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#1

Was ist los? 3

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 11.11.2011 23:34
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte

Von Willi hatte ich mir meine Schlüssel geholt, insgesamt 4 Stück bekam ich. Den fünften Schlüssle nahm er mit meiner Zustimmung in seine Verwahrung, mit dem Hinweis, man weiß nie, wozu es gut ist.

Keine größere Sehnsucht hatte ich, als abzuschalten und mich zu entspannen. Diesmal nahm ich den Lift, denn das gesamte Stiegenhaus stank noch nach Nitrolack oder was immer unser Nachbar für seine Arbeit im Keller verwendet haben mochte. Sogar in meiner Wohnung roch ich noch das 'Gas', das mich so in Alarmstimmung versetzt hatte.

Viel Grübeln brachte mir nichts ein; ich hatte ein neues Schloss, von dem niemand ausser mir und Willi einen Schlüssel besaß. Das Mikrophon und die Kamera waren entfernt worden. Was wollte ich mehr; es stand nichts mehr im Weg, es mir gemütlicher zu machen. Vielleicht brachte es mich auf andere Gedanken, ein Gedicht zu schreiben; es würde sich ergeben. Eines wußte ich, es würde ein Haß-Gedicht sein,mich erfüllte unbändiger Haß. Wem hatte ich all diese Ereignisse zu verdanken? Natürlich, wenn es nach Willi ging, dann mir, da ich irgendwelchen Simalisten auf die Zehen getreten war. Ich würde es weiter tun. Mir behagen Menschen nicht, die mit Methoden wie Zwang und Drohung und sogar mit Mord operierten.

Welche Möglichkeiten hat ein Einzelner, sich auszudrücken. Schreiben ist eine geringe, doch sie steht zur Verfügung. Die Schrift kann ein Ventil sein, genauso ein Strohalm. Ich loggte mich in mein Forum ein, dessen Namen ich sogar verrate. Er klingt verheißungsvoll: EL RIMUETTA

Als ertstes kam die Meldung: Ihr letzter Beitrag war vor 7 Tagen. Das wußte ich. Es war ein Herbstgedicht gewesen. Ist doch alljährlich immer das gleiche. Kaum kommt Herbst, schreibt alle Welt Herbstgedichte. Warum sollte ich da nicht mitspielen. Vor Weihnachten kommt eine Flut von Weihnachtsgedichten mit Sternchen und über das Kuchenbacken. Geschickte Schriftsteller schaffen mit Worten eine heimelige Atmosphäre, dazu etwas Schnee (auch wenn es tatsächlich keinen gibt), eine Stube, wo es nach Gebäck dampft und dann dürfen die leuchtenden Kinderaugen nicht fehlen. - Ist doch immer wieder der selbse Käse.

Im Frühling schreiben die gleichen Autoren, daß es grünt, bis man die Farbe Grün nicht mehr lesen kann. Neuankömmlinge im Forum, die ein Liebesschmerz getroffen hat, lassen die Herzen auf dem Mond schaukeln und tanzen in die Sternennacht.
Die Gedichte wären noch einigermaßen erträglich. Was sie so fürchterlich macht, das sind die darauffolgenden Kommentare, mit denen andere Schreiber sich beliebt machen wollen. Entweder aus Erbarmen wegen des kläglichen Werkes oder aus Freundschaft - oder weil ihnen langweilig ist, schreiben sie Kommentare, die so ähnlich lauten, wie :
Du hast den wunden Punkt meiner Seele getroffen... Ich fühle mit Dir, Du sprichst mir aus dem Herzen.... Wunderschön Dein Gedicht, mir steigt die Gänsehaut auf ..... und so geht das Kommentar für Kommentar dahin.
Ist einmal jemand dabei, der schonungslos seine Meinung schreibt, ist der User, an den der schonungslose Kommentar gerichtet ist, etwas gekränkt, fühlt sein Genie verkannt und reagiert nicht vorausrechenbar.
Ach, genau heute war ich nicht in Stimmung, etwas zu schreiben, zu viele aufreibende Ereignisse lagen hinter mir. So begnügte ich mich mit einem kurzen Gedicht, das ich hinterließ:

Was ist es, was für Frohsinn bürgt,
wenn mich abrupt ein Würger würgt,
was ist das, wovor mir so graut,
liegt flach auf Almen, wenn es taut.

Für heute sollte es genug sein, auch wenn ich die gestellten Fragen unbeantwortet ließ. Ich würde bald merken, welche Reaktionen kämen. Ich gebe zu, ich hatte nicht meinen besten Tag. Aber immerhin, eine Viertelstunde später kamen fünf Kommentare, die einhellig eine Frühlingssehnsucht beim Lyrischen Ich feststellten. Nur ein Kommentar war mit der Metrik nicht ganz einverstanden und bot sich an, mir bei der weiteren Ausarbeitung behilflich zu sein.

So abgelenkt hatte ich nicht auf die Uhr geblickt, die schon ein Viertel vor Mitternacht anzeigte.
Ich goß mir noch einen Kaffee ein, da ich mein Gähnen kaum unterdrücken konnte.
Trotzdem wußte ich, morgen mußte ich früh aufstehen. Wenn ich so auf meinen Tagesplan, ein etwas zerknüllter Zettel, blickte, standen einige Vorhaben notiert.

Irgend jemand hatte sich in den Kopf gesetzt, sein Bad neu zu verfliesen. Seit einer halben Stunde klopfte er die alten Fliesen und den Kleber von der Wand. 6 Uhr 5, das konnte ich durch meine Sehschlitze sehen,
ehe ich sie ganz aufbrachte. Keinen Tag kann man sich ausschlafen, immer kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Ich war zu kraftlos, um mich richtig ärgern zu können und wankte in die Küche. Zuerst einmal setzte ich mich hin. Da es aber bekanntlich keine Heinzelmännchen gibt, mußte ich wieder auf die Beine und verrichtete wie ein dressierter Automat gedankenlos die wenigen Handgriffe, bis mit einem Pfauchen Das Wasser in den Filter rann. Ich saß, das Kinn aufgestützt und wartete. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Helligkeit, die ich heute überhaupt nicht mochte. Rasieren konnte ich mich später. Jetzt einmal etwas ausruhen.

Ein 'DingDong' and der Tür ließ mich ahnen, daß aus dem Vorhaben, auszuruhen, nichts werden sollte.
Ich spähte durch das kleine Sichtglas, das mir nahe und verzerrt ein Männergesicht zeigte. Eine Kopfbedeckung konnte ich auch diffus wahrnehmen.
"Polizei, bitte öffnen!" vernahm ich durch die Tür. Das konnte stimmen - oder auch nicht. Etwas zögernd öffnete ich die Tür. Es stand nicht Willi oder einer seiner Kollegen davor, wie ich angenommen hatte. Ein mir fremder Beamter in Uniform stand mir gegenüber. Mein Blick dürfte einen verdutzten Ausdruck gehabt haben, denn ohne Umschweife erklärte er mir den Grund seiner Anwesenheit.

Seinem kurzen Bericht zufolge, hatten sich innerhalb der letzten halbe Stunde in die Wohnung unter mir, Einbrecher Zugang verschafft; die Wohnug war durchwühlt und etliche Gegenstände gestohlen worden.
"Nein, gar nichts habe ich gehört. Ganzen Tag klopft im Haus ein Arbeiter, ich vermute ein Fliesenleger. Bei dem Spektakel konnte ich nichts hören. Das Klopfen schon."
Der Beamte machte sich im Verlauf des nachfolgenden Gespräches, das hauptsächlich aus von ihm gestellten Fragen bestand, Notizen. "Sie waren laut ihren Angaben bis jetzt zu Hause und haben keine Wahrnehmung gemacht?"
"Stimmt" antwortete ich.
"Ich gebe Ihnen eine Nummer, unter der ich erreichbar bin, sollte Ihnen noch irgend ein Detail einfallen."
"Mache ich. Nur wird mir dazu bestimmt nichts Wichtiges einfallen."
"Schönen Tag!" "Ihnen auch!"

Zu besserer Laune hatte der ungebetene Besuch nicht beigetragen. Schon gar nicht das Wissen von Verbrechern in meiner nächsten Nähe. Nur ein Zufall war es, daß nicht bei mir eingebrochen worden war.
Ich wüßte nicht, wie ich reagiert hätte, wäre mir ein 'Besuch' abgestattet worden, während ich ahnungslos in meinem Arbeitszimmer saß.

zuletzt bearbeitet 04.02.2018 16:18 | nach oben

#2

RE: Was ist los? 3

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.02.2018 04:18
von HajoHorst | 37 Beiträge

Schön ist`s auf der Alm,
die Kuh grast, der Ochse döst,
die Sennerin käst.

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#3

RE: Was ist los? 3

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.02.2018 11:30
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte

Nicht nur der Titel macht stutzig, an dem die Nummerierung eine Fortsetzung erwarten lässt; mir fiel auch das Datum auf: 11.11.11 ! Ob da ein mir verborgener Sinn dahinter steckt?

Der Name des Schreibers ist mir geläufig, doch was er schrieb, erscheint mir fremd.
Während des Lesens korrigiere ich zwei Rechtschreibfehler, die ihm unterlaufen sind.
Das lässt auf eine gewisse Flüchtigkeit schließen, wobei ich mir gut vorstellen kann,
wie mit Scheuklappen vertieft zu sein, vorliegende kleine Gedankenflut niederzuschreiben.

Doch schon über sieben Jahre her; am Menschenalter gemessen, eine beachtliche Zeitspanne,
denn allzuviel Zeit haben wir nicht. Demzufolge verwunderlich, sie mit einer relativ
unwesentlichen Aussage in dieser Form, zu vergeuden.
Deshalb dem Leser meinen Dank, der es sogar Wert fand,
einige stimmungsbildähnliche Zeilen hinzuzufügen!

Ob dieser verheißungsvollen 3 tatsächlich ein Beitrag mit 'Was ist los 4' folgen sollte,
gehörte gut überlegt.

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