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#1

verwandlung

in Diverse 01.02.2012 01:48
von Michael Munk | 271 Beiträge

wenn man die verluste nicht mehr identifizieren kann
und nur noch mit ironie auf alle fragen des lebens antwortet
dann ist es soweit: die neuerfindung des selbst kann sich vollenden

bis die nahestehenden dieses ausgaleeren
leeren krabat und buratine alle gewonnene zeit
seitet korn kimme in diesem einen stundenglas kaleidoskopisch
satteln wir die pferde die pfade die pfuhle die sümpfe
schrumpfen rümpfen die spröden rügen die gegenwärtige gegenwart
stammt nicht von hier schilt schilde halten schrägen reden

blicke haben nichts versprochen
pochende augen haben dennoch fremde
habe nur an dich gedacht


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#2

RE: verwandlung

in Diverse 01.02.2012 09:27
von mcberry • Administrator | 1.204 Beiträge

Hallo Munkel,

die Abwendung von nicht länger erkennbaren Verlusten leitet zur Wiederauferstehung über im neuen Gewandt.

Einer geronnenen Gegenwart zu entfliehen wird im Stundenglas wie in einem Kaleidoskop neu gemischt. Auch
die Sprache. Archaische Bilder einer beseelten Fortbewegung zu Pferde durch die Sümpfe möglichen Neubeginns.

Der sich nicht vertrauenenweckend präsentiert. Alle sind zu Fremden geworden dem neu Erfundenen, erschweren
mit Blicken voller Erinnerungen an das alte Selbst den Schöpfungsakt der Verwandlung.

Sätze wie "die gegenwart stammt nicht von hier" als Ausdruck eines fremdbestimmten Lebensgefühls oder
Bilder in Wortwendungen, wie die pochenden Augen gefallen mir spontan. Sehr gerne gelesen - mcberry


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#3

RE: verwandlung

in Diverse 01.02.2012 16:35
von der.hannes | 737 Beiträge

Hallo munkl,

auch mir gefällt dieses stark sprach-assoziative Gedicht sehr gut. Es liest sich wie ein Stroboskop der Gedankenwelt.

es grüßt
der.hannes

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#4

RE: verwandlung

in Diverse 13.02.2012 13:16
von perry • Mitglied | 910 Beiträge

Hallo Michael,

ja originell gemalte Bilder, die den inneren Kampf um Abwendung vom Alten hin zu Künftigem gut begleiten.
Meiner Meinung nach bist du aber stilistisch etwas übers Ziel hinausgeschossen, zumindest wirken Passagen wie

"seitet korn kimme" und "schilt schilde"

doch etwas konstruiert und

"satteln wir die pferde die pfade die pfuhle die sümpfe
schrumpfen rümpfen die spröden rügen die gegenwärtige gegenwart"

etwas überladen.

Konstruktiv wäre für mich hier weniger mehr und auf die einführende Erläuterung würde ich ganz verzichten, der Leser möchte selbst herausspüren, um was es geht.

"galeerende" Grüße
Perry

zuletzt bearbeitet 13.02.2012 13:18 | nach oben springen

#5

RE: verwandlung

in Diverse 13.02.2012 22:53
von Michael Munk | 271 Beiträge

hi e-literaten
danke für eurer feedback, mcberry, der.hannes, perry.

skizze zur galeerenden kritik :)
mhmm, das zuviel mochte ich gerade. als kontrapunkt zu der eher nüchternen einleitung, die ich missen würde, wenn sie wegbliebe. ich benötige diesen ansatz in meiner wahrnehmung von zeitgenossen, die sich immer mehr mit ironie einlulllen und am ende als ironier auch keine wirkliche kommunikation mehr hinbekommen ..


seitet korn kimme .... die zeit bekommt eine chance, seitet sie, bebildert sie, macht sie am ende dreidimensional im stundenglas von ereignissen....


schilt schilde ... man kann auch lesen stammt nicht von hier schilt / schilde halten schrägen ...


diese von dir aufgespürten überladungen sind genau die dinge, die zu vernünftige wegfiltern und nicht mehr zulassen. daher nahm ich genau diese bilder so hinein. es ist eine expressionistische darstellung.


grüße, viele


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