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ALARM
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 28.11.2011 10:32von Joame Plebis •
| 2.565 Beiträge
Der Chefphysiker war sprachlos. Dann begann die Reaktion. Mit leicht bebenden Fingen griff er zum Mikrophon und bog es näher zu sich. Dabei machte er gewohnheitsmäßig einen Blick in die Runde, wo die Wissenschaftler aller Abteilungen wie gebannt vor ihren Bildschirmen saßen. Einige nickten ihm heftig zu. Er drückte die Sprechtaste und rief:
"Das muß sofort die gesamte Welt erfahren, die Menschen haben ein Recht darauf! Das dürfen wir nicht verschweigen!
Aus allen Lautsprechern war in sämtlichen Räumen des großen Gebäuden seine Worte zu vernehmen.
Nachdem er geendet hatte, war für eine Sekunde eisiges Schweigen. Dann brach emsige Geschäftigkeit aus; Einige wenige blieben erstarrt, wie eingefroren aufrecht an ihren Plätzen und schienen unfähig, zu reagieren.
Schnell wurden die notwendigen Verbindungen geschaltet. Wie eine bleiche Statue stand er vor dem Pult, hinter den Glaswänden, die den Raum teilten.Der Wissenschaftler bellte immer wieder wieder die gleich lautende Meldungen mit scharfer und markanter Stimme in das Mikrophon.
Schon nach wenigen Minuten waren der Staatspräsident, die Polizei, die Zeitungen, die Feuerwehr und alle Katastrophenstellen informiert. Die Fernsehsender unterbrachen übergangslos ihre laufenden Sendungen, Bilder wurden angehalten, dann erschienen die jeweiligen Sprecher und wiederholten mit ernster Miene die erhaltene Meldung.
Die bekanntesten und auflagenstärksten Zeitungen unterbrachen den Druck und jene, die soeben damit beginnen wollten, stoppten ihn. Eine unsagbare Hektik war die Folge. Die gesamten Titelseiten und auch die folgenden Seiten waren dem Thema gewidmet; eigentlich die komplette Zeitungen. Zuerst der Wortlaut der Meldung. Darunter die Stellungnahmen einiger Staatsmänner, denen seitenweise Zusätze, Spekulationen und Warnungen folgten.
Es gab plötzlich kein Konkurrenzdenken mehr. Die Schlagzeilen lauteten alle gleich und schienen aus einem einzigen Rufzeichen zu bestehen. In riesengroßen Lettern in rotem und schwarzem Druck lautete am nächsten Tag die Schlagzeile:
Nach genauesten mehrfachen Überprüfungen haben sämtliche Institute der Erde übereinstimmend festgestellt, daß ein riesiger Planet auf direktem Kurs auf unser Sonnensystem zurast. Ein Fehler in den Berechnungen ist auszuschließen.
Die Geschwindigkeit betrug anfangs 18 km/sec, steigert sich unaufhörlich und beträgt jetzt 60 km/sec. Als Masse ist eine unvorstellbare Dimension bekannt. Sie dürfte die unserer Sonne um das Millionenfache übertreffen.
Die späte Entdeckung des Planeten, der unserem Sonnensystem unbemerkt so nahe kam, erfolgte erst durch bereits erfolgte Veränderung der Magnetfelder, die unsere Apparaturen aufzeichnen. Erste Auswirkungen der Gravitation sind schon bemerkbar. Wir müssen uns in den nächsten Tagen auf extrem starke Erderschütterungen einstellen.
Wie die letzten Messungen ergaben, haben Neptun und Uranus bereits ihre Umlaufbahn um die Sonne verlassen und ziehen eigenartigerweise Richtung Milchstrasse-Zentrum. Der Abstand Saturn zu Jupiter vergrößert sich, da Saturn dem Planeten entgegenstrebt.
Ebenso hat sich die Rotation der Sonne beschleunigt, es stehen heftige Eruptionen von Plasma bevor, die Gammastrahlung wird ein nie dagewesenes Höchstmaß erreichen und alle meßbaren Grenzen überschreiten.
Die für uns Erdbewohner bevorstehenden Folgen sind unausweichlich und müssen nicht beschrieben werden; vor allem aber sind sie nicht umkehrbar.
Es wird an die Bevölkerung und an alle Menschen appeliert, Ruhe zu bewahren, soweit das möglich ist. Es gibt keine Flucht - niemand hat Grund seinen Wohnort zu verlassen - es wäre auch zwecklos.
Die seit gestern auftretenden geomagnetischen Stürme werden sich bis morgen ungefähr verzehnfachen. Genießen Sie das Schauspiel.
Da körperliche Beschwerden, durch die sich in den nächsten 40 Stunden verändernde Gravitation unausbleiblich sind, raten wir Ihnen ab, einen Arzt zu konsultieren. Es wäre verlorene Zeit, von der uns nach groben Schätzungen noch rund eine Woche verbleibt. Verwenden Sie die Zeit zur inneren Besinnung und für einen allumfassenden Rückblick.
Zentrum f. Astronomie und Geophysik mit angeschlossenen Obersvatorien Chile, Neufundland, Mauna Kea
gezeichnet: Prof. DrDr. Markus Licktblich
RE: ALARM
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 28.11.2011 15:24von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge
Hi Joame,
wenn uns nur so weng Zeit bleibt, sind grammatikalische Betrachtung bestimmt nichtsnutzig. Andererseits sollten wir in Anbetracht der drohenden Katastrophe Ruhe bewahren und in unseren Bemühungen nicht nachlassen.
Hier nur einige Stellen, die mir auffielen:
Zitat
Titelseiten und auch die folgenden Seiten waren dem Thema gewidmet; eigentlich die komplette Zeitung(en)
Titelseiten und der Anfangsteil der Zeitung werden dem Thema gewidmet, oder waren es, nachdem dieselbe herauskam. Allgemeine Hektik läßt aber kein fertiges Produkt vermuten.
Zitat
Die späte Entdeckung des Planeten, der unserem Sonnensystem unbemerkt so nahe kam, erfolgte erst durch bereits erfolgte Veränderung der Magnetfelder, die unsere Apparaturen aufzeichnen.
erfolgte erst nachträglich anhand von Magnetfeldveränderungen... ist aber wissenschaftlich unwahrscheinlich.
Wenn du einen guten Grund suchst: Dingens kann plötzlich seinen Kurs verändert haben.
Wenn auch andere Planeten aus der Bahn geworfen wurden, ordnen sich interplanetarischen Kräfteverhältnisse neu.
Zitat
körperliche Beschwerden, durch die sich in den nächsten 40 Stunden verändernde Gravitation unausbleiblich sind
Werden wir jetzt ein bißchen in die Länge gezogen ja? Heben ab? Das ist so schön, bitte um nähere Ausführungen.
Insgesamt ziemlich gute und schmissige Story. Aber noch Kleinkram zu bereinigen. Krittelnde Grüße - mcberry
RE: ALARM
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.11.2011 02:03von Joame Plebis •
| 2.565 Beiträge
Lieber Mcberry!
Es ist zwar in der kurzen Zeit ein Luxus, trotzdem sah ich noch einmal herein. Natürlich wimmelt es hier so von Ausdrücken und Wuchstabenverbechslungen. Wer will das übel nehmen? Ich war zu aufgeregt. Du nicht? Dann hast Du aber ein dickes Fell.
Danke für Deinen Kommentar; nütze die Zeit!
Gruß
Joame
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