#1

kein traum

in Liebe und Leidenschaft 29.02.2020 12:10
von munk | 848 Beiträge | 1085 Punkte

die bücher rutschen über den bettrand
ist das der beweis des unglücks
der ungewollte tod

bis ans ende der welt
hämmern die spechte des parks
den entzweiten frühling

sie wissen was wir nicht wußten
dass dein lachen nur noch in der erinnerung lebt
die schneeflocken aber bleiben die goldenen sterne in deinem blonden haar

der sand unter meinen füßen brandet
die baumgruppe ist der kompass
die uhr die lebenszeit zurückholt

heut kamen die zamperer
ich habe die tür nicht öffnen können
im letzten jahr hast du vor der tür getanzt


A.S./29.2.2020

zuletzt bearbeitet 29.02.2020 15:02 | nach oben

#2

RE: kein traum

in Liebe und Leidenschaft 01.03.2020 01:09
von Joame Plebis | 3.618 Beiträge | 3657 Punkte

Schönen Abend, munk!

Du wirst doch nicht abergläubisch sein. Nein, bestimmt nicht!
Nüchtern gesagt könnte ein Kommentar dazu so lauten:
wenn Bücher rutschen, lässt es auf einiges schließen. Dass zumindest zeitweise
gelesen wird oder wurde und dass die Bücher nicht stabil plaziert waren.
Außerdem kann man in dem Haus ziemlich zuverlässig Analphabetismus ausschließen
und höchstwahrscheinlich eine belesene und somit gebildete Person vermuten.

Du verwendest eine starke Beschreibung, die erfreuen könne; das kann sie aber nicht,
denn zugleich lassen die Zeilen des Schreibers den Schmerz dahinter klingen, dessen
er nicht Herr wird.
Wie sehr uns doch Ereignisse und ihre Erinnerungen beeinflussen, prägen und uns
zusetzen können.

Wahrscheinlich bist Du lange schon gewohnt, auf die Großschreibung zu verzichten,
wogegen ich mich mit der Kleinschreibung noch nicht richtig angefreundet habe,
ebenso nicht mit dem Weglassen der Interpunktion.
Das schmälert aber die Stärke des Ausdruckes nicht, besonders wenn man Vorinformationen
hat.
Nicht nur auf dem Gebiet der Niederschrift eine berührende Leistung!

Es grüßt
Joame

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#3

RE: kein traum

in Liebe und Leidenschaft 01.03.2020 02:18
von mcberry • Administrator | 2.998 Beiträge | 2986 Punkte

Der Text ist der helle Wahnsinn, lieber Munkel,

denn von der ersten bis zur letzten Zeile hältst du den Leser im Spannungsbogen zwischen Lachen
und Weinen. Eröffnet mit einer Szene, deren rutschendes Kulturgut und Weltuntergangsstimmung
spontan witzig aufgefasst werden könnten, gerinnt angedachtes Schmunzeln unter dem Hämmern
von Spechtschnäbel und mit einsetzendem Chagrin.
Die Inszenierung triumphierender, weil unzerstörbarer Schönheit zieht sich bis zum T(otent)anz der
Schlußzeilen durch. Die Zeilen, großer Meister, verdienen eine Nominierung. Nächtliche Grüße - mcberry

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