Mit jedem Lidschlag ändert sich die Sicht,
und ganz am Ende bleibt nichts zu verstehen.
Die Dinge, wie sie sind, durchschaun wir nicht,
weil wir sie nur mit eignen Augen sehen.
Und doch, wir suchen nach dem einen Sinn,
der uns bestimmt, und glauben, ihn zu finden;
solange bricht sich Widerschein darin,
bis wir am selben Gegenlicht erblinden.
Was wirklich wichtig ist, ist schwer zu sagen
und was zu sagen ist, ist wirklich schwer.
Weil Worte unser Innerstes nicht tragen
und kleiner machen, spricht sie irgendwer.
Noch bauscht der Himmel sich um uns. Vielleicht
sind wir soweit. Uns bleibt kein Irrweg mehr,
kein Fehler, den wir nicht begangen, der
uns jetzt noch übertrifft. Das Schicksal gleicht
dem Fallwind, der die Äolsharfe streicht.
Vergib mir, was ich ohne dich nicht wär;
nicht ganz, auch nicht Fragment - so ungefähr.
Wir sind verzahnt, in uns vernarbt. Bald weicht
das Zaudern und Gewissheit steigt empor:
Der Regentanz, im Park, der erste Kuss,
der uns so unbedingt zusammenband.
Und sieh: Der Himmel sternt sich überm Fluss.
Er ahnt, dass ich mich selbst mit dir verlor
und zu mir kam, als ich dich wieder fand.
Sieh her, was ich für dich in Worte kleide,
wie ich mich öffne, anders schaff ich’s nicht.
Denn ich bin Dichter, meine Seele spricht
in zarten Reimen. Lobe, doch vermeide
Kritik, sie drückt mir auf die Eingeweide
und treibt mir gleich die Tränen ins Gesicht.
Ich bin doch, was ich schreibe, mein Gedicht
Identität. Siehst du nicht, wie ich leide?
Hast du was gegen mich? Was soll das heißen,
es sei ausbaufähig? Und was ist Metrik?
Ich schreibe aus dem Bauch, und du kommst her
um, was du nicht verstehst, gleich zu zerreißen.
Dir fehlt der Zugang, du bist miesepetrig,
und voll gemein. Jetzt grüß ich dich nicht mehr!
Ich schrei im Halsumdrehen ein Gedicht,
in dem ich Wort um Wort für Wort verschwende,
und jedes Ungefühl darin beende;
doch bleibt es mir Bericht, verinnerlicht,
denn hilflos schweige ich ins Angesicht,
verrate mich, wenn ich mich von ihm wende,
als sei die Gegenwart gleich einer Blende,
in der selbst Urvertrauen jäh zerbricht.
So fall ich doch aus jedem Gleichgewicht,
und schriebe ich mich gänzlich nieder, fände
die Feder keinen Fluchtpunkt dieser Sicht,
denn ich bin Kür im Konterfei der Pflicht,
wo Löschpapier verbaler Flächenbrände
die wahre Liebe nur von fern bespricht.
Gleich acht! Mein Kopf liegt schief am Badewannenrand.
Es ist so still hier drin, du hast nicht angerufen;
die Frau im Flur verflucht die hohen Kellerstufen.
Ich denk an dich und zähl die Kacheln an der Wand.
Wir saßen am Hans-Albers-Platz vor einer Bar
und sprachen über Kant in der Entwicklungsfrage,
verpasste Träume und den Wein der letzten Tage,
der auch mit Schraubverschluss ein wenig korkig war.
Die Stadt um uns war ungefähr und doch vertraut,
dieselben Unbekannten kamen und verschwanden,
in dunklen Gräbernischen, die sie schlafend fanden;
wir waren flüchtig, Suchende in fremder Haut.
Du lächeltest, ich gab dir zaghaft einen Kuss;
von Sehnsucht, Liebe, war kein Sterbenswort zu hören;
(man hebt sich auf um es am Ende zu beschwören).
Die Zeit verging, dir wurde kalt; dann kam dein Bus.
Im Wendekreis von Wiederkehr und Tod
zieht sie vorbei, und fällt aus den Gesichtern;
Septembersonne - tropft aus Wattetrichtern
und tupft ins Grau ein letztes Abendrot.
Noch weilt der Kranichtrupp im Flugverbot,
und Damwild röhrt im Schein von Autolichtern;
vor Igeln und den andern Laubaufschichtern
versteckt der Häher ein Kastanienbrot.
Das Leben mausert sich, wird Ruhe suchen;
mit Speck im Mantel unter Tage flüchten;
und weiß, es findet seinen Weg zurück.
Es riecht nach Moos und windgegerbten Buchen;
am Waldesrand spaziert jemand ein Stück,
und träumt von Glühwein zu kandierten Früchten.
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Man mausert sich, und wird bald Ruhe finden;
mit Speck im Mantel unter Tage flüchten;
und spürt, das Leben holt sie doch zurück.
Es riecht nach Moos und erdigeren Winden,
am Waldesrand spaziert jemand ein Stück
und träumt von Glühwein zu kandierten Früchten.
Vielleicht bleibt nichts von uns zurück. Es scheint
als seien Fundamente weg gebrochen
und Worte unter falschem Stolz gesprochen -
wie Wut, die Gleichmut schreit und Sehnsucht meint.
Und es ist wahr, ich habe Angst. Die Spur
führt immer noch zu dir; und Bilder wischen
sich in den Staub; und Liebeslieder zwischen
gepackten Koffern; und dein Blick im Flur.
Die Tage spiegeln sich, im Neonlicht
pulsiert die Zeit - dann bricht (wie ein Durchschauen)
die alte Sicht und hinter müden Brauen
steigt etwas auf, das schon von Morgen spricht.
Ach ja, was ich zuletzt noch sicher sagen sollte:
auch wenn ich gehen will, du bist mir nicht egal.
Dass dieser schöne Traum nicht wahrer werden wollte,
lag nicht an dir, mein Schatz. Doch sieh es rational.
Es gibt sie, diese Tage, die ich nie vergesse,
nur die Erinnerung daran ist etwas schal.
Zu oft schrie ich dich an, schlugst du mir in die Fresse;
so unterm Schlussstrich war das nicht ganz optimal.
Wir haben tausend Neuanfänge ausgesprochen,
und es ist wahr, der Sex danach ist genital.
Der feuchte Kuss nach leeren, lippenlosen Wochen
verschluckt die Zweifel. Komm! Versuchen wir’s noch mal?
Er sitzt nicht da, er kauert auf den Steinen,
das Bier in seiner heimatlosen Hand.
Und eingewickelt in zerfetztes Leinen,
träumt er von Glück und etwas Dosenpfand.
Sie bummelt, schaut verträumt in Fensterläden,
die Sonne brennt und zeichnet sie ins Glas;
auf einem blauen Auge schimmern Fäden,
dann rennt sie heim, weil sie die Zeit vergaß.
Zwei Kinder in den flirrend hohlen Gassen,
im Dunst von Abfall und zu heißem Teer
hat man sie Einbahnstraßen überlassen
und ihre Blicke finden sich nicht mehr.
Und dann fiel uns der Himmel in den Rücken,
wie blanker Stahl, aus dem ein Ende sprach.
Die Welt, sie sank von eingestürzten Brücken,
an diesem Morgen, als dein Lachen brach.
Die Sonne schien verfrühter aufzugehen,
der Schulbus kam, - ein letzter Blick von dir -,
du ranntest und ich hab dir nachgesehen,
dann riss die Zeit, wie feuchtes Löschpapier.
Es ist so falsch, dein Ende zu beschreiben;
wer auch in diesem Akt die Feder führt,
er wird mir die Erklärung schuldig bleiben.
Sie sagten uns, du hättest nichts gespürt.
Der tiefe Schnitt verklebt sich unter Nähten,
die Sicht der Dinge ordnet sich mit mir;
in deinem Zimmer Bilder auf Tapeten
und Legosteine fragen still nach dir.
Ich seh dich jetzt und was wir immer waren,
ein Licht, das durch den Ascheregen fällt,
wie ein Verbundensein im Unlösbaren,
den Weg, und deine Hand, die meine hält.
Die Dämmerung zerwühlt und wölbt den Wolkenbrei;
im Wiesengrund schleicht grauer Dunst aus müden Auen,
flussabwärts, zieht vorbei an Segelbooten, Tauen,
und weicht und legt ein Bild im Schleiernebel frei.
Verwaschen kauert er im Schilf. Sein müder Blick
scheint sich im Sog der Zeitenbrüche zu verlieren.
Er zuckt zusammen, zittert, so, als würd er frieren,
und schaut sich suchend um, stampft taumelnd durch den Schlick,
als hätte er kein Ziel, nur etwas, das ihn treibt.
Sein Brustkorb bebt und Blut tropft aus Blessuren;
im aufgewühlten Ufersand versickern Spuren
von Ungelöstem, das sich aus den Venen reibt.
Da platzt ein dunkles Tosen aus dem Flussverlauf
und etwas steigt mit stumpfer Kraft aus großen Tiefen,
erstickend laut, als ob ihn tausend Stimmen riefen,
und greift nach ihm und reißt ihm beide Schläfen auf.
Er steht am Bootshaus. Blutleer, starr ist sein Gesicht;
Zerbrochen klammert er die Zeichen aus den Fragen.
Dann schreit er plötzlich und sein Herz hört auf zu schlagen,
als er mit der Gewissheit tot zusammen bricht.
Noch lähmt ein Zögern meine Lippen,
pocht leise mir die Angst im Blut;
um doch in Zuversicht zu kippen,
denn nur aus Zweifel hebt sich Mut.
Nicht jeder Gang nach vorne endet
mit Fortschritt, und was strebt, das fällt;
doch wie ein Blatt im Wind, so wendet
mit jedem Lidschlag sich die Welt.
Ich weiß jetzt um der Fehler Früchte,
was bitter schmeckt, belebt den Geist;
bestärkt mich dann auch, wenn ich flüchte,
weil die Erkenntnis Richtung weist.
Ich hab doch Herz, will Wunder wollen,
durch Höhen fallen, nieder geh’n;
und aus den schönen, wundervollen
Momenten wieder aufersteh’n.
Sie stand wie jeden Freitag an der Bar;
mir war, als lutschte sie an der Limette,
wie eine, die noch viel zu geben hätte,
und ihr Metaxablick, lasziv und klar,
gebar in mir den Wunsch nach einem Kuss.
Ich saß am Tisch beim (siebten?) Elixiere,
trank aus und fühlte, dass ich existiere;
erhob mich, das zu tun, was Mann tun muss,
wenn Dunst auf den Synapsen kondensiert.
Sie selbst hing schon ein wenig schräg am Tresen,
da traf ich sie gezielt mit ein paar Thesen,
von Anmut, Glanz - das hat sie austariert;
sie war oral fixiert, der Dialog
banal, sie machte Dinge mit der Zunge
als bräuchte sie den Abdruck meiner Lunge,
dann zahlte sie! (gleich für mich mit) und zog
mich heftig Richtung Ausgang, bog dann doch
noch ab auf die Toilette (die der Damen)
und presste mich behände an den Rahmen
der Klotür - dann war da nur noch ein Loch …
Ich schreckte hoch, saß auf der Nebelbank,
war krank vor Selbsthass, Ekel, im Ermessen,
die letzte Nacht im Kopfschmerz zu vergessen -
mich selbst! Wie immer, wenn ich Lethe trank.