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Gibt es ein Leben vor dem Tod? Kapitel 1, wird fortgesetzt
Gibt es ein Leben vor dem Tod? Kapitel 1, wird fortgesetzt
in Philosophisches und Grübeleien 03.11.2011 23:51von Joame Plebis •
| 2.565 Beiträge
Gibt es ein Leben vor dem Tod? So lautete unlängst eine Frage eines angesehenen Mitgliedes aus diesem Forum.
Selbst ein fundiertes Wissen mit oder ohne Titel, akademische Grade, erwiesenes philosophisches Denken, sie alle können kein Garant dafür sein, die Frage zufriedenstellend und richtig zu beantworten.
Kein wissenschaftliches Studium befähigt dazu, schon gar nicht das Befassen mit parapsychologischen oder okkulten Phänomenen oder ein hingebungsvolles Verleugnen der Vernunft zugunsten eines Glaubens.
Dabei wäre die Beantwortung ein Leichtes. Wurden wir nicht alle von Natur aus mit den annähernd gleichen Sinnen ausgestattet? Haben wir nicht alle eine Erinnerung?
Jetzt höre ich förmlich schon ein Murren und aufbegehrende Bemerkungen:
So weit kann sich doch niemand zurückerinnern! Der eine meint, er habe bestenfalls Erinnerungen vom vierten Lebensjahr. Ein anderer argumentiet vielleicht, seine Erinnerung reich bis zum zweiten Lebensjahr zurück. Auf sehr unterschiedliche Aussagen können wir treffen. Sie alle haben die Gemeinsamkeit, daß behauptet wird, sich nicht bis zur Geburt zurückerinnern zu können.
Diese Antworten stimmen auch, nur wurde ganz Wesentliches nicht berücksichtigt, von dem wir alle betroffen sind: das Vergessen und die Ursache des Vergessens. Um dieses begreifen zu können, sollten wir einige Überlegungen anstellen.
Kapitel 2
Die Frage lautete: Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Auf den ersten raschen Blick, scheint es eine simple Frage zu sein, von der man annehmen könnte, sie wäre rasch mit einem Nein oder mit einem Ja beantwortet. So ist es aber leider nicht. Denn, um beantworten zu können, muß die Frage verstanden werden, was aber ohne die Definitionen von Leben und von Tod nicht möglich ist.
Deshalb scheint die Beantwortung einer Frage, die in logischen Schritten angegangen wird, eher ein Rückschritt zu sein als ein Vorwärtskommen, näher zur Beantwortung, zu sein.
Abermals scheint eine einfache Lösung in Sicht zu sein, durch die Behauptung, was nicht lebendig ist, ist tot. Bedingt der Zustand des Todes tatsächlich, dass kein Leben vorhanden ist - und umgekehrt: kann wirklich alles, was nicht tot ist, dem Lebenden zugerechnet werden?
Wenn wir beispielsweise annehmen, das Leben beginnt mit der Geburt, läßt das die Vermutung zu, davor war Tod - Nichts.
Wer hat noch nicht versucht, seine Vorstellungskraft zu strapazieren, sich den Zustand vor seiner Geburt auszumalen? Wenn wir das Körperliche Vorhandensein, das vor der Geburt nicht war, als Bedingung für Leben annehmen, dann war klarerweise vor der Geburt kein Leben.
Man stelle sich vor: wenn schon ohne dem Wort 'ewig', es wären zumindest Milliardenvon Jahren vergangen. Dann wurden wir geboren, leben verschwindend kurze Zeit - und schon wieder geht es ab in den vorher gewesenen Zustand. So betrachtet, wären wir vorher und nachher tot.
Dabei werden viele Fragen auftauchen. Warum waren wir nur für kurze Zeit, warum hat genau dieser Körper, den wir haben, diesen oder jenen Mangel, hält nur kurze Zeit, manchmal für längere Zeit dem Zustand des Lebens stand? Warum waren wir vorher nicht, viele Milliarden Jahre, die Ewigkeit davor in diesem Zustand? (Abgesehen davon, läßt sich Ewigkeit nicht teilen; es gibt keinen Teil von Ewigkeit.)
Setzen wir den Zustand der uns erwartet, demjenigen gleich, von dem wir annehmen, er war auch vor unserer Geburt, und bezeichnen diesen als Tod, wird man allgemein in Versuchung kommen und behaupten, dazwischen sei Leben. Mit diesem meinen wir den biologisch funktionierenden Zustand, der uns lesen und schreiben läßt.
Der Unterschied dieses momentanen Zwischenstadiums zu den anderen (davor und danach) wäre jener, daß wir uns äußern können, kreativ sein, körperlichen Zuständen ausgeliefert sind. Wir meinen, in einem realen Sein zu sein, nehmen Eindrücke auf, handeln danach, verändern bewußt. Aber das bezieht sich nur auf dieses Sein, von dem wir uns fragen können, ob es wesentlich ist. Ist es entscheidend und wofür ist es entscheidend?
Wir haben so eine Art Zeitgefühl und zugleich das Wissen, in einem Zwischenstadium zu sein. Die meisten fürchten, dieses verlassen zu müssen, was für uns, die Betroffenen eines biologischen Alterungsprozesses, normal ist.
Mit jedem Versuch, eine Frage zu beantworten, ergeben sich immer mehr neue Fragen.
Warum haftet in uns dieses Widerstreben, das Sein, dieses Zwischenstadium verlassen zu müssen?
Könnte es damit zusammenhängen, daß wir womöglich nur jetzt Veränderungen unterworfen sind, hervorrufen können, Wissen darüber haben? Ist dieses Sein einer Art von Auszeichnung gleichzusetzen, die uns aus einer nicht biologischen Form in diese für einige Jahre eintauchen läßt, samt allen Möglichkeiten der Sinneseindrücke? Haben wir diese davor und danach nicht? Was macht diese erstrebenswert? Warum drängt es uns und verlangen wir nach dem kurzen Lichtblick, der das Risiko in sich birgt, qualvoll zu sein?
RE: Gibt es ein Leben vor dem Tod? Kapitel 1
in Philosophisches und Grübeleien 05.11.2011 17:21von MarleneM • ( Gast )
Ich denke, lieber Joame, das Vergessen ist nur ein oberflächliches, subkejtiv momentanes. Unser Gehirn speichert und wirft es uns in Räumen wieder vor.
Unsere Reaktionen unser Verhalten wird bestimmt von dem, was uns prägte, was uns verinnerlicht ist - und dennoch vergessen.
Dein Tiitel irritiert mich ein wenig.
gibt es ein Leben vor dem Tod. Inhaltlich beziehst du dich nur auf die Zeit der frühesten Kindheit,
Dazwischen bis zum Tod liegen etliche Jahre- wünschenswerterweise zumindest-lächel.
Das Leben vor dem Tod bestimmen wir selbst- was wir machen aus unserem Leben, das wird es sein. Wie wir es sehen, empfinden, das macht aus, ob wir es als "Leben" im Sinne von gutem Leben bewerten.
Schicksalsschläge und Trauer, Schmerzen bleiben keinem erspart.
Zufriedenheit und Glück jedoch machen wir selbst daraus.
So sehe ich es, subjektiv und unvergessen.
Ein Schmunzen von Marlene
RE: Gibt es ein Leben vor dem Tod? Kapitel 1
in Philosophisches und Grübeleien 07.11.2011 09:07von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge
Interessante Betrachtungen, Joame,
da ich nicht so klug bin, trete ich hinter einem bewährten Denker zurück:
Zitat
"Das Leben ist der Traum einer jenseitigen Vergangenheit,
welchem uns die Geburt entriß
und der Tod wieder zurückgibt"
steht irgendwo bei Gutzkow, Karl Ferdinand. Er sagt es, nicht wahr? HG - mcberry
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