Es war tatsächlich passiert. Ungläubig blickte Kai auf den Wahrheitsträger, der das ganze Ausmaß dieser Ungeheuerlichkeit besiegelte. Dieser schien teilnahmslos, an seiner Glaubwürdigkeit gab es nichts zu rütteln. Kais Niederlage bedeutete seinen Triumph. Da er unbeteiligt, objektiv war, musste es Einbildung sein, dass er ihn hämisch angrinste. Kai legte ihn in den Schrank zurück, bewahrte ihn auf, nur für den Fall, dass er seine aktivierende Wirkung noch einmal benötigen würde.
Nein, damit hatte er nicht gerechnet. Obschon er wusste, dass er gefährdet war; die geringste Nachlässigkeit würde sich an ihm rächen. Er war nicht nachlässig gewesen. Umso größer war nun seine Fassungslosigkeit.
Er ließ sich auf den kalten, weiß emaillierten Rand der Badewanne sinken. Von draußen drangen die Stimmen seiner Familie herein; feine helle mischten sich mit dunklen Baritonen. Er nahm sie kaum wahr. In diesem Zimmer war es still, die Wände rückten näher.
Mit einem Ruck richtete er sich auf, blickte in den Spiegel. Nichts hatte sich verändert, er sah in das gleiche Gesicht wie an jedem Tag und wusste: Der Spiegel log.
Alles hatte sich verändert. Es gab nichts, was er noch tun konnte, außer warten.