In Antwort auf:das "windig" trägt insofern Symbolcharakter, dass es für eine zerzauste Gedankenwelt in der Lebensmitte stehen könnte
"... hm... Midlife Crisis..." Na, wir wollen nicht gleich übertriebenen Ernst implizieren ;-)
In Antwort auf:Nun, das tut mir nun leid, romantikgeschwängert ist lediglich das lyr. Du in seiner Scheinwelt. Aber der Betrachter kann sowas doch auch hübsch finden, nicht belächeln, sondern wirklich irgendwie fantastisch.
"Ich lese das anders bzw. gerade weil keine Ironie zu erkennen ist und die Libellen am Schluss stehen, sehe ich den Sprecher als Romantiker. Aber, ich meine, das sind eben verschiedene Wahrnehmungen. Nicht immer sind die ja - zwischen Verfasser und Leser - identisch, gelle." Na genau das meine ich doch, da ist keine Ironie, soll auch keine sein, ich glaube, da habe ich ein wenig dran vorbei gedacht/geredet.
"Und das mit dem Brotteilen muss ich dann auch nochmals wissen ... ich will ja nicht blöd vom Acker, eh Tümpel, gehen." Ach, was weiß ich denn, es lag wohl an der Art des Kommentierens und natürlich an der Handwerkskunst des Konditors, dass sich unsereins genötigt fühlte das virtuelle Brötchen zu brechen.
Herzlichst zurück, danke, dass Du dafür soviel Deiner Zeit aufbrachtest, ich meine, Du hättest ja schließlich während dessen etwas dichten können oder stiften, GB.
Leider der einzige Link den ich fand. Vielleicht funktioniert es sogar Und der "Musikant" lässt sich hervorragend gegen Allerlei austauschen... Text: http://knorkator.musicas.mus.br/letras/452137/
Muss denn überall diese Frage nach dem WARUM auftauchen?
LAPIDAR ist gut - das mag ich, vor allem, wenn es schön kompliziert wird!
Was kann man bestenfalls erreichen mit diesen trickreichen Gebilden menschlichen Verstandes?
Denken? Vielleicht. Emotionen? Eventuell.
Ein Balanceakt "hoch" auf dem Drahtseil der irdischen Evolution und wozu wir das machen - na weil wir so schön einzig sind! -jeder in seinem Tunnel steckt und ein bisschen erhofft zu erahnen oder auch zu eröffnen, wie irgendetwas anders tickt oder Ge-/Verticktes sich anhört. Seinen Tick erhofft zu pflanzen, auf dass er sich vermehre. Voyeure allesamt und mal und sowieso irre, jeder für sich, ist doch ganz normal.
Und was man erwartet - kommt auf die Perspektive an. Was gerade noch plausibel erscheint ist im nächsten Moment fadenscheinig oder monumental, aber meistens Schnee von gestern, zumindest irgendwann. Geschichtlich gesehen ein heißes Lüftchen im All, ein Haufen Primaten mit dem Anspruch der Unsterblichkeit=Göttlichkeit - WOZU??? Und ob der ewige Kreis ein Kreis ist oder die Summe der Tangenten oderoderoder...
Ein endlicher Chromosomenhaufen, GB. (mir war gerade so )
es gibt immer unterschiedliche Arten einen Text zu lesen, das will ich hier mal so hinstellen - und ehrlich bin ich ein klitzekleinwenig verwundert über solche Möglichkeiten und wohin diese führen können. Auch die Wege der Sachbezogenheit sind unergründlich.
Ich las dieses von Gemini veröffentlichte Textchen eigentlich, vielleicht liegt es an meinem sonnigen Gemüt, als Satire. Rein nach dem Motto, man soll sich nur nicht zu ernst nehmen und geben.
Aber, AUA, persönliche Befindlichkeiten lenken immer ein wenig ab. Schön, was die Moderation durch souveränes Gebaren hier zeigt, Hut ab, jedoch ein wenig distanziert! Was ist das eigentlich, das was hier so manchem Schreiber die Läuse auf den Innereien tanzen lässt? Warum kloppen sich ständig irgendwo Hinz und Kunst über weiß der Vogel was?
Was ist mit der Arbeit am Text, ohne dem Anspruch Hunde zu dressieren oder ein kätzisch Schnurren zu erzwingen? Wer die Antwort kennt, der werfe das erste Auge!
Gespiegelt-Asynchrone Grüße, GB. (4-, weil am Text vorbei und um der ständigen Fehlinterpretationen, kann mal jemand das Thema sezieren?)
Güte Güte! Ich bin ja so blöd! -nur, Oliver, das meinte ich nicht, sondern eher die Frage, wie man auf diesen virtuellen Quadratmillimeter überhaupt Besitzansprüche geltend machen kann? Geistig natürlich. Sozusagen grundsätzlich, ist aber auch schnurz, da wie Du so schön sagtest, man muss ja nicht, wenn man nicht will.
Hallo Oliver, ich empfinde das Ding als ganz passabel, 100 Punkte gibts nicht, aber doch mindestens wenn nicht noch mehr! Das hat nichts zu heißen und ist verdammt subjektiv, gerade wenn man sich auch selbstkritisch den Spiegel vor die Nase hält, was heißen soll: mir gefällt es, jedoch nicht ausnahmslos.
Die ersten 2 Strophen gefallen mir am besten, ja genau die, sie tropfen über vor Sarkasmus, ja was sag ich, Zynismus, aber ganz sanft, wie beginnende Übelkeit mit heftigen Folgeerscheinungen.
Zitat von oliver64Die fette Laus am Wohlstandssack, die keinen Blick für ihren Nachbarn hat, muss sich nicht wundern, wenn sie eines schönen Tages zertreten wird.
...in der 2. Zeile holpert es, wenn ich es für mich lese, in meinem Rhythmus den ich dem Ganzen intern aufzwänge, beim "ihren"...
Zitat von oliver64Ob Komasaufen, Amoklaufen, Dum-dum gelaufen; dieses Bisschen Blutzoll ist kein zu hoher Preis für Speck.
... da sich der Text moderner Sprache bedient, und eventuell auch sonst, würde hier vielleicht "das bisschen Blutzoll" gefälliger erscheinen, muss aber nicht...
Zitat von oliver64In dem Moment deines Entsetzens über diesen Text sind wieder 11 verhungert.
...HIER bekomme ich Probleme, ICH, der Leser wird direkt angesprochen, das würde jedoch voraussetzen, dass ICH entsetzt BIN. Bin ich aber nicht, und nun? -nicht so und auch nicht anders. Das liegt weder an der abgestumpften Sicht dieser unserer Realität, sondern eher daran, dass dieser Text mir hier seine Meinung aufzwängen will, das löst bei fast allen des Lesens fähigen eine emotionale Gegenreaktion aus, eben weil man es verwehren will. Mal davon abgesehen ist hier auch sprachlich nicht alles so sauber, wie es könnte, das ginge durchaus runder.
Zitat von oliver64Im nächsten auch.
Vielleicht sollte hier etwas unterstrichen werden? Aber es steht lose und irgendwie haltlos, im Kontext betrachtet natürlich nicht, aber das Auseinanderfallen des Gedichts, was durch den stilistischen Bruch nach der 2. Strophe geschieht, wird hier nochmals unterstrichen. Eventuell gilt auch an dieser Stelle: Weniger ist manchmal MEHR. Mit der dritten Strophe und dem Schlusssatz zu experimentieren, das Gemisch und damit die Verhältnismäßigkeit zu ändern, würde unter Umständen der Intention des Dichters entsprechen???
Das Gedicht besitzt durchaus einen doppelten Boden, allein durch die suggerierten Bilder. Die Laus, das Insekt am Sack... der Mensch in der Wohlstandsgesellschaft, allerdings könnte da ein wenig an mancher Stelle ausgebaut werden, was das Gedicht in sich schlüssiger machen würde, sowie Logiklücken schließen...
schlichtes Danke fürs Lob! - selbstverständlich auch für den Kommentar.
Bestens GB.
PS: Mach mal nicht soviel Wind, ich kann da überhaupt nichts sehen, dort wo Deine Geister tanzen. Vielleicht liegt es an der Perspektive, kletter doch mal auf den Tisch oder runter, eventuell sieht es da ja anders aus?! UND überall steckt nur ein Mensch dahinter, letztlich...
...irgendwie steckt hier wirklich der Wurm drin, ich habe das schon etliche Male in den letzten Tagen beobachtet und dachte immer es läge an den Rechten der Moderatoren, die das können und dürfen - hier manchmal schnell löschen, wenn etwas irgendwo versehentlich landet, oder aber so nicht stehen bleiben soll.
Das ist kein Vorwurf der Zensur oder allmächtigen Korrektur! Also bloß nichts missverstehen. Ich denke da wird noch so Einiges daneben gehen, bevor alles zu 98,98 % stimmt, im schönen neuen und doch schon totgesagten Raum*...
Grüße, GB.
Nachtag: * bezieht sich nur auf die Animositäten, welchen eine Abwrackprämie anhängt, real existierende Personen sind hier nicht gemeint, nur eben diese vorzeitigen Grabsteine für (noch) Untote!
ich bin jetzt mehrfach um dein Gedicht herumgeschlichen und schließlich, um einen Zugang zu finden, ließ ich mich davon ansprechen. Und erkannte Teile meiner selbst, fühlte mich ertappt, ausgezogen, vorgeführt.
Dieses VORGEFÜHRT kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Das ist Dein persönliches Ding. Was macht das lyr. Du nackig, angreifbar, verletzt, ich meine so, dass es sich seiner schämen müsste. Woher nimmst Du die Intention? Warum beziehst Du das auf Deine Wahrnehmung, schrenkst es ein, könnte ich hier fragen, auch warum es Dich angreift und nicht gute-gütig ;-) umarmt, jedoch auch gleichzeitig loslässt?
Zitat von oliver64Nun, so lese ich das Werk, als ironische, nein, schon sarkastische Abrechnung mit bloßer Attitüde. Der hier angesprochene Bohemien verharrt im Wollen, „glänzt im Schein“. Auch dieses „Eigentlich“ mit in Parenthese gesetztem Fragezeichen, dieses Neben-sich-Stehen, das entfesselte Veröden, das spricht für mich deutlich für eine herablassende Sicht auf diesen Möchtegern-Nonkonformisten, der vor sich selbst davonläuft und am Ende doch nur bei sich ankommt.
Der "Wanderer" verharrt? Aber jeder ist doch gefesselt, muss sich mit der umgebenden Realität arrangieren und eigentlich, ja eigentlich, flüchtet so manchger in eine, seine, Traumwelt, damit alles nicht so schlimm erscheint, in der subjektiven Wahrnehmung. Guck Dich doch um, woher rühren die subkulturellen Unterschiede, die vom sich selbst bezeichnenden Realisten, Idealisten, Businessmenschen - der seinen Tag um seine Wertigkeiten strickt, über Juppies - hippe trendige Gestalten, die sich nur noch mit sich selbst beschäftigen. Das Spektrum ist weit. Ja schier unendlich, jeder für sich.
Zitat von oliver64Die Zeilenschaltungen, wenngleich sie auch Funktion haben und die Betonung lenken, möchte ich dennoch auch gerne augenzwinkernd verstanden wissen, passten sie doch einwandfrei zu der hohlen Künstlerattitüde. Hätte ich entscheiden müssen, wäre ich sparsamer damit umgegangen.
Vielleicht solltest Du bei diesem Ding mal einen Menschen denken, den Du irgendwann aus Deinem Leben verloren hast, wegen dem, was trennt, manchmal...
Zitat von oliver64Insgesamt gefällt mir das Gedicht, obwohl ich es zunächst als aufgesetzt abtat. Ob mein Zugang nun deiner Intention entsprach, ist mir dabei nicht wichtig. Ich hatte meinen Spaß.
Dank Deiner Interpretation, mein Ansinnen ist ja immer eine "relativ" freie Interpretierbarkeit, deshalb wundert es mich auch nicht, dass Intention und Auslegung auseinanderdriften, denn es sollte gewiss keine sarkastisch herablassende Spiegelung darstellen.[/quote]
Beste Grüße zurück, wäre gern intensiver darauf eingegangen, jedoch die Zeit, die rennt, muss... sorry, auch wegen der Rechtschreibung... GB.
Vielleicht erwägt Ihr noch das t entweder in Gänsefüßchen oder Klammern zu betten, so dass dem Betrachter entweder der RAT oder der RAUM, je nach Wahrnemung, offeriert wird.
Momentan lese ich da immer ELITE-Traum, ist das nicht ein wenig überkandiedelt? -dekadentes Wunschdenken ;-)))
bevor ich mich daran vvage, an eine mögliche Interpretation, bräuchte ich nen kleinen Tipppppp, ich kann es nicht fassen, nicht greifen, so wie das Gefühl etwas direkt vor der Nase zu haben, aber es nicht zu sehen...
Also es ließe sich ganz unterschiedlich interpretieren, beispielsweise mit dem Hintergrund eines möglichen Kino-/Theaterbesuchs mit ziemlich viel Aktion, oder ein Heimspiel zwischen Liebenden am Küchentisch mit umgebenden Freunden, oder den aufkeimenden Differenzen und der Zuhörerschaft der Protagonisten, oder dem Jägersmann mit einem Falken, obwohl "das Glück" wahrscheinlich im Kontext ein Schlüsselchen ist, aber noch bekomme ich es nicht geknackt, dieses Rätsel, ...
...mit dem Gefühl, dass irgendetwas Minimales fehlt, mir, was zeigt wo es hin will und soll, wenigstens vage...
Wenn ich jetzt sage, ich hätte es gern gelesen und Du mich fragtest - warum - könnte ich nur sagen, weil es so verdammt interessant ist und mich festhält, weil ich dahinter kommen muss und der Text mich fasziniert... (?!)
Zitat von GerateWohlNachspiel
Meine Wunde beginnt zu sprechen, während deine ihr Auge schließt, und alles, was sich noch rührt,
Hast Du HIER etwas rausgenommen? gefühlt fehlt hier etwas oder eine Zeile vorher...
Zitat von GerateWohl verhüllt sein Glück und lauscht.
Zitat von GerateWohl Ab jetzt macht keiner mehr einen Stich in diesem Spiel mit Speisekarten für Allesfresser.
Wieso die "Speisekarten für Allesfresser", das ist zwar originell, aber ist es nicht ein wenig zu aufgesetzt?
Zitat von GerateWohl Unsere Haut spannt ein wenig und macht Endlichkeit gewahr.
(Was ist mit dem Aufgebläht?)
Zitat von GerateWohl Da wo Blut spritzt, schlägt wohl noch ein Herz, und wer braucht schon einen roten Teppich?
Irgendwie steht das im Gegensatz, nach meinem Gefühl...
Zitat von GerateWohl denken wir jetzt, ohnmächtig.
Ist das nicht eventuell zuviel, steht die Ohnmacht da nicht schon überall?
ich würde das so deuten, dass die Spiegel/Scherben für die Tunnelperspektiven des Einzelnen im großen Pott der Gemeinschaft stehen.
Nur wenn ich es so interpretiere, frage ich mich ein wenig wohin mich der „Rand“ hier führen soll, meistens fällt da etwas raus/runter/drüber- eventuell zu den versteckten Pflänzchen am Wegesrand, fernab der Gesellschaft und der Frage, ob das so isoliert autark überhaupt funktioniert, vielleicht aber auch diesen mittendrin, die sich bewusst scheiden, um anders zu sein, eigen, einzigartig, Kunst? Aber was sind das dann für Farben mit denen diese sich schmücken, selbsterschaffene oder angenommene, ich tendiere gedanklich eher zum letzteren, dem Gekünstelten, da eine bewusste Tarnung nach meinem Empfinden lediglich Maskerade ist, was mancher assimiliert und spiegelt in seiner Welt und auf dieser abgrenzenden Ebene lebt, somit seine Realität neu erschafft, bewusst oder nicht. Somit wäre das „schillernd“ und gerade das „verzerrt“ auf seine Weise wertend und wiederum verkehrend, denn das könnte man so oder so lesen. Was ja auch nicht schlecht ist, dem Wortspiel entsprechend durchdacht, variierbar…
Ich denke, dass da vielleicht noch ein wenig abrundende Bindung, ein roter Faden sinnvoll wären. So ist es irgendwie eine Aussage die im Nirgendwo endet. Einfach so dasteht, allein. - Die Einleitung, das >Mir scheint<, ließe sich entsprechend des Gedankenspieles vielleicht verallgemeinern zum >Es scheint<, irgendwie stört mich, auch wenn ich denke zu wissen dass genau das beabsichtigt ist, eben die alleinige Perspektive des lyr. Ichs zu unterstreichen, genau das, aber es passt nicht so recht zu diesem VAGE.- …mir, und das ist eben subjektiv und eigentlich absolut meine Sache, fehlt da was.
Gern gelesen. Immer wieder bedenkenswert, diese Spiegelwelten.
Ein Fisch, der oben schwimmt, riecht nicht mehr frisch, und ist das Weib im Bett kein Marmelstein, (von Kuckuckseiern weiss kein Nest sich rein) wird auch der Mann zufrieden sein am Tisch. Die gute Zeit vergisst man in der schlechten, ein Baum, der Gummi schwitzt, ist wurzelkrank, in jedem Haufen gibt es nicht "Die drei Gerechten", und auch die Spötter sitzen oft nicht auf der gleichen Bank. Ich kenne alle bis auf Punkt und Strich, ich kenn nur einen nicht, und der bin ich.
An einer Hose seh ich, wo ihr Träger war, und in die Kutte passt ein Pfaffe nur hinein, ob sie noch Jungfrau ist, wird erst nachdem uns offenbar, und wie der Diener, also muss der Herr beschaffen sein. Nicht hinter jedem Schleier waltet Frömmigkeit, und wer vom Henker schwätzt, fühlt auch das Eisen schon. Oft kommen Hurensöhne ganz legal zum Thron, und wer die Mutter freit, dem klagt die Tochter bald ihr Leid. Ich kenne alle bis auf Punkt und Strich, ich kenn nur einen nicht, und der bin ich.
Nicht Dornen immer, auch die Rosen stechen, viereckig kann der Wagen sein, doch nie ein Rad, der Schleicher wird mit Gott noch leiser sprechen, die Flügel hat der Wind und nicht das Blatt. Ich kenn den Geizhals schon am Gang, er macht nur kleine, vorsichtige Schritte, Verschwender leben überall im Überschwang, und wer betrunken ist, kennt keine Mitte. Ich kenne alle bis auf Punkt und Strich, ich kenn nur einen nicht, und der bin ich.
bereits den Einstieg finde ich sehr gelungen, denn schon hier offenbart sich die Doppeldeutigkeit, mit der das ganze Gedicht durchzogen ist.
sonderpreis verdächtig die fußgängerzone verspricht aufbruch arbeiten pflegeeltern haften für ihre kinder
"Sonderpreis" kann man zwiefach auslegen: Zum einen natürlich als einen besonderen Preis für eine bestimmte (Qualitäts-)Leistung auf einem Gebiet, andererseits als Nomenklatur für "Ramschware" oder Waren minderer Qualität, die über eine Herabsetzung des Preises doch noch einen Käufer finden sollen. In diesem Zusammenhang passt natürlich "verdächtig" wie die Faust aufs Auge, denn Waren mit ausgewiesenem Sonderpreis haben meist einen Haken. Die daran anschließende - Aufbruch versprechende - Fußgängerzone könnte man als zwinkernde Kritik deuten: Wo es Billigwaren gibt, kennen die Leute kein Halten mehr. Doch spricht dieses Verhalten eben nicht gerade für wirtschaftlichen Auf-, sondern Einbruch, also dafür, dass viele Menschen sich schon gar nichts anderes mehr leisten können, als diese minderwertigen Artikel.
Auch die für ihre Kinder haftenden Pflegeeltern sprechen für eine gesellschaftliche Schieflage und familiäre Notlage in der Krise, wo manche Eltern gar nicht mehr für ihre Kinder aufkommen können/wollen und sie lieber fortgeben. Das "arbeiten" lässt sich sowohl auf den "Aufbruch" als auch auf die "Pflegeeltern" beziehen, die - im Gegensatz zu den leiblichen Eltern - eben noch Arbeit haben und so die Ernährung der Pflegekinder sicherstellen können.
plastik drama für erlebnislose flaschensammler schlagen die augen nieder bei straßenmusik flötet ausgerechnet mozart
Und der Verfall setzt sich fort. Man nimmt Bezug auf die Flaschensammler, die sogar in Mülltonnen – in Berlin sieht man das wirklich jeden Tag! – nach Leergutflaschen suchen, um noch ein paar Cents zu erhaschen. Tatsächlich ist es mittlerweile so schlimm geworden, dass man v.a. am Wochenende (Samstagabend) auf den Bahnhöfen sehr viele Obdachlose mit Plastiktüten auf den Bahnsteigen sieht, die nur darauf warten, dass die Jugendlichen, die auf dem Weg in die Disco o.ä. sind, ihre ausgetrunkenen Bier- und Alkopopsflaschen auf den Bahnhofsbänken abstellen oder in die Mülleimer werfen, um sie einzuheimsen und in einen Automaten zu stecken. Einige Hersteller gingen ja bereits dazu über, Bier in pfandfreie Plastikflaschen abzufüllen – ein kleines Drama für die Bettler. So jedenfalls verstehe ich die Zeilen.
Was folgt, ist der Verfall der Kultur – es wird zusammengewürfelt, was nicht zusammenpasst, so wie Mozart ganz nebenbei auf der Straße, wo eigentlich keine Zeit und nicht genug Ruhe ist, um auch die Untertöne heraushören und genießen zu können (sofern die Straßenmusiker überhaupt dazu fähig sind, diese zu erzeugen) und um sich in eine bestimmte Stimmung hinübertragen zu lassen. Die Hektik/Atmosphäre der Straße untergräbt das.
starren nackte schaufenster männer mit schnörkellosen unterleibern warten auf zukunftsmoden
Hier musste ich zweimal lesen, um es einmal zu verstehen. Die Stelle würde ich wie folgt umschreiben:
schaufenster starren mit nackten männern schnörkellose unterleiber warten auf zukunftsmoden
Denn wenn ich es in deinem Sinne deute, ist hier ja von Schaufensterpuppen die Rede, die dort "unten ohne" stehen. Man kann das oft in Läden beobachten, die Pleite gegangen sind und ihren bevorstehenden Auszug bereits per Aushang verkünden. Schnörkellos? Bezieht sich das auf die fehlende Ausformung des Geschlechtsteils bei männlichen Puppen? Ja, was bleibt einem schon als Hingucker, wenn sich selbst die Puppe keine neuen Sachen mehr leisten kann? Den Übergang von Schaufenster zu den Sexshops hast du gut gewählt.
zwischen sexshop auslagen blinken batterie betrieben rote brustwarzen geheime morsezeichen ratenzahlung versteht sich und besonders günstig
Diese Zeilen sind für mich Hinweis auf Verfall der Moral und Liebe an sich. Statt Familie, Wärme, Geborgenheit wird schneller Sex praktiziert. Auch ein vermeintlicher Ausweg, eine Krise zu bewältigen und in unbefriedigenden Zeiten eine rasche Befriedigung bestimmter Bedürfnisse zu erlangen.
Ja, also insgesamt gesehen finde ich den Text recht gelungen, auch wenn er natürlich etwas einseitig bleibt und manche Dinge nicht unmittelbar mit der Krise in Zusammenhang stehen, sondern auch schon früher zu beobachten waren.
Zitat von GeminiAlso ihr schlagt echt dem Fass den Boden aus. Unter dieser Ueberschrift habe ich niemals diesen Beitrag erstellt. Seid ihr noch richtig in der Birne?
Also mal ganz davon abgesehen, dass unsereins vielleicht nicht eine ganz so große Leuchte im Universum darstellt, jedoch als matschiges Birnchen hingestellt zu werden, ist doch etwas beleidigend, Gemini. ;-)
Vielleicht solltest Du Dich nur mal erklären, Dein Thema konkretisieren und damit die Interpretierbarkeitsmöglichkeiten dezent einschränken - dann käme eventuell auch Deiner Intention Entsprechendes dabei heraus. Andererseits vermutete ich, es ginge Dir genau darum. Worum geht es denn nun?