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Ohne Ketten
Es werden die Tage Vergangenheit sein
mit endlosen Stunden im Zimmer,
Gedanken erfüllten den klammengen Schrein,
die Brutstatt der Worte Gewimmer.
In Ketten des Schmiedes, der unbekannt,
von jeglichem Spektrum gemieden,
hat dir als Laterne Verzweiflung gebrannt,
war Flackern als Glücksfall beschieden.
Das alles wird schnell die Vergangenheit sein,
dann sind weder Ketten noch Stunden,
nicht Dunkelheit oder ein flackernder Schein,
dann hast du die Ruhe gefunden.
© Joame Plebis
RE: Ohne Ketten
in Düsteres und Trübsinniges 25.11.2009 16:59von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge
Hallo Joame,
schon seit Tagen trage ich die Absicht mit mir herum, auf diese Zeilen zu reagieren,
fand die Auseinandersetzung mit dem Text dann aber gar nicht so einfach. Hier der
letzte Stand der Dinge:
Es werden die Tage Vergangenheit sein
mit endlosen Stunden im Zimmer,
Gedanken erfüllten den klammengen Schrein,
die Brutstatt der Worte Gewimmer.
Die erste Zeile so weit so schön. Wieso Vergangenheit endlose Stunden im Zimmer
bereithält, erschließt sich mir etwas mühsam, weil sie als Bild für eine befürchtete
leere Zukunft auch gut wären. Einschränkung kommt in den Ketten schon zum
Ausdruck, setzt sich im Bild des Schreines fort, der zur Brutstätte unentfalteter
Gedanken wird, die statt Worten nur noch Wimmern generieren.
In Ketten des Schmiedes, der unbekannt,
von jeglichem Spektrum gemieden,
hat dir als Laterne Verzweiflung gebrannt,
war Flackern als Glücksfall beschieden.
Das Wort Schrein legt einen rituellen/religiöser Kontext nahe. Der unbekannte
Hephaest dieses klammen Universums ist offenbar farblos, denn er wird von
jeglichen Spektrum gemieden. Als Metapher für sich nicht zeigen wollen, keine
Verantwortung übernehmen, mag ich das wohl leiden. Es liegt aber mehr darin,
die Farben meiden ihn, er wird zur besser Ausleuchtung nicht empfohlen. Nur
konsequent, daß sich auch der Text lieber nicht länger mit ihm aufhält. So wird
eine Idee von Gefahr vermittelt, ohne eine entsprechende Vokabel zu benutzen.
Auch die Verzweiflung als Fackel /Energiequelle gefällt mir spontan.
Das alles wird schnell die Vergangenheit sein,
dann sind weder Ketten noch Stunden,
nicht Dunkelheit oder ein flackernder Schein,
dann hast du die Ruhe gefunden.
Zu dem nahen Zeitpunkt, an dem wir die Vergangenheit überblicken, ist alle
Not vorüber und wir haben unsere Ruhe? - Philosophisch gesehen hege ich
da Zweifel, aber Dichter schaffen eine eigene Welt. -
Du versprichst es jedenfalls. - Darf man ggf. darauf zurückkommen?
Der Text macht auf eigenartige Weise in Unsichtbarkeit. Auch das LD nimmt
kaum Gestalt an. Der Leser muß genauer hinsehen und die eigene Phantasie
bemühen. Verse, die eine leichtere Identifikation anbieten, finden schneller
ein breiteres Publikum. Wahrscheinlich kein Gedicht für die Masse. Und soo
schön morbide. Auf mich übte es jedenfalls Anziehungskraft aus. LG mcberry
Guten Tag, mc berry!
In Antwort auf:
Wieso Vergangenheit endlose Stunden im Zimmer bereithält, erschließt sich mir etwas mühsam, weil sie als Bild für eine befürchtete
leere Zukunft auch gut wären.
Wieso kann sich das mühsam erschließen wenn jemand seine Vergangenheit viele Stunden im Zimmer verbracht hat. Es werden Umstände gewesen sein, die ihn dazu veranlaßt bzw. gezwungen haben. Wie Du auf eine leere Zukunft kommst verstehe ich nicht.
In Antwort auf:
Einschränkung kommt in den Ketten schon zum
Ausdruck, setzt sich im Bild des Schreines fort, der zur Brutstätte unentfalteter
Gedanken wird, die statt Worten nur noch Wimmern generieren.
Für Fehlinterpretationen bin ich nicht zuständig, gebe aber gerne den Hinweis
Gedanken erfüllten den klammengen Schrein,
die Brutstatt der Worte Gewimmer.
Eine Brutstatt der Worte, dessen Ergebnis mit einem Gewimmer verglichen wird.
Schrein hat in diesem Fall mit Religion nichts zu tun, es ist die Arbeitsstätte (klammeng, bereits erwähnt, diese Stätte des Brütens um Worte);
bestenfalls der Vergleich zu einem Heiligtum könnte mit der Stätte der intensiven Arbeit hergestellt werden werden.
Ich merke, zu viele Deiner Gedanken bemühte ich, wo meines Erachtens nach recht klar geschrieben wurde.
Wenn Jetziges zur Vergangenheit geworden ist, dann zählt nicht mehr das, was war,
weder die Stunden, die schon vorüber sind, noch die Dunkelheit, dann gibt es sie nicht mehr,
genausowenig wie Ketten oder Dunkelheit. Auch alles andere, was Deine Phantasie ersinnen kann, ist dann eben nicht mehr,
ist keine Realität mehr; wir benennen es grob 'Vergangenheit'. Es ist ein praktisches und fürchterliches Wort, das viel beinhaltet - sogar alles, was je möglich war.
Danke für Deine Gedanken und die Arbeit mit dem Text!
Gruß
Joame
RE: Ohne Ketten
in Düsteres und Trübsinniges 27.11.2009 22:52von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge
Erkläre ich dir gerne, Joame,
weil das Gedächtnis keine endlosen Zeiteinheiten ohne Inhalt abspeichern kann.
Unser Zeitgefühl verliert sich schnell ohne Ereignisse. Die besten Erinnerungswerte
haben Events, die Emotionen triggern. Deshalb wäre besser: Öde/ Einsamkeit/
Ohnmacht /Was auch immer - der endlosen Stunden im Zimmer. Dichterische
Freiheit darf natürlich sein, kommt nur viel besser, wenn sie einen Sinn hinzufügt.
Warum ein Moment der Einschränkung nach dem Kettenmotiv in der Klemme des
Schreins nicht wiedererkannt werden soll, vergeht mir das Interesse zu spekulieren.
Deine Verse gefallen mir immer noch und wurden nicht eigentlich kritisiert. Lange
Kommentare zu schreiben macht keinen Sinn, denn es scheint dich zu verärgern.
Weil das nicht meine Absicht ist, lasse ich dergleichen zukünftig.
Nur Anfänger brauchen für ihre ersten Schritte immer Lob. Fachleute sagen sich
untereinander gnadenlos die Meinung. Wo wir stehen, das bestimmen wir selbst.
(Du bist doch viel weiter als ich.) LG mcberry
Nachtrag:
Den Part des doofen Bären übernehme ich gerne, wenn es mir eine Chance
eröffnet, nicht mit dir aneinanderzugeraten. Du schreibst viele lesenswerte
Texte, auch wenn du beißt. (Und ich dichte erst seit dem Frühjahr: Märzbär).
Wenn es dir Freude macht, Kommentare ins Lächerliche zu ziehen, bitteschön.
Sagst du damit nicht auch etwas über dich aus? So zu reagieren oder vielleicht
doch professioneller, eben das bestimmen wir selbst, Joame. LG mcberry
Guten Tag, mcberry!
In Antwort auf:
Erkläre ich dir gerne, Joame,
Um eine Erklärung habe zwar nicht gebeten, weiß auch nicht wofür, aber bitte, nur zu, wenn es sie gratis gibt !
In Antwort auf:
weil das Gedächtnis keine endlosen Zeiteinheiten ohne Inhalt abspeichern kann.
Unser Zeitgefühl verliert sich schnell ohne Ereignisse. Die besten Erinnerungswerte
haben Events, die Emotionen triggern. Deshalb wäre besser: Öde/ Einsamkeit/
Ohnmacht /Was auch immer - der endlosen Stunden im Zimmer. Dichterische
Freiheit darf natürlich sein, kommt nur viel besser, wenn sie einen Sinn hinzufügt.
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In Antwort auf:
Warum ein Moment der Einschränkung nach dem Kettenmotiv in der Klemme des
Schreins nicht wiedererkannt werden soll, vergeht mir das Interesse zu spekulieren.
Deine Verse gefallen mir immer noch und wurden nicht eigentlich kritisiert.
Hätte mich gar nicht gestört.
In Antwort auf:
Lange Kommentare zu schreiben macht keinen Sinn, denn es scheint dich zu verärgern.
Weil das nicht meine Absicht ist, lasse ich dergleichen zukünftig.
Ist das die einzige Begründung, warum lange Kommentare keinen Sinn machen? Keine Idee, wie Du auf Verärgerung schließt?
In Antwort auf:
Nur Anfänger brauchen für ihre ersten Schritte immer Lob.
Das hast Du fein ausgedrückt!
In Antwort auf:
Fachleute sagen sich untereinander gnadenlos die Meinung. Wo wir stehen, das bestimmen wir selbst.
Wer Zeit hat, möge sich diesen Satz richtig langsam wie Schokoladeeis zergehen lassen. Schade, daß es die Rubrik für außergewöhnliche
Kommentare nicht mehr gibt! Dieser Satz birgt so viel und gibt so viel von Deiner Ansicht und Einstellung preis; ich würde ihn nicht gegen Deinen Lebenslauf tauschen wollen.
In Antwort auf:
(Du bist doch viel weiter als ich.) LG mcberry
Und am Schluß gibst Du dem doofen Bären noch etwas Honig oder nicht? 
Danke mit Gruß
Joame
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