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#1

jeremia 17,9

in Düsteres und Trübsinniges 18.10.2011 22:27
von Michael Munk | 271 Beiträge

in schahbandar-caFés ungetroster mut
(initialschweigen?)
der himmel ist fahlgelb
die straße drängt - nur leere fenster
kehlentrocken sind müll und autos
magnetbomben schleichen an unheimlichen sandhaufen vorbei
der mit turban, wasserpfeife und tee sitzt noch
wer ist wer?
der nicht identifizierte journalist kann nicht mehr unter seiner fahne gehen
und der mann in der bar schwitzt und sieht seine zerissenen söhne noch einmal in palmgärten
(symptomschweigen oder acedia?)
schallgedämpfte pistolen, doch ahmed hat keine augen mehr
jemand schaltet ein paar fernsehmonitore
vorne räuspern sich filmstudenten
it’s no fake. the future will be better tomorrow
ein knall.
soldaten ziehen das aufnahmelicht
auf die knappen knochen
die flügel der schwalben
werden im frühling weiß
(finalschweigen?)


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#2

RE: jeremia 17,9

in Düsteres und Trübsinniges 20.10.2011 18:08
von der.hannes | 737 Beiträge

Hallo Munkel,

der Titel erfordert aber Bibelfestigkeit, deren ich mich nicht rühmen kann ;)

Die Stimmung, die Du mit dem Gedicht bei mir erzeugst, ist ziemlich gruselig.

es grüßt
der.hannes

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#3

RE: jeremia 17,9

in Düsteres und Trübsinniges 20.10.2011 19:35
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Jetzt, lieber Munkel,

die News über das Ende eines nordafrikanischen Präsidenten noch im Kopf, lese ich deine Zeilen wie eine
optisch und inhaltlich zerfetzte Vorahnung. Du könntest ihm die Zeilen fast widmen.

Daß er, wie schon ein Tyrann vor ihm, zuletzt in einem Erdloch Zuflucht suchte, traf mich wegen der Symbolkraft des Bildes. Die gegenwärtige Welt gibt uns nicht einmal mehr das letzte Loch im Boden. Wir werden verbrannt, dynamisiert und recycled, kehren wörtlich genommen zum Staub zurück.
Realitätsnah betrachtet spricht auch vieles dafür, symbolisch bedeutet das den Verlust der letzten Ruhestätte.

Vielleicht zerstört die öffentliche Berichterstattung als Preis der Prominenz auch das finale Schweigen. Hoffnung bleibt, daß auch seine dunklen Schwingen im Frühling weiß werden. - Schöne Verse, las sie heute anders als gestern. HG - mcberry


zuletzt bearbeitet 20.10.2011 19:37 | nach oben springen

#4

RE: jeremia 17,9

in Düsteres und Trübsinniges 20.10.2011 20:45
von MarleneM • ( Gast )
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da unser Schwiegersohn in spe demnächst nach Aphganistan muss, beziehe ich deine Zeilen auf dieses Thema.
Die Männer, die keine Augen mehr im Kopf haben- blinder Fanatismus, Unsicherheit überall.
Journalisten sind ebenso gefährdet wie Oppsitionelle oder Schuztruppen.
Fahnen sind gefährlich geworden, sie machen erkennbar.
Finales Schweigen lässt das Ende offen-
Schweigen weil sich alles klärt oder Schweigen weil alle tot sind.
Bedrückende und nachhaltige Zeilen, lieber Michael, die mich in besonderer Weise berühren.
LG von Marlene

zuletzt bearbeitet 20.10.2011 20:47 | nach oben springen

#5

RE: jeremia 17,9

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2011 21:34
von Michael Munk | 271 Beiträge

hallo ihr drei,
vielen dank für eure kommentare und verzeiht bitte, dass ich keine worte finde, als diese.

grüße vom munkel


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