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Ich glaube, das muss ich noch etliche Male lesen, ehe der Sinn des Gedichts ganz bei mir ankommt. Aber ich komme noch drauf, was du damit meinst, bis jetzt hast du aber dumpfe Assoziationen mit der DDR oder kommunistischen Diktaturen im Allgemeinen geweckt.
Stilistisch gefällt mir die Stanze sehr gut - nur einen Tippfehler hast du: "im rotem" müsste entweder "in rotem" oder "im roten" heißen.
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Danke erstmal für das Aufspüren des Tippfehlerteufels. 
Ich muss mir dringend eine neue Tastatur kaufen - die alte kommt mit meiner Tippgeschwindigkeit nicht mit, so dass ich ständig am Nachbessern bin. *soifz
Mit der DDR hast du natürlich recht. Ich finde, dass sich dieses Thema gut für eine Stanze eignet, mit all seinen Widersprüchen, die von den "Führungskräften" erlebt und verarbeitet werden sollten. Und in den 80er Jahren musste schon ein hohes Maß an Verdrängung aufgebracht werden, um weiterhin treu zu Hämmerchen & Sichel zu stehen. - Hierzu hatte ich seinerzeit einige Texte verfasst als sich der Mauerfall wieder einmal jährte. - Die Stanze ist aber brandneu.
Liebe Grüße und herzlichen Dank
pista
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Zitat
Danke erstmal für das Aufspüren des Tippfehlerteufels.
Immer wieder gern :).
Zitat
Mit der DDR hast du natürlich recht. Ich finde, dass sich dieses Thema gut für eine Stanze eignet, mit all seinen Widersprüchen, die von den "Führungskräften" erlebt und verarbeitet werden sollten. Und in den 80er Jahren musste schon ein hohes Maß an Verdrängung aufgebracht werden, um weiterhin treu zu Hämmerchen & Sichel zu stehen.
Ich habe ein Projekt gemacht, bei dem ich mit Zeitzeugen darüber geredet habe. Da kamen sehr oft Aussagen, dass man es nicht sehen wollte und heute kommt bei Jugendlichen eine Ostalgie auf, bei der die Vergangenheit oft stark verklärt wird.
Ich finde es toll, dass du 20 Jahre nach dem Mauerfall noch Neues dazu zu sagen findest!
LG, Evanesca
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Das glaube ich dir gern - das ist schließlich wirklich etwas, worauf man stolz sein muss! Wow!
Ich hatte übrigens eben einen Geistesblitz zum Gedicht selbst:
Zitat
"Ich habe stets das Beste euch gegeben,
Doch dauernd warf mir jemand etwas vor.
Das klingt, als hätte das LI immer sehr fleißig gearbeitet und alles getan, um das Plansoll zu erfüllen, aber immer war es nicht genug und immer wurde gezweifelt, ob das LI politisch politisch loyal etc. ist.
Zitat
Ich stieg schnell hoch und konnte drum erleben
Bereite Arme, auch manch taubes Ohr -
Ich habe das so gedeutet, dass es zwar viele Menschen gab, die zupackten um den Staat am Leben zu erhalten und fleißig schafften wie Bienchen, die aber nicht bereit sind, mit den Mitmenschen zu reden. Teils aus Angst, Mitwisser politisch kritischer Ansichten zu werden, teils aus Desinteresse, wer weiß?
Vielleicht fällt mir zum letzten Teil des Gedichts auch noch etwas ein. Es ist kein Werk, das sich leicht und auf Anhieb erschließt, wie ich bereits erwähnt habe.
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"Ich habe stets das Beste euch gegeben,
Doch dauernd warf mir jemand etwas vor.
Ich stieg schnell hoch und konnte drum erleben
Bereite Arme, auch manch taubes Ohr -
Kein Straucheln war, nur stilles Widerstreben,
Geschrei ertrank in rotem Machtdekor.
Was blieb, war feixend abserviert zu werden
Als Nachkriegsclown mit Volksherrschaftsbeschwerden."
Das Werk hinterlässt mich etwas ratlos, liebe Pista. Darum habe ich es nochmal kopiert um im einzelnen darauf einzugehen.
Ich bin auch kein Ossi, aber mein mann und mein Stiefsohn sind es. darum liefer(t) en wir uns hier, grade auch unter den Jugendlichen von damals 15, 16 wirklich eiße Diskussionen.
Ein Kader ist hier wohl als exponierte, besonders staatstreue, Person gemeint.
In dieser Position hatte die Person eine gewisse Verantwortung ( obwohl es in unseren westdeutschen Ohren wie Hohn klingt) zu wahren. Dies geschah durch blinde Adaption der Vorgaben.
Hier wird eine Person gezeigt, die nicht genügt hat. Logisch scheint es mir nicht, dass man dann schnell hochsteigt in solch einem System.
Wem gilt das Straucheln, kein Straucheln mehr, dem prot oder denen aussen vor? da würde mir die Verbindung fehlen.
Der prot selber strauchelt , wenn er zum Kader wird, wohl nicht an der Überzeugung der tauben Ohren. Wer dazu gehören wollte, musste ja selber welche haben.
Als Nachklang, als Resumee kommt mir das alles zu übergangslos.
Was blieb, war feixend abserviert zu werden...
Wer feixte? Ich denke eher, dass es eine vernichtender Umgangston war als feixen vom Westen nachher.
Und einer Voklsherrschaft. Da kommt plötzlich Ironie? Es war ja eine Diktatur.
Ich denke, es ist sehr schwierig, ein solch komplexes Thema in einem kurzen Gedicht zu verbeiten. Es bleiben nur kurze Anrisse und ein Prot, der für alle stehen soll.
Nicht alle Kader dachten so oder so ähnlich. es gab viele Gründe, weshalb einer zum Kader wurde.
Das ist mir ein wenig zu wenig differenziert abgehandelt.
natürlich ist das nur mein subjektives Empfinden.
LG von Marlene
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Liebe Evanesca,
du hast meine Intentionen ziemlich genau erfasst.
Mir ging es um Kader (mittlere Führungsebene) aus den 80er Jahren, die trotz aufkommender Zweifel parteitreue Kommunisten geblieben waren. In der Tat nicht alles böse oder blöde Menschen. -
Einige waren bis zuletzt sehr engagiert und hofften noch immer auf eine Umgestaltung der Gesellschaft. Dieser Menschentyp ist im Film "Good bye Lenin" sehr detailtreu geschildert worden.
Dir einen herzlichen Gruß und vielen Dank für deine interessanten Feststellungen.
Pista
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Liebe Marlene,
eigentlich wollte ich genau das ausdrücken, was du mir "vorwirfst." 

Zitat
Ein Kader ist hier wohl als exponierte, besonders staatstreue, Person gemeint.
In dieser Position hatte die Person eine gewisse Verantwortung ( obwohl es in unseren westdeutschen Ohren wie Hohn klingt) zu wahren. Dies geschah durch blinde Adaption der Vorgaben.
Genau. Sie genossen eine gute Ausbildung und hatten danach viel Verantwortung, jedoch nicht immer aufgrund blinden Gehorsams. Es gab eine ganze Menge aufrechter Kommunisten, gerade auf der mittleren Führungsebene.
Zitat
Hier wird eine Person gezeigt, die nicht genügt hat. Logisch scheint es mir nicht, dass man dann schnell hochsteigt in solch einem System.
Wenn du an die frühen 80er denkst, hat es sich genauso abgespielt. Die Partei tat ja so, als habe sich nichts geändert; ihre Kader blieben ratlos zurück. Solange sie jedoch innerhalb des Systems funktionierten, stiegen sie schnell auf. Denn die Partei benötigte loyale Genossen nötiger denn je.
Zitat
Wem gilt das Straucheln, kein Straucheln mehr, dem prot oder denen aussen vor? da würde mir die Verbindung fehlen.
Hier ist der Weg des Prots gemeint, der ohne Straucheln verlief. Seine aufkommenden Zweifel, sein Verzweifeln spielten sich ja nur im Inneren ab.
Zitat
Der prot selber strauchelt , wenn er zum Kader wird, wohl nicht an der Überzeugung der tauben Ohren. Wer dazu gehören wollte, musste ja selber welche haben.
In diesem Zusammenhang kannst du die Stanze als inneren Monolog verstehen.
Zitat
[quote]Als Nachklang, als Resumee kommt mir das alles zu übergangslos. Was blieb, war feixend abserviert zu werden...
Wer feixte? Ich denke eher, dass es eine vernichtender Umgangston war als feixen vom Westen nachher.
Und einer Voklsherrschaft. Da kommt plötzlich Ironie? Es war ja eine Diktatur.
Ich finde schon, dass der Westen feixte. In meinen Augen handelte es sich sogar um eine Art feindlicher Übernahme, denn es wurde buchstäblich alles platt gemacht, auch die Ansätze, an denen wir Wessis uns besser ein Beispiel hätten nehmen sollen. Und wenn ich so an die Abwickler denke ... *würg.
Zitat
Ich denke, es ist sehr schwierig, ein solch komplexes Thema in einem kurzen Gedicht zu verbeiten. Es bleiben nur kurze Anrisse und ein Prot, der für alle stehen soll.
Da gebe ich dir Recht. Aber es ging mir nicht um eine Abhandlung des Weltkommunismus, sondern um die Zweifel und die Enttäuschung eines einzelnen.
Hoffentlich konnte ich dir meine Intentionen deutlich machen und du findest nun doch noch einen anderen Zugang zum Gedicht. - Vielen Dank für deinen interessanten Kommentar.
Herzliche Grüße
Pista
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