Gespräch am Nebentisch
Die schlanke, blonde Frau, die mir schräg am Nebentisch im Restaurant gegenübersitzt, spricht laut. Ihr gegenüber sitzt ein Mann. Die junge Frau raucht hastig und trinkt achtlos Grünen Veltliner. Hilfeflehend blickten ihre Augen den Mann an.
Ich lausche nicht. Es ist es unvermeidlich, ihnen zuzuhören. Sie breitet ihre ganze Seele vor ihm aus und hofft auf Zustimmung, auf Verständnis. Sie stellt sich und ihr Leben in Frage und schildert ihr Unvermögen, den richtigen Liebespartner zu finden.
„Ich habe keine Vorurteile“, sagt sie, „es ist mir egal, welchen Beruf der Mann ausübt,
den ich kennen lerne“!
Unausgesprochen hörte ich heraus: „Er soll mich bedingungslos lieben!“ Und gerade diesen Wunsch erfüllen die jeweiligen Partner nicht, oder nicht lange.
So hübsch ist die junge Frau und scheint so unglücklich zu sein. Eigentlich weiß sie, was all ihre Beziehungen scheitern lässt, ihre Ungeduld, ihre Sucht, Geschehnisse zu bestimmen. Die Männer sind ihr nicht entschlussfreudig genug, zu langsam und so trifft sie alle Entschlüsse. Dies gefällt ihrem jeweiligen Partner nicht.
Hilflos nickt der Mann zu ihren Argumenten. Er kann ihr nicht raten, nicht helfen, sie lässt ihm keine Zeit zu antworten. Er hat seine Funktion erfüllt. Er hat zugehört. Mit lauter Stimme ruft sie: „Zahlen bitte“ und steht ungeduldig auf, ehe die Kellnerin erscheint.