Ich sehne nicht nach wirklichem Geschehen,
nach Orten nicht und auch nicht nach Personen.
Auch drängt es mich nicht, einen Weg zu gehen,
nach Reden nicht und auch nicht nach Aktionen.
Das Leben blieb mir fern und ist mir schnuppe.
Ich mag auch keine Tiere oder Pflanzen.
Ob ich am Meer, ob auf des Berges Kuppe,
nie musste ich vor Glücksgefühlen tanzen.
Doch wenn ich vis-à-vis vor deinem stehe,
beginne ich das Wunder zu begreifen
und sehne mich nach dem, was ich dort sehe,
dass Töne tief in mir zu Silben reifen.
Die stotternd kaum beschreiben, was zu ahnen
um Liebe und auch Leid ich nie getraute.
Mich können alle Verse nur gemahnen:
Es dichtet nur, wer nie das Leben schaute.
Deshalb will ich dir niemals mehr begegnen,
um meiner selbst, doch auch um deinetwillen.
Lass meine Worte deine Werke segnen,
lass deine Taten meinen Hunger stillen!
In feuchten Träumen wurdest du geboren,
um meiner Scheu die Nemesis zu sein.
So habe ich die Unschuld nie verloren
als Lüstling unter heiligerem Schein.
Nur quält mich jeder Tag nun um so länger
und ungeduldig harre ich der Nacht.
Die Pharmazie* verhindert einen Hänger,
dann schläft der Mensch, die Leidenschaft erwacht.
Und mit ihr auch mein geiles alter ego,
es drängt und treibt die Muse vor sich her,
es steigert sich in gierigem Crescendo,
doch bleibt in der Erfüllung seltsam leer.
Ich wache morgens auf und bin gerädert,
die Meeresströmung brandet nun ins Haff.
Die letzte Dünung bricht, der Strom verädert
im limbischen System und ich bin schlaff.
So brande ich im Wechsel der Gezeiten:
Ich dümpele am Tag, doch in der Nacht
ist keine Welle hoch genug. Wir reiten
durch Berg und Tal und preisen Morpheus Macht.
Ob die Geschichte lieber Treppenwitze
pflegt oder das Schicksal Ironie?
Für mich ist’s einerlei, da zählt nur, wie
ein Stuhl sich anfühlt, wenn ich darauf sitze.
Rollt dieser mich ans Rednerpult, dann spitze
Ohr und Verstand, denn jetzt spricht ein Genie
der Symptomatik, wenn ich sage: Nie,
ein Donnerwetter läuft nicht ohne Blitze!
Recht muss man also auch mit Unrecht wahren,
Tat ist im Ernstfall durch Motiv gesegnet.
Äquivalent wird drohenden Gefahren
transzendental und vorsorglich begegnet.
Erst wer der Wolken Brüche selbst erfahren,
ruft nach dem Schirm und fragt nicht, ob es regnet.
Selbst auf den zweiten Blick kaum zu erkennen,
changierend täuscht die Farbe die Natur,
hast du gelebt zu einem Zwecke nur:
mit deinem Tod das Glück vom Traum zu trennen.
Es schien, als lebtest du, um zu verbrennen.
Tagtäglich auf der Suche, auf der Spur
totaler Existenz, alleine zur
Erfüllung schien Gott keinen Weg zu nennen
Rief dich die Zeit, rief eine zweite Sphäre?
Ließ dich die Sehnsucht nach Entwicklung streben?
In Agonie erschien ein Bild, als wäre
nur einen Tod entfernt ein bessres Leben.
Gib du das deine, wenn die Schöpfung spricht: Gebäre!
Ein Phönix wird sich aus der Asche heben.
Nun sehe ich dich seit so vielen Jahren
und immer noch erkenne ich dich kaum.
Du bist so wandelbar, als wie im Traum,
wann werde ich dein wahres Ich erfahren?
So traulich mag dein Blick sich offenbaren,
doch lauert die Gefahr im harten Zaum
und blitzt sie auf, dann hältst du sie nur kaum,
ein Ort erscheint, an dem wir niemals waren.
Dort bindet Gott den Teufel durch Vertrag,
die Liebe wird erklärt mit Brief und Siegel
und Wahrheit schläft bis in den Jüngsten Tag.
Du siehst den Schrecken und du nimmst die Zügel,
das Bild verfliegt im nächsten Wimpernschlag.
Was bleibt, ist nur mein Blick in diesen Spiegel.
Heftige Schläge erschüttern das Tor,
ehe dem Morgen die Dämmerung graut.
Rostig und schwer geht es auf und es schaut
zweifelnd und zögernd ein Junge hervor.
„Auf“, schreit ein Mann, „leih mir Auge und Ohr!“
- und seine Stimme klingt seltsam vertraut -
„Schau in die Ferne und höre wie laut,
rufen sie unseren Namen im Chor.“
Ehe das Kind noch begreift was geschieht,
ist’s in den Mantel des Fremdlings getaucht,
spürt wie ein Stich ihm das Leben entzieht.
Stumm ist sein Schrei, seine Kraft ist verbraucht;
erst als die Nacht vor dem Morgenrot flieht,
regt sich ein Wind, der die Anklage haucht.
Drei Dohlen tanzen taumelnd
übers frisch bestellte Feld,
gleichen willenlosem Laub,
wenn es von Wechselwinden hin-
und wieder hergerissen wird.
Plötzlich und bedrohlich
steigen dunkle Silhouetten
und verharren in der Luft;
der bedeckte Himmel schiebt
sich schweigend fort zum Horizont.
Und der Windpark auf dem Hügel
wirkt so seltsam aufgedreht,
und doch gibt es eine Mühle
die dem Wind trotzt, wenn er weht.
Während wir hier steh’n und warten
und die Engel nach uns schauen,
weil wir regungslos verharren,
ob wir jemals uns bewegten.
Und so werden alte Brücken
uns zu alten Ufern tragen,
jenseits welcher nur verdaut wird,
doch was wollen wir beklagen?
Denn jetzt dämmert’s auch derselben
und die Wolken reißen auf.
Mir wird kühl, denn ich begreife,
ich muss fort, muss mich bewegen
und ich habe doch kein Ziel.
Erleuchtete Augen erschienen mir, als
ich Abstand vom Leben zu nehmen gedachte.
Nie lockte mich sehnlicher sinnlicher Hals,
bis ich deinen Nacken sah. Mädchen, ich schmachte!
Ich wollte der menschlichen Nähe entsagen,
ließ ab von der Sehnsucht, verdrängte die Fragen.
Doch grau ist seit spätestens Goe. Theorie
und schillernd der Löwe, gefährlich zu wecken.
Nie spürte ich Liebe und Leidenschaft wie
gemeinsam mit dir. Dieses Blut will ich lecken!
So müde waren Augen selten,
so schläfrig war der Mann noch nie.
Da liegen hin zum Wachen Welten,
denn Morpheus' Arme sind allhie.
Und doch muss jeder Mann alert sein,
auch wenn die Lider schwer wie Blei.
Nun muss er stärker als ein Pferd sein
und doch auch filigran dabei.
Denn jedes Mannes Gegenüber
ist eine Frau. Im Gegensatz
zu ihm ist sie komplett. Darüber
zu streiten ist hier nicht der Platz.
Die Frau, genau, hat scharfe Sinne,
ist schlau, gerissen wie ein Fuchs.
Die macht den Mann ganz schnell zur Minne,
wenn der nicht aufpasst, wie ein Luchs.
So muss er nolens-volens wachen,
als schlaffer, komatöser Typ.
Und während Frauen heimlich lachen,
tun sie auf hilfsbereit und lieb,
bis er die Täuschung ihr gestattet,
obwohl das Schauspiel altbekannt.
Wenn sein viriles Auge mattet,
hat sie Trick 17 angewandt.
Jetzt hat er Ruhe und er träumt,
sie hat derweilen freie Hand
und was der Mann bislang versäumt,
wird jetzt von ihr zum Glück verbannt.
Er schläft den Schlaf des Ungerechten,
der glaubt, wer schläft, der sündigt nicht.
Sie findet auch, von all den schlechten
Ideen, ist die so übel nicht.
Ich wär dafür, dem Oettinger
für seine Unwahrheiten
die Zunge abzuschneiden.
Was irgendwann und irgendwo
Auf dieser Welt mal rechtens war
Kann hier und jetzt nicht Unrecht sein.
Und da der Filbinger schon modert,
nehmt doch sein Weib in Sippenhaft,
hängt ihr ein braunes Sternchen an
und schreibt darauf:
Das ist die Frau
der Nazisau.
Denn keine Gnade wird gewährt,
nicht für den Klar und nicht für meine Spätgeburt.
Begehret Nachsicht für den kleinen Hans,
doch sicher nicht mehr für den großen.
Dem spuckt aufs Grab,
als hättet ihr’s von ihm gelernt.
Ich finde Schwulsein ganz normal, die sexuelle Prägung
kennt keine Sexualmoral. Ich ziehe in Erwägung,
wenn einer Sex mit Tieren hat – man nennt das Sodomie –
steht das auf keinem andern Blatt. Wenn doch, erklärt mir, wie
es kommt, dass man die Perversion bei sich natürlich nennt,
beim andern aber Aversion und Würgereiz bekennt.
Man sagte mir, der Unterschied sei Gegenseitigkeit,
wenn in der Kette jedes Glied von sich aus wär’ bereit.
Jedoch schränkt man die Freiheit ein, bei Kindern, Kranken, ja,
auch Leichenschändung darf nicht sein! Ist doch auch fies, nicht wahr?!
Nicht selten ist der Einzelfall zu prüfen, wie ihr wisst,
weil die Gesellschaft überall mit vielen Maßen misst.
Ich schickte Schwule nicht zur Kur, schon gar nicht vor Gericht.
Ich habe nichts dagegen, so natürlich ist das nicht.
Denn wer so fühlt, der stirbt bald aus (ich höre, wie es murrt),
es sei, er fände bald heraus: Wie geht die Arschgeburt?
Bevor hier alles schreit und denkt, ich hätte mich verstellt,
das Publikum nur abgelenkt und sei der Spießer Held,
sag’ ich hier laut und deutlich: Nein! Mir ist das ganz egal.
Ich wollte immer vieles sein, doch sicher nicht normal.
Wär’ ich auf Knut, den Seemann geil, dann schnappte ich ein Schiff,
und blies’ ins pralle Segel, weil ich aufs Normale pfiff!
Und schimpfte man’s an Land obszön, pervers, igitt und krank,
wär’s auf dem Meer noch mal so schön im freien Wellengang.
Wer meint, das sei ein Widerspruch, der Dichter nicht ganz dicht,
dem sei es Segen oder Fluch, mich int’ressiert es nicht.
Ob schwul oder auch hetero, was kümmert die Moral
und ob es unnormal - ach wo! - ist mir doch ganz egal.
Vor Höhenflügen stellte sich die Frage
an dich und deine Antidepressiva:
Liebst du dich selbst genug? Bist du als Diva
ein Zeitvertreib, Objekt berauschter Tage?
Riefst du den Tod in deine Entourage,
ist Leben dadurch deutlich attraktiver,
ein Flirting with Disaster, nur lasziver?
Selbst Gott verkommt der Hybris zur Staffage.
Oft fühlte man sich wohl in deiner Nähe,
lebendig und am Rand der Katastrophe,
als Kindermädchen einer Koryphäe.
Nie spürte man Berufung intensiver,
als Femme Fatale am fabrizierten Hofe,
so traf es dich. Was traf dich je massiver?