#1

Archivare

in Philosophisches und Grübeleien 16.03.2021 19:02
von munk | 905 Beiträge | 1235 Punkte

Archivare

Bilder von Menschen,
solche,
die man Vorfahren nennt,
Wesenszüge und Gesten,
die man im Sich zu finden glaubt

Abstände, die keine mehr sind,
wenn man auftaucht,
aus Hoffnungen und Sehnsüchten,
wenn Schrift einen nicht loslässt,
entschlüsselbar wird,
als Bangen und Übermut

Nachfahren,
Zeile für Zeile verschlingen,
Wortvariationen entdecken,
die einen in Erstaunen versetzen,
Tochter, Mutter, Oma verwendeten die gleichen Worte,
über Verlust, Blumenfeldtanz,
mit der Triebfeder Zeit das Kurzfassen lassen

Wenn Abstand zur Nähe wird,
die Fluchten in den Wolken,
eine Flucht in Gesichtern,
eine Notation vom Du,
weitergetragen,
wie Einsamkeit auf Bildern,
nichts mehr hinzufügt

A.S./16.3.21

zuletzt bearbeitet 22.03.2021 07:48 | nach oben

#2

RE: Archivare

in Philosophisches und Grübeleien 21.03.2021 08:45
von chip | 424 Beiträge | 438 Punkte

archivare sind wir alle, nicht wahr, munkel?

erinnerung findet zwischen den dingen und emsigem bemühen um deren einordnung im gedächtnis statt.
indem wir den wahrgenommenen bruchstücken etwas hinzufügen und anderes auslassen, verzerren wir die ereignisse in unstatthafter weise. wir kriegen es besser nicht hin. und im laufe der zeit setzt sich mit jeder überarbeitung eine emotionale komponente der bewertung durch. am ende dürfen wir die vergangenheit so bewältigen, wie es uns passt. wie wir sie aushalten. damit sie unsere gegenwart nicht verschlingen kann.
schöner text.
formal in s2 und s3 jeweils z4:"wenn schrift einem nicht loslässt"
und:"die einem in Erstaunen versetzen" fehlt mir der accusativ. dialekt? egal.
schön ist der schlussatz der einsamkeit der bilder. tschüs chip

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#3

RE: Archivare

in Philosophisches und Grübeleien 22.03.2021 07:43
von munk | 905 Beiträge | 1235 Punkte

hallöle chip,
besten dank für dein reinlesen. "wie es uns passt!" ja, jede noch so illusionäre wahrnehmung, die hilft, niemanden schadet, der eigenen weiterexistenz ein halt und ein aushalten gibt, kann nichts verwerfliches sein. je weiter zeit voranschreitet, umsomehr fernt sich die gegenwart als ebenfalls nicht zu haltende zeit, ihr ist schon im moment ihrer wahrnehmung vergängliches, gewesenes eigen. es mischen sich die zeiten und die existenzen darin. die emotionen verstoffwechseln sich, bauen einen text, eine immer vollere erinnerung, so werden auch legenden gebildet, die wiederum das weiterleben mit schmerz und narben ermöglicht, wenn man es schafft, sich den dingen und den verbliebenen menschen zu stellen ....

lg munk

p.s. ... so nehme ich den akkusativ, nach vielem hin- und herüberlegen. es ist eine schwäche, die mich immer wieder begleitet, solang ich von grammatikalischem traktiert werde, zum leidwesen meiner deutschlehrerin, die mir ansonsten, im rahmen des durchschnittlichen, sehr gute kenntnisse bescheinigte, aber das schulbankdrücken ist schon nicht mehr wahr.

zuletzt bearbeitet 22.03.2021 08:10 | nach oben


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