Ich stand - der Frühling blies sich in die rauen Hände –
an meiner Haltestelle, las in einem Buch,
da sprach mich jemand an und bat um eine Spende,
s’war eine junge Frau in einem roten Tuch.
Und als ich in die Börse griff – in jedem Frühjahr
sind Herzen einfach milder, nicht? - da sah ich dich
im schnellen Schritt, doch wurde ich dir erst gewahr,
als ich verlegen durch die langen Haare strich.
Es ist schon komisch, was wir Menschen dann so sagen,
wenn eine alte Liebe plötzlich vor dir steht.
Ich gab mich heiter - nur nicht jammern oder klagen –
und sprach vom kalten Wind, der noch so heftig weht.
Und all die vielen Fragen, die doch heimlich lauern,
die schluckt man einfach weg, und klebt sich ins Gesicht
ein dummes Lachen. Ach, wer wird denn jetzt noch trauern?!
Doch irgendwo fühlt man die Scherbe, die so sticht.
Ich gab der Frau dann mehr, als man normalerweise
gibt. Sie dankte mir und war schon um die Ecke.
Du müsstest auch. Wir sagten tschüss, da sprach ich leise:
In meinem Herzen sind noch immer blaue Flecke.
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blaue Flecke
Ich stand - der Frühling blies sich in die rauen Hände –
an meiner Haltestelle, las in einem Buch,
da sprach mich jemand an und bat um eine Spende,
s’war eine junge Frau in einem roten Tuch.
Und als ich in die Börse griff – in jedem Frühjahr
sind die Herzen einfach milder - da sah ich dich
im schnellen Schritt, doch wurde ich dir erst gewahr,
als ich verlegen durch die langen Haare strich.
Es ist schon komisch, was wir Menschen meist so sagen,
wenn eine alte Liebe plötzlich vor dir steht.
Ich gab mich heiter - nur nicht jammern oder klagen –
und sprach vom kalten Wind, der noch so heftig weht.
Und all die vielen Fragen, die so heimlich lauern,
die schluckt man einfach weg, und klebt sich ins Gesicht
ein dummes Lachen. Ach, wer wird denn jetzt noch trauern?
Doch irgendwo fühlt man den Splitter, der noch sticht.
Ich gab der Frau dann mehr, als man normalerweise
gibt. Sie dankte mir und war schon um die Ecke.
Du müsstest auch - wir sagten Tschüss - da sprach ich leise:
In meinem Herzen sind noch immer blaue Flecke.
Jetzt tropft es von den kahlen Bäumen
und Regenschirme wandern durch die Stadt.
Die braunbespritzten Wälle säumen
die dunklen Gassen, wo’s noch Kälte hat.
Das Gurgeln dringt durchs Eisengitter;
von einem Dach fällt müd der letzte Schnee.
Ein Besen sammelt Kieselsplitter
und aus der offnen Tür riecht’s nach Kaffee.
Man spricht nun wieder etwas länger.
Zuweilen sieht man, wie ein Lächeln fällt,
und selbst der alte Einzelgänger
zieht einen neuen Strich um seine Welt.
Mit Scherzen treiben wir euch von den Stühlen;
wir lachen laut und der Sarkasmus steht uns gut.
Lasst ab, nur Narren sprechen von Gefühlen
und Liebe treibt ihr böses Spiel, voll Übermut!
Den Ruf des Pessimisten pflegen wir noch Jahre.
Warum sich ändern, wenn doch alles untergeht?
Mit gönnerhaftem Mitleid helft ihr - gottbewahre! -
s’ist reinste Heuchelei, was auf den Steinen steht!
Nein, wirklich, denkt nicht, dass wir besser wären,
denn auch mit Ironie ist man am Ende tot.
Drum trinkt mit uns, die Welt ist noch im Lot,
und lasst uns diese Sache morgen klären.
Der erste fiel in einen Sommer;
die Luft war lau und hinterm Hag,
umgeben von Erblühtem lag,
mein Herz in tausend Scherben.
Der zweite kam ganz unerwartet;
die Blätter zogen schon durchs Land
und unter kalten Decken fand
ich bittre Spuren, am Verderben.
Der dritte dann im Schneegestöber;
die Worte wirbelten im Wind,
man huldigte dem Jesuskind
und nebenbei lag ich im Sterben.
Nun sind die drei verbrieft, versiegelt;
rot glänzt das warme Wachs im Licht
und wenn der Frühling kommt dann bricht
der Nachlass auf und sucht den Erben.
So kostbar sind mir heute jene kurzen Stunden,
in denen wir uns Worte von den Lippen küssten;
als wir nur mit den Händen sahen, so als müssten,
sie unsre Körper wie ein neues Land erkunden.
Und unersetzbar sind die zärtlichen Minuten.
Gleich hellen Diamanten auf kohlschwarzem Sand,
so strahlten sie und waren unsrer Liebe Pfand,
eh die Gezeiten sie entrissen in die Fluten.
Bis heute zählen diese schnellen Atemzüge –
in denen uns das Glück so nah und greifbar schien –
zum Besten was das Leben mir anhin geliehn,
denn unsre Ewigkeit entpuppte sich als Lüge.
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neue Version
die zeitlose Lüge
So kostbar sind mir heute jene kurzen Stunden,
in denen wir uns Worte von den Lippen küssten;
als wir nur mit den Händen sahen, so als müssten,
sie unsre Körper wie ein neues Land erkunden.
Und unersetzbar sind die zärtlichen Minuten,
die uns wie Perlen durch die Finger fielen.
Wie Kinder, die mit bunten Murmeln spielen,
so liessen wir uns von dem Reichtum überfluten.
Bis heute zählen diese schnellen Atemzüge –
in denen uns das Glück so nah und greifbar schien –
zum Besten was das Leben mir anhin geliehn,
doch unsre Ewigkeit entpuppte sich als Lüge.
Der Wind treibt Schnee durch brache Saat
und vor den Toren bellen Hunde.
Die Feder kratzt sich durch das weisse Blatt.
Geschwind, weil schon der Morgen naht!
Bald decken grobe Linnen, kalt und glatt,
die Hässlichkeit der blutig, frischen Wunde.
Und Worte strömen durch die Eiskanäle;
ein steter Fluss verpasster Huldigung.
Und eh die Glocke schlägt zur vollen Stunde,
ertönt durch schattendunkle, leere Säle,
bis in die klamme Gruft die Schreckenskunde:
„Es ist verbrieft, holt sie zur Opferung!“
Das Johlen tropft durch Mauerritzen
und fröstelnd zittert jetzt die müde Hand.
Die Zeit war lang, auch wenn noch Jahre fehlen.
So hüllt sie sich in rote Spitzen.
„Herr, nimm mich mit, zu all den andren Seelen
und wärme mich in diesem kalten Land.“
Hat von euch jemand eine Ahnung, oder weiss es sogar, wie lange es geht, bis ein Messerstich abgeheilt ist und der Patient wieder gehen kann? Es handelt sich um einen Stich in den Rücken, ca. 10 cm tief, aber nicht lebensgefährlich, die Lunge wurde auch nicht perforiert. Ich müsste es nur so quasi wissen, brauche keine medizinische Abhandlung. Ich finde leider nichts im Netz und zu einem Selbstversuch fehlt mir der Mut.
Du brauchst die Schachtel, um die Wand zu fühlen,
denn wo du Grenzen spürst bist du in Sicherheit.
Ein Gräuel ist es dir im Dreck zu wühlen.
Wo Schmutz liegt, ist dir zu viel Wirklichkeit.
In engen Räumen fühlst du dich geborgen
und wo die Weite dehnt, frisst bloss die Angst an dir.
Drum hältst du dich im Kästchen hübsch verborgen:
Gekrabbelt wird woanders, nicht bei mir!
Ich hab es aufgegeben dich zu locken,
mir ist die Welt, in der du lebst, zu asphaltiert.
S’ist doch viel besser auf dem Arsch zu hocken;
selbst deine Fürze riechen betoniert.
Im Frühling fällt der Regen wieder milder
und vor den Fenstern werden Blumen blühn.
Auf Pflastersteinen spriessen bunte Bilder
und silbrig hell wird die Kaskade sprühn.
Im Park ertönt der Lerche frohes Singen
und vor der Stadt spielt man ein Zirkuslied.
Der Südwind wird die lauen Nächte bringen
und weckt das Lachen, das heut leis verschied.
Doch hinter weissgetünchten Fensterläden
liegt dieser Raum verdüstert, menschenleer.
Ich knüpfe auch im Dunkeln meine Fäden,
nur träumen kann ich dann nicht mehr.
Was spinnt sich nächtens in den wirren Träumen
und hängt des Morgens schwer noch im Gemüt?
Ist es noch immer diese dumme Sehnsucht,
die wir verschlossen in den schwarzen Räumen
und die jetzt – lichtlos - im Verborgnen blüht?
Sind diese Ranken - die mich fest umschlingen,
die mir den Atem nehmen - die Erinnerung?
Und diese Bilder, die durch Eisen dringen,
die Schatten eines Einst, zu meiner Folterung?
Ich bin so müde, bin so schrecklich müde!
Als würd ein Dämon sich am Kummer weiden,
so bringen solche Nächte - seien sie verflucht! -
bloss falschen Schlaf und der wirft grob und rüde
mich nur zurück, zu Tagen voller Leiden.
An deinen Ufern sank der Anker tiefer;
fiel haltlos abwärts, bis er Boden fand,
und als er schleifend, über nacktem Schiefer,
nach Rettung suchte, traf er dieses Land.
Die Glieder ächzen, wenn die Stürme toben
und ruhen in sich, wenn die Wogen mild.
Mit Algen, durch die Jahre fest verwoben,
zeigt sich im Halblicht ein bizarres Bild.
Vermutlich wird die Kette einmal brechen;
ein Schiff kappt sie vielleicht bei voller Fahrt,
doch bleibt der Anker stets, als ein Versprechen,
im Grund vergraben, der die Spuren wahrt.
Du Narr! Du glaubst - da muss ich lachen - doch tatsächlich,
dass diese Welt sich um dich kleines Menschlein dreht?
Du bist doch nur der Staub, den bald der Wind verweht;
das Glück ist nur in Märchenbüchern teils bestechlich.
Du Tor! Noch immer dünkt es dich, dies kurze Leben,
sei dir am Ende doch gewiss noch etwas schuldig?
Drum schweigst du weiter still und trägst die Last geduldig
und wo du nehmen möchtest bist du nur am Geben?
Ach, Mensch! Du brauchst nicht Halt, noch Hilfe, sondern Mut,
auf dass die Wünsche nicht infolge Alters sterben;
die schönste Braut freit immer der, der weiss zu werben.
Nimm diesen Rat von einem alten Tunichtgut!
Gross- und Kleinschreibung, wieso sie (für mich) sinnvoll ist
Immer wieder lese ich von AutorInnen, auf meine Frage, weshalb sie durchgängig kleinschreiben, dass sie das bewusst tun. Ein paar erzählen sogar, dass sie sich nicht dem Diktat einiger – nach ihrer Ansicht – Dummköpfen unterwerfen wollen, die doch bloss darauf aus sind, ihre neuaufgelegten Lexika zu verkaufen. Nun, dieses Argument ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Orthographie ist nicht alles, weil sie sich verändert und jederzeit – wir kennen das von den Rechtschreibreformen – angepasst werden kann. Auch ich musste mir infolge dessen, einen neuen Duden zu legen und ich kämpfe noch immer mit Regeln, die mir – durch die Jahre liebgewonnene Wörter – plötzlich als falsch ankreiden. Über Sinn- und Unsinn neuer Regeln kann man sich immer streiten. Ich hätte auch ein paar Dinge anders gemacht, aber schon meine Mutter sagte immer: Was du nicht ändern kannst, das akzeptiere!
Aber bei den meisten, der obengenannten AutorInnen, die sich da mit so wundervollen Worten – manchmal sind diese Beiträge sogar interessanter, als ihre Texte – herausreden, ist es eben nicht viel mehr, als eine Ausrede. Zumeist ist es ihnen nicht möglich, eine korrekte Schreibweise aufs Papier zu bringen. Und, um sich die Textarbeit zu erleichtern, schreiben sie halt durchgehend klein, meist auch noch ohne Punkt und Koma.
Anfang des 20. Jahrhundert war das sicher eine originelle Art, gegen „was-auch-immer“ zu rebellieren und sich dabei innovativ und avantgardistisch zu fühlen, heute jedoch, wirkt das Ganze reichlich lächerlich und dient nur dazu, dem Text Qualität und Verständlichkeit zu nehmen. Es gibt verschiedene Studien, die aufzeigen, dass ein durchgehend kleingeschriebener Text, dem Lesefluss entgegen wirkt. Unser Auge, das an Grossbuchstaben gewöhnt ist, benötigt diese um sich im Text zu orientieren. Die Grossschreibung erleichtert das Querlesen, da dann Substantive, die für das Verständnis des Textes besonders bedeutsam sind, vom Auge schneller erfasst werden. Hätte man uns in der Schule die durchgängige Kleinschreibung (wie es in einigen Ländern üblich ist) gelehrt, wäre dies sicher anders. Es ist also eine Frage der Gewöhnung. Da wir aber – in Gottes Namen – Deutsch schreiben, und Deutsch zwischen Gross- und Kleinschreibung unterscheidet, sollten wir doch, als AutorIn, die Grosszügigkeit besitzen, unseren Lesern ein angenehmes Lesen zu ermöglichen.
Ein paar Beispiele, die dies verdeutlichen:
- ‚er hat liebe Genossen’ oder ‚er hat Liebe genossen’
- ‚der Gefangene floh’ oder ‚der gefangene Floh’
- ‚helft den armen Vögeln’ oder ‚helft den Armen vögeln’
Natürlich sind diese Beispiele überzogen und gesucht, sie zeigen aber anschaulich, wie sich die Gross- und Kleinschreibung auf die Verständlichkeit auswirkt.
Ich, als Leser, habe Respekt vor der Arbeit, die ein Autor in seinen Text steckt und ich zolle ihn ihm damit, dass ich sein Werk lese und mir darüber Gedanken mache. Wenn ich aber merke, dass er einfach zu faul war, sich anständig auszudrücken, dann bin ich auch zu faul, um sein Geschriebenes zu lesen bzw. zu kaufen. Es ist nämlich, entgegen der landläufigen Meinung, nicht bloss wichtig, welcher Inhalt vermittelt wird, sondern er muss auch sprachlich zugänglich und verständlich sein. Oder, wie Blaise Pascal sagte: Der Sinn empfängt von den Worten seine Würde, anstatt sie ihnen zu geben.
Im Eis verharrt die letzte Welle,
leckt sich am Glas die Lippen wund
und an der schwächsten Spiegelstelle
lockt tiefer, dunkler Meeresgrund.
So schwarz und kalt ist das Vergessen,
so hell und licht der letzte Schritt,
und was noch nicht vom Leid zerfressen,
drängt zu dem feinen Scherenschnitt.
Zum Ufer schwebt ein feines Klagen,
hängt kurz im Schilf und löst sich auf,
und wo vordem noch Nebel lagen
erhellt ein Schein den Wasserlauf.