Die zwei roten vereinsamten Backsteinhäuser am Ende des Dorfes waren angestrebtes Ziel der fröhlich singenden Radfahrerinnen.
Nur die Auffahrt trennte die Häuser voneinander - zwei neugierige alte Weiber, die mit Schieflage auf die verschlafene Landstraße blickten. Zwischen ihren Mauern ließ ein Echo seine Stimme erschallen, das gleiche Wort immer wieder - hin und her, hin und her.
Das linke Haus stand leer. Im Rechten wohnten zwei alte kauzige Frauen – Mutter und Tochter. Seit sie dort nach Kriegsende eingezogen waren, hatte sich nicht viel verändert.
Die drei Mädchen besuchten die alten Damen gerne, bei denen es nachmittags gewöhnlich mit Butter bestrichene Kekse gab und für jede von ihnen eine Tasse mit etwas Bohnenkaffee, viel Milch und viel Zucker.
Die Dachgeschosswohnung war schon länger unbewohnt, verlassen. Einige spärliche, nicht mehr gewollte Möbel zeugten von vergangenem Leben und verlockten die Phantasie zu immer neuen Geschichten. Zwei Eisenbetten mit harten Matratzen sowie ein schwerer Eichenschrank und eine verstaubte Kommode deren leere Schubladen schwer gängig waren. Vor den Fenstern hingen unmoderne Vorhänge, die das traurige Innenleben notdürftig verbargen. Die Luft war moderig und abgestanden, es kam niemand zum Lüften hoch.
Wenn wir drei auf dem antiken dunkelgrünen Federkernsofa, unten in der warmen Stube, saßen, bekamen wir dicke Kissen unter unsere Hintern, um an den hohen Tisch zu reichen. Der war mit einer weißen, gestärkten, mit Blümchen bestickten Tischdecke bedeckt und bot reichlich Platz für Backwaren und Geschirr. Immer fehlte irgend etwas darauf und dann sagte Uroma:“ Wir brauchen noch die Butter, Liebes.“ „Ja, Mutti“, sagte Oma kurz, ging in den Vorratsraum Butter holen, wickelte sie aus, legte sie auf einen Teller und drückte unter unseren faszinierten Blicken mit den Zinken einer Gabel ein Muster in die weiche Oberfläche.
Im Fernsehen lief immer „die kleinen Strolche“.