Dream Team
Sonntag Nachmittag, draußen biegen sich die Bäume.
Es ist tabu, den Begriff zu erwähnen oder eng mit ihm Verbundene – man darf ihn nur umschreiben. Die Teams werden aufgeteilt, pärchenweise. Mir wird die jüngste Spielerin als Partner zugeteilt, da man mich für wortgewandt und schlagfertig hält....
Sie kann nicht lesen oder schreiben, noch nicht einmal ihren eigenen Namen. Haben wir überhaupt eine Chance? Sie schaut mich an. Wasserblau blicken ihre Augen durch den fransigen Pony hindurch. Sie durfte noch nie mitspielen. Nur ein Bogen wäre noch gespannter als dieses Kind.
Wir sind dran. Wir werden es den anderen nicht leicht machen zu gewinnen. Ich verliere nicht gerne, nicht einmal gegen meine eigenen Kinder. Dieses Mal will ich für sie gewinnen. Ich will sie strahlen lassen, wie ihre flachsblonden Haare, wie ihr Lächeln, das sie mir entgegen wirft.
Ich ziehe eine Karte, die Sanduhr wird gedreht.
„ Du sitzt auf einen hohen Baum und kommst alleine nicht herunter. Was rufst du?“
„Mama!“
„Mama ist nicht da. Was rufst du?“
„Papa!“
„Papa ist nicht da. Was rufst du?“
„Leiter!“
Ich stocke, so komme ich nicht weiter. Sie ist gut, ich stelle die falschen Fragen. Dieses kleine Wesen ist mutig und praktisch veranlagt. Sie kennt noch keine ausweglosen Situationen. Ich beneide sie darum.
Der Sand rinnt. „Denk nach.....schnell!“, fordere ich mich. Die nächste Frage muss sitzen.
„Vergiss den Baum. Du sitzt in der Küche und hast schrecklichen Durst, bekommst aber den Verschluss der Flasche nicht auf. Was rufst du?“
„Hilfe!“