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#1

Synkope

in Minimallyrik 01.11.2017 19:13
von munk | 650 Beiträge | 617 Punkte

Diese Graugänse, Kraniche, die aus geheimnisvollem
Herbst Nebel färben, tausendfach
hörbar Äcker mit Bewegung
jede Südinsel ein Gefährte

Gestrig ein Zaunkönig, eine Katze
Stillleben, gemütsäugig:
Mutters leere Schuhe heben
lauter Heidekräuter übers Dunkle

zuletzt bearbeitet 07.11.2017 09:04 | nach oben

#2

RE: Synkope

in Minimallyrik 03.11.2017 13:23
von ugressmann | 821 Beiträge | 782 Punkte

Hallo munk - kann es vielleicht sein, dass es im Text heißen soll: ...Nebel fallen - statt färben?
Ansonsten habe ich dein Gedicht sehr gerne. Frdl. Grüße von Uschi

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#3

RE: Synkope

in Minimallyrik 03.11.2017 23:45
von Artbeck Feierabend | 92 Beiträge | 52 Punkte

Guten Abend, Munk!

Die Zugvögel färben den unbelebten Nebel mit ihren bunten Körpern, sind wie Farbtupfer im Grau - und bilden eine Metapher, passend zur Stillleben-Thematik deines Gedichts.

Wie aus der Sicht eines Malers, der seine Impressionen auf die Leinwand bringt, schildert das lyrische Ich seine assoziativen Wahrnehmungen, optisch, bildlich, zeitlich und akkustisch auf ungewöhnliche Art miteinander verschmolzen. Es erweckt den Eindruck, als befände es sich in einer Art Trancezustand - und hier kommt der geheimnisvolle Titel “Synkope“ ins Spiel, der ja die Bereiche der Musik, der Medizin, der Poetik und der Linguistik berührt und entsprechend unterschiedliche Bedeutungen hat. Gemeinsamer Nenner ist das Wegfallen, Ausblenden...
Mir scheint es hier so, als setzt das Bewusstsein des lyrischen Ichs immer wieder kurz aus, nur um sich dann neu zu orientieren und die Dinge wieder aus einem anderen Licht zu betrachten - und um daraus vielleicht Kraft zu schöpfen, unangenehme Aspekte auszublenden, sich an Vergangenes zu erinnern.

Es ist ein tolles, hypnotischen Gedicht mit einem interessanten Titel!
Ebenfalls gerne gelesen.

Gruß,
Artbeck

zuletzt bearbeitet 04.11.2017 00:32 | nach oben

#4

RE: Synkope

in Minimallyrik 05.11.2017 18:58
von mcberry • Administrator | 2.518 Beiträge | 2470 Punkte

Hallo alle miteinander,

mich faszinieren die Zeilen auch - ohne behaupten zu wollen ich verstünde den Text - besonders die
Schlußverse wecken Hoffnung ebendiese möge in 2 breitgetretenen Pantoffeln irgendwohin gehoben
werden. Schließlich schaffen auch diese zierlichen Kraniche das Unmögliche und ziehen gen Himmel.
Wehmütig Nebel umwaberten Blickes hinterher schauend suchen wir einen Weg zurecht zukommen.
Lernen wir loszulassen. Der Winter naht und das ist ein Gemütszustand. Kryptische Grüße - mcberry


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#5

RE: Synkope

in Minimallyrik 06.11.2017 20:36
von munk | 650 Beiträge | 617 Punkte

liebe uschi,
es soll färben ;)

lieber artbeck,
es ist eine synkopische momentaufnahme. dein hineinspüren in meine bemühung ist nahe an meinem intendierten. sprachlich kann ich es nicht anders (joame).

lieber mc'el,
eine kryptische wahrnehmung birgt manches, was dem schreiberling vielleicht gar nicht bewusst ist. dennoch schrieb ich es aus einem besonderen emotionalen zustand heraus. ich verband, so gut ich es vermochte, mehrere bilder, die sich mir, einer abwesenden person gedenkend, aufdrängten, in etwas dichteres, anwesenderes. so entstand die synkope.

vielen dank für eure eindrücke.

munkel

zuletzt bearbeitet 06.11.2017 20:42 | nach oben

#6

RE: Synkope

in Minimallyrik 09.11.2017 23:11
von Alcedo • Mitglied | 2.443 Beiträge | 2351 Punkte

Zitat von munk im Beitrag #1
Diese Graugänse, Kraniche, die aus geheimnisvollem
Herbst Nebel färben, tausendfach
hörbar Äcker mit Bewegung
jede Südinsel ein Gefährte

Gestrig ein Zaunkönig, eine Katze
Stillleben, gemütsäugig:
Mutters leere Schuhe heben
lauter Heidekräuter übers Dunkle


sehr dicht, präzise und gelungen.

hallo Munkel

hier prallen mir zwei Welten aufs Eindringlichste, aufs Berührendste aufeinander: Außen- und Innenleben des lyrischen Ichs. die stärkste Zäsur ist mir dieser dabei erfolgende inhaltliche Wandel nach dem Doppelpunkt: mögen die Vogelfedern kleine Lichtblicke sein fürs Gemüt, im dumpfen Nebel der Trauerbewältigung, der Wahrnehmung. /cut
während derselben, die Schuhe der eigenen, unlängst verstorbenen Mutter, aufzuheben, hebt alles bisherige (äußere) auf, aber die inneren aufbrandenden Bilderfluten abhalten, ihnen Einhalt Gebieten vermag diese Handlung nicht - soll sie auch nicht. das Ich tut das einzig richtige: es räumt auf: scheinbar beiläufig irgendwo Außen, und doch womöglich gründlich, Innen im Tiefen.

Gruß
Alcedo


e-Gut
zuletzt bearbeitet 09.11.2017 23:15 | nach oben

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