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Eigenelegie
in Düsteres und Trübsinniges 15.09.2011 16:31von Evanesca Feuerblut •
| 165 Beiträge
Zitat
Bin um ehrlich zu sein nicht zu 100 % sicher, ob ich mit diesem Gedichtlein hier richtig bin - es ist einerseits ein Liebeslied, andererseits ist es aber so negativ und traurig... Da der Obertun eher traurig ist, kommt es hier rein. Falls es nicht passt, bitte nehmt meine Verzeihungen entgegen und schiebt mich zurecht :).
Lyrisches Ich und Lyrisches Du sind jeweils Romanfiguren von mir.
Eigenelegie
Ich wähnte mich auf Feuersuche,
Von falscher Traurigkeit entflammt
Hatte mich schon freiwillig verdammt
Gestrichen aus dem Untotenbuche.
Ausgerechnet du holst mich zurück,
Lässt mich nicht im Licht ertrinken!
An deiner Seite gibts kein Glück
Muss ich fortan im Leid versinken,
Wo niemals mehr mir Sterne blinken.
Ausgerechnet du lässt mich nicht gehn,
Fort vom Schmerz den du mir schenkst!
Und keine Nacht ohne uns zu sehn
Und niemand weiß was du dir dabei denkst,
Wie du erbarmungslos mein Schicksal lenkst.
Ich wähnte mich endlich entfesselt,
Vom Band des süßen Liebesleids befreit
Doch nein - ich bleibe immer griffbereit
in meiner eigenen Lüge eingekesselt...
Ausgerechnet du holst mich zurück,
Lässt mich nicht im Licht ertrinken!
Lässt mich mit dir im Leid versinken!
Ausgerechnet du... hasst mich...
Hi evanesca,
wegen deiner vampyresken Texte würde ich mir an deiner Stelle keine Gedanken machen. Auch in echt wimmelt die Welt von Zombies, sodass man sich bei dir gleich wie zu Hause fühlt. 
Darf ich dir vorab mal einen Vorschlag machen, der nur indirekt mit dem Gedicht zu tun hat? - Du könntest meiner Meinung nämlich auch so verfahren, dass du dich zunächst nur mit kurzen gereimten Texten beschäftigst (Vier - oder Achtzeilern) und dich parallel im Ungereimten versuchst. Denn mir schießt, wenn ich etwas von dir lese, häufig der Gedanke durch den Kopf: Warum reimt die Lady das? Will sagen, manchmal wirkt das etwas zu konstruiert, auch reimgeschuldet. Du könntest ebenfalls bedenken, dass in der Lyrik (jenseits der Amateurforen) Gereimtes nur eine geringe Rolle spielt und selten in Anthologien aufgenommen wird. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel.
Andererseits ist gereimte Lyrik eine wunderbare Übung, um sein Rhythmus- und Sprachgefühl zu stärken oder weiterzuentwickeln. Musst halt selber deinen Weg finden.
Falls du den Text gereimt belassen willst, solltest du am Metrum feilen: Manchmal wechselst du zwischen Jambus und Daktylus. Durchforsch noch mal den Gesamttext; du findest es bestimmt heraus (Silbenbild erstellen oder Hebungen fett drucken).
Inhaltlich verstehe ich nicht ganz, warum ein bereits Entflammter auf Feuersuche geht ...Insgesamt gefällt mir aber dein Gedicht. Mag Trauriges in der Lyrik.
Herzliche Grüße
pista
RE: Eigenelegie
in Düsteres und Trübsinniges 16.09.2011 13:00von Evanesca Feuerblut •
| 165 Beiträge
Guten Tag!
Ich habe mal beschlossen, eine Nacht über meine Antwort zu schlafen, hoffentlich war das kein Problem :).
Zitat
Du könntest meiner Meinung nämlich auch so verfahren, dass du dich zunächst nur mit kurzen gereimten Texten beschäftigst (Vier - oder Achtzeilern) und dich parallel im Ungereimten versuchst.
Was sehr nett gemeint ist, aber... ich übe mich an gereimten Texten, seid ich ungefähr elf Jahre alt bin, mehr oder weniger erfolgreich und mit mehr oder weniger Texten, aber sie sind immer gereimt.
Ungereimte Gedichte dagegen... lese ich nicht gern - ich finde in der Regel einfach keinen Zugang zu ihnen, mir fehlt da etwas, nämlich der Reim. Was ich aber nicht gern lese, weil ich damit nicht viel anfangen kann, das kann ich auch nicht selbst schreiben, ich glaube, da würde das Dichten keine Freude mehr machen wenn ich mich auf einmal mit einer Form beschäftigen müsste, die mir selbst nicht zusagt.
Zitat
Will sagen, manchmal wirkt das etwas zu konstruiert, auch reimgeschuldet.
Ich weiß - und ich arbeite ewig daran zu versuchen, dass es etwas natürlicher klingt. Das hier ist allerdings ein Songtext, da geht es gerade so noch - aber ich erwische mich selbst oft dabei, dass ich übertrieben geschraubt klinge [sad]. Immerhin lässt sich das hier recht flüssig singen, besser als nichts.
Zitat
Manchmal wechselst du zwischen Jambus und Daktylus. Durchforsch noch mal den Gesamttext; du findest es bestimmt heraus (Silbenbild erstellen oder Hebungen fett drucken).
Das werde ich versuchen und daran arbeiten - mal sehen, wie ich es so zurechtbiegen kann, dass das Metrum gleich bleibt. Sind vermutlich ja nur kleine Silbenschiebungen, die ich dann machen muss.
Zitat
Inhaltlich verstehe ich nicht ganz, warum ein bereits Entflammter auf Feuersuche geht
Das sind zwei Arten Flamme - die eine ist in ihr drin - auf Feuersuche geht sie aber nach der äußeren Flamme, die sie eigentlich töten sollte. Meine Vampire kann man mit dem Feuer töten und eben dieses Feuer hat sie gesucht, um sich umzubringen. Bis dann das Du kam und sie daran hinderte.
Zitat
Insgesamt gefällt mir aber dein Gedicht. Mag Trauriges in der Lyrik.
Danke schön :D
Edit: Ich habe das Gedicht mal durch den von Pistacia verlinkten Analysierer gejagt:
Zitat
Strophe 1:
Silbenzerlegung:
(ich) (wähn|te) (mich) (auf) (feu|er|su|che) ,
(von) (fal|scher) (trau|rig|keit) (ent|flammt)
(hät|te) (mich) (schon) (frei|wil|lig) (ver|dammt)
(ge|stri|chen) (aus) (dem) (un|to|ten|bu|che) .
Metrik:
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=8, Betonung="-+-+-+-+"
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=10, Betonung="-+-+-+-+-+"
Reim:
Endreim="abba" (umarmender Reim)
In der zweiten Zeile habe ich also eine Silbe zu wenig, in der vierten eine Silbe zu viel. Damit kann ich immerhin schon mal arbeiten.
Zitat
Strophe 2:
Silbenzerlegung:
(aus|ge|rech|net) (du) (holst) (mich) (zu|rück) ,
(lasst) (mich) (nicht) (im) (licht) (er|trin|ken) !
(an) (dei|ner) (sei|te) (gibts) (kein) (glück)
(muss) (ich) (for|tan) (im) (leid) (ver|sin|ken) ,
(wo) (nie|mals) (mehr) (mir) (ster|ne) (blin|ken) .
Metrik:
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=8, Betonung="-+-+-+-+"
Silben=8, Betonung="-+-+-+-+"
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Reim:
Endreim="ababb"
Beim Refrain sind dann die zweite und dritte Zeile eine sinkende Silbe zu kurz.
Zitat
Strophe 3:
Silbenzerlegung:
(aus|ge|rech|net) (du) (lasst) (mich) (nicht) (gehn) ,
(fort) (vom) (schmerz) (den) (du) (mir) (schenkst) !
(und) (kei|ne) (nacht) (oh|ne) (uns) (zu) (sehn)
(und) (nie|mand) (weiß) (was) (du) (dir) (da|bei) (denkst) ,
(wie) (du) (er|bar|mungs|los) (mein) (schick|sal) (lenkst) .
Metrik:
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=7, Betonung="-+-+-+-"
Silben=9, Betonung="-+-+-+-+-"
Silben=10, Betonung="-+-+-+-+-+"
Silben=10, Betonung="-+-+-+-+-+"
Reim:
Endreim="ababb"
Dieser Teil vom Refrain fällt bei mir total raus aus dem (in anderen Teilen instinktiv gehaltenen) Metrum mit der viel zu kurzen zweiten Zeile.
Zitat
Strophe 4:
Silbenzerlegung:
(ich) (wähn|te) (mich) (end|lich) (ent|fes|selt) ,
(vom) (band) (des) (sü|ßen) (lieb|es|leids) (be|freit)
(doch) (nein) - (ich) (blei|be) (im|mer) (griff|be|reit)
(in) (mei|ner) (ei|ge|nen) (lü|ge) (ein|ge|kes|selt) . . .
Metrik:
Silben=9, Betonung="-+--+--+-"
Silben=10, Betonung="-+--+--+--"
Silben=10, Betonung="-+--+--+--"
Silben=12, Betonung="-+--+--+--+-"
Reim:
Endreim="abba" (umarmender Reim)
Das sollte ja eigentlich metrisch der ersten Strophe entsprechen. Da muss ich Zeilen zwei und drei überarbeiten.
Das wird schwer... aber ich bin mir sicher, dass ich das schaffe :).
eine Elegie hat eigentlich ein festes Metrum, liebe Eva, vielleicht hast du das Wort Elegie aber auch nur gewählt als eine Art Selbstgespräch, Monolog.
Eine Elegie besteht aus Distichen, also eine ganz spezielle Form von Metrik. kennst dich sicher den "Sprinquell".
Da du Germanistik-Studentin bist, hattet ihr das doch sicher im deutsch LK...lächel.
Ich weiß nicht, irgenwie komme ich damit nicht klar, ein Liebender holt sie zurück, obwohl er sie hasst?
Hass in einem Gedicht ist ein scharfes Wort. Naja, Geschmacksache vielleicht.
LG von Marlene
RE: Eigenelegie
in Düsteres und Trübsinniges 22.09.2011 12:18von Evanesca Feuerblut •
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Zitat
liebe Eva, vielleicht hast du das Wort Elegie aber auch nur gewählt als eine Art Selbstgespräch, Monolog
Da das obige Gedicht eigentlich dazu bestimmt ist, gesungen zu werden, habe ich die Bezeichnung einfach als "Trauerlied" genommen :), nachdem ich mich auf Wikipedia gründlich informiert habe, besonders dazu, dass moderne Elegien eben kein festes Metrum mehr haben.
Zitat
Da du Germanistik-Studentin bist, hattet ihr das doch sicher im deutsch LK...lächel.
Ich studiere gar nicht Germanistik, sondern Englisch-Französisch auf Lehramt... *sich verwechselt fühlt*, habe ich auch im Profil und in meiner Vorstellung so stehen.
Zitat
kennst dich sicher den "Sprinquell".
Somit leider nicht, muss ich ergoogeln.
Zitat
ein Liebender holt sie zurück, obwohl er sie hasst?
Jemand, in den sie verliebt ist, der sie aber hasst und eigentlich selbst versucht hat, sie zu töten, holt sie zurück. Und damit kommt sie selbst absolut nicht zurecht, ist selbst eigentlich völlig verstört von der Sache und versucht sich zu beruhigen, indem sie darüber schreibt.
Insgesamt danke für deinen Kommentar :).
LG, Evanesca
RE: Eigenelegie
in Düsteres und Trübsinniges 22.09.2011 14:29von Evanesca Feuerblut •
| 165 Beiträge
Zitat
ups-- dafür gibt es im Französischen tolle Sonette und im Englischen tolle Limericks.
Genau - ich habe schon ganz tolle Gedichtformen kennengelernt in meinem Studium und viele Gedichte sind auf dem Weg von einem Hörsaal zum nächsten entstanden, in den Ferien (wie jetzt) schreibe ich eigentlich nur Gedichte, die direkt in die Romanstelle passen, an der ich eben schreibe.
LG, Evanejava
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