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#1

Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 10:35
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Nicht schweigen


Den Schreibstift sollte ich längst liegen lassen,
die klaren Blicke in die Weite meiden,
auf diesem Globus vieler größter Leiden,
bei Wogen von zerstörend tiefem Hassen.

An Fragen sollte ich mir keine stellen,
weil sie durch Antwort immer neu gebären,
ein Rinnsal in der Flut der Fragen wären,
die dunklen Seiten schwärzen, statt erhellen.

Nie wieder Feuer mit dem Wort entzünden,
nichts laut benennen oder es verkünden,
für alle Zukunft, für den Rest an Jahren.

Es schiene Flucht, Verrat an allem Wahren
und ein Verschwender sein mit kleinen Gaben.
Es hieße lebend tot sein, wie begraben.


@ Joame Plebis

zuletzt bearbeitet 20.09.2011 21:38 | nach oben springen

#2

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 11:57
von Evanesca Feuerblut | 165 Beiträge

Auch wenn ich stellenweise etwas verwirrt war über die Einzelbedeutungen der Verse, gefällt mir das Thema an sich recht gut, ist es doch ein Thema, mit dem ich ich in einem Roman auch auseinandergesetzt habe.
Eigentlich macht es keinen Sinn, zu dichten, die Welt zu hinterfragen und gegen die Windmühlen einer ungerechten Realität anzukämpfen, weil man im Grunde genommen machtlos ist.
Aber wenn man nicht kämpft, dann kann man sich auch gleich umbringen.
Es liegt in der Natur der Menschen, das Ungerechte und die Welt im Allgemeinen zu hinterfragen, selbst wenn sich hinter der Lösung eines Rätsels zehn neue Rätsel verbergen und selbst wenn es nichts ändert, wenn man Missstände anprangert, es doch zu tun.
In dem Sinne ein schönes, nachdenklich stimmendes Sonett, dem ich einfach nur im Stillen beipflichten muss in jedem Punkt.

Sprachlich finde ich es toll, wie du in den ersten zwei Strophen das Bild des (zerstörerischen) Wassers aufgreifst - es sind Wogen des tiefen Hasses (ich musste sofort an einen Sturm über der Tiefsee denken), die Antworten sind nur Rinnsale im Vergleich zur Flut an Fragen, wie Bäche die sich ins Meer ergießen.
In der dritten Strophe vergleichst du dagegen Worte mit Feuer, das die Missstände erhellt, da durch die Worte etwas klarer wird als vorher.

Daumen hoch!

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#3

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 12:35
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Evanesca, Danke für Deine Zeit. Aus Deinem Kommentar ist deutlich Dein Verstehen zu ersehen. Gezwungenermaßen haben sich die meisten ernstzunehmenden Schriftsteller mit diesem Thema auseinandergesetzt. Falls Dein Roman ein veröffentlichter ist, so würde mich der Titel interessieren.

Danke!
Freundlichen Gruß!
Joame

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#4

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 12:46
von Evanesca Feuerblut | 165 Beiträge

Zitat
Falls Dein Roman ein veröffentlichter ist, so würde mich der Titel interessieren.


Leider noch nicht - er steckt derzeit in der Überarbeitungsphase - ich habe ihn Freunden gezeigt und er hatte selbst für Laienaugen erheeeebliche Mängel, also wird daran getüftelt.

Zitat
Danke für Deine Zeit.


Die habe ich gerne investiert - ich hatte wirklich Freude am Kommentieren!

LG, Evanesca

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#5

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 15:51
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Zitat
die dunklen Seiten schwärzt, statt zu erhellen.



bezogen auf Rinnsal "das dunkle(n) Seiten schwärzt"

Zitat
Nie wieder Feuer mit den Wort entzünden,
nichts laut benennen oder es verkünden,
für alle Zukunft, für den Rest an Jahren.



Sollte dem Wort heißen,
und dann stört "es" in Z2, denn ganz gewiß scheint nicht, was zu verkünden bliebe.

Ernsthaftigkeit und melancholische Tiefe des Textes treffen dennoch ins Schwarze.
Wie schön, dich hier wieder mal öfter hier im Forum zu lesen, Joame. HG - mcberry


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#6

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2011 19:14
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Danke, mcberry!
Das unterlief mir nicht nur durch die unübersichtlichen Zettel-/Fensterwirtschaft. Ich danke Dir für den Hinweis und bin froh über Deinen frischen Blick, offensichtlich eine positive Nebenwirkung, wenn man geschlafen hat.
Ich muß resümieren, zu flüchtig gewesen zu sein, wollte rasch verfertigen und einstellen, so wie in guten alten Tagen.
Der Bezug zu Fragen stellen soll es sein.
>nichts laut benennen oder es verkünden,< wäre einfach durch z.B. >nicht kritisierend Mißstände verkünden< auszutauschen, aber das wäre wieder eine flüchtige Lösung und für mich nicht befriedigend.
Ich werde darüber nachdenken - falls ich nicht auch dieses vergesse.

Freundlichen Dank und Gruß
Joame

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#7

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 20.09.2011 21:21
von MarleneM • ( Gast )
avatar

es ist immer ein schmaler Grad, lieber Joame- Rdeen und damit möglicherweise als demagoge daher zu kommen oder schwiegen und zum Mittäter werden.
Worte können gefählrich sein und heilsam, man muss sie nur richtig einsetzen. Das erfordert verantwirtungsgefühl und kein ichbezogenes denken. Ein Autor wäre grundsätzlich dafür geeignet. Aber wie gesagt.
ich schließe mich deiner Entscheidung, nicht (immer) zu schwiegen an .
Dein gedicht gefällt mir.
Sollte es nicht in zeile 2 heißen: die klareN Blicke?
Bezöge es sich auf Schreibstift, müsste Schriebstifte MZ sein...
LG von marlene

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#8

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 20.09.2011 21:42
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Schönen Abend, Marlene und meinen Dank!

Es freut mich nicht nur, dass es Du es gelesen hast und es Dir gefällt.
Du hast dazu auch noch gedacht und richtig, wieder einen Flüchtigkeitsfehler
von mir entdeckt. Man sollte seinen Eigenen Augen nicht mehr trauen, liest
ein paarmal durch und übersieht dennoch das fehlende N. Vor dem geistigen
Auge ist es dagestanden, wirklich nicht. Ich konnt durch Deine Hilfe korrigieren
und danke Dir nochmals.

Lieben Gruß!
Joame

zuletzt bearbeitet 20.09.2011 21:43 | nach oben springen

#9

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 22.09.2011 00:06
von perry • Mitglied | 909 Beiträge

Hallo Joame,
na das ist ja auch nicht gerade "Lebensfreude" pur, die du da beschreibst.
Wenn die mahnenden Stimmen verstummen, dann kehrt die stille Resignation ein und das wollen wir doch nicht, solange wir noch einen (imaginären) Stift halten können.
In diesem Sinn "Keep Smiling."
LG
Perry

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#10

RE: Nicht schweigen

in Philosophisches und Grübeleien 26.09.2011 16:35
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Danke, Perry! Lebensfreude, was ist das? Du bist Optimist mit der Annahme Stimmen verstummten, die sich an Lautstärke steigern. Dein gutgemeintes Keep Smiling weiß ich zu schätzen. Ich bin der untalentierteste Teilnehmer des Kurses 'How to learn smiling', den ich gerade wiederhole.

Gruß
Joame

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