#1

Fliehkräfte

in Gesellschaft 24.03.2020 09:54
von munk | 870 Beiträge | 1147 Punkte

Rau wirken die Straßen,
Mond und Sonne taumeln,
Coronen geben Rauchzeichen,
dem Auge überlassen:

In Überzahl stolzieren Tauben,
Blessenten übersäumen Äcker,
ein Abendrot lichtet die Gasse,
wen wird der Tod verschonen?

Der Himmel zeigt sich frostblau,
zu Felde zieh ich allein.
Ich finde Berge, Strände, Träume
halte Abstand,
nehme die Schattenwege der Bäume;
es ist nicht kalt nicht dunkel.

Ich zähle die Schritte entlang des Parks,
horche nach deinen Worten,
ganz nah schmettert eine Amsel

zu später Stunde dein Morgenlied!


A.S./ 23.3.2020

zuletzt bearbeitet 26.03.2020 18:18 | nach oben

#2

RE: Fliehkräfte

in Gesellschaft 25.03.2020 10:34
von mcberry • Administrator | 3.036 Beiträge | 3065 Punkte

Hallo, Herr Munk!

Freundlich, von einem melancholischen LI auf eine abendliche Runde durch den Park mitgenommen zu werden. Aber es ist alles nicht mehr, was es mal war. Eine Virenwarnung sendet per Rauchzeichen. Eindrucksvolles Bild! Todessehnsucht spricht aus den Zeilen.
Offen bleibt, ob dieses LI nach Hause findet.

Der Weg nimmt Wendungen. Absätze würde ich einfügen vor Z5: "In Überzahl ...", Z9:"Der Himmel ..." und Z16: "Ich zähle die Schritte".
Der Weg wird sich schätzungsweise noch ein wenig hinziehen. Du hältst uns auf dem Laufenden, ja? Wir alle sind Reisende mit unbekanntem Ziel. Wandernde Grüsse - mcberry

zuletzt bearbeitet 25.03.2020 10:37 | nach oben

#3

RE: Fliehkräfte

in Gesellschaft 25.03.2020 11:58
von munk | 870 Beiträge | 1147 Punkte

lieber mcberry,
danke für deine einlassung, dem nachspüren der zeilen. ja, auch todessehnsucht ist menschlich legitim. eine antwort auf ein zuhause, die kann ich nicht geben, ist es wohl eher das rückwärtsgewandte, welches auch flieht.


lg der munkel


p.s.: vielen dank für deine strukturierungsvorschläge, hab sie allesamt übernommen.

zuletzt bearbeitet 25.03.2020 11:59 | nach oben

#4

RE: Fliehkräfte

in Gesellschaft 26.03.2020 08:49
von Sneaker | 77 Beiträge | 149 Punkte

Hallo Munk,

das sind eindrucksvolle Bilder, ein dystopisches Kopfkino, das hier gemalt wird. Wenn da nicht die Amsel wäre, die trotz später Stunde das Morgenlied des LD schmettern würde. Das ist die Hoffnung, die ich mitnehme, die die schweren Bilder davor in Balance bringt.

Soweit ich Einwände habe beziehen sie sich auf S1 Z 4,
das "was" ist denke ich korrekt vom Inhalt her, klingt mir aber unschön. Ich würde da gern "die" lesen oder weder ein "was" noch ein "die".

Und soweit man an einer optischen Darstellung eines Gedichts meckern kann, hätte ich das "zu später Stunde dein Morgenlied) eine Zeile tiefer.

Aber das sind nur Peanuts.

starker Text

lG

Sneaker

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#5

RE: Fliehkräfte

in Gesellschaft 26.03.2020 18:11
von munk | 870 Beiträge | 1147 Punkte

hallo sneaker, vielen lieben dank für dein beschäftigen mit diesem text.

ich bemühe mich, die dinge, die du angemerkt hast, nochmal zu überdenken.

letztendlich habe ich auf "was sie" verzichtet sowie "zu später stunde dein morgenlied" nochmal nach unten gerückt. der text gewinnt dadurch auch in meiner leseweise.



liebe grüße munkel

zuletzt bearbeitet 26.03.2020 18:24 | nach oben


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