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  • vis-à-visDatum18.05.1970 03:48
    Thema von Albert Lau im Forum Ausgezeichnete Lyrik
    vis-à-vis


    Ich sehne nicht nach wirklichem Geschehen,
    nach Orten nicht und auch nicht nach Personen.
    Auch drängt es mich nicht, einen Weg zu gehen,
    nach Reden nicht und auch nicht nach Aktionen.

    Das Leben blieb mir fern und ist mir schnuppe.
    Ich mag auch keine Tiere oder Pflanzen.
    Ob ich am Meer, ob auf des Berges Kuppe,
    nie musste ich vor Glücksgefühlen tanzen.

    Doch wenn ich vis-à-vis vor deinem stehe,
    beginne ich das Wunder zu begreifen
    und sehne mich nach dem, was ich dort sehe,
    dass Töne tief in mir zu Silben reifen.

    Die stotternd kaum beschreiben, was zu ahnen
    um Liebe und auch Leid ich nie getraute.
    Mich können alle Verse nur gemahnen:
    Es dichtet nur, wer nie das Leben schaute.

    Deshalb will ich dir niemals mehr begegnen,
    um meiner selbst, doch auch um deinetwillen.
    Lass meine Worte deine Werke segnen,
    lass deine Taten meinen Hunger stillen!
  • u.a.Datum18.05.1970 03:45
    u.a.


    In einem andern Leben
    zu einer andern Zeit
    wär ich
    an Ort und Stelle
    u.a.
    dazu bereit
    mich auf die Schnelle
    dir hinzugeben.

    Du müsstest nur versprechen
    dass du dich selbst vergisst
    und mich
    auf alle Fälle
    u.a.
    wenn’s soweit ist
    mit großer Elle
    misst.

    Und zügig abzulanden
    wie Ebbe nach der Flut
    um dich
    mit heißer Welle
    u.a.
    und frischer Glut
    in jeder Zelle
    auf mich zu branden.
  • TraumfängerDatum18.05.1970 03:30
    Traumfänger


    In feuchten Träumen wurdest du geboren,
    um meiner Scheu die Nemesis zu sein.
    So habe ich die Unschuld nie verloren
    als Lüstling unter heiligerem Schein.

    Nur quält mich jeder Tag nun um so länger
    und ungeduldig harre ich der Nacht.
    Die Pharmazie* verhindert einen Hänger,
    dann schläft der Mensch, die Leidenschaft erwacht.

    Und mit ihr auch mein geiles alter ego,
    es drängt und treibt die Muse vor sich her,
    es steigert sich in gierigem Crescendo,
    doch bleibt in der Erfüllung seltsam leer.

    Ich wache morgens auf und bin gerädert,
    die Meeresströmung brandet nun ins Haff.
    Die letzte Dünung bricht, der Strom verädert
    im limbischen System und ich bin schlaff.

    So brande ich im Wechsel der Gezeiten:
    Ich dümpele am Tag, doch in der Nacht
    ist keine Welle hoch genug. Wir reiten
    durch Berg und Tal und preisen Morpheus Macht.



    * Danke, GW!
  • Dr. S.Datum18.05.1970 03:30
    Thema von Albert Lau im Forum Diverse
    Dr. S.


    Ob die Geschichte lieber Treppenwitze
    pflegt oder das Schicksal Ironie?
    Für mich ist’s einerlei, da zählt nur, wie
    ein Stuhl sich anfühlt, wenn ich darauf sitze.

    Rollt dieser mich ans Rednerpult, dann spitze
    Ohr und Verstand, denn jetzt spricht ein Genie
    der Symptomatik, wenn ich sage: Nie,
    ein Donnerwetter läuft nicht ohne Blitze!

    Recht muss man also auch mit Unrecht wahren,
    Tat ist im Ernstfall durch Motiv gesegnet.
    Äquivalent wird drohenden Gefahren

    transzendental und vorsorglich begegnet.
    Erst wer der Wolken Brüche selbst erfahren,
    ruft nach dem Schirm und fragt nicht, ob es regnet.
  • MetamorphosenDatum17.05.1970 13:34
    Thema von Albert Lau im Forum Natur
    Metamorphosen


    Selbst auf den zweiten Blick kaum zu erkennen,
    changierend täuscht die Farbe die Natur,
    hast du gelebt zu einem Zwecke nur:
    mit deinem Tod das Glück vom Traum zu trennen.

    Es schien, als lebtest du, um zu verbrennen.
    Tagtäglich auf der Suche, auf der Spur
    totaler Existenz, alleine zur
    Erfüllung schien Gott keinen Weg zu nennen

    Rief dich die Zeit, rief eine zweite Sphäre?
    Ließ dich die Sehnsucht nach Entwicklung streben?
    In Agonie erschien ein Bild, als wäre

    nur einen Tod entfernt ein bessres Leben.
    Gib du das deine, wenn die Schöpfung spricht: Gebäre!
    Ein Phönix wird sich aus der Asche heben.
  • LebewohlDatum17.05.1970 13:34
    Lebewohl


    In
    Riten zu finden
    Zeichen gebunden
    Zeilen gewunden
    Liebe erblinden.
    Niemand sieht dich so wie ich.

    In
    Blicken erstarren
    Silben zu reden
    Sätzen zu leben
    Hoffnung verharren.
    Niemand leidet so wie ich.

    In
    Wünschen geboren
    Verse getrieben
    Reimen geblieben
    Sehnsucht verloren.
    Niemand wird dich wiedersehen.
  • EinsichtDatum17.05.1970 13:34
    Einsicht


    Nun sehe ich dich seit so vielen Jahren
    und immer noch erkenne ich dich kaum.
    Du bist so wandelbar, als wie im Traum,
    wann werde ich dein wahres Ich erfahren?

    So traulich mag dein Blick sich offenbaren,
    doch lauert die Gefahr im harten Zaum
    und blitzt sie auf, dann hältst du sie nur kaum,
    ein Ort erscheint, an dem wir niemals waren.

    Dort bindet Gott den Teufel durch Vertrag,
    die Liebe wird erklärt mit Brief und Siegel
    und Wahrheit schläft bis in den Jüngsten Tag.

    Du siehst den Schrecken und du nimmst die Zügel,
    das Bild verfliegt im nächsten Wimpernschlag.
    Was bleibt, ist nur mein Blick in diesen Spiegel.
  • geStrandEtDatum17.05.1970 13:27
    geStrandEt


    Ohne Alles ist nicht Nichts.
    Hier und das heißt, hinterm Deich
    grabe eine Lücke! Bricht’s
    oben ein, wird’s unten weich.

    Träume von verkehrten Welten,
    Theorien, gewagt und bunt;
    immer und daher nicht selten
    checken wir den Untergrund.

    Heißt es „Hier kann ich noch stehen“,
    mutet es fast rührend an.
    Unter Wasser kann man sehen,
    selbst der Fuß glaubt nicht daran.

    Sag den Meeren leise Servus,
    komm und stich mit mir an Land.
    Ob der Ostwind wieder her muss,
    taugt nicht als Verweilsvorwand.

    Zeiten gehen, Zeiten kommen,
    erst am Anfang, dann am Schluss.
    Niemand ist je rausgeschwommen.
  • Vergangene NachtDatum17.05.1970 13:21
    Vergangene Nacht


    Heftige Schläge erschüttern das Tor,
    ehe dem Morgen die Dämmerung graut.
    Rostig und schwer geht es auf und es schaut
    zweifelnd und zögernd ein Junge hervor.

    „Auf“, schreit ein Mann, „leih mir Auge und Ohr!“
    - und seine Stimme klingt seltsam vertraut -
    „Schau in die Ferne und höre wie laut,
    rufen sie unseren Namen im Chor.“

    Ehe das Kind noch begreift was geschieht,
    ist’s in den Mantel des Fremdlings getaucht,
    spürt wie ein Stich ihm das Leben entzieht.

    Stumm ist sein Schrei, seine Kraft ist verbraucht;
    erst als die Nacht vor dem Morgenrot flieht,
    regt sich ein Wind, der die Anklage haucht.
  • AbgesangDatum17.05.1970 12:50
    Abgesang


    Mit tränensticker Stimme quäle
    ich Worte in den Raum und zähle,
    wie viele Augenpaare weiten,
    mit Abscheu mein Gebet begleiten,

    in dem die frustvernutzte Seele
    ich irgend einem Gott befehle,
    denn welches Jenseits auch versprochen,
    ich käme nicht dafür gekrochen

    und diese angstverzerrten Blicke,
    in welchen Saal ich euch jetzt schicke,
    trocknen mir die trauerlaugen
    Tränen wundgehöhlter Augen.
  • DämmerungDatum17.05.1970 10:25
    Dämmerung


    Drei Dohlen tanzen taumelnd
    übers frisch bestellte Feld,
    gleichen willenlosem Laub,
    wenn es von Wechselwinden hin-
    und wieder hergerissen wird.

    Plötzlich und bedrohlich
    steigen dunkle Silhouetten
    und verharren in der Luft;
    der bedeckte Himmel schiebt
    sich schweigend fort zum Horizont.

    Und der Windpark auf dem Hügel
    wirkt so seltsam aufgedreht,
    und doch gibt es eine Mühle
    die dem Wind trotzt, wenn er weht.

    Während wir hier steh’n und warten
    und die Engel nach uns schauen,
    weil wir regungslos verharren,
    ob wir jemals uns bewegten.

    Und so werden alte Brücken
    uns zu alten Ufern tragen,
    jenseits welcher nur verdaut wird,
    doch was wollen wir beklagen?

    Denn jetzt dämmert’s auch derselben
    und die Wolken reißen auf.
    Mir wird kühl, denn ich begreife,
    ich muss fort, muss mich bewegen
    und ich habe doch kein Ziel.
  • SchaulustDatum17.05.1970 10:25
    Schaulust


    Abgeteilt und eingefriedet,
    niemand achtet auf die Flur.
    Tausend Augen aber stieren
    immer wieder, immer nur

    lieblos, lustlos auf Gazellen.

    Ohne Feuer kalte Glut,
    penetrieren, imitieren,
    ex und hopp, ist diese Brut
    nackt an nackte Gier geschmiedet.
  • MusenblutDatum17.05.1970 10:25
    Thema von Albert Lau im Forum Diverse
    Musenblut


    Erleuchtete Augen erschienen mir, als
    ich Abstand vom Leben zu nehmen gedachte.
    Nie lockte mich sehnlicher sinnlicher Hals,
    bis ich deinen Nacken sah. Mädchen, ich schmachte!

    Ich wollte der menschlichen Nähe entsagen,
    ließ ab von der Sehnsucht, verdrängte die Fragen.

    Doch grau ist seit spätestens Goe. Theorie
    und schillernd der Löwe, gefährlich zu wecken.
    Nie spürte ich Liebe und Leidenschaft wie
    gemeinsam mit dir. Dieses Blut will ich lecken!
  • Forscher Frauen matte MännerDatum17.05.1970 10:25
    Forscher Frauen matte Männer


    So müde waren Augen selten,
    so schläfrig war der Mann noch nie.
    Da liegen hin zum Wachen Welten,
    denn Morpheus' Arme sind allhie.

    Und doch muss jeder Mann alert sein,
    auch wenn die Lider schwer wie Blei.
    Nun muss er stärker als ein Pferd sein
    und doch auch filigran dabei.

    Denn jedes Mannes Gegenüber
    ist eine Frau. Im Gegensatz
    zu ihm ist sie komplett. Darüber
    zu streiten ist hier nicht der Platz.

    Die Frau, genau, hat scharfe Sinne,
    ist schlau, gerissen wie ein Fuchs.
    Die macht den Mann ganz schnell zur Minne,
    wenn der nicht aufpasst, wie ein Luchs.

    So muss er nolens-volens wachen,
    als schlaffer, komatöser Typ.
    Und während Frauen heimlich lachen,
    tun sie auf hilfsbereit und lieb,

    bis er die Täuschung ihr gestattet,
    obwohl das Schauspiel altbekannt.
    Wenn sein viriles Auge mattet,
    hat sie Trick 17 angewandt.

    Jetzt hat er Ruhe und er träumt,
    sie hat derweilen freie Hand
    und was der Mann bislang versäumt,
    wird jetzt von ihr zum Glück verbannt.

    Er schläft den Schlaf des Ungerechten,
    der glaubt, wer schläft, der sündigt nicht.
    Sie findet auch, von all den schlechten
    Ideen, ist die so übel nicht.
  • Heiland aus AltöttingDatum17.05.1970 05:52
    Heiland aus Altötting


    Haben Sie gelesen, ob
    Ratzinger sich jetzt verwahrte
    gegen Meisners Blasphemie,
    dass der Heil'ge Geist sich paarte

    mit der Mutter Benedikts?
    Oder doch der Joseph sei,
    wie der Heiland, nur viel älter?
    Nun, der Papst, er ist so frei,

    er lebt munter in dem Glauben
    an die Substantiation:
    Dank enormer Mengen Messwein
    fühlt er sich wie Gottes Sohn.

    Darum legt er sehr viel Wert auf
    Jesu Gotteseigenschaft.
    Das gibt ihm als Stellvertreter
    dann auch theosophe Kraft.
  • Alles was recht istDatum17.05.1970 05:38
    Thema von Albert Lau im Forum Gesellschaft
    Alles was recht ist


    Ich wär dafür, dem Oettinger
    für seine Unwahrheiten
    die Zunge abzuschneiden.
    Was irgendwann und irgendwo
    Auf dieser Welt mal rechtens war
    Kann hier und jetzt nicht Unrecht sein.

    Und da der Filbinger schon modert,
    nehmt doch sein Weib in Sippenhaft,
    hängt ihr ein braunes Sternchen an
    und schreibt darauf:
    Das ist die Frau
    der Nazisau.

    Denn keine Gnade wird gewährt,
    nicht für den Klar und nicht für meine Spätgeburt.
    Begehret Nachsicht für den kleinen Hans,
    doch sicher nicht mehr für den großen.
    Dem spuckt aufs Grab,
    als hättet ihr’s von ihm gelernt.
  • Ma vaffanculo!Datum17.05.1970 00:38
    Ma vaffanculo!

    Il canzone della principessa

    (Leider nur auf Deutsch erhältlich)


    Ich finde Schwulsein ganz normal, die sexuelle Prägung
    kennt keine Sexualmoral. Ich ziehe in Erwägung,
    wenn einer Sex mit Tieren hat – man nennt das Sodomie –
    steht das auf keinem andern Blatt. Wenn doch, erklärt mir, wie

    es kommt, dass man die Perversion bei sich natürlich nennt,
    beim andern aber Aversion und Würgereiz bekennt.
    Man sagte mir, der Unterschied sei Gegenseitigkeit,
    wenn in der Kette jedes Glied von sich aus wär’ bereit.

    Jedoch schränkt man die Freiheit ein, bei Kindern, Kranken, ja,
    auch Leichenschändung darf nicht sein! Ist doch auch fies, nicht wahr?!
    Nicht selten ist der Einzelfall zu prüfen, wie ihr wisst,
    weil die Gesellschaft überall mit vielen Maßen misst.

    Ich schickte Schwule nicht zur Kur, schon gar nicht vor Gericht.
    Ich habe nichts dagegen, so natürlich ist das nicht.
    Denn wer so fühlt, der stirbt bald aus (ich höre, wie es murrt),
    es sei, er fände bald heraus: Wie geht die Arschgeburt?

    Bevor hier alles schreit und denkt, ich hätte mich verstellt,
    das Publikum nur abgelenkt und sei der Spießer Held,
    sag’ ich hier laut und deutlich: Nein! Mir ist das ganz egal.
    Ich wollte immer vieles sein, doch sicher nicht normal.

    Wär’ ich auf Knut, den Seemann geil, dann schnappte ich ein Schiff,
    und blies’ ins pralle Segel, weil ich aufs Normale pfiff!
    Und schimpfte man’s an Land obszön, pervers, igitt und krank,
    wär’s auf dem Meer noch mal so schön im freien Wellengang.

    Wer meint, das sei ein Widerspruch, der Dichter nicht ganz dicht,
    dem sei es Segen oder Fluch, mich int’ressiert es nicht.
    Ob schwul oder auch hetero, was kümmert die Moral
    und ob es unnormal - ach wo! - ist mir doch ganz egal.
  • Für den ArschDatum17.05.1970 00:12
    Thema von Albert Lau im Forum Gesellschaft
    Für den Arsch


    Vor Höhenflügen stellte sich die Frage
    an dich und deine Antidepressiva:
    Liebst du dich selbst genug? Bist du als Diva
    ein Zeitvertreib, Objekt berauschter Tage?

    Riefst du den Tod in deine Entourage,
    ist Leben dadurch deutlich attraktiver,
    ein Flirting with Disaster, nur lasziver?
    Selbst Gott verkommt der Hybris zur Staffage.

    Oft fühlte man sich wohl in deiner Nähe,
    lebendig und am Rand der Katastrophe,
    als Kindermädchen einer Koryphäe.

    Nie spürte man Berufung intensiver,
    als Femme Fatale am fabrizierten Hofe,
    so traf es dich. Was traf dich je massiver?
  • KigoDatum16.05.1970 22:14
    Thema von Albert Lau im Forum Natur
    iú doshita no
    ikasama kisétsu
    wasurémono

    sag mir was das ist
    schwindlerische jahreszeit
    die man schnell vergisst
  • RammbockDatum16.05.1970 20:32
    Thema von Albert Lau im Forum Gesellschaft
    Rammbock


    Sah einmal ein Lämmlein stehen
    Lämmlein auf der Weide

    Sah den Widder Wölfe spähen
    Wölfe in dem Kleide

    Ihrer Mütter harmlos scheinen
    Harmlos, wenn sich beide

    Väter und auch Wölfe einen
    Wölfe mit der Kreide

    In der Stimme Lieder singen
    Lieder voller Eide

    Lämmern ja kein Weh zu bringen
    Wehe, wenn es leide

    Und es spürt den Wolfszahn ritzen
    Ritzen in die Seide

    Seiner sanften Lämmerzitzen
    Lämmer, die ich schneide

    Weil sie früh den Wolf getroffen
    Wolf, in dieser Scheide

    Steckt dein Schwert, die Wunde offen
    Wunder, ach ich neide

    Lämmern ihre Kindlichkeit
    Kinder, die ich meide
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