Natürlich kann jeder alles und nichts assozieren, liebe Marlene. Nun ist aber das nach außen nicht Eindeutige ohne inhaltlichen Schwerpunkt, wenn wenn es einer inneren Wahrheit, durchlebten Wirklichkeit entbehrt. Jede Aussage maskiert sich mit Wörtern, Verstellungen, Behauptungen; dies gilt auch für das Selbstdurchlebte.
Es gibt die Auffassung, wonach
eine Erfahrung erst vergessen werden muß, ehe man unbefangen und unverstellt über sie schreiben kann. D.h., dass selbst derjenige, der eine Erfahrung mit einem Ereignis durchlebte nicht mehr bewußt über sie verfügt, denn sie wäre ja in das Vergessen unbewußt gefallen, wenngleich noch in ihm nach außen treibend verfügbar, doch nur in
kryptischer Form. So drängen bei dieser Auf-Hebung Gefühle nach oben, außen, die z.B. Heinrich Heine in die ewig gültige Verszeile verschrieb :
" Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin ...etc."
Das Vergessen sehe ich angesiedelt im Reich der Romantik ( siehe auch mein heute eingestelltes Sonett):
Was treibt vergessen hinter greise fragen
Ins meer der phantasie: versesemantik,
dort heulen hunde, taphern, klänge klagen,
treibt unerforscht das leer: sehnsucht, romantik.
Wohin begleitet menschengeist, verwirrter,
auf hohlem ast beharrlich weiße krähen,
und blüht sich astern, winkt im gruß verirrter,
den wandrer teilnahmslos, will segel blähen?
Wie säumt die seele, tief in bunten träumen,
Vor ihr das riff, gekuppelt von amphoren,
Doch nun schenkt ein, den götterwein laßt schäumen,
Zieht fort ein schiff, verbrannt der strand, verloren.
Das lied führt nie zurück zum trauten hafen,
Wo seine wurzeln in der quelle bettend schlafen.
Also ein jeder nehme sich heraus von dem er hat, alles werde klar im Vergessen.
Liebe Grüße,
DatOtto