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#1

Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 24.01.2012 07:16
von Evanesca Feuerblut | 165 Beiträge

Dieser Schauer süßer Schläfrigkeit
verdrängt die unstillbare Glut geschund'ner Augen
die Hitze die versucht, dich gänzlich auszulaugen
in einem Augenblick ewiger Einsamkeit.

Und der Sonnengott nimmt dein Selbst zu sich
während im Irdischen nur Asche bleibt,
die gierig sich die Erde neu einverleibt
doch du, du hast nichts verloren bis auf dich.

In glühender Umarmung denkst du dann
irgendwann an den einzigen Fehler deiner Jugend,
auf den zuvor schon Jeder dich besann.

Und wirst bereuen deine zweifelhafte Tugend,
vielleicht erst morgen, sicher aber irgendwann
umkehren vom Gedanken, der den Schluss begann.

Alte Version der letzten Zeile:
lächelnd von der Sonn' dich trennen, eh sie sich besann.

Das ist ein etwas älteres Gedicht... von 2009 und so würde ich es nicht mehr schreiben, aber dennoch wollte ich es euch zeigen :)

zuletzt bearbeitet 29.02.2012 19:56 | nach oben springen

#2

RE: Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 26.01.2012 15:42
von mcberry • Administrator | 1.204 Beiträge

Hallo Evanesca,

Ein sehr interessantes, und wie man das von dir kennt etwas ungewöhnliches, Thema.

Hitze laugt die materiellen Anteile aus, die das Zeitliche segnen, von der Erde gierig abgegriffen. Unser Selbst darf zum Göttlichen hinzutreten. In der glühenden Umarmung des Sonnengottes denkt ein (wahrscheinlich weibliches) Selbst an die verpassten Chancen seines Lebens. Zur Liebe, zum zivilen Ungehorsam? Zu was auch immer! Die im Leben bekundete Tugend war zweifelhaft, was auch von Jedem bereits bemerkt worden ist.

Noch ein bißchen Krittelei: Mit der Hitze wie dem Sonnengott komme ich klar, in S4Z3 ist die Sonne wieder weiblich. Davon abgesehen verstehe ich die letzte Zeile nicht wirklich. Es lohnt vllt doch einer Überarbeitung. Aber egal, gerne gelesen. Besonnte Grüße - mcberry


zuletzt bearbeitet 26.01.2012 15:44 | nach oben springen

#3

RE: Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 26.01.2012 17:46
von Evanesca Feuerblut | 165 Beiträge

Hallo mcberry!

Danke für den Kommentar auf ein wirklich schon etwas älteres Werk von mir.

Zitat
Zu was auch immer!

Das trifft es gut und ist der Grund, warum ich es rausgekramt habe. Es greift dieses Gefühl des "Whatevernes" auf, das ich in letzter Zeit so oft gefühlt habe - nicht im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern im Sinne einer gewissen Gelassenheit. "Whatever, das wird schon, nicht aus der Ruhe bringen lassen, einfach abwarten."

Zitat
Die im Leben bekundete Tugend war zweifelhaft, was auch von Jedem bereits bemerkt worden ist.

Die Tugend des LD bestand in diesem Moment ja darin, aus dem Leben zu treten - eine höchst zweifelhafte Lösung.

Zitat
och ein bißchen Krittelei: Mit der Hitze wie dem Sonnengott komme ich klar, in S4Z3 ist die Sonne wieder weiblich. Davon abgesehen verstehe ich die letzte Zeile nicht wirklich. Es lohnt vllt doch einer Überarbeitung.

Puh, ja... Da wurde um des Reimes willen ein wenig geschludert, gebogen und gebrochen bis ins Sinnlose (leider typisch für viele meiner alten Arbeiten - hingeschmissene, kryptische letzte Zeilen). Sinngemäß meinte ich irgendwas in Richtung "dass die Seele sich dann von der Todesursache schnell löst, solange die Gedanken noch positiv sind" oder ähnlich... Das lässt sich drei Jahre später leider nur noch schwer rekonstruieren.

Anlass war auf jeden Fall, dass ein Sonnenstrahl mich geblendet hat im Deutschunterricht 12te Klasse und ich davon so genervt war, dass ich am Liebsten aus dem Fenster gesprungen wäre. Und dann ist mir eingefallen, aus wievielen nichtigen Gründen junge Leute sich umbringen, die das ganze Leben doch noch vor sich haben und - hätten sie die Möglichkeit - ihren sinnlosen Selbstmord sicher bereut hätten. Zu dieser Zeit waren Emos gerade en vogue und es tat mir weh mitanzusehen, wie viele Menschen ihre Seelen aus einer Modeerscheinung heraus verstümmelten.

LG, Evanesca



Hallo!

Ich habe jetzt die letzte Zeile etwas verändert - völlig glücklich bin ich nicht damit, aber ich glaube, dass ich jetzt weitaus besser ausdrücken kann, was ich gemeint habe.

LG, Evanesca

zuletzt bearbeitet 01.03.2012 11:42 | nach oben springen

#4

RE: Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 01.03.2012 11:45
von mcberry • Administrator | 1.204 Beiträge

Hi Evanesca,

sogar sehr viel besser m. E. mit runderneuerter Perspektive einer kreislaufenden Ewigkeit. HG - mcberry


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#5

RE: Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 01.03.2012 18:34
von der.hannes | 737 Beiträge

Hallo Evanesca,

ein 14-Zeiler mit dem Reimschema und der Gliederung eines Sonettes. Das Metrum aber ist nicht durchgängig, was dazu gehören würde.

Die Zeile
"auf den zuvor schon Jeder dich besann"
ist sprachlich etwas unglücklich, wenn auch inhaltlich verständlich.

Inhaltlich passt es gut zu Philosophisches und Grübeleien

es grüßt
der.hannes

Inhaltlich

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#6

RE: Unmögliche Reue

in Philosophisches und Grübeleien 28.03.2012 12:05
von Evanesca Feuerblut | 165 Beiträge

Hallo Hannes!

Ich habe mal eine Aufnahme davon, wie ich es vorlesen würde, gemacht, bekomme sie nur gerade nicht ins Forum :(. Muss zugeben, dass ich ein Problem mit der Metrik habe, schlicht und ergreifend, weil mir immer wieder auffällt, dass ich das nie im Leben genau sooo lesen würde, wie es angeblich zu betonen wäre *G* und darum einfach nicht nachvollziehen kann, was ich falsch gemacht habe oder wie man es richtig macht, da die angeblich richtige Betonung für mich komisch klingt.
Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich nicht Muttersprachlerin bin, wer weiß!

Hallo mcberry!

Vielen Dank! Mir selbst gefällt mein Gedicht so auch wesentlich besser.

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