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#1

Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 27.04.2019 12:48
von munk | 752 Beiträge | 824 Punkte

Ich steh am Rad der Zeit!
Ich greife in sein Räderwerk.
Doch es dreht grausam nur in eine Richtung.
Die Uhren dröhnen. Die Katze ist verstört.
Alle Bilder schärfen sich und dich.
Überall bist du. Überall bist du nicht.
Wie soll ich damit fertig werden?
Mit dem Schornsteinfeger und den Schneeflocken am Tag der Heirat?
Mit der Spieluhr zum ersten Hochzeitstag, die du nicht mehr abspielst?
Unsere je länger je lieber zählt nicht mehr gemeinsame Jahre!
Deine Näh- und Kettelmaschinen surren nicht mehr.
Wer öffnet mir nun am Morgen die Augen?
Wer trotzt nun allen Jahreszeiten?
Wer nimmt mir die Angst?
Wer schüttelt jetzt jedes Schicksal ab?

zuletzt bearbeitet 28.04.2019 09:56 | nach oben

#2

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 27.04.2019 21:22
von Joame Plebis | 3.580 Beiträge | 3569 Punkte

Gut getan, diese Maschine zu zerschlagen und zu ignorieren.
(Die erste Zeile hätte ich weggelassen - meine Ansicht).

Beginn: Ich steh am Rad der Zeit!
Bedauerlich, nicht in das Rad der Zeit eingreifen zu können.
Interpretiert muss nicht viel werden.
Das Lyr. Ich muss selbst die Augen öffnen, muss sich einfach
damit abfinden, wie schwer es auch gelingt.
Kein wirkungsvolles Rezept ist zu finden für die Fragen:
Wer nimmt mir die Angst?
Wer schüttelt jetzt jedes Schicksal ab?
Jeder Versuch muss besser sein, als die Traurigkeit
fließen zu lassen und nicht versuchen, ihr etwas entgegenzusetzen.

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#3

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 28.04.2019 10:02
von munk | 752 Beiträge | 824 Punkte

Lieber Joame,
ich folge dir, die Hamletmschine ist nicht nötig. Danke für deine Zeilen. Es ist so unfassbar. Das Unglück schärft schmerzlichst im Nachhinein das Glück, was man im normalen Alltag als zu selbstverständlich wahr- und hinnahm. Ich weiß nicht, ob das LyrI-Ich es je schafft, durch das unwirkliche Gegenwärtige durchzukommen.

Todtraurig Munk

zuletzt bearbeitet 28.04.2019 12:51 | nach oben

#4

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2019 00:27
von Joame Plebis | 3.580 Beiträge | 3569 Punkte

Lieber Munk!

Eine anschauliche Annahme, Unglück schärfe das Glück.
Es kann vorkommen, wo zu viel geschärft wurde, zu viel!
Nachher sind keine Sensoren für Glück mehr vorhanden.

Joame

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#5

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2019 10:49
von munk | 752 Beiträge | 824 Punkte

Lieber Joame!

In der Phase des langsamen Begreifens eines unwiederbringlichen Verlustes potenziert es den ohnehin kaum aushaltbaren Schmerz. Es ist ein Verlust der Zweisamkeit. Das plötzlich hälftige Herz, mein Verstand rebellieren gegen das Vorgefallene, wollen den alten Zustand wieder herstellen und sind genauso ohnmächtig wie mein beschädigtes Selbst. Du weist aber auf einen Weg hin, der sich vom Zuviel-Schärfen lösen sollte, damit man wiederum das, was einem noch hält, meine Kinder, die noch dageblieben sind, nicht aus den Augen verliert. Das Kostbare ihres Daseins, mein doch nicht Alleinsein in dieser Schwere, ist auch Glück. Doch dieses Glück ist überschattet, bleibt überschattet. Das Unglück ist übermächtig. Es hat mich tief verwundet und seelisch schwer verletzt. Wie komme ich da durch? Wie lebt man mit einem entsetzlichen Verlust weiter? Noch ist das für mich unvorstellbar. Es ist eine Prüfung. Ich bin in Trauer.

munk

zuletzt bearbeitet 29.04.2019 11:24 | nach oben

#6

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 30.04.2019 03:02
von Joame Plebis | 3.580 Beiträge | 3569 Punkte

Die eigene Erfahrung lehrte mich, Bilder und Begebenheiten nicht zu verdrängen. Immer wieder Erinnerungen hervorholen wie ein kostbares Gut, das sie ja sind; insbesondere schöne, vielleicht auch lustige Momente, nach-erleben.
Es schmerzt, doch langsam kommt das Begreifen für vieles, das man jetzt nicht erfassen kann. Ein Vergessen wird es nie geben.

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#7

RE: Die Macht des Unglücks oder wenn der Tod einem das Liebste zerstört

in Düsteres und Trübsinniges 01.05.2019 17:36
von munk | 752 Beiträge | 824 Punkte

noch kann ich bilder und erinnerungen nicht ertragen anzuschauen. es ist, als ob ich in einen spiegel schaue, der eine realität vorspielt, die es nie mehr geben wird. ich falle in einen zustand, der mich quält, der das vergangene glück entgleiten spürt und wieder, immer wieder die frage, warum ist das nur passiert? wie brüchig und verletzlich ist doch unser irdisches sein. und wie entsetzlich kann ein unglück eine lücke im lebenalltag erzeugen, die einem zu spüren gibt, wie vergänglichkeit wahllos zuschlagen kann und einem verwundet, wie man es sich nicht hätte vorstellen können. alle geschmiedeten pläne und vorhaben sind für immer verloren. was bleibt mir als schritt für schritt mit der unwirklichen gegenwart zu gehen. jeder schritt schmerzt und zieht kummer nach sich.

zuletzt bearbeitet 01.05.2019 17:41 | nach oben


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