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bin in diesem land
nicht mehr nachdem
ich es verloren habe
bin in fremden schuhen
gegangen als schatten
mich erschlagen wollten
tröstete
die vor mir gingen
wartete
auf die heraussterbenden
bis ich mich selbst verlassen musste
ich war noch unterwegs
mit großer hast
habe ich dich
(unterm blauen flieder
bei deinen singenden amseln)
in die erde gesetzt
still trug ich
deine fährten, deine flügelsänge
waren voll weißer blüten und federn
waren voll blutroter blüten und federn
warfen immer alle blüten und federn ab
da stehe ich, wie damals, nun gehalten
und fühle unsre geschichte
die die mutter, die erde festhält
bis wir ohne früchte, ohne blüten, ohne federn
sehr nackt geerdet werden
hallo michael,...................................................................
mit mehr als einer deutungsebene beschäftigt, unterwegs in diesem text, gefielen mir alle.
ein verlorenes land zu betrauern, bleibt niemandem erspart. ob die heimat verlassen wurde,
die kindheit hinter uns liegt, oder die unersetzliche vertrautheit einer freundschaft jäh endet.
rieselnde federn und blüten, sinnbild gelebter jahre, die uns gerupft und welk zurücklassen,
haben es mir angetan. hier wird jeder leser seine eigenen bilder vor dem inneren auge haben.
texte, die so viel spielraum für interpretation lassen, sind vllt die besseren. - grüße mcberry
hi mcberry,
danke für deine zuwendung für fittiche. du hast dir ganz prägnant herausgesucht, was du beim lesen dieser worte empfunden hast! was will ich als schreiberling mehr, denn eine resonanz ist schon anstoß genug für neue zeilen ...
[allerdings ist dein ansatz, dass zeilen, die viel interpretationsspielraum zulassen sicherlich diskutabel ;), doch für mich selbst gehen von beiden stil-richtungen faszinationen aus. das konkrete, nur eine aussage zulassende schließt zum beispiel zwar viele räume, ebenen aus, kann jedoch,gut geschrieben ungemein, auch tief und ungeahnt sensibilisieren ...]
hallo liebe pistacia vera,
schade,dass ich deine texte hier nicht mehr finde u. ich muss mich entschuldigen, dass ich dir überhaupt keine antwort auf deine mich ansprechenden, meiner intention sehr hahe stehenden zeilen auf fittiche gab. aber sorry, ich war in der letzten zeit so eingespannt in andere dinge ;), auch um migrationen - innere wie äußere - anzuschieben, dass ich diesen faden hier aus den augen verlor. ich bedanke mich hiermit spät, für deine interpretation meiner fittiche-zeilen. sie wird mir ebenso ansporn wie mcberry's zeilen sein, um noch andere texte zu produzieren und auch hier einzustellen.
vlg an euch beide, mm
Lieber Michael!
Warum, so frage ich mich beim Lesen Deines Gedichtes, warum klagen wir über einen Verlust?
Und mehr noch, fordern die Klageweiber an, damit sie uns den Chor mitsingen.
Ein Verlust braucht nicht die Farben des Regenbogens als Beweis für d a s, was wir mit ihm, einsam letztenendes
selbst zu tragen haben. Was geht, geht uns voraus. Gehen wir, gehen wir alleine. Der Verlust, vielleicht ist er eine Übung uns dem Unvermeidlichen anzunähern: sich selbst im Ungewissen - schließlich- zu verlieren, eigener Tod. Endstation, kein Zwischenaufenthalt. Mit dem Eintritt in das Leben sind wir Migranten geworden. Dieses "Lebenland",
zu erlernende Heimat auf Zeit, es "hügelt und tälert" unsere Schritte. Und wir zögern und hasten, weichen ab den Wegen. Die Versuche uns selbst zu begreifen sind Fehlgriffe, gleiten ab, denn griffig wird uns nicht, was uns im Ungewissen hält.
Liebe Grüße,
otto
Lieber Otto,
Danke für Dein Philosophieren, hier fragmentarisch meine Antwort:l
Es gibt Zeit zu klagen, es sollte Zeit geben zu trauern (Mitscherlich "Die Unfähigkeit zu trauern"). Es sollte aber die meiste Zeit verwandt werden, um unser "Lebenland" zu bestellen, zu gestalten, so gut wir es halt mit unsren persönlichen Möglichkeiten, Grenzen, Verletzbarkeiten, Vernetzungen, Krisenmanagement vermögen. Dabei brauchen wir Kraft, Lebenszugewandheit, Glauben, Vertrauen, Mitmenschen u. viele andre Dinge, die uns ermöglichen auf Mutter`s Erde Boden, ganz egal, wo dieser verortet ist, auszuhalten, zu träumen, Leben zu wagen, auch gegen Widerstände .....
"Warum klagen wir über einen Verlust?"
Ich persönlich finde es gut, über einen Verlust zu klagen, denn das zeigt doch auch, dass ein Mensch tiefere Gefühle zeigt, zum Beispiel eine Beziehung aufgebaut hat, die ihn etwas bedeutet, die er nun aus welchen Gründen auch immer verloren hat. Aber vielleicht hatte ein Mensch endlich einen Ort gefunden, wo er vielleicht so sein konnte, wie er wirklich war und dies nun verloren u.s.w. u.s.f. . Verlust ist doch nicht beliebig und menschlich wie auch seelisch nachempfindbar klagbar. Tragisch wird es nur, wenn er zu lange in Trauer verharrt und er zu nichts andres mehr fähig ist, als zu trauern ...
Ich widerspreche (im Bewußtsein, dass vieles nicht nur polarisiert betrachtet werden kann)! Ein Mensch braucht sehr wohl die Farben des Regenbogens ;), aber doch nicht als Beweis für unsre Selbstexistenz, doch als Bereicherung und als Lebensreiz für unsre Sinnensfähigkeit. Mittelst ihrer Sensibilisierung können wir uns die Dinge außerhalb unsres Soseins erschließen und Teil von Regenbogen-Welt werden, die eben nicht nur grau, traurig, klagend ist.
Was geht, kann uns voraus gehen. Ja :), aber es kann genauso gut auch zurück gehen, zum Beispiel in altes Terrain, was uns wieder berührt, vielleicht alte Wunden aufreißt, auch retraumatisiert, weil längst Abgearbeitets sich unter neuen Bedingungen uns herausfordert, uns nicht loslässt, weil wir uns möglicherweise wieder darauf einlassen, weil wir Mensch sind u.s.w. u.s.f. ...
Gehen wir, können wir allein gehen (oft scheint es so, zumindest vom Gefühl her : Lion Feuchtwanger: Wenn es hart auf hart kommt, ist man immer allein"). Gehen wir allein gut oder schlecht?
Dein Philosophiertes ist interessant und dein Bild vom "Migrantensein mit dem Eintritt des Lebens" wirft natürlich auch die Frage auf, wie viel Migrantentum darf es sein, damit ein Mensch trotzdem Heimat findet? (Es sei denn, er ist selbstgewählter Wanderer mit ewigen Migrantenschuhen, der kosmopolitisch überall beheimatet ist. Aber ich denke, dass die meisten Menschen, auch Wanderer, Raststätten haben wollen, die vertraut sind und Geborgenheit und Schutz bieten können ....)
"Die Versuche uns selbst zu begreifen, sind Fehlgriffe, denn griffig wird uns nicht, was uns im Ungewissen hält." ????
Ach, da widerspreche ich Damit würdest du ja den Sinn und das Hilfspotential von Psychoanalyse, Sozialtherapie etc. doch sehr infrage stellen.
Liebe Grüße
mm
P.s.:
Wie auch immer, ich bedanke mich für deine Einlassungen und deine Statements, die natürlich aus dem Klagetonus meines Textes entstanden sind und vielleicht nicht anders von dir als eben so, resoniert werden konnten. Sie haben auf jeden Fall das Spektrum des zu Betrachtenden erweitert und mit andrem Blickwinkel bereichert.
Lieber Michael!
Es ist bereichernd einem Menschen begegnet zu sein, der sich am anderen fühlt. Warum verdammt noch mal, brauchen wir solch ein Forum, anstatt eines Gespräches von Auge zu Auge, es ist so schwer den anderen zu umarmen.
Danke für Deine Worte. Ich habe zugehört ohne zweimal zu lesen.
Liebe Grüße, otto.
PS.: hier und sonstwo kann ich nicht das Unsägliche schreiben. Solche Begegnungen wie mit Dir, sie lassen Hoffnung zu. Danke. Otto.
Feuchtwanger, ja doch. Dennoch: auch die Griffe ins Ungewisse sind mutig, Proben für das was geht, was nicht. Expeditionen, vielleicht ohne Berichte. Ahnungen, von dem was uns geschah. Den anderen bleiben Fragen es neu zu versuchen. Nach uns.
Lieber Michael,
in sehr poetischen Zeilen beschriebener Lebenskreislauf.
Nackt kam ich und nackt gehe ich, dazwischen pflanze ich schnell etwas ein, begleite ein Stück diejenigen vor und nach mir.
Es stellt sich zum wiederholten Male die Frage nach dem Sinn des Lernens und Menschseins, die ohne Zuversicht unbeantwortet und hoffnungslos bleibt.
Liebe Grüße,
Bärbel
hallo lieber otto,
es lebe die hoffnung. das unsäglich sucht und findet andre kanäle. vielleicht begegnen wir uns dort?
& ja. die (deine) griffe ins ungewisse sind die mutigsten. andre werden - können - sollen es nach uns versuchen, wir und sie könn(t)en es noch heut versuchen. danke für dein hinweisen und fortsagen ...
@ liebe bärbel (werte rubberduck),
danke für dein lesen, deine einschätzung, einlassung auf das poetische in diesem text. inhaltlich sehr aufmerksam heraus- und hinein gelesen & es gefällt mir sehr dein "Nackt kam ich und nackt gehe ich, dazwischen pflanze ich schnell etwas ein, begleite ein Stück diejenigen vor und nach mir, bringt es doch den grundtonus des textes fast punktgenau ins intendierte lyrich. so gespiegelt schaut uns homo postmoderne im kontext seiner postindustrialität direkt in die augen und in die seele.
euch beiden nochmals dank für die komm's
lg, mm
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