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#1

Der fünfte Mensch (Eine Annäherung)

in Philosophisches und Grübeleien 02.04.2017 19:50
von munk | 681 Beiträge | 636 Punkte

Er ergreift den Tod,
der keine Ruhe im Tagebuch findet;
er füllt mit ihm die schwarzen Löcher
in einer Zeitmaschine:

Der Großvater ist in Russland gefallen.
Die Großmutter bleibt allein,
immer eine Feldpost in zittriger Hand.

Hier gibt es uns noch nicht.
Hier stirbt ein altes Fischerboot.
Die Dreieckszeltbahn ist sein Segel.
Die Möwen sind keine Lebenszeichen.

Alt ist der Strand mit Sandburg
ein Ort voller Kreuze und Grabplatten,
eine Silberblume mit dem Geruch der Mutter.

Rundum toben Bomber.
Neben uns platzen Körper.
Nur er vertäut die Flüchtlingstrecks
mit dem Schrei Sterbender

zuletzt bearbeitet 04.04.2017 08:25 | nach oben

#2

RE: Der fünfte Mensch (Eine Annäherung)

in Philosophisches und Grübeleien 04.04.2017 06:29
von Alcedo • Mitglied | 2.548 Beiträge | 2394 Punkte

der erste Mensch blättert im Heute in einem alten Tagebuch, der fünfte starb damals im Bombenhagel? also in fünf Generationen Abstand, eine pro Strophe? ja, scheint so.

sehr stark, als eindrückliche surreale Impression, diese letzte Strophe, Munk.

sind die fehlenden Punkte nach der ersten und der letzten Strophe Absicht?

nach Grabplatten ist dir ein Leerzeichen zu viel reingerutscht.

Gruß
Alcedo


e-Gut
zuletzt bearbeitet 04.04.2017 06:30 | nach oben

#3

RE: Der fünfte Mensch (Eine Annäherung)

in Philosophisches und Grübeleien 04.04.2017 08:47
von munk | 681 Beiträge | 636 Punkte

Hallo lieber Alcedo,
ursprünglich habe ich die fehlenden Punkte bewusst weggelassen, aber nun mich doch entschlossen im ersten Vers wenigstens mit einem Doppelpunkt einzuleiten. Den Schlussvers lasse ich am Ende punktlos, weil er offen lassen soll, wie setzt sich die Geschichte und Gestaltwerdung des fünften Menschen fortsetzen könnte. Das Punktlose soll die Fortsetzung und zugleich Annäherung betonen. Zumindest war das mein Gedanke. Vielen Dank für das aufmerksame Lesen, so konnte ich auch die Leerstelle vor dem Komma tilgen. Der fünfte Mensch ist eher einer, der als Namenloser, als Nummer stellvertretend für all die stehen soll, die als kleines Rädchen des Weltgeschichtlichen, das Unfassbare, eigentlich Unsägliche, nicht Vorstellbare durchlebt und unbemerkt vom großen Weltgetriebe die Last tragen, die ihnen aufgebürdet wurden, der sie sich nicht entziehen konnten, unter die sie, trotz allem Ertragenen und Erlittenem weiterlebten, auch transgenerativ ihre Traumata und Verdrängungen weitergaben ...


Gruß
Munkel

zuletzt bearbeitet 04.04.2017 09:39 | nach oben


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