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#1

schleicht euch

in Diverse 30.06.2011 09:22
von Rubberduck | 558 Beiträge

Wer fraß dir Löcher ins Gewebe,
zerstörte deine Blütenpracht?
Es hängt dir an, ist lauter Klebe.
Was hat man nur aus dir gemacht?

Du stolze Schönheit, Augenweide;
es blieb nicht viel von dieser Nacht.
Die Haut so samtig, feine Seide;
der Mond schien blind, hat nicht gewacht.

Du dientest vielen wohl als Speise,
sie waren schleimig, nackt und leise.
Komm heute Nacht zu mir ins Haus
und ruh dich aus.

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#2

RE: schleicht euch

in Diverse 30.06.2011 10:25
von otto | 411 Beiträge

Ja, liebe Bärbel,
gegen dies und das scheint unsereiner wehrlos.
Doch sollte dieser nicht aufgeben, nicht sich noch das was heilt.
Am Ende eine Einladung um sich auszuruhen bei der Protagonistin.
Wer wollte da nicht kommen wollen?

Doch bedarf nicht auch die Ruhespendende der Ruhe?

Schöne bewegende Verse aus Deiner sanften Feder, Entlein.

Liebe Grüße,

otto.

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#3

RE: schleicht euch

in Diverse 02.07.2011 12:03
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Hi Rubberduck,

die Verse führten mir die Bilder eines Schädlingsbefalls vor Augen. Zwar habe ich Nacktschnecken noch nicht auf Büschen herumglitschen sehen, und bezüglich schleimabsonderner Raupen bin ich unsicher, aber die Vielfalt unserer Insektenwelt bietet bestimmt ein passendes Untier.

Mit den letzten beiden Zeilen wird diese Deutungsebene zugunsten einer zweiten metaphorischen dann plötzlich gebrochen. Sowohl einer vordergründigen Erzählung wie dem übertragenen zwischenmenschlichen
Sinn auch durchgehend gerecht zu werden, hätte dem Gedicht einen Feinschliff verliehen. HG - mcberry


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#4

RE: schleicht euch

in Diverse 05.07.2011 10:08
von Rubberduck | 558 Beiträge

Ja, wehrlos ist das richtige Wort. Da dem so ist kann eine Heilung erst erfolgen, wenn Zeit zum Heilen gegeben wird.

Wer könnte einen solchen vor der Tür stehen lassen? Es braucht nicht viel, eine Hand zu reichen.

Danke,
rubber

--------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ja Mac, mit den Nacktschnecken liegst du richtig, auch mit der zwischenmenschlichen Ebene.

Danke,
rubber

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#5

RE: schleicht euch

in Diverse 06.07.2011 09:02
von Michael Munk | 271 Beiträge

hi rubber,
machmal hat die natur großes vollbracht u. einige lyrvertreter/lyrvertreterinnen mit natürlichen gaben ausgerüstet. ich frage mich dann aber immer wieder, warum gerade solche von andren so beschädigt werden können. als ob unsre gattung alles unangepasste, auch das schöne, wahre, gute, liebevolle, so kaputt machen kann, nur weil es nicht wehrhaft ist, eben zu schön u. augenweidig, also zu prominent, zu offen, zu grenzenlos unbekümmert auf die welt zu geht, um am ende nichts mehr oder nur noch wenig von dem zu haben, was sie ursprünglich auszeichnete. hier lese ich in einem sehr sensiblen text, wie alles organisch gewebte, lebensblühende regelrecht - nach dem gut- und schlechtdünken andrer - so einfach und schmerzhaft augenfällig zerstört wurde.
ein lyrkind mit großem gott- und weltvertrauen, einst unverträumt, wird letztendlich als ditte menschenkind zurückgelassen, als es nicht mehr erstaunen, staunen, lebensvölle in und aus sich hatte u. selbst der mondschein, der die einsamen monroespiegelungen und die zerbrechlichkeit u. wirkliche liebes- und lebens sehnsucht kannte, nicht mehr schützen und halt aufbauen konnte, ja dann wurde wieder ein zu großes mißtrauen gesetzt, ja, wenn nicht am ende es nicht doch noch jemandem gab, der anteilnahm, wo andre, die den wahren zustand wissen hätten sollen, sich schon längst davongeschlichen haben. ach, wenigstens ein lyr setzte einen gegenpart, der noch hoffnung macht für alles kommende und vielleicht noch zu reparierende. der leser hofft, dass es nicht schon zu spät ist. darob schleicht euch weg dämonen jeglicher coleur.

sehr gern gelesen
der munkel


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#6

RE: schleicht euch

in Diverse 10.07.2011 18:49
von perry • Mitglied | 909 Beiträge

Hallo Rubber,
ich schließe mich dem Kommentar von mcberry an, dass das Eingangsbild zu "naturlastig" geschrieben ist und so eine Betrachtung, wie sie Michael Munk in seinem Komm angestellt hat, nicht unbedingt naheliegend ist, bzw. nur mit viel gutem Willen zur Metapher rüberkommt.
Vielleicht wäre die ein oder andere Doppeldeutbarkeit in den ersten zehn Zeilen hilfreich.
Ansonsten bin ich bei dir "Schleicht euch ihr Gastropoden" von meinen Blumen und Salaten.
LG
Perry

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