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  • Stiller ProtestDatum15.07.2009 16:58
    Thema von perry im Forum Gesellschaft

    Jetzt wo du vor den gläsernen Palästen stehst,
    wird dir der abweisende Blick
    ihrer verspiegelten Fenster erst richtig bewusst.

    Jeden Morgen bist du in den Bau gekrochen,
    hast dein Rückgrat an den Kleiderhaken gehängt,
    nur um Money, der Ameisenkönigin zu dienen.

    Heute Nacht schlägst du Löcher in den Asphalt,
    pflanzt Efeu an die Hauswände,
    milderst den falschen Glanz mit seinem Grün.

  • côte d'azurDatum21.07.2009 19:31
    Thema von perry im Forum Diverse

    manchmal kommt mir saint-maxime
    wieder in den sinn, das unbeschwerte
    schlendern über den hafen. fischer mit
    nestelnden fingern an löchrigen netzen,
    zigaretten verwegen in mundwinkeln, vor
    der grünen wand des massif des maures.

    am himmel lockt mit surrendem motor
    ein fliegendes banner zum shoppen. ein
    keramikstand bietet bauchige amphoren
    und antike grazien wirken altrömisch,
    nur die preise sind neuzeitlich. am
    straßenrand ein aufgebrochenes auto.

    der polizist nimmt in holprigem englisch
    die anzeige auf. handtasche, kleidung
    und eine eingeschlagene scheibe sind
    ausbeute eines sonnigen nachmittags.
    am abend gibts frische muscheln in wein
    soße, dazu baguette mit kräuterbutter.

  • holzschnittDatum03.08.2009 18:04

    wind gräbt bilder ins gesicht,
    fächert sie zur galerie.
    nur blicke bleiben klare seen
    in wettergegerbter landschaft.

    schnee legt sich aufs haupt,
    beugt es mit demutsvoller last.
    der schritt führt unbeirrt
    zur bank unterm alten baum.

    im licht der dämmerung
    schnitzen flinke finger
    ein verwittertes denkmal
    aus knorrigem körperholz.

  • DER STRAND IST LEERDatum06.08.2009 18:34
    Thema von perry im Forum Natur

    ein boot liegt kieloben am ufer
    die farbe der spanten abgeblättert.
    wie ein gestrandeter wal
    hat es sich seinem schiksal ergeben.
    kormorane auf der felszunge warten,
    dass die seele in den himmel aufsteigt.
    für einen moment hält der wind inne
    und das morgenzirpen der grillen
    klingt wie harfenklang der ewigkeit.
    federspiel ferner flügel lenkt den blick
    ins blau. auf dem meer fischer,
    die ihren nächtlichen fang einholen.
    in den netzen gefallene sterne,
    deren glitzern über wasser verblasst.

  • kontaktpflegeDatum09.08.2009 16:51
    Thema von perry im Forum Liebe und Leidenschaft

    nach dem hauptgericht ist es die stille,
    die halbleere weinflasche, der halb
    schatten auf dem gesicht, der fragt:
    „was gibt es zum nachtisch?“

    schmal ist der grat, auf dem worte
    um balance ringen, versuchen nicht
    mit der tür ins haus zu fallen.
    niemand hat uns gesagt, wie schwer

    der erste kuss fällt und wie leicht
    danach sofa und bett zu finden sind.
    stellungsgewandt brechen wir tabus
    oder das, was wir dafür gehalten haben.

  • späte jahreDatum11.08.2009 15:50
    Thema von perry im Forum Diverse

    noch lohnt es sich morgens aufzustehen, auch wenn
    immer weniger kinder am frühstückstisch sitzen
    und in nusscremebestrichene brote beißen,
    während ein automatischer kameraschwenk
    den täglichen blick aufs alpenpanorama parodiert.

    doch kaum sind die türen ins schloss gefallen,
    kriecht die stille aus dunklen ecken und legt
    dir ihre schattenhand auf die keuchende brust.
    jetzt musst du schnell sein, schlüpfst in deine
    joggingschuhe und flüchtest ins sauerstoffreiche.

    von fern winkt ein schneebedeckter gipfel,
    du weißt, zu fuß wirst du ihn nie erreichen,
    aber im alter wachsen der seele bekanntlich flügel.

  • wir sind die kreuzeDatum20.08.2009 15:50

    immer wieder tauchen sie auf, die bilder, blenden sich
    ins alltägliche. es hilft nicht, die augen zu schließen,
    denn sie sind tief in die netzhaut eingebrannt. überhaupt
    ist flucht keine lösung, dieses davonlaufen wie ein junge,
    der äpfel vom baum des nachbarn gestohlen hat.
    … hinterm haus hackt jemand holz, du könntest helfen.
    nichts friert mehr, als eine schuldbeladene seele.

    sie hing im seil unter dir, pendelte hilflos in der wand.
    das blut in deinen fingern pochte, die kräfte schwanden.
    ein letztes mal trafen sich euere blicke wie adler
    die aufwindsuchend über dem abgrund kreisten.
    ihr schnitt befreite dich von der last, ihr schrei
    verhallte zwischen den hängen. wind trieb blätter
    über die felder, legte eine bunte decke aufs land.

  • Wo der Tag einen Hut trägtDatum27.08.2009 11:59
    Thema von perry im Forum Diverse

    Schon immer habe ich mir vorgestellt, wie es wäre ein Gedicht
    über den alten Mann zu schreiben, der jeden Vormittag
    mit seinem Hund am Flussufer entlang in den Ort geht, um sich
    im kleinen Cafe am Stadtplatz einen Cappuccino zu kaufen.

    Vermutlich ist der arme Kerl allein, Witwer. Die Kinder längst
    fortgezogen in weit entfernte Städte, schlägt er seine Zeit tot
    mit Lesen in der Tageszeitung. Nebenbei macht er sich Notizen,
    vermutlich Todesanzeigen, in ein kleines abgegriffenes Buch.

    Ich kann ihn gut verstehen, es liegt soviel Abgeklärtheit darin,
    wie er den Milchschaum in die schwarze Tiefe der Tasse rührt.
    Manchmal nimmt er auch ein Schoko-Croissant dazu und ich kann
    den krossen Biss mit dem zarten Schmelz im Mund spüren.

    Nachmittags treffe ich ihn schon mal in der rustikalen Schankstube,
    wo ich gern so Allerlei in den Schaum meines Weißbiers sinniere.
    Hin und wieder setzt sich er sich zu mir und wir spielen Schach.
    Meistens gewinnt er und darf unseren Hut nach Hause tragen.

  • UnschuldsengelDatum31.08.2009 17:53
    Thema von perry im Forum Liebe und Leidenschaft

    Frühes Licht
    fällt durch die Gardinen,
    als ich auf Zehenspitzen
    zur Tür schleiche,
    dir einen letzten Blick zuwerfe,
    der dich nur streicheln,
    aber nicht wecken soll.

    Zu früh für die Wahrheit,
    zu spät für milde Lügen,
    gehe ich wie ein Dieb,
    der mehr zurücklässt,
    als er raubte,
    sich einen Tag lang
    dafür hassen wird.

  • SchneisenDatum03.09.2009 12:58
    Thema von perry im Forum Gesellschaft

    Jene von Menschenhand in Wälder
    geschlagen, für Ski-Abfahrten
    und Autobahnen, um schneller von
    A nach B zu kommen. Dabei lauern
    Lawinen auf Bergen und Karambo-
    lagen auf schneeglatten Straßen.
    Doch Fortschritt lebt vom Blutzoll,
    erbracht von jenen, die keine Axt
    gegen andere erheben würden,
    eigentlich nur nach C wollten.


    1. Fassung:
    Schneisen

    Jene von Menschenhand in Wälder
    geschlagen, für Ski-Abfahrten
    und Autobahnen, um schneller von
    A nach B zu kommen. Dabei lauern
    Lawinen auf Bergen und Karambo-
    lagen auf schneeglatten Straßen.
    Doch Forschritt lebt vom Blutzoll,
    erbracht von jenen, die nie eine
    Axt gegen andere erheben würden,
    eigentlich nur nach C wollten.

  • green oceanDatum07.09.2009 16:52

    es hingen netze aus frühem licht
    zwischen blättern, halmen.
    ihre fäden so fein gewoben,
    zugleich filigran gespannt,
    dass es aussah, als würden
    geisterschiffe auf der suche
    nach verirrten seelen dahingleiten.
    ich stand wie gefesselt
    vor dieser pittoresken fantasie,
    die mich sowohl als schöpfer
    wie auch betrachter frösteln ließ,
    bis sie die sonne bleichte,
    ich nach meinem hund pfiff,
    der faltern nachjagte.

  • AtemstößeDatum09.09.2009 16:21

    Windstill.
    Die Nacht hat alle Farben
    mit ihrem Grau übermalt.
    Nur im Rascheln feuchten Laubes
    regt sich noch Leben.

    Unter trauerndem Mond,
    trage ich
    einen Vogel zu Grabe.
    Er hat den Flug
    in den Süden versäumt.

    Und alles Licht
    ist Schatten gewichen,
    hat sich eingewebt
    in glitzernde Netze,
    die, nächtlich gespannt,

    meinen Atem fangen.


    1. Fassung:

    Atemstöße


    Windstill,
    die Nacht hat alle Farben
    mit ihrem Grau übermalt.
    Nur im Rascheln feuchten Laubs
    regt sich noch Leben.

    Unter sterbender Sonne,
    trage ich
    einen Vogel zu Grabe.
    Er hat den Flug
    in den Süden verpasst.

    Und alles Licht
    ist Schatten gewichen,
    hat sich eingewebt
    in glitzernde Netze,
    die, nächtlich gespannt,

    meinen Atem fangen.

  • im minenfeldDatum11.09.2009 18:07
    Thema von perry im Forum Gesellschaft

    wir laufen auf spitzen, springen wie böcke,
    verharren wie geckos vor dem stolperdraht.
    wir kriechen auf vieren, winden uns schlangen-
    gleich, schnüffeln wie riesenratten nach
    tretminen. zur belohnung gibt es bananen.

    wir stochern da, sticheln dort, pusten vorsichtig
    staub von zündern, bis wir hochschrecken,
    wenn nachts eine mücke im mozitrap knallt.
    weigern uns schließlich weiterzusuchen, bis
    der regierungsbeamte den neuen scheck bringt,

    der irgendwie nach banane riecht.

  • in den goldenen bergenDatum15.09.2009 16:55
    Thema von perry im Forum Liebe und Leidenschaft

    ein letztes mal
    hängte der sommer
    das bärenfell an den haken.
    wir streckten die arme aus
    und ließen uns ins gras fallen.
    wäre da nicht ein schneeleopard
    durchs bild gelaufen,
    wir hätten die zeit vergessen
    und wären opfer
    des frühen winters geworden.

  • MuschelgesangDatum17.09.2009 13:39
    Thema von perry im Forum Diverse

    Als ich gestrandet am Ufer lag
    und die Möwen mir zuriefen:
    „Steh auf, die Flut kommt!“
    spürte ich, wie sich Wattwürmer
    durch meine Haut bohrten,
    Krabben meinen Mund bewohnten.
    Ich habe mich den Gezeiten gefügt
    und meine Stimme spricht fortan
    aus dem Perlmutt jeder Muschel:
    „Wein nicht geliebtes Menschenkind,
    ich bin nun eins mit Meer und Wind.“

  • Orgasmus eines StreichholzesDatum19.09.2009 17:24
    Thema von perry im Forum Liebe und Leidenschaft

    Auch Zündhölzer haben ein Sexualleben.
    Nimm eines aus der Schachtel
    und setze es, nackt wie es ist,
    den Blicken der lüsternden Welt aus.
    Gleich wird sein Kopf noch röter
    und es beginnt vor Erregung zu zittern.

    Reibst du es an einer rauen Fläche,
    erlebst du entflammende Hingabe,
    ein selbstverzehrendes Brennen,
    wie es nicht einmal dort vorkommt,
    wo mit nervös nestelnden Fingern
    schnelle Infernos entfacht werden.

  • hart am windDatum22.09.2009 21:43
    Thema von perry im Forum Liebe und Leidenschaft

    ich stand an der reling,
    der blick gezogen von den wellen
    in die tiefen meiner selbst.
    über mir knatternde segel,
    knarzende taue, die mich banden,
    als du riefst mit hellem sang.
    es war ein feines locken,
    das dir die zeit entrang.
    so lauschte ich still den delphinen,
    die mir den weg wiesen,
    zur insel der glückseligkeit.

  • Flaches LandDatum24.09.2009 14:15

    Unsere Welt hat keine Berge mehr,
    das Auge verliert sich im Ungewissen.

    Nachts schreckst du hoch, fürchtest
    Stürme könnten unser Haus fortreißen.
    Ich halte dich fest im Arm und du
    duckst dich in meinen Windschatten.
    Es liegt Schnee auf deinen Wangen,
    sagst du fröstelnd, würdest spüren,
    dass der Winter nicht mehr fern ist.

    Ich mache Feuer im Kamin, versuche
    das Eis in deinen Augen zu tauen.

  • windstillDatum27.09.2009 17:15
    Thema von perry im Forum Philosophisches und Gr...

    auf dem fluss
    ziehen segelschiffe
    der mündung entgegen.
    wie aus einem gemälde
    jan van os entflohen
    treiben sie aufs meer hinaus.
    ich nehme den brief
    aus der flaschenpost,
    die ich mir vor jahren
    selbst geschickt habe.
    manches kommt erst an,
    wenn bereits schnee
    auf den hängen liegt.

  • Unter MangrovenDatum29.09.2009 17:33
    Thema von perry im Forum Natur

    Immer wieder werfe ich
    mein Netz aus, streue
    Liebkosungen aufs Wasser.
    Doch in den Maschen
    hängt nur fettiger Tang.

    Dunkel beäugt ein
    Kormoran mein Treiben,
    als wüsste er, wohin
    die Fische geflohen, das
    Plankton verschwunden ist.

    Ich schütte Rum in den Tee
    rücke näher ans Feuer,
    dessen Glut glimmt
    wie die Augen
    schleichender Meerkatzen.

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