manchmal kommt mir saint-maxime wieder in den sinn, das unbeschwerte schlendern über den hafen. fischer mit nestelnden fingern an löchrigen netzen, zigaretten verwegen in mundwinkeln, vor der grünen wand des massif des maures.
am himmel lockt mit surrendem motor ein fliegendes banner zum shoppen. ein keramikstand bietet bauchige amphoren und antike grazien wirken altrömisch, nur die preise sind neuzeitlich. am straßenrand ein aufgebrochenes auto.
der polizist nimmt in holprigem englisch die anzeige auf. handtasche, kleidung und eine eingeschlagene scheibe sind ausbeute eines sonnigen nachmittags. am abend gibts frische muscheln in wein soße, dazu baguette mit kräuterbutter.
ein boot liegt kieloben am ufer die farbe der spanten abgeblättert. wie ein gestrandeter wal hat es sich seinem schiksal ergeben. kormorane auf der felszunge warten, dass die seele in den himmel aufsteigt. für einen moment hält der wind inne und das morgenzirpen der grillen klingt wie harfenklang der ewigkeit. federspiel ferner flügel lenkt den blick ins blau. auf dem meer fischer, die ihren nächtlichen fang einholen. in den netzen gefallene sterne, deren glitzern über wasser verblasst.
noch lohnt es sich morgens aufzustehen, auch wenn immer weniger kinder am frühstückstisch sitzen und in nusscremebestrichene brote beißen, während ein automatischer kameraschwenk den täglichen blick aufs alpenpanorama parodiert.
doch kaum sind die türen ins schloss gefallen, kriecht die stille aus dunklen ecken und legt dir ihre schattenhand auf die keuchende brust. jetzt musst du schnell sein, schlüpfst in deine joggingschuhe und flüchtest ins sauerstoffreiche.
von fern winkt ein schneebedeckter gipfel, du weißt, zu fuß wirst du ihn nie erreichen, aber im alter wachsen der seele bekanntlich flügel.
immer wieder tauchen sie auf, die bilder, blenden sich ins alltägliche. es hilft nicht, die augen zu schließen, denn sie sind tief in die netzhaut eingebrannt. überhaupt ist flucht keine lösung, dieses davonlaufen wie ein junge, der äpfel vom baum des nachbarn gestohlen hat. … hinterm haus hackt jemand holz, du könntest helfen. nichts friert mehr, als eine schuldbeladene seele.
sie hing im seil unter dir, pendelte hilflos in der wand. das blut in deinen fingern pochte, die kräfte schwanden. ein letztes mal trafen sich euere blicke wie adler die aufwindsuchend über dem abgrund kreisten. ihr schnitt befreite dich von der last, ihr schrei verhallte zwischen den hängen. wind trieb blätter über die felder, legte eine bunte decke aufs land.
Schon immer habe ich mir vorgestellt, wie es wäre ein Gedicht über den alten Mann zu schreiben, der jeden Vormittag mit seinem Hund am Flussufer entlang in den Ort geht, um sich im kleinen Cafe am Stadtplatz einen Cappuccino zu kaufen.
Vermutlich ist der arme Kerl allein, Witwer. Die Kinder längst fortgezogen in weit entfernte Städte, schlägt er seine Zeit tot mit Lesen in der Tageszeitung. Nebenbei macht er sich Notizen, vermutlich Todesanzeigen, in ein kleines abgegriffenes Buch.
Ich kann ihn gut verstehen, es liegt soviel Abgeklärtheit darin, wie er den Milchschaum in die schwarze Tiefe der Tasse rührt. Manchmal nimmt er auch ein Schoko-Croissant dazu und ich kann den krossen Biss mit dem zarten Schmelz im Mund spüren.
Nachmittags treffe ich ihn schon mal in der rustikalen Schankstube, wo ich gern so Allerlei in den Schaum meines Weißbiers sinniere. Hin und wieder setzt sich er sich zu mir und wir spielen Schach. Meistens gewinnt er und darf unseren Hut nach Hause tragen.
Frühes Licht fällt durch die Gardinen, als ich auf Zehenspitzen zur Tür schleiche, dir einen letzten Blick zuwerfe, der dich nur streicheln, aber nicht wecken soll.
Zu früh für die Wahrheit, zu spät für milde Lügen, gehe ich wie ein Dieb, der mehr zurücklässt, als er raubte, sich einen Tag lang dafür hassen wird.
Jene von Menschenhand in Wälder geschlagen, für Ski-Abfahrten und Autobahnen, um schneller von A nach B zu kommen. Dabei lauern Lawinen auf Bergen und Karambo- lagen auf schneeglatten Straßen. Doch Fortschritt lebt vom Blutzoll, erbracht von jenen, die keine Axt gegen andere erheben würden, eigentlich nur nach C wollten.
1. Fassung: Schneisen
Jene von Menschenhand in Wälder geschlagen, für Ski-Abfahrten und Autobahnen, um schneller von A nach B zu kommen. Dabei lauern Lawinen auf Bergen und Karambo- lagen auf schneeglatten Straßen. Doch Forschritt lebt vom Blutzoll, erbracht von jenen, die nie eine Axt gegen andere erheben würden, eigentlich nur nach C wollten.
es hingen netze aus frühem licht zwischen blättern, halmen. ihre fäden so fein gewoben, zugleich filigran gespannt, dass es aussah, als würden geisterschiffe auf der suche nach verirrten seelen dahingleiten. ich stand wie gefesselt vor dieser pittoresken fantasie, die mich sowohl als schöpfer wie auch betrachter frösteln ließ, bis sie die sonne bleichte, ich nach meinem hund pfiff, der faltern nachjagte.
wir laufen auf spitzen, springen wie böcke, verharren wie geckos vor dem stolperdraht. wir kriechen auf vieren, winden uns schlangen- gleich, schnüffeln wie riesenratten nach tretminen. zur belohnung gibt es bananen.
wir stochern da, sticheln dort, pusten vorsichtig staub von zündern, bis wir hochschrecken, wenn nachts eine mücke im mozitrap knallt. weigern uns schließlich weiterzusuchen, bis der regierungsbeamte den neuen scheck bringt,
ein letztes mal hängte der sommer das bärenfell an den haken. wir streckten die arme aus und ließen uns ins gras fallen. wäre da nicht ein schneeleopard durchs bild gelaufen, wir hätten die zeit vergessen und wären opfer des frühen winters geworden.
Als ich gestrandet am Ufer lag und die Möwen mir zuriefen: „Steh auf, die Flut kommt!“ spürte ich, wie sich Wattwürmer durch meine Haut bohrten, Krabben meinen Mund bewohnten. Ich habe mich den Gezeiten gefügt und meine Stimme spricht fortan aus dem Perlmutt jeder Muschel: „Wein nicht geliebtes Menschenkind, ich bin nun eins mit Meer und Wind.“
Auch Zündhölzer haben ein Sexualleben. Nimm eines aus der Schachtel und setze es, nackt wie es ist, den Blicken der lüsternden Welt aus. Gleich wird sein Kopf noch röter und es beginnt vor Erregung zu zittern.
Reibst du es an einer rauen Fläche, erlebst du entflammende Hingabe, ein selbstverzehrendes Brennen, wie es nicht einmal dort vorkommt, wo mit nervös nestelnden Fingern schnelle Infernos entfacht werden.
ich stand an der reling, der blick gezogen von den wellen in die tiefen meiner selbst. über mir knatternde segel, knarzende taue, die mich banden, als du riefst mit hellem sang. es war ein feines locken, das dir die zeit entrang. so lauschte ich still den delphinen, die mir den weg wiesen, zur insel der glückseligkeit.
Unsere Welt hat keine Berge mehr, das Auge verliert sich im Ungewissen.
Nachts schreckst du hoch, fürchtest Stürme könnten unser Haus fortreißen. Ich halte dich fest im Arm und du duckst dich in meinen Windschatten. Es liegt Schnee auf deinen Wangen, sagst du fröstelnd, würdest spüren, dass der Winter nicht mehr fern ist.
Ich mache Feuer im Kamin, versuche das Eis in deinen Augen zu tauen.
auf dem fluss ziehen segelschiffe der mündung entgegen. wie aus einem gemälde jan van os entflohen treiben sie aufs meer hinaus. ich nehme den brief aus der flaschenpost, die ich mir vor jahren selbst geschickt habe. manches kommt erst an, wenn bereits schnee auf den hängen liegt.