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#1

Hassgedanken

in Gesellschaft 13.10.2011 18:34
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Verborgen unter wirrem Haar die Hassgedanken,
treibt sie den Spaten in die Friedhofserde.
Es flüchten Ratten quietschend, eine ganze Herde,
zum nächsten Grabe unter moderige Ranken.

Beim nächsten Spatenstich dröhnt dumpf des Holzes Klang,
sie läßt das Werkzeug fallen, gleitet in den Schacht,
drei Meter tief hinab, von wo sie schaurig lacht,
zerrt aus dem Sarg den Gnom und wiegt ihn mit Singsang.

Es fließt das Erdreich wie ein Bach im schweren Regen
zur irren Psychopathin in die Grube,
die spielt mit Maden wie mit einer Puppenstube;
kein Zuruf kann sie zu Normalität bewegen.

zuletzt bearbeitet 13.10.2011 22:08 | nach oben springen

#2

RE: Hassgedanken

in Gesellschaft 13.10.2011 19:53
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Zitat
Verborgen unter wirrem Haar die Hassgedanken,
treibt sie den Spaten in die Friedhofserde.
Es flüchten Ratten quietschend, eine ganze Herde,
verkriechen sich zum Schutz bei moderigen Ranken.

Beim nächsten Spatenstich dröhnt dumpf des Holzes Klang,
sie läßt das Werkzeug fallen, gleitet in den Schacht,
drei Meter tief hinab, von wo sie schaurig lacht,
zerrt aus dem Sarg den Gnom und wiegt ihn mit Singsang.

Es fließt das Erdreich unter schweren Regens Zwängen
zur irren Psychopathin in die Grube,
die spielt mit Maden wie mit einer Puppenstube;
kein Zuruf kann sie zu Normalitäten drängen.





Hi Joame,

zur Form: S1Z4 scheppert der Jambus:
entweder suchen sie Schutz unter oder verkriechen sich unter - diesen moderigen Ranken.

S3Z1 wirken die Zwänge des Regens dem Reim geschuldet:
die Zeile kann mit fließen oder gießen enden vor: S3Z4 kein Zuruf kann sie der Normalität erschließen.
S3Z3 wie in einer Puppenstube, oder? Maden sind ja keine Einrichtung.

Zum Inhalt: Eine Märchengestalt, nicht wahr? Deine Verse wecken durchaus Mitgefühl.
Soviel Energie, soviel Hingabe, was muß das für ein Gnom sein?
Ein verwunschener Prinz möglicherweise, den sie nicht hat erlösen können, obwohl sie dafür ihre Heimat opferte und ein Stück ihres Lebens, und darüber irre wurde?

Wir Leser können sie nicht erlösen. Unser Zuruf erreicht sie nicht. So bezieht die tragische kleine Schilderung den Leser in ein Scheitern mit ein. - Wenn dergleichen doch nicht so verdammt alltäglich wäre.

Deine Texte sind oft auf den zweiten Blick tiefer als auf den ersten. Kommen so täuschend leicht daher, daß man versehentlich hineinstolpert, nur um sich in einer Grube wiederzufinden, zusammen mit der Feststellung, daß nix leicht ist. Gerne gelesen - mcberry.


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#3

RE: Hassgedanken

in Gesellschaft 13.10.2011 20:36
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Danke für den Kommentar!

Zuerst hatte ich 'unter', das aber abgeändert, da bei auch möglich ist und sich viel leichter und fließender liest.
Was die 'Zwängen' betrifft, blieb ich bei bestimmt vielen Möglichkeiten gleich dabei. Da könnte man vielleicht meinen, das 'drängen' sei reimgeschuldet. Auch bei anderem Auslaut, käme wieder in der letzten Zeile ein Reim, der 'geschuldet' wäre. Ist er doch auch. Nur offensichtlich und krampfhaft sollte es nicht wirken. Da bin ich zu befagen, um das beurteilen zu können. Nach zweimaligem Durchlesen fiel es mir nicht auf. Durchaus kannst Du recht haben; deshalb ist es ja gut, wenn man eine Rückmeldung erhält.

Stimmt, Maden sind für Normalbürger keine Einrichtung. Man kann in einer Puppenstube spielen oder mit einer. Meiner Ansicht nach wird mit einer gespielt. Dass dazu Maden verwendet werden, das ist unüblich und abnormal.
Die Lösung kann sich jeder selbst geben, ob der Gnom ein Kind war, ein Zwerg, ein Mißgestalteter oder der Geliebte der Psychopathin.
In dieser Geschichte hat wahrscheinlich kein Zureden, Mahnen, Erklären, geholfen. Taub gegenüber gutgemeinten Ratschlägen, bis hin zum eindringlichem Drängen, heraufzukommen, waren zwecklos. So endet die Geschichte wahrscheinlich tragisch. Es ist aber genug Platz für den Leser, sich einen anderen Ausgang vorzustellen und etliches hinein zu interpretieren. Danke für das Lesen und kommentieren. Im Moment bin ich ausgelastet, habe aber vor, es mich seiner nochmals anzunehmen.

Gruß von Joame

zuletzt bearbeitet 13.10.2011 21:38 | nach oben springen

#4

RE: Hassgedanken

in Gesellschaft 13.10.2011 22:24
von otto | 411 Beiträge

Ich vermute, liebe Joame, Du hast zum Forum geschrieben. Wenn ich es richtige so erkenne, dann stimme ich Dir zu. Für einen Augenblick möchte ich die literarisch-lyrische Form außen vor lassen: Das ist nicht mehr unterhaltsam. Es reicht, es reicht mir. Das ist nur noch Kreisverkehr, rot beampelt. Da werde ich auf dem Zebrastreifen überfahren und bleibe besser hinter der Tür.

Doch meine ich auch, dass ein Forum nicht immer symbiothisch funktioniert.

Liebe Grüße,

otto,

zuletzt bearbeitet 13.10.2011 22:27 | nach oben springen

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