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Du lebst im Schatten. Weitverzweigte Äste
verdunkeln Sonnenschein. Er dringt kaum durch.
Die Schnecken sind nebst Käfer deine Gäste
und dann und wann besucht dich auch ein Lurch.
Mal sonnt ein Strahl hindurch, er will dich küssen.
Du breitest deine Blätter, reckst dich hin
zum Licht, um es mit Freude zu begrüßen.
Ein kurzes Fest. Doch macht es einen Sinn:
Du wächst, florierst, du sparst dir deine Kräfte;
rollst dich in kalten Nächten sorgsam ein,
ernährst, die an dir saugen. Deine Säfte
sind Met. Berauscht von diesem Honigwein,
vergisst so manche Hummel die Geschäfte.
Die Strategie heißt Leben, heißt Gedeihn.
Zitat von Rubberduck
Du lebst im Schatten. Ausladende Äste
versperren Sonnenschein. Er dringt kaum durch.
Die Käfer und die Schnecken sind dir Gäste
und dann und wann besucht dich auch ein Lurch.
Mal kommt ein Strahl hindurch, er will dich küssen.
Du breitest deine Blätter, reckst dich hin
zum Licht, um es mit Freude zu begrüßen.
Ein kurzes Fest. Doch macht es einen Sinn:
Du wächst, florierst, du sparst dir deine Kräfte;
rollst dich in kalten Nächten sorgsam ein,
ernährst, die an dir saugen. Deine Säfte
sind Met. Berauscht von diesem Honigwein,
vergisst so manche Hummel die Geschäfte.
Die Strategie heißt Leben, heißt Gedeihn.
Hallo Entchen,
die Idee des Sonetts finde ich prima, das vorweg. Grad deswegen habe ich einige kleine Änderungsvorschläge, die es vielleicht noch verbessern könnten.
"Ausladende" muss man schon etwas in die Jamben zwingen. Wie wäre es "Weitverzweigte" statt dessen?
"versperren" würde ich vielleicht durch "verdunkeln" ersetzen. "verschatten" wäre noch schöner, aber das wär zuviel "Schatten". Für Z3 hätte ich den Vorschlag
"Die Schnecken sind nebst Käfern deine Gäste"
um das "sind dir" zu vermeiden.
"Mal kommt" ist sehr prosaisch, wie wäre es mit "Mal scheint" oder sogar "Mal sonnt"?
"Sinn machen" ist eher unschön, dem "makes sense" nachgesprochen. "Doch gibt es einen Sinn" wäre vielleicht eine Möglichkeit.
Die erste Zeile des ersten Terzetts könnte man auch als
"Du wächst, erblühst und sammelst deine Kräfte"
fassen.
So, nun hab ich hoffentlich nicht zu viel "gemäkelt". Vielleicht gefällt Dir ja der eine oder andere Vorschlag.
es grüßt
(dein.)hannes
Zitat von Rubberduck
Hallo mein.hannes,
ganz tolle Anregungen von dir, von denen ich viele verwendet habe, vielen Dank!
Entschuldige meine verspätete Antwort, ich hatte momentan kaum Zeit für die Lyrik.
lg,
entchen
hallo entchen,
freut mich, dass Du etwas davon brauchen konntest.
Zeit habe ich leider auch nicht immer so viel, wie ich gern hätte 
es grüßt
(dein.)hannes
Wer lebt im Schatten? Schön, wenn Dir Formalien änderungsbedürftig sind. Doch das allein bezeichnet nicht die Aussagen Deines Gedichtes. Was ist denn die wirklichkeitsbezogene Aussage der Photosynthese in der menschlichen Gesellschaft? Denn soweit ich die erste Zeile Deines Gedichtes verstehe, beziehst Du Dich auf ein menschliches Gegenüber, und nicht auf nur auf Hummeln, Schnecken und Käfer. Also womit schaffen die Menschen sich auszubilden, zu dem das ihnen als lebenswert gilt? In welche Werteordnung drängt es den Unwissenden, der ein soziales Wesen werden will? Und welche Mittel bedarf ein solcher?
Etwas ratlos,
liebe Grüße von otto.
Nun, es geht einfach um die Kunst der Anpassung, Otto. Pflanzen, die im Schatten leben haben sich so an ihr Umfeld angepasst, dass sie auch mit dem bisschen Sonnenlicht, dass sie erhaschen auskommen und sogar etwas abgeben können. Es gibt solche, die meinen immer im Licht stehen zu müssen, es gibt solche, die genügsamer sind.
lg,
entchen
Liebe Bärbel!
Was ist Genügsamkeit?
Nachschattengewächse bedürfen weniger der Sonne als andere Pflanzen. Jedem steht ein Platz an der Sonne zu, wenn er dessen bedarf. Das halte ich nicht für eine moralische Kategorie. Wer abgibt, der hat. Und gibt er, dann
macht er es aus freien Stücken, ohne etwas zurück zu erwarten. Auch wird er jene nicht verurteilen, die sich ins Licht begeben, denn dort zeigen sie sich in dem, das sie wachsen läßt, nicht gegen die im Schatten gerichtet. Das ist ja nicht unbescheiden, wie mir scheint, sondern offen. Und was hieße bescheiden sein? Leben beansprucht sich an dem was ist höchst unterschieden. Das macht seine Vielseitigkeit, seine Farben so unterschiedlich.
Ein sehr zurücknehmender Text, der mehr Bedürfnisse vermuten läßt, als sie der Schatten zu gewähren vermag.
Ein zum Nachdenken anregender Text, über den ich gerne weiter nachdenken möchte. Wenn Du es gestattest.
Liebe Grüße,
Dein otto.
ja, ich schließ mich dem reigen an. deine photosynthese produziert wahrlich neue bilder. ein circulus vitiosus kann so vital durchbrochen werden. die adaption scheint zu gelingen, obwohl in den zeilen auch ein rückzug stattfindet, ein begrenzen, ein eingrenzen von ort und zeit, um zu überleben. dieses existentielle reduzieren, dieser nicht symbiotische sparmodus produziert jedoch auch traurigkeit, denn wer berauscht sich hier, um welchen preis am andren leben.
sehr gern gelesen
liebe grüße, der munkel
Lieber Otto,
Ein Platz an der Sonne für jeden? Hm, dass verspricht auch eine Lotteriewerbung. Mit wenig Einsatz alles haben, sorgenfrei leben. Doch irgendwer muss dieses sorgenfreie Leben finanzieren, nicht? Ich habe noch nie Lotto gespielt, weil mir das Prinzip nicht behagt. Statt sich selbst den besten Platz zu sichern, wäre es doch mal eine schöne Abwechslung, für jemanden anders Platz zu machen. Ich befürchte, die Menschen sind dabei das zu verlernen. Nicht umsonst heißt unsere Gesellschaft „Ellenbogengesellschaft“. Sind alle die sich in die Sonne stellen, auch bedürftig? Oder sind viele nicht einfach Sonnenanbeter? Siehst du noch solche, die ihren Platz für einen Schwächeren freimachen?
Lg,
rubber
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Hallo munkel,
danke dir für deine Aufmerksamkeit. Du triffst sehr gut.
Ein Abgeben erfolgt natürlich immer freiwillig, wie Otto es schon sagte. Das Gleichgewicht von Geben und Nehmen scheint mir oft gestört. Wer gibt, braucht Kraft zum Geben – auch er saugt irgendwo. Glück hat, wer Leichtfuttrig ist. ;-))
lg,
rubber
Ja liebe Baerbel, ich kenne solche, die mir Platz machen, ohne ihnen ihren Platz streitig zu machen. Ich will Deine Aussage nicht verallgemeinern. Denn ich kenne nur wenige Menschen. Dich z.B. Du hast mir Platz gegeben. So darf ich Dich wohl als ein Beispiel gegen Deinen Pessimus gelten lassen.
Liebe Gruesse aus dem Urlaub. Ich hoffe es geht Dir und Zukommendes gut.
Dein Freund, ich habe Platz.
Liebe Gruesse otto.
Ihr Lieben,
da der Abstimmungsfaden bereits geschlossen wurde, möchte ich euch also hier recht herzlich dafür danken, dass ihr für dieses Gedicht gestimmt habt. Mit Eurer Hilfe ist es ja erst so geworden. Und darum möchte ich für die wertvollen Kritiken danken, die ich von euch erhalte und die mir helfen, an meinem Stil zu arbeiten.
Euer
Entchen
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