jemand darauf hinweist, Strophe 2, Zeile 4 wäre lediglich eine Wiederholung, mit anderen Worten, für das Lichterzucken.)

Mit Gruß
Joame

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