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Wie ein grünäugiges Flöckchen im Traumtaumel
Bist du durch vier Jahrhunderte hauchgleich geschwebt
Hast mit Silberstimmchen manch feinen Ton gewebt
Nach einer nur dir bekannten Zauberformel.
Manch Bohémien erkor dich zu seiner Muse
Doch mangels Neigung bliebst du immer ohne Schuld.
Bewies nie jemand genug Verführungsgeduld,
Zu durchdringen deine eisschneeweiße Bluse.
Du mörderische Lilie, ewig unberührt,
Weißer Tod, hast so manche ins Jenseits geführt
Beim Danse Macabre in der schönen Stadt Paris.
Selbst wenn jemand die nötige Würde bewies,
Profanität im Herzen du immer verstießt.
Darum tötetest du jeden Beau ungerührt.
Zitat
Erstveröffentlichung im eigenen Board :). Samara Dargis ist eine meiner Vampire.
als vampir-fan findet mich dein text natürlich leicht und treffsicher, evanesca feuerblut.
erst anfang der zweiten strophe bin ich draufgekommen, dass du hier dem schema eines sonetts zu folgen versuchst. warum erst da?
weil das metrum in der ersten derart unregelmäßig und inkonsistent in silbenanzahl und betonungsabfolge durch die zeilen läuft, dass ich es als sprachmelodie wie prosa empfunden habe. (wenn auch sehr lyrische).
grade ein sonett hat einen sehr strengen aufbau und der sollte auch eingehalten werden, um dadurch der textlichen aussage durch die dem sonett ganz eigene melodie und dynamik noch einen ganz stark wirkenden "stimmungsfaktor" an die seite zu stellen. das ist nämlich, was sonett "macht". noch vor dem eigentlichen zu lesenden inhalt stimmung zu erzeugen. in klang und rythmusabfolge von sprache.
das funzt hier leider nicht so recht. viel zu unregelmäßig ist das metrum. als leser findet man nicht ins sonett hinein, daher fehlt dessen eigentliche funktion auch und kommt gar nicht erst zur wirkung.
schade, denn die wortwahl - vor allem die der adjektive - würde da einiges bieten. die gefällt mir ganz außerordentlich gut. da wünscht man sich mehr davon!
sehr gern gelesen.
warrior
ps: hab mich mal an einem vorschlag versucht mit etwas durchgängigerem, klarerem metrum (mit der vorgabe war es nicht möglich, es total fließend und rein hinzubekommen). vielleicht ist ja brauchbares dabei für dich:
Hast als Flöckchen, grünäugig, im Traumestaumel
vier Jahrhunderte hauchgleich durchschwebt,
Ton mit Silberstimmchen fein gewebt -
einen Zauber allein dir bekannter Formel! [grenzwertig als reimpaar mit taumel, aber ich wollte deine idee beibehalten]
Mancher Bohemien nahm dich zur Muse;
du bliebst mangels Neigung ohne Schuld.
Keiner übte sich so in Geduld,
zu durchdringen die schneeweiße Bluse.
Lilie - mordende! - du bliebst stets unberührt!
Weißer Tod, so viele hast ins Jenseits du geführt
beim süßen Danse Macabre in Paris.
Selbst den, der seine Würde dir bewies,
als unheilig vom Herzen du verstießt.
So tötetest du - kalt und ungerührt.
pps: ich bin höchst unzufrieden mit meinen eigenen versuchen. hab inzwischen mehrere. das will und will keine runde sonett-melodie werden, wenn nicht für einige formulierungen ein ersatz gefunden wird (der allerdings wäre dann so weit von der ursprungs-wort-idee entfernt, dass ich das nur dem autor überlassen darf und werde)
gruß,
warrior
(festgebissen an diesem text) ;)
Zitat
weil das metrum in der ersten derart unregelmäßig und inkonsistent in silbenanzahl und betonungsabfolge durch die zeilen läuft, dass ich es als sprachmelodie wie prosa empfunden habe. (wenn auch sehr lyrische).
Um ehrlich zu sein, wundert mich das ein wenig. Ich habe penibel darauf geachtet, dass jeder Vers 12 Silben lang ist (manchmal habe ich Lust auf solche "Experiment-Sonette" - in "Fremde - Sierra" habe ich z.B. einfach so 20-silbige Verse gebastelt) und dazu an manchen Versen ewig herumgepfriemelt. Habe ich mich irgendwo verzählt? 
Das Problem bei der Sache mit dem Klang ist - für mich klingt alles absolut einleuchtend und wenn ich es laut vorlese, auch harmonisch. Darum wüsste ich gern, welche Details genau dich daran gehindert haben, das Gedicht als Sonett und als gelungenes Sonett wahrzunehmen.
Denn es ist so, dass ich gerne noch besser werden würde - aber ich höre einfach keine Diskrepanz, wenn ich es selbst laut lese.
Zitat
denn die wortwahl - vor allem die der adjektive - würde da einiges bieten. die gefällt mir ganz außerordentlich gut.
Danke :). Die Wortwahl ist... Evanesca :).
Zitat
(festgebissen an diesem text) ;)
Das ehrt mich! :D
Das Problem an deiner Version des Gedichts ist, dass da irgendwie erstens ein Teil der Infos verloren geht (so geht die Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit der Vampirin in Question irgendwie nicht mehr aus den Formulierungen hervor, die einfach... schwerer klingen, die Mischung aus Unschuld und Sünde, Kälte und seelischer Erhabenheit... das was ich mit meinen auf Samara zugeschnittenen Formulierungen zeigen will - es geht verloren, wenn man es so umformuliert, wie du es umgeschrieben hast).
Ich kann verstehen, dass wohl irgendwas falsch sein muss an meinem Sonett, auch wenn ich selbst es vielleicht nicht merke. Hier sind die Meisten viel erfahrenere und bessere Dichter als ich.
Vielleicht einige Worte zu Samara als Romanfigur:
Sie ist 400 Jahre alt, trägt nur weiße Kleidung und tanzte schon als Sterbliche Ballett. Als Jungfrau gestorben, hat sie extreme Abneigungen gegen jede Art nicht-platonischer Beziehungen. Doch selbst für ihre Freundschaft sind die meisten Menschen ihr nicht gut genug, da sie zu viel über weltliche Vergnügungen nachdenken und nicht über das Gute, Schöne und Erhabene.
Auf Außenstehende wirkt sie oft frostig, kalt und verschlossen.
Hallo Evanesca,
ich denke, warrior meinte die Metrik. Es gibt auch ein paar Steinchen, die sich da eingeschlichen haben. Ich versuchs mal an der ersten Strophe zu verdeutlichen:
Wie ein grünäugiges Flöckchen im Traumtaumel
Xx Xxx xX xxX Xx
Bist du durch vier Jahrhunderte hauchgleich geschwebt
xX xX xX xxX xxX
Hast mit Silberstimmchen manch feinen Ton gewebt
Xx Xx Xxx Xx Xx X
Nach einer nur dir bekannten Zauberformel.
xX xxX xX xX xX x
Das ge-xe ist zwar nicht sexy, aber es hilft sicher, die Stolpersteine zu entdecken. Wie du siehst, sind die Strophen doch recht unterschiedlich in der Betonung. Das verhindert einen Durchlauf beim Lesen.
Hoffe, ich hab da jetzt in der Eile keine Fehler gemacht. :)
Viele Grüße
arno.
danke, arno,
fürs übernehmen der x-erei. ich bin auch nicht grade freundin dieser kreuzstich-muster und versuche das immer durch fett-hervorhebung der betonten silben im text zu veranschaulichen, wo die betonung gelesen wird.
ich hätte mich sonst drangemacht, sobald ich hier zeit gefunden hätte.
ja - genau das meinte ich.
die silbenzahl allein im auge zu behalten, genügt leider nicht. ist sogar zweitrangig nach der ebenmäßigkeit der abfolge der betonungen in den gleichen reim-paar-zeilen.
leider hab ich grade nicht die zeit, das genauer auszuführen. hole es aber nach, evanesca. versprochen!
man liest sich,
warrior
Oh je, das liebe Metrum, mit dem ich immer wieder haareraufend kämpfen darf. Denn ganz ehrlich? Ich käme nie auf die Idee, das Gedicht mit der angeixten Betonung zu lesen. Also noch keine Betonungen auf den Nebenwörtern wie "Wie ein" sondern erst bei "grün" überhaupt mal eine betonte Silbe.
Ach, ich müsste es aufnehmen, dann zeig ich euch, was ich meine, aber das ist mein Riesenproblem beim Dichten - offenbar lese ich meine Werke auch anders (vor), als man sie der offiziellen Lesart nach lesen sollte... *confused*
Ganz lieb, dass ihr euch meiner annehmt! Danke!
LG, Evanesca
Zitat
offenbar lese ich meine Werke auch anders (vor), als man sie der offiziellen Lesart nach lesen sollte.
damit bist du nicht allein, evanesca,
glaub mir! 
ich bin auch durch diese phase gegangen, bis ich erkannt habe, dass man trennen muss zwischen lyrik, die gelesen wird und lyrik, die man wie ein schauspieler vorträgt. da sind unterschiede, die sich eben nicht zeigen im text selbst.
dort liest der rezipient so, wie es den regeln entspricht.
empfindet man seine texte beim schreiben eher wie eine "sprechrolle", geschieht zwangsläufig, dass einiges gebogen wird, das eigentlich anders betont würde, wenn man läse ohne das nachfolgende zu kennen.
insofern ist es da schwer zu entscheiden, seine texte nur als vertonungen anzubieten oder sie eben so zu formulieren, dass sie auch als geschriebenes bestand haben und für den leser so aufgehen, dass dieser vom text und dem metrum hindurchgeführt wird.
ist nicht einfach. allerdings!
aber m.E. ist beides legitim.
lieber gruß,
warrior
ps: by the way: eine vertonung würde ich zu gerne hören! ich ahne, die könnte richtig fein werden...
Zitat
ich bin auch durch diese phase gegangen, bis ich erkannt habe, dass man trennen muss zwischen lyrik, die gelesen wird und lyrik, die man wie ein schauspieler vorträgt. da sind unterschiede, die sich eben nicht zeigen im text selbst.
Gut zu wissen - und ich neige vermutlich eher zum Schauspielerischen...
Zitat
insofern ist es da schwer zu entscheiden, seine texte nur als vertonungen anzubieten oder sie eben so zu formulieren, dass sie auch als geschriebenes bestand haben und für den leser so aufgehen, dass dieser vom text und dem metrum hindurchgeführt wird.
Im Grunde genommen also die Wahl, ob man seine Texte als Hör- oder Lesetexte sehen will. Das Problem an Gedichten ist, dass sie m.E. von Beidem leben - vom stillen Gelesenwerden und dazu schmachten im Kämmerlein, aber auch davon, dass sie vorgetragen werden (und dann natürlich völlig anders wirken). Und es beiden Seiten rechttun, muss und werde ich noch lernen, ich bin da zuversichtlich.
Die Frage ist, ob es mir gelingen kann, das Gelernte auf mein Experiment-Gedicht anzuwenden, ohne es zu zerstören.
LG, Evanesca
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