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zwei heidensprünge weit, sagtest du, rollt eine alte
krippenwagen, und streicht mohnspät über die puppen-
stube, mein transeamus, wurde tonlos gestrichen, ich
hörte auf nächtlicher weide die bässe aus der stadt-
mauer auf weiten marktplätzen; auf dem nieder-
ring stand sie und sang wie sie brüchig und halb
verstört sang, da zitterte eine zweite brüchige neben ihr
schreckte der dreieinige tod mit roten wangen balln
brannten andere flöten, klarinetten und hörner tief im
dunkeln. die noten :|| trieben kalt durch flackerndes und
die kartoffelfeuer standen näher, um kornpuppen.
um geheute mutter und vater regnet es
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 06.04.2011 11:02von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge
Hallo Michael Munk,
ein Text wie eine zerbrochene Puppe: Ihr Sinn scheint mit den Wörtern zu zerfallen.
Wie wenn der Wind eine Melodie von weither heranweht und manchmal unterbricht.
Verbrennende Strohpuppen? Kartoffeln, Korn und Mohn weisen in den Spätsommer.
Zurückbleibende Kindheitserinnerungen verlieren sich hinter einem todgeweihten Alter.
Feedback zur Rezeption:
Beim ersten Überfliegen mochte ich die Zeilen nicht, sie buhlen nicht um die Gunst des Lesers.
Als Ausdruck eines musikalischen Erlebnisses aufgefaßt, lassen die aktivierten Gedächtnisspuren
vor langer Zeit einmal vertrauter Töne und Bilder die Entfremdung schmerzlich spürbar werden.
Eigenwilliger Text, erschließt sich erst, wenn man sich ein bißchen Mühe gibt. Ein verwunschenes
Land will bewußt betreten werden. Und inzwischen gefällt es mir dort immer besser. - mcberry
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 06.04.2011 20:38von der.hannes •
| 737 Beiträge
Ich muß euch berichten
von wunderlich Leuten
war so nach dem wandern
und kommen mit niemand
schon fort und noch immer
das Land rauf und runter
und müde und sagte
vom Wirt mir den Schoppen,
vom Schoppen zum Silber
tat Augen mir brennen
trank eins noch und zwei noch
und döste so langsam
wie da in der Ecke
die drei mit den Nasen
erzählten Geschichten
und Holz an der Decke
begann Talglicht zu schmelzen
tropft samt meinen Träumen
samt Worten geschnitzten
aus Hölzchen und Hutzeln,
die Scheite verbrannten
das Kreuzle vom Jesus
erzählten die Hexen
dem Blinden im Weiher
im Korb diese Kräuter
betrat spät die Witin
mit rostroten Haaren
fuhr teuflisch Gelächter
fuhr Hand mir ins Träumle
und rückte das Mädchen
ein fesches was wollt es
euch sagen verflixt doch
geht rund um die Runde
ein Duft kam vom Braten
und knuffte mich geh doch
doch endlich jetzt schlafen
zu schlafen kannst bleiben
doch nimmer so bleiben
schließ zu deine Bleibe
und früh mußt du gehen
erst sollst du bezahlen,
die Diebe und Strolche
wir kenn sie seit langem
der Hund wird bewachen
Gebete die murren
der dort sitzt wer ist er
ein Fremder im Dorfe,
wohl möglich der Teufel
verdammt sei die Stunde
die Katze die schwarze
die Kerze verbrennen
steh auf und verschwinde
und schnall dir das Ränzle
hier sind fromme Leute,
hier schläft man mit Gleichen
setzt ihn vor die Türe
das Dorf braucht sein Ruhe
schlagt tot und grabt unter
wir tanzen wir Bauern,
schlagt tot diesen Bruder,
ist keiner von unsern
so wars gestern abend.
Gut Nacht.
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 30.04.2011 02:06von Michael Munk •
| 271 Beiträge
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2011 09:58von Michael Munk •
| 271 Beiträge
hi mc berry,
danke für dein lesen. ja, der klang der fremde kann u. ist eigenwillig, so wie wahrscheinlich meine textsprache, die nicht immer gut u. oft erst spät ankommt. ;)
hi de.hannes,
dein chapeau ermutigt mich. das balln soll die das rote wangen ballen des todes, aber auch den schrecken u. das erschrecken selbst des todes über soviel mut von brüchigen verdeutlichen.
hi phlox,
ich bedanke mich für deine komm. ja es wachsen selbst bei meinem heutigen nachlesen schon wieder andre bilder. der klang der fremde bleibt wohl für uns alle lebenslang, mal mehr, mal weniger, existentiell.
lg, mm
Lieber Michael,
Fremd bleiben aile uns, die Dinge, die um uns sind und uns doch nie nahe kommen.
Brüchig und schwankend ist das Heute, was heute noch so sicher scheint.
Fremd bleiben die Wörter, wie dahingeworfene Bruchstücke, Fragmente eines Daseins.
Lyrisch durch die starken Metaphern, eindrückliches Werk, das viel Raum für eigene Interpretationen lässt.
Mich beeindruckt der Stil, grade auch weil es nicht meiner wäre, auch wenn ich einige Genre bedienen kann.
LG von Marlene
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 07.05.2011 12:43von Michael Munk •
| 271 Beiträge
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2011 00:26von perry • Mitglied | 908 Beiträge
Hallo Michael,
ja das ist ein Text wie ich ihn mag, prosaisch karge Bilder, mit Ecken hinter denen sich Gefühltes verbirgt und seine Schatten in eine Welt wirft, die unbeirrt ihren Weg geht.
Schade, das vermutlich mundartliche Wendungen
- rollt eine alter / krippenwagen
und jahreszeitliche Unschärfen
- kartoffelfeuer (oktober) standen näher, um kornpuppen (August)
dem Nachspüren des Transeamus (schlesisches Weihnachtsliedes ?) erschwert.
LG
Perry
RE: klang der fremde
in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2011 08:21von Michael Munk •
| 271 Beiträge
hallo perry,
danke für dein mögen, lesen u. auf inhaltliche verwirrungen aufmerksam machen. :)
mhmm, in der ersten zeile ist wirklich eine alte gemeint u. gerade die jahreszeitlichen unschärfen machen ja aus meiner sicht den klang der fremde aus. stehen gelassene kornpuppen [hierzulande im brandenburgischen überwintern sie auch ;)] u. um sich scharende kartoffelfeuer sentimentieren einen transeamus auch wegen der oktoberlichen kälte, die schon ein brüchiges und doch allen unbilden trotzendes weihnachten erahnen lässt. darob regnet es das geheute, das gegenwärtige, auch scheinbar mutter- und vaterlandverlorene. diese, sagen ich mal verlainsche, melodie formiert schon einen neuen - assimilierten u. adaptierten - transeamus, der alle jahreszeiten zu bald gegebener, weihnachtlicher zeit mit andrem text anklingen u. ausklingen lassen wird.
lg, munkel
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