#1

Zu sein

in Liebe und Leidenschaft 10.01.2021 09:53
von munk | 892 Beiträge | 1203 Punkte

Nach ungezählten Jahren den Lieblingschlitten aus der Garage geholt,
entstaubt, gewachst,geseilt, am Jasmin vorbei durch Januarpappschnee geschoben;
wie alte Zeiten mit uns vom Mondberg rodeln und einen Weg nach Hause finden

Was als Maien auflebt,
vielfarbige Rosenblüten, die weithin duften und ihr Schneekleid nicht abschütteln,
die dein uns ansteckendes Lachen in die Welt hinaustragen und Schritte zu viert ermöglichen;
ein dreifacher Blick nach vorn, der jeden Blick zurück gestattet,
den Dingen, die es noch nicht gibt, einen Sinn geben

Wieder auf stillgelegten und zugewachsen Bahnschienen zur Wasserscheide trampen,
eintauchen in ihre Blickwinkel, sie nicht an die Fluten und Dammbrüche verlieren;
nachdenken über Wolkenschiffe, die einen Abstand halten,
den Schnee, der deinen Namenszug bedeckt unberührt lassen

A.S./9.1.21

zuletzt bearbeitet 11.01.2021 06:15 | nach oben

#2

RE: ...............

in Liebe und Leidenschaft 10.01.2021 12:18
von Imothek | 18 Beiträge | 41 Punkte

ein schöner text, der glaube ich recht eindrücklich das gefühl des erinnernden wehmuts darstellt.
oder aber ich hab den text nicht verstanden, wer weiß ^^

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#3

RE: ...............

in Liebe und Leidenschaft 10.01.2021 13:07
von mcberry • Administrator | 3.143 Beiträge | 3297 Punkte

Schön, dich wieder zu lesen, Munkel.

Darf ein Leser das, seine eigene Interpretation in den Text hineinlesen, eigene Erinnerungen hinzufügen?
Diese Zeilen lösen es aus: Wer wäre nicht auf einem Schlitten den Mondberg hinunter gerodelt, lachend,
schnaufend, die alten Zeiten mit glücklicher Gegenwart erfüllend.
Damals waren wir uns dessen nicht bewußt, einen Sinn zu stiften unserer ungeborenen Zukunft.
Schön auch die Schlußzeile: Unberührter Schnee über (d)einem Namenszug.
Frivoler Zeitgeist: Wolkenschiffe auf Abstand kommen unfreiwillig komisch rüber. (Alle weiß maskiert?)
Sehr gerne gelesen. Sonntagsgrüße - mcberry

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#4

RE: ...............

in Liebe und Leidenschaft 10.01.2021 22:36
von munk | 892 Beiträge | 1203 Punkte

hi imothek, hi mcberry;
vielen lieben dank für die rückmeldungen, jederzeit wird man interpretieren und vielleicht seiten aufschlagen, die vom autor nicht unbedingt beabsichtigt waren. sobald ein text hinausgelassen wird, ist es an den betrachtern es zu beäugen und in sich wirken zu lassen. jeder hat eine andre wahrnehmung, die herausfiltert und/oder hineinliest. oft liegt es an den eigenen erlebnissen und lebenserfahrungen wie man mit text oder kunstobjekt oder x-oder xn beliebigen dingen umgeht. was rauskommt, muss durch einen hindurchgehen, ganz nach joseph beuys botschaften ...

und imothek ja, wehmut steckt drin und nach precht ist es legitim und im menschen immanent angelegt größtenteils nicht im hier und jetzt zu sein, sondern im "vergangenem", in "erinnerungen" und in "zukunftsprojektionen", also in vorstellungen und in "dingen,die es gar nicht gibt" oder eben nicht mehr gibt. aber das hilft uns menschen, vielleicht mit dem allen, was uns bevorsteht, was uns zugemutet wird, was enorm existentiell ist, mehr oder minder zurechtzukommen ...

@ mc, der abstand der wolkenschiffe, räusp, ich muss zugegebenermaßen über diese zeile nachdenken, hier hat sich sicherlich der zeitgeist mit hineingeschlichen. die wolkenschiffe, die einen abstand halten, als ob sie noch einen oder zwei passagiere aufnehmen könnten oder schon an bord genommen haben, präsentieren eher die ohnmacht, keine versöhnende verbindung zwischen jenseitigem und diesseitigem herstellen zu können. vielleicht ist es der schwebezustand, das imaginäre, zwischen schneebedecktem namenszug und abstandswolken, etwas von leben und tod zu spüren, was noch nicht überbrückt werden soll, weil die zeit dazu noch nicht gekommen ist oder noch offenkundiger ferne und nähe des existentiellen und nicht-mehr-existentiellen zu akzeptieren nicht gelingen soll. Schneebild und Wolkenschiffe sind unzertrennlich, dazwischen passt das ewig Imaginäre, so hoffnungslos Leben genommen wird, so sehnsuchtsvoll bleiben die Zurückgebliebenen "fiktionsbedürftig". Das scheint existentiell und macht Sinn. Darin hat die Liebe einen verlängerten, unbedrohten Zeithorizont. Doch selbst das ist wohl nur eine schöne Illusion, eine Hilfskonstruktion.

lg munkel

zuletzt bearbeitet 10.01.2021 22:58 | nach oben


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