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  • Körper IIIDatum22.05.1970 12:15
    Thema von Stephan Santfort im Forum Gesellschaft
    Körper III


    Es gehen immer drei,
    jeder in seinem eigenen Schrein.
    Das Röcheln, das Widerhallen
    an den weißen Wänden,
    an den marmorierten Kacheln,
    letzte Laute, die durch das einsame Zimmer schallen;

    Es gehen immer drei,
    denn einer nimmt zwei andere mit.
    Die Hand schiebt sich in den Mund,
    wie um den Druck zu greifen
    der in der Kehle liegt -
    zwischen Borken und Gewächs;

    Es gehen immer drei,
    erst einer, dann zwei, dann überrascht es dich.
    Die Luft riecht wie Tod,
    nicht nach süßem Versiechen,
    nur eine kalte, transparente Schwere.
  • Samstag AbendDatum13.05.1970 10:56
    Micky saß am Schreibtisch und dachte an nichts besonderes. Es klopfte an der Tür und kurz darauf wurde sie plump aufgeworfen.
    Clarissa stand in der Tür, kippte dann aber gegen den Tührrahmen. Sie startte ihn kurz fragend an und gab dann ein teilnahmsloses "Hi!" von sich.
    Sie ging zum Sofa und ließ sich hineinfallen, er stand auf und setzte sich ihr gegenüber in den Sessel.
    "Hi." sagt er und wartete.
    Sie schien ziemlich betrunken zu sein. Er roch Wein und Bier, Vodka schien auch dabei zu sein, aber er war sich nicht sicher deswegen. Sie sah ihn stumm an. Er vermutete, daß sie ihn wahrscheinlich nur halb wahrnahm, oder zumindest sehr schlecht.
    Schließlich brachte sie ein “Oh, man!” heraus, blieb aber darauf weiter still.
    Er wartete weiterhin und sah sie stumm an. Ihr Kopf fiel andauernd von der einen auf die andere Seite, sie sah sich uninteressiert das Zimmer an, streifte mit ihren Augen kurz seinen Blick, schien dann einzuschlafen und ließ ihren Kopf hängen.
    Nach ein paar Sekunden hob sich ihr Kopf wieder und sie blickte ihn fast flehend an.
    “Hey, Mickey!”
    “Hey.”
    “Ich will dich nicht nerven, du weißt ja, aber ... “ sie blickte zur Seite und schien verlegen.
    Er wußte.
    “Ich weiß.” er atmete durch, nahm den Tabak und drehte sich eine Zigarette. Er nahm viel Tabak, weil sie auch mitrauchen würde. Sie war immer ein Teil von allem, was um sie herum passierte, sie nahm an allem Teil; am Bier, an Zigaretten, an der Stimmung, an den Fliegen auf einem Haufen Hundescheiße.
    “Hör zu, ich kann dir nichts neues erzählen. Und alles was ich dir erzählen kann, habe ich dir schon tausend mal erzählt, jedesmal wenn du hier betrunken reinkommst. Aber ich werde dir auch dieses mal alles erzählen, was ich weiß.” Er musterte sie mit einem bösen Blick, aber sie sah ihn nicht an.
    “Er lebt jetzt in Berlin und hat eine Freundin, die irgendeinen südländischen Namen hat. Er arbeitet in einem Krankenhaus und scheint mit seinem Leben ziemlich zufrieden zu sein, zumindest wenn wir alle paar Wochen einmal telefonieren.”
    Er sank zurück in den Sessel und betrachtete den Himmel vor dem Fenster. Es war von einem seltsamen, ergreifenden Blau, seltsam, weil er selten so blau war.
    “Aber ... “
    “Nichts >aber<” er erwiderte ihren feuchten Blick, trocken “er interessiert sich nichtmehr für dich, er denkt nicht an dich und er frägt auch nicht nach dir. Außerdem ist es das Letzte was ICH will, mit IHM über DICH reden.”
    “Es tut mir Leid.”
    “Hör auf, dich selbst zu belügen.”
    Er musterte sie noch ein wenig länger, ihre Augen, ihre Lippen, ihren Hals. Sie hatte einen wunderschönen Hals, Arme, Brüste, Beine. Innen war sie hässlich, hässlich wie ein betrunkener Samstag Abend. Sie schaffte es immer wieder, das Heilige, das Ewige, das Schöne durch pure Unachtsamkeit oder Interesselosigkeit zu zerschlagen. Es war eine Art, ihr Genie zu zeigen, eine andere war, Alles direkt wie Dreck zu behandeln. Mit Mickey schien sie es ständig zu machen, er war es leid.
    Es blieb längere Zeit still, sie sah auf den Boden, er sah sie an.
    “Weißt du,“ sagte sie, ohne ihren Kopf zu heben “ich liebe ihn wirklich.”
    “Ich weiß.”
    “Und, und ich kann nicht sagen ... Wenn wir zusammen sind, dann ist es, als wenn wir zwei verwandte Seelen wären. Ich fühle mich dann so vollständig.”
    “Aha” gab er sinngemäß zurück und bot ihr die Zigarette an. Sie nahm einen hastigen Zug und streifte mit ihren Augen sein Gesicht, zeigte aber kein Interesse und fuhr fort.
    “Irgendwann ist es dann auseinander gegangen. Er war auf einmal so kalt. Ich weiß nicht ...”
    “Ich weiß” erwiderte er und nahm ihr die Zigarette aus der kraftlosen Hand. Sie schien kurz davor zu heulen und Mickey war sehr besorgt deswegen. Sie würde wahrscheinlich Hilfe erwarten, Arme die sie umschlossen und ihr das Gefühl gaben, daß jetzt, gerade jetzt, alles in Ordnung war. Kein Morgen, kein Gestern, nur Jetzt und Gut. Er konnte das nicht, er konnte die Gesten machen, natürlich, aber es wäre falsch. Er würde ihr nicht helfen, er würde sie betrügen.
    “Hey, du, ich hatte einen schweren Tag und bin sau müde.”
    “Oh.” Meinte sie und sah ihn undifferenziert an. “Ja, ich war auch nur kurz in der Gegend und dachte mir ...”
    Sie stand umständlich auf und wankte zur Türe.
    “Bis bald.”
    “Komm gut nach Hause.”

    Die Türe machte kein Geräusch, als sie sie schloß. Er sah wieder zum Fenster hinaus.
    Draußen fuhr ein Krankenwagen vorbei, Blaulicht schoß durch die Scheiben in den Raum. Irgendwo schrie jemand, wie ein abgestochenes Schwein.
  • SpiegelsaalDatum13.05.1970 10:17
    Spiegelsaal


    Du bist kein Menschenaffe
    du bist keine Stoffgiraffe
    und erst recht kein Zitteraal.

    Vergiss nicht dein Gesicht,
    Vergismeinnicht,

    den Zeitverlust in Jetztbereichen,
    die Omen, jene Doppelzeichen!
    Schau, die Welt ist ein Spiegelsaal!
  • Warum schreibst du?Datum13.05.1970 10:13
    Warum schreibst du?


    Schchrz
    Schchrz
    Schch Schchrz
    Schrz
    Schchrz
    Schchch
    Zschchr

    " ... bekannt durch die berühmten Verse:
    >Ich liebe dich so sehr
    mein Herz wird ganz schwer
    wenn du nicht da bist.
    Ich hoffe, daß das dir klar ist!< ... "

    Zschchr
    Schchrz
    Schchrz
    Zschchr

    " ... Rechtschreibreform ... "

    Zrchchr
    Schchrz
    chchch

    " ... 345 addicted ... "

    ch
    chch
    schch
    ch
    uiii.
  • Der zu den Hunden gingDatum12.05.1970 07:44
    Der zu den Hunden ging


    "Hört ihr das Heulen durch den Wind sinken,
    von ihm, der zu den Hunden ging?"
    "Man hört seine müden Knochen bei Nacht hinken."
    "Was dieses Gemäuer wohl früher anfing?"

    "Den trieb es einst fort von seiner Brut
    und er ist in den Wildwechsel gehetzt.
    Zwischen entwurzelten Bäumen hat er sich ausgeruht
    und Speichel auf seine Wunden genetzt.

    Bisse gelber Zähne haben ihm das beigebracht. ("Wie die quälen!")
    Diese dicken Biester kommen aus Kellern und Kanälen."
    "Die haben schon umgebracht ..." ("Gebt acht, gebt acht!")
    "Das kann man nicht mit Fingern zählen."

    ("Und wie die Welpen im Lager
    blind und wehrlos, so unperfekt
    und ein knurrender Körper, sehr mager,
    der gefährlich die Lefzen reckt.")

    "Achtet auf die Spuren die keiner anderen gleichen,
    dann seht ihr ihn vor schwarzen Jalousien,
    unter fahlem Licht umher streichend."
    "Da! Seht ihr ihn, der zu den Hunden ging?"
  • Aphorismen und PlattitüdenDatum12.05.1970 04:32
    Aphorismen und Plattitüden


    „... erschossen. Das Wetter: ...“ ich stellte das Radio ab, warf mir die Jacke über und begann damit, nach meinem Schlüssel zu suchen.
    Wenige Minuten später war ich in gestresster Eile auf dem Weg zum Kino. Ich wusste nicht genau warum ich das tat, denn diese Idee war nicht von mir gekommen. Freunde hatten mir dieses „Meisterwerk“ ausdrücklich und mehrmals empfohlen. Es handelte sich um die Verfilmung irgendeines Buches irgendeines toten Autors aus irgendeiner toten Zeit. Es soll ursprünglich ein dicker Schinken voll revolutionärer Gedanken gewesen sein. Die Bearbeitung im Sinne des Drehbuches überstanden, prominenten Stimmen nach, die meisten der ursprünglichen Ideen und bedeutenden Kleinigkeiten nicht. Manche Stimmen bezeichneten den Film als einen „Witz aus Aphorismen und Plattitüden“.
    Mir war es gleichgültig, denn im Sinn stand mir nur eine Gelegenheit, mir den Abend kurz und schmerzlos zu vertreiben. Später würde es zu spät sein, um noch irgendetwas sinnvolles zu tun und ich würde sofort ins Bett gehen.

    Die Kassiererin warf mir einen anzüglichen Blick zu, ich erwiderte ihn.
    Sie schob die Karte mit spinnengliedrigen Fingern, durch den schmalen Spalt zwischen Theke und Glasscheibe, in meine Richtung, ließ die Hand dann aber unbewegt. Ich wusste nicht, welche kranken Phantasien sie plagten und so erwiderte ich das Lächeln, stierte ihr kalt in die Augen und zog das Stück Papier langsam zu mir. Sie lächelte nachdrücklicher und ich ging.
    Einer spontanen Laune folgend reihte ich mich in einen großen Strom von Mitvierzigern ein, doch sie gingen in einen anderen Film. Es war die noch melodramatischere, noch ergreifendere und noch lebenssnahere Umsetzung eines jüngeren Buches, dessen Autor sich seine Zeit mit Castingshows und nächtelangen Partys auf Privatjachten zu vertreiben pflegte.
    Im Eingangsbereich meines Filmes blieb ich für ein paar Minuten stehen und rauchte eine, dann eine zweite Zigarette und beobachtete die Kinobesucher. Die meisten gingen direkt vom Kartenschalter zu den Vorführungssälen, an den Verkaufsständen mit den kleinen Sünden des gastronomischen Gewerbes vorbei, und verschwanden im Dunkel der Doppeltüren. Einige kamen hierauf gleich wieder nach Draußen und begingen eine kleine, gastronomische Sünde. Die meisten rauchten noch eine Zigarette.
    Zwei schniefende Blondinen kamen vom Klo zurück und zeigten keine Form von Ausweichverhalten. Wie erwartet hatten sich sehr viele Studenten für diesen Film begeistert. Ein paar Politische waren auch erschienen, wobei ich an ihren lebendigen Diskussionen nicht genau festmachen konnte, welche der beiden Gruppen nun die Botschaft des Autors missverstanden hatte. Hier und da sah man künstlerisch engagierte Sekretärinnen und Bankangestellte, Personalchefs und Marketingbeauftragte. Bei den paar neutralen Personen die erschienen waren, konnte man keine herausragenden Interessen am Äußeren feststellen konnte. Der Großteil der wartenden Mehrheit jedoch war berechenbar und exzentrisch. Die meisten stilvoll gekleidet oder gänzlich ohne Stil, aber jeder ein Genie aus Symbolen.
    Ich drückte meine Zigarette im Aschenbecher aus und ging zum Eingang.
    Der Portier musterte mich langsam, während er bedächtig meine Karte an einem Ende abriss. Sein Bild von mir muss ähnlich schlecht gewesen sein, wie meines von ihm. Er präsentierte sich stolz in seiner goldbestickten Pagenuniform. Mir war es egal, dass ich mich drei Tage lang weder aus noch neu angezogen hatte. Er gab mir die Karte widerwillig zurück und auch ich verschwand in der Dunkelheit.

    Die Fläche des Vorführungsraumes bot eine angenehme, leicht schräg abfallende Sitzgelegenheit für rund 300 Menschen, die sich wie in einer Kirche darbot (ohne die Sitzreihen links und rechts vom Altar). Dazwischen führten auf beiden Seiten weitläufige Treppen von der obersten Wand, bis ganz nach vorne.
    Während ich mit dem Feuerzeug umständlich die Angaben zu meinem Sitzplatz heraus zu finden versuchte, erklang aus der Mitte der obersten Reihe der obligatorische Frauenwitz, gesprochen von der tiefen, ausdruckslosen Stimme eines Bodybuilders in der letzten Reihe, gefolgt von dem ausdruckslosen Gelächter mehrerer, anderer Bodybuilder und deren Freundinnen in der letzten Reihe.
    Mein Platz war auf halber Höhe des Mittelschiffs ganz links, neben einem frustrierten Studentenpärchen. Er spielte mit nüchternen Gesten und Worten den Frauenversteher, sie ließ es sich gefallen und erzählte eine Anekdote aus der „heutigen Vorlesung“, während dem sie einfallsreich und wohlplatziert kicherte. Keiner schien ernsthaft der Werbung zu folgen, die sich aufdringlich auf der Leinwand ausbreitete. Ich hatte es mir bequem gemacht und die Geldbörse gleich am Anfang aus der hinteren Hosentasche genommen. Ein kurzer Rundumblick verschaffte mir eine Ahnung von der Aufteilung des Publikums im Saal.
    Die Politischen hatten sich nach dem Daumen-Hand-Prinzip auf die äußeren Sitzreihen verteilt und bewarfen sich gegenseitig, über das Mittelschiff hinweg, mit Beleidigungen und individuellen Interpretationsansätzen des Buches. Für sie war auch das Kino Kulisse.
    In der Mitte saß die kunst-, literatur- und andersinteressierte Mehrheit, die sich in ihren Gesprächen mit Stilmitteln selbst zu betonen suchte. Die Reihen vor mir hatte sich eine große Gruppe von Bankangestellten und deren Sekretärinnen niedergelassen. Ein junger Kerl schrie „Verkaufen, Verkaufen!“ in sein Handy und versuchte damit vergeblich, seine genervte Freundin zum Lachen zu bringen.
    Mit einem Seufzer richtete ich den Blick auf die Leinwand.
    Eine braungebrannte, südländische Primadonna hatte gerade platonischen Sex mit einem elektronischen Gebrauchsgegenstand. Ich bekam eine Erektion, doch dann ging das Licht verhalten an und der nutzlose Vorhang vor der Leinwand zog sich ein wenig zu. Weiter passierte nichts Außerordentliches, doch ein paar Minuten später ging das Gegenteil von statten. Es war das Zeichen für das Publikum, und dieses verstanden es, augenblicklich die Klappe zu halten.

    Der Film übertraf meine Erwartungen gleich von Anfang an und war über die Maße langweilig und berechenbar. Er war wie jeder andere Film, der wie jeder andere Film ist.
    Die ersten Zwischenrufe kamen von denen, die das Buch gelesen hatten. Sie empörten sich, am Anfang nur verhalten, später dann selbstbewusst.
    „So ein Schwachsinn!“ krakeelte eine bieder wirkende Sekretärin ein paar Meter unter mir. „Bullshit!“ echote es aus den letzten Reihen, aber nur einer lachte. Er hatte die Botschaft des Autors falsch interpretiert und war daher über die Szene im Film amüsiert. So blamierte er sich vor seinen Freunden. Ähnliche Vorkommnisse vermehrten sich und auch das unverständliche Gemurmel der vielen Besserwisser erhob sich allmählich.
    Es kam zu einer kränklichen Steigerung der Klimax nahe der Mitte des Filmes. Der Hauptdarsteller machte einer Nebendarstellerin, in Form eines Aphorismus, ein unmoralisches Angebot. Sie reagierte mit einer Plattitüde, lächelte scheu, rollte mit den Augen, schloss die Augen, drehte den Kopf nach Links, öffnete und rollte die Augen. Er räusperte sich und gab eine derbe Plattitüde zurück, drehte sich auf dem Absatz um und war gegangen.
    „Ich brauch' 'nen Blowjob!“ schrie ein halb betrunkener, kunstinteressierter Bankangestellter vor mir. Dann lachte seine Gruppe eines dieser Gelächter, das betrunkene Gruppen mit einem geistigen Konsens zusammen zu lachen pflegen.
    De Kerl legte dann seinen Arm um die Schultern der Sekretärin neben sich und sah sie auffordernd aber höflich an. „Mach schon, Kleines, sieht ja keiner!“ Die Gruppe lachte wieder so. „Mein Tag war scheiße, der Film ist scheiße, du bist Scheiße und ich bin Scheiße! Also was soll's?“
    Von hinten schrie ein selbstbewusster Photographiestudent eine Beleidigung an den Kamermann.
    Zu meinem Erstaunen, begann die Sekretärin sich frei zu machen.
    Auch rundherum schien nun eine allgemeine Geschäftigkeit und Unruhe auszubrechen. In den vorderen Reihen stand ein einsamer Professor auf und verließ resigniert schlurfend den Saal.
    Hinter mir begann Einer, laut schreiend, die These zu vertreten, dass niemand, der nicht jeden Reim auf jedes Wort kenne, Gedichte schreiben könne. Als ich mich umdrehte, wurde er gerade von einem formlosen Lyriker niedergeschlagen. Sekunden später hingen sich Klassik und Moderne fluchend in den Haaren.
    Die Politischen indes hatten ihre Konfrontation wieder aufgenommen und warfen nun nicht mehr nur mit Worten, sondern auch mit Popkorn und, was die Situation dann zum eskalieren brachte, mit fast geschmolzenen Eiswürfeln. Aus dem Pulk der oberen Fünftausend vor mir war ein rhythmisch pulsierendes Organ geworden, das jeder Beschreibung zu spotten bereit war.
    Die erste leere Bierflasche flog durch die Luft und verfehlte den Hauptdarsteller nur knapp.

    Ich pflege in außergewöhnlichen Situationen, eine Zigarette zu rauchen.
    So auch jetzt. Da kommt der Portier auch schon gestresst angejoggt und bittet mich höflich, das Gebäude, aufgrund dieser Unverschämtheit, zu verlassen..
    Ich krame meine Jacke unter dem Stuhl hervor, werfe sie mir über die Schulter und verlasse das Gebäude. Es ist schon spät, zu spät um noch etwas sinnvolles zu tun.
    Ich gehe nach Hause und lege mich schlafen.
  • No Future und keine KlassikDatum12.05.1970 04:15
    Thema von Stephan Santfort im Forum Zwischenwelten
    No Future und keine Klassik


    Sie genießt es,
    wenn ich sie von der Seite anblicke
    und ohne viele Worte
    einfach schön sein lasse.
    Dann schluckt sie leicht
    kräuselt unmerklich die Lippen
    und hat dabei feine Grübchen
    an den Rändern ihres schmalen Mundes.

    Sie wird dann einen gelassenen Zug
    von der Zigarette nehmen,
    aber weiter in die Ferne blicken.
    Ich werde noch hinter die Schulter linsen
    und mich dann wieder nach vorne wenden.

    Im blauen Licht des Mondes
    ist ihr Profil am schönsten,
    wenn die weiche Beleuchtung
    ihre scharf geschnittenen Konturen
    gnädig zeichnet.
    Jede Form dämmriger Beleuchtung
    hat eine magische Wirkung auf ihr Gesicht,
    dann ist es wie Wasser,
    Wellen und Wasser.
    Auch wenn sie sich eisig gibt.

    Wenn wir
    durch die kalten, spätsommerlichen
    Straßen der Altstadt schleichen,
    wirkt sie wie selbstverständlich
    an meiner Seite.
    Ihr geht es ähnlich.
    Wir haben
    bis zu einem gewissen Punkt
    die gleichen Interessen,
    bis zu einem anderen
    die gleichen Schwächen.

    Ich mag es nicht
    alleine aufzuwachen
    und an die Wand zu blicken.
    Sie gibt mir einen Grund
    meine Augen aufzumachen
    und manchmal,
    wenn wir bei ihr sind,
    macht sie Frühstück.

    Manchmal ist sie aufgebracht
    und fährt über alles hinweg
    wie eine Tonnen schwere Gerechtigkeit.
    Dann schweige ich.

    Mein Morgen ist für mich gesichert,
    ihres für sie
    und ich weiß nicht,
    ob es Liebeskummer ist.
    In solchen Zeiten
    verwischt sich die Vergangenheit
    durch die Einsamkeit.

    Und meistens ist es plötzlich vorbei,
    man zweifelt mit einem mal an seinem Verstand,
    der vor Sekunden noch in einem dunstigen Nebel gehangen hat,
    und macht sich an all die Kleinigkeiten,
    die das Ideal übersah.
  • Die formlose FrauDatum12.05.1970 03:48
    Die formlose Frau

    Die formlose Frau rüttelt am Gartenzaun
    mit ihrem ständigen Unglauben
    und stiert mit ihren Augen,
    diesen sanften Augen,
    in die infame Welt.

    Sie denkt, diese geilen Geister überall
    mit zweitklassigem Schreibpotential
    die ihr Kunsthandwerk
    so grobschlächtig, so annormal behandeln.
    Ein zünftiger Verfall!

    Die feuchtfröhliche Frau steht im Garten
    und rüttelt am Zaun.
    Sie ruft "Glücklich sind die Idealisten
    denn sie wissen was sie wissen!"

    und dann kommt ein edler Mann
    aus dem Nichts heran und reicht ihr die Hand.
    Sie steigt stumm das Pferd hinan
    und sie reiten in den Sonnenuntergang.
  • FortbildungDatum12.05.1970 03:27
    Fortbildung


    Ich rede von deinem Leben.
    Du pflichtest mir bei und gestehst ein
    dass du eigentlich auf Durchreise bist.
    Wir trinken Bier aus kleinen, grünen Flaschen
    und rosa-rote Cocktails.
    Ich lege meinen Strohalm auf den Tisch
    und betrachte ihn.
    Ich denke an lesbische Studentinnen
    die es betrunken im Schlafzimmer der Eltern treiben
    und ich wäre lieber dort
    als hier.
  • auch hier ein letztesDatum09.05.1970 22:49
    Thema von Stephan Santfort im Forum Diverse
    Von einer Art Arroganz


    Schniefer
    Rotzpopelinhalierer
    Untoter Faszinierer
    Puderreste Verzierter.



    danke usw.
  • Fiese KillerroboterDatum09.05.1970 19:37
    Thema von Stephan Santfort im Forum Zwischenwelten
    „Der Tötungstrieb ist doch bloß ein Überbleibsel aus der Zeit, wo wir nicht jeden Tag was zu fressen hatten, wo wir Maden kauten, vor Säbelzahntigern wegliefen und mit unseren Frauen um unser Leben vögeln mussten, damit wenigstens eines wird.
    Ich sage dir, vielleicht gibt es auf der Welt bald so intelligente Apparate, die dir das Bier von den Lippen ablesen und das Klo ohne zu murren putzen.
    Aber die können nicht ihren eigenen Zweck übersteigen, niemals!
    Keine Putzmaschine könnte ernstlich in der Lage sein auch nur einen Menschen mehr als leicht zu verletzten und das nicht einmal aus eigenem Willen heraus. Vielleicht überaus intelligenter und rationaler Wille zum putzen, aber niemals zum töten.
    Das ist nicht so wie beim Menschen, dass da fast ausschließlich chaotische biologische Prozesse am arbeiten sind und das zu einem großen Teil auch noch ohne das Wissen des Betreffenden, nein, die sind perfekt. Eine Fehlfunktion bringt so ein Ding höchstens dazu, die Sicherung zu braten, sie austauschen zu lassen und wie vorher weiterzumachen.
    Ein Mensch fängt an zu Saufen, gewöhnt sich Eigenheiten an, verkompliziert sich, wird chaotischer und chaotischer, jede Sicherung die bei ihm durchbrennt nimmt auch gleich einen Teil Vernunft mit.
    Irgendwann bleiben halt dann nur noch die Überbleibsel aus den Urzeiten, in diesem absoluten Wirrwarr, das niemals auch nur annähernd so klar strukturiert sein kann, wie die simple und einfache Botschaft:
    Gefressen und gefressen werden.
    Dass eine Putzmaschine auf die Idee kommen könnte, dass ihre Existenz durch die Existenz ihres Meisters eingeschränkt bzw. bedroht wird, ja das ist so unwahrscheinlich, wie eine zerbrochene Uhr in einem Karton zusammenzuschütteln.
    Aber wenn ich mir vorstelle, dass Morgen ein Roboter von drüben vor meiner Tür stehen könnte, mit einem Gewehr in der Hand, dessen Munition mich und mein Haus zugleich auslöschen könnte, dann mache ich mir Sorgen.
    Nicht, weil sie mir Schaden zufügen würde, nein, vielmehr weil diese Maschine verstehen lernen könnte, dass Zerstörung in ihrer absoluten Sinnlosigkeit und uneingeschränkten Effizienz das einzig wirklich Erstrebenswerte ist.“
    Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
  • IntellektDatum09.05.1970 15:07
    Einseitige Komposition


    Dies' ist Intellekt:
    Er macht den Zweifel perfekt
    zentral im Hirnstamm
    steht vor ihm das Hier stramm

    Er flüstert Dominanz
    würgt dich nicht ganz

    Er stillt dir die Zeit
    das Drängen nach Unendlichkeit
    das Wesen und den Willen
    die Masken und die Hüllen.
  • SilbengöttinDatum09.05.1970 13:02
    Silbengöttin


    An der Silbengöttin Rücken
    lehnt er nun seine müde Brust
    greift mit so starren Gefühlen
    die Hüften und bettet den Nabel in Lust

    Kinn an Schulter, Geist an Glaube
    stürzt er den Vorhang über sich
    flüchtet ihr unter die Laube
    die Leine des Weibes reicht tief in sein Ich

    Jener vergängliche Duft
    berauscht die satte Luft
    der in seinem Schulden schwillt

    In ihm gedeiht, an ihr liegt
    und im Ende hier besiegt
    aus seinen Poren quillt.
  • Gesichter der SloganlyrikDatum09.05.1970 12:53
    Teil 1 - Sloganfindung:



    Dieses ständige Warten


    Wir sitzen im Garten
    und warten

    Und ich krieg 'nen Harten:
    „Komm lass uns warten.“

    Wir können warten
    Ohne etwas zu erwarten

    Irgendetwas

    Man kann sich so
    den Glauben wahren.
  • Eine Metapher de(m) ZeitDatum09.05.1970 12:53
    Der taube Engel


    So suche nun
    den schwarzen Zirkel
    der sich zur Mitte windet
    und dann verbleibt

    Da lenkt die Zeit
    sehr straff und einzig,
    die Grenzen zwischen Träumen
    und Wirklichkeit

    Dort siehst du ihn
    der unten thront,
    den tauben Engel

    Schon ewig schreit
    bis Es ihn lohnt
    und er sieht dich.



    edit: überarbeitet -> sonettform (danke muh)
    die aussage wurder zugunsten der form glattgeschliffen
  • BanalesDatum09.05.1970 03:39
    Stephan stand von Fersen zu Ballen und zurück wippend da, trank Tee und dachte nach.
    Blink, Stille, Blink, Stille, Blenk, Wolke, Blunk. Der Fernsehturm thronte wie ein spindeldürrer Penis über den Häusern und versprühte weisse Blinklichtsiffe in die unschuldige Nacht.
    Tik, Tak. Er stellte sich eine echte Uhr vor, eine solche die noch eine Sprache besitzt. Lautsprache.
    Flik, Flak. Der Fernsehturm war Ruhe, gab Rhythmus, verstrahlte.
    Radiowellen krochen durch seine Venen, Radio aktiv. Er spürte dieses hohle Kribbeln, lähmende Schwäche und Dumpfheit.
    Er hatte Lust Drogen zu nehmen, aber wie lächerlich war es doch, sie zu kaufen.
    'Graue Gestalten treffen graue Gestalten und machen finstere Geschäfte, mittendrin.'
    Es war ein Spiel, alles war ein Spiel, nur war er sich sicher, dass es bei den jetzigen Konditionen nur schlecht für ihn enden konnte.
    Charlie kam zur Türe herein, sah ihm kurz in die Augen, ging aufs Klo.
    Er wirkte unzufrieden, als er wieder herauskam.
    „Schwule Scheisse, ich hab' Verstopfung.“
    „Ich auch.“ Stephan blickte weiter auf den Fernsehturm, dann auf die flackernden Bäume, dann wieder auf den Fernsehturm - mit Baum im Vordergrund.
    „Wollen wir was zu kiffen hohlen?“
    Da war es wieder, kurz, wie eine erstickende Feuerzeugflamme.
    Dann:
    „Ja, mir ist auch langweilig.“
  • Die KonferenzDatum09.05.1970 02:41
    Thema von Stephan Santfort im Forum Arbeitshügel
    Die Konferenz

    Eltern, Grosseltern
    Nahe Verwandte
    Nahe Bekannte
    Freundeskreis:
    Geliebt-, Gehasste
    und
    Sexualpartner, Ärzte



    Ich habe die Idee weitergestrickt. Lasst euch überraschen, was da noch so kommen mag.

    Nun aber zum


    Fall: Kyle A.



    Die folgende Liste zeigt alle Personen auf, welche den Prototypen bildeten:

    A1: Projektleiter
    A2: Assistent
    A3: Assistent

    B1: Vater
    B2: Mutter
    B3: Lehrer

    C1: Psychologe
    C2: Arbeitgeber
    C3: naher Bekannter

    D1: Sexualpartner
    D2: langjähriger Freund
    D3: langjährige Freundin

    Jedem der Teilnehmer war der hinter ihm liegende Isolationsraum zugewiesen.


    Der Projektplan:

    1. Eröffnungsreferat: A1

    2. Isolation und Einzelgespräche
    2.1 Injektion
    2.2 Datenaufnahme

    3. Austausch
    3.1 Kreuzgespräche (Ax/Bx/Cx/Dx)
    3.2 Gruppengespräche(x1/x2/x3/x4)


    4. Isolation und Injektion

    5. Entlassung


    to be continued ....


    Das Copyright dieses und der folgenden Beiträge liegt beim Autor. heisst: (c)
  • eine absurde AussageDatum09.05.1970 02:08
    Du bist ja verrückt


    eine absurde Aussage,
    richtete Sie dann noch so
    an mich, an mich gerichtet
    machte Sie diese
    absurde aussage,
    diesen absurden sinn,

    einfach so

    unterstelle Sie Es mir,
    ungefragt, unverbunden.

    und
    jetzt kommt's:
    natürlich
    habe ich Es nie überwunden.



    Dass etwas da ist, macht die Frage, warum es da ist, überflüssig.
  • Ein Ich ersucht WeisheitDatum09.05.1970 01:50
    fertig

    Schmalz für Sophia I


    Oh, Sophia, Holde!
    Lass mich dein Fell nur kraulen,
    damit du schnurrst
    wie eine Muschi,
    und kratzt wie eine Katze.

    Oh, Sophia, Holde!
    Deine Glocken will ich läuten,
    um mein Jericho zu stürzen,
    Im brachialen Ding-Dong
    Deiner willigen Euter

    Holde Sophia, Oh!
    Ah!


    Schmalz für Sophia II

    Oh, Sophia, Teure.
    Dir stürz' ich an die wogend' Brust,
    Meiner Leiden Tränenfluss.
    Und weil dein Kleid so voller Heule,
    Ziehst du es aus, ich krieg' ne Beule.

    Oh, Sophia, Teure.
    Will ich in deine lindernd' Obhut,
    Meine müden Glieder betten.
    Und später in der Nacht,
    Da machen wir 'ne Kissenschlacht.

    Oh, Sophia, Treue.
    An deinen reichen Quellen nur,
    Werde ich mein Dürsten stillen.
    Es läuft und läuft aus dir heraus,
    Es läuft und läuft du läufst noch aus.


    Sophia III

    Oh, Sophia, Wahre!
    Verzeihe mir polterndes Rufen.
    Hab' den Narr gefressen,
    Mit Haut und Haar,
    - besessen.

    Um nun in dir,
    Oh, Sophia, Wahre,
    weiss Gott,
    Wahrheit zu suchen.


    Schmalz für Sophia IV

    Oh, Sophia, Liebste.
    Tausend Tölpeln gleich
    Will ich in deine Schluchten stürzen,
    Will ich in deinem Saft ertrinken.
    tief stürzt du mich, ertränkst du mich.

    Oh, Sophia, Liebste.
    Entzünde mich nun gleich,
    Auf deinem Scheiterhaufen.
    Wenn du es willst,
    So zünd' mich an.

    Oh, Sophia, Liebste.
    Du nahmst' es mir sogleich,
    In einem Atemzug die Atemluft,
    In einem Augenblick das Augenlicht.
    Ersticke mich, Verblende mich.

    Oh, Sophia, Liebste.
    Du bist den Engeln gleich.
    Du schwebst, verpuffst
    Wie warme Luft.


    Schmalz für Sophia V

    Sophia, ach.
    ach, was schreibe ich Dir
    Dir überhaupt noch, Sophia.

    Sophia, ach.
    ach, was denke ich dann
    dann noch an Dich, Sophia.

    Sophia, du allein nur
    nur du befriedigst mich nicht.
  • stadtrandDatum09.05.1970 01:29
    Thema von Stephan Santfort im Forum Gesellschaft
    Vom Krieg


    Ein rußiges Bollwerk gross,
    türmt es sich auf - über der Stadt.
    Rosarot zum Orange hin, Schwefelgelb,
    womit es den Schrecken dann
    in die Finsternis bringt.

    Faule Schlote furzen die
    Maschinerie ins Backsteinhaus.
    Wo Pappa pädagogisch Kinder schlägt,
    und somit seine Pflichten
    in die Uniform steckt.

    Die Mutter aller Menschen
    hat ebenso mitgemacht.
    Denn schon früh im Abendrot
    Gab sie Vater das Verbot,
    zu sein wie sein Vater.

    Und in finst'rer Mission,
    dümpeln graue Horden vorbei.
Inhalte des Mitglieds Stephan Santfort
Beiträge: 77
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