Guten Morgen,
vielen Dank für die Willkommensgrüße und danke an beide für die Eindrücke und Kommentare. Habe mich gefreut, dass mein kleines Gedicht beachtet wurde.
An Margot:
Kürze ist für mich ein unbedingtes Qualitätskriterium in der Dichtung, egal ob bei fremden oder eigenen Gedichten. Es geht ja immer und vor allem um „Ver-dichten“, also eindampfen, konzentrieren. Dabei sollte natürlich nichts verloren gehen, bzw. das Wesentliche rüberkommen. Dies nur zu meinen persönlichen Vorlieben und selbst gesetzten Standards.
Deine inhaltliche „Analyse“ hat mich zum Schmunzeln gebracht („vorgespiegelte Tatsachen“). Vielleicht hast du dich da von deinen Assoziationen wegtragen lassen; aber das ist ja nicht das Schlechteste, was ein Gedicht auslösen kann. Nein, was hier dargestellt werden soll, ist natürlich die Konstellation der geweckten Sehnsucht/Leidenschaft, die in sich das Moment der Täuschung und Enttäuschung trägt. Dabei gibt es Hinweise auf eine ungewollte, kuriose Wendung; ebenfalls lässt sich (vielleicht) ein konkreter Handlungsablauf erahnen. Ist klar, dass nur der dafür empfänglich ist, in dem hier eine Saite zum Klingen gebracht wird. Das gilt ja auch für die Gedichte der ganz Großen.
Ein „versackendes Metrum“ finde ich nicht so schlimm, da es im „Dienst“ der Sache steht und nicht umgekehrt. Ich hoffe dein Schaudern war eher auf die nächtliche Stunde zurückzuführen wie du es ja angedeutet hast, als auf mein kleines Werk. Das wäre denn doch zu viel der Ehre .
An Kratzbürste:
Du hebst besonders auf die Wortwahl ab. Das „Plakative“ wie du es nennst, ist dir zu stark (so habe ich dich verstanden). Das ist etwas, worüber ich nachdenke. Einerseits sollte auf kleinstem Raum, also notwendigerweise mit wenigen Worten, ein intensiver Ablauf mit intensiven Emotionen dargestellt werden. Andererseits darf so etwas natürlich nicht ins Übertriebene und damit Lächerliche abgleiten. Ich habe versucht dem durch einfache, schlichte Wortwahl entgegenzuwirken. Eine gewisse Dramatik sollte aber schon zu erkennen sein.
Dass hier viel Inhalt über die Adjektive transportiert wird, ist dem Zwang zur kurzen Form geschuldet. Ob „nur“ zwei Präpositionen vorkommen finde ich irrelevant, bzw. kann nicht erkennen, wofür oder wogegen das sprechen sollte. Das zweimalige Vorkommen von „treffen“ finde ich jetzt auch ungünstig, zumal es in ganz verschiedenem Sinne verwendet wird.
Ich habe dieses Gedicht aus einer spontanen Laune heraus in diese Form gebracht. Ursprünglich war es in freier Metrik gehalten, auch ohne Reim, die Form, die ich eigentlich bevorzuge. Bin mir selbst nicht ganz sicher, wie es mir besser gefällt.
Vielen Dank auf jeden Fall noch mal für eure Anregungen. Es macht immer Spaß ein Echo zu bekommen .
Du findest den Satzbau zu statisch. Ja, okay. Ich finde aber, dass das Stakkatohafte die schnell-wechselhafte, und sich sogar etwas brutal in ihr Gegenteil verkehrende Entwicklung schlüssig „kommentiert“. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es bei längerer oder weicherer Ausführung ins Schwülstige tendieren würde.
Nein, ist nicht kleinkariert deine Überlegung bezüglich „Name - , ins Auge treffen etc.“ Es ist keine Beliebigkeit , d.h. die Andeutung des Bereichs „Lesen – Schreiben“ ist bewusst.
Der wegbrechende Rhythmus, der ja auch schon angesprochen wurde, ist mir gar nicht so bewusst, oder fällt mir nicht als störend auf. Vielleicht deshalb, weil mir mein Gedicht schon so vertraut ist?
Ich stimme mit dir überein, dass es schon weitaus Schlechteres gab .
...täusche ich mich jetzt, oder höre ich hier eine Verstimmung (um nicht zu sagen Beleidigtsein) heraus? Warum?
Hast du meine Antwort nicht gelesen? Ich finde doch, dass ich alles sehr ernst genommen habe und auf alles eingegangen bin.
Tut mir leid, wenn's anders angekommen ist.
gut
natürlich möchte ich daran arbeiten, um zu verbessern.
Aber das kann sich doch nur auf Punkte beziehen, die ich ähnlich sehe und beurteile, nachdem ich von anderer Seite darauf hingewiesen worden bin.
Dann gibt es Anmerkungen, die einen persönlichen Eindruck vermitteln, als solche aber keinen Grund für mich zur Änderungen darstellen. (Zum Beispiel wenn die "Kürze" festgestellt, und ich sage, ja klar, es ist kurz, soll es aber auch sein).
Natürlich gibt es dann den Fall, bei dem ich die Anregung nicht ohne weiteres aufnehmen kann, weil ich mir meiner eigenen Bewertung unsicher bin. Das heisst dann bei mir: ich muss drüber nachdenken.
Ich denke, dass bei euren Beiträgen von allem etwas dabei war, und ich versucht habe, meine eigene Einschätzung dazu deutlich zu machen.
Gruß
alfabeta
das trieft vor falschem Pathos, leider. Ich kann keinerlei Authentizität erkennen, zumal der Ton sich stark am Stil der Jahrhundertwende orientiert. Was bitte ist „göttliches Entlehnen“?
Ist das ironisch gemeint, oder will hier jemand seinen tiefen Glauben zum Ausdruck bringen.
Bitte entschwulsten und überlegen, was zum Ausdruck gebracht werden soll. Wenn der „Stoff“ ausgeht, lieber eine kreative Pause einlegen. Bei mir kommts jedenfalls als durchgestylte Pose rüber; da zieht sich jemand ein zu großes Hemd an.
Kein Problem
Aber aufgepasst: Altmodisch ist nicht das gleiche wie aufgesetzt. Gegen „Mode“ an sich ist nichts einzu-wenden auch nicht beim Dichten. Ich stelle die Frage nach der Authentizität, ich hoffe du verstehst, dass das was anderes ist. Jemandem, dem es um die Pose geht, wird natürlich nie der Stoff ausgehen, es fragt sich dann nur wie dieser zu bewerten ist. Nur um noch mal die Begriffe klarzustellen.
Nein, ich habe noch nicht viel hier gelesen. Aber wenn ich mich zu einem Gedicht äußere, muss ich mich auch nicht auf Äußerungen beziehen, die in der Vergangenheit gefallen sind.
Ich finde es auch überhaupt nicht schlimm, pathetische, schwülstige oder anderswie nicht so gelungene Sachen zu lesen. Im Gegenteil. Es geht ja nur um die hier praktizierte Form der Rückmeldung. Und wie ich die Usancen hier im Forum bisher kennengelernt habe, wünschen sich Autoren Rückmeldung.
Also, keine falsche Rücksicht auf meine Geschmacksnerven (oder die anderer) .
Noch als Nachtrag: natürlich kann ich nicht beurteilen, wie authentisch du bist, da ich dich zu wenig kenne. Es ist also nur eine (wenn auch nicht ganz abwegige) Vermutung, dass es hier ein Problem gibt
Gruß
Don Carvalho schrieb am 05.02.2007 12:52 Uhr:
Hallo alfabeta,
so schlecht sind diese Zeilen zweifellos nicht, da besteht ja sogar weitgehend Einigkeit, mir aber fehlt auch etwas, als dass sie mir richtig gut gefallen können. Letztlich hängt das auch bei mir an der "Länge" des Gedichtes, wobei das eher auf den inhaltlichen Aspekt beziehen möchte. Einen Text zu verdichten ist natürlich ein lobenswertes Ziel, wenn es sich auf die Sprache bezieht. Irgendwie reduziert sich jedoch hier die Aussage des Textes auf ein Hoffnung-Enttäuschung, zwei sicherlich essentielle Dinge in unser aller Leben, aber für mich in diesem text mit zu wenig Leben versehen, als dass ich mich wirklich angesprochen fühlen würde.
Das doppelte "Treffen" finde ich auch unelegant, die Verwendung plakativen Sprache und der Adjektive dagegen unproblematisch, wenn es dem Text dient. Hier werden sie Sehnsucht, Leidenschaft, Täuschung und Enttäuschung zugeordnet, ich finde das durchaus rund.
Das getroffene Auge finde ich als Bild gut (schließlich kann man sogar seinen Blick fliegen und die Augen abtasten lassen), verstehe es aber in diesem Kontext nicht. Denn warum sollte der Name das Auge hier treffen und die Sehnsucht hervorrufen, blättert das lyrIch ein Telephonbuch durch? Nachdem ich Deine Antwort zu Fabian gelesen gabe, vermute ich nun eher einen Liebesbrief, der Text gibt mir da aber zuwenig Hilfestellung.
Noch ein kurzer Blick auf Metrum und Rhythmus, das ja nun schon mehrfach angesprochen wurde. Da Du den "Wegbruch" nicht so empfindest, habe ich es mal geXt :
Scharf trifft dein Name
mein sehnendes Auge
süß irrt die Hoffnung
im lockenden Schein
XxxXx
xXxxXx
XxxXx
xXxxX
bitter brennt Täuschung
im wahren Erkennen
treffen harte Schläge
am falschen Ziel ein.
XxxXx
xXxxXx
XxXxXx (!)
xXxxX
Man sieht, dass sich der Rhythmus in der vorletzten Zeile ändert. Das kann man natürlich auch als die stakkatohaften Schläge verstehen, was ja dann inhatlich seine Berechtigung hätte (auch wenn Du es offenbar selbst gar nicht so beabsichtigt hast).
Insgesamt finde ich das Gedicht ganz reizvoll, aber es bringt mir das Geschehen zu wenig nahe, als dass es bei mir länger nachwirkt.
Gruß,
Don
Hallo Don,
aus dem, was du sagst und wie du es sagst, spricht für mich ein gewisses Interesse nach der Geschichte, das Stolpern über den "Namen" vielleicht auch die Frage nach dem "Schlag" (wer oder was, warum?, ich merke gerade, dass nicht du es warst, der das erwähnte).
Dass sich diese Fragen überhaupt stellen, dass man vielleicht mehr verstehen möchte, ist für mich schon ein Signal, dass das (oder überhaupt ein) Gedicht ein kleines Minimalziel erreicht hat. Aus gutem Grund ist es ja Lyrik und nicht Epik. Eine Andeutung muss (hier jedenfalls) reichen. Sicher, man kann natürlich auch Balladen dichten, eine schöne und schwere Sache. Aber das ist eben hier nicht gewollt.
Es tatsächlich so, dass hier ein Name ein Auge trifft, i.S.v. "mitten ins Herz treffen", oder auch "es trifft einen der Schlag". Diese Konnotationen sind gewollt, und ich wüsste nicht, mit welchem anderen Wort ich sie vermitteln könnte. Und es geht um das optische Moment, in dem der geschriebene Name ins lesende Auge trifft.
Das zweite "treffen" i.S.v. "am Ziel eintreffen", ist auch bewusst gewählt, da so nämlich der Inhalt "eintreffen", aber eben auch wieder "wie der Schlag treffen" mitschwingt; es geht also zum einen um die Zielrichtung, aber auch um die Schmerzhaftigkeit. Auch hier fällt mir keine Alternative ein.
Vielen Dank auch für das metrische Schema. Du hast völlig Recht, und die anderen natürlich auch, dass sich am Ende das Metrum, der Rhythmus ändert. Das wollte ich keineswegs abstreiten. Mein Punkt oder Standpunkt ist nur: so what? Für mich hört und liest es sich insgesamt stimmig. Wenn ich mir eine Fortführung des gleichen Metrums vorstelle (in meinem geistigen Ohr) höre ich etwas Eintöniges, Braves, was hier nicht passt.
Wenn du Ideen, Einwände oder weitere Überlegungen hast, würde ich mich freuen, ansonsten
einen Gruß
alfabeta
ich kann dein Gähnen verstehen, das dich beim Lesen/Hören der Worte Sehnen – Hoffen usw.….überkommt. Es ist ein sehr gebrauchtes, wenn nicht sogar verbrauchtes Wortfeld. Dessen bin ich mir bewusst. Gleichwohl verteidige ich meine Wort- und Genrewahl, die von mir allerdings gar nicht so bewusst getroffen wurde.
Ich wollte nämlich in einer Sprache, die nicht meine eigene ist, und die ich nur mittelmäßig beherrsche, eine kleine persönliche Begebenheit erdichten. Die äußerste Knappheit sowohl in Wort- als auch Formwahl hatte also den Hintergrund, aus der Not eine Tugend zu machen. Dann habe ich es übersetzt, wobei ich die Schlichtheit belassen habe. Das Ergebnis hat mir gefallen.
Schlichtheit und Einfachheit kann treffender und glaubwürdiger sein als das Suchen nach gewundenen Ausdrücken. Letzteres endet oft in einer schrecklichen Manieriertheit (wie man hier im Forum übrigens besichtigen kann). Damit widerspreche ich auch entschieden der etwas gönnerhaften Bemerkung, dass jeder mal ein Gedicht aus dieser Kategorie geschrieben haben sollte, wie du meinst. Habt ihr das, hast du das? Ich glaube, dass dies nur wenige können.
Ich finde zum Beispiel das kleine Gedicht von Don Carvalho „Katzenauge“, das mir gestern zufällig unter die Augen kam, ausgesprochen rund und gelungen, dabei noch humorvoll und originell. Hier hat es aber offensichtlich wenig Anklang gefunden, und wurde sogar unter „Jugendsünde“ abgelegt (übrigens auch von ihm selbst). Kann ich nicht verstehen. Tja, wir haben also wahrscheinlich in einiger Hinsicht unterschiedliche Maßstäbe.
Zum Schluss noch zu deinem Waschzettelvergleich. Genau dieser Vergleich trifft eben nicht zu, hier hast du komplett ins Fettnäpfchen getreten. Tut mir leid, in diesen Dingen (sprachliche Feinheiten, sinnvolle oder unsinnige Vergleiche oder Metaphern) bin ich penibel bis pedantisch. Ein Waschzettel ist zwar so kurz und knapp wie ein kurzes knappes Gedicht, aber "verdichtet" ist dort eben gerade nichts. Er (der Waschzettel) kann es nicht und tut es nicht, weil in ihm eben nicht mehr drin steckt. Er ist eben nur ein dummer Waschzettel, auf dem ganz unverdichtet Maß- und Mengenangaben (oder Nebenwirkungen) stehen Im Gegensatz zu einem kleinen, kurzen gelungenem Gedicht
Albert Lau schrieb am 07.02.2007 13:08 Uhr:
Lieber Primel,
...bei dem "Verdichten" gebe ich dir nur teilweise recht, das kann kein Selbstzweck sein. Aber davon sprach alfabeta für meine Begriffe auch nicht. Grundsätzlich lässt sich doch für jedes Meisterwerk sagen, dass es nicht ein Wort, nicht eine Note zu viel oder zu wenig hat. Ich bin bei Bruckner nicht immer dieser Meinung, aber Bruckner selbst wird davon überzeugt gewesen sein, nur genau so viele Noten verwendet zu haben, wie unbedingt sein musste. Weniger wird ihm nicht möglich gewesen sein.
Insofern muss sich in jedem Werk jedes Wort/jede Note nach ihrer Daseinsberechtigung fragen lassen. Und je kürzer ein Werk ist, desto schärfer werden diese Anforderungen. So habe ich alfabeta verstanden und so stimme ich zu.
Und ein perfekter Jodler kann einem Werk Bruckners überlegen sein, ja, muss aber nicht. Und wenn er es ist, wird er es nicht wegen seiner relativen Kürze sein.
Liebe/r alfabeta,
dein Werk hinterließ mich unbefriedigt, weil ich es mir nicht zusammenreimen konnte und daher - eher unqualifiziert - sezierte, quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht sah. Denn jetzt finde ich es so offensichtlich, wie nur was: Das lyrI erblickt ein aus der Ferne geliebtes/bewundertes lyr.Du, lässt sich von der Hoffnung locken und verleiten, sich zu nähern und muss dann erkennen, dass da mehr Schein, als Sein vorhanden war. Diese Ernüchterung bringt brennende Enttäuschung, die als unverdienter, harter Schlag empfunden wird.
Nach wie vor empfinde ich das scharf getroffene Auge als unglückliche Formulierung, auch wenn ich die Geschmacksrichtungen scharf-süß-bitter als (vermeintlichen) Hintergrund akzeptierte. Mit den restlichen habe ich jedoch meinen Frieden gemacht. Inhaltlich kommt mir die Conclusio immer noch seltsam vor und erbrächte für mich nur dann einen Sinn, wenn es um verletzte Eitelkeit ginge. Denn dieses falsche Ziel will mir nicht gefallen.
Warum zum Abschluss auch die Wendung verändert wurde, will mir auch nicht in den Schädel, bleibt aber als Kritikpunkt auch erhalten. Mich würde aber interessieren, warum nicht auch zum Schluss so formuliert wurde:
Scharf trifft dein Name
mein sehnendes Auge süß irrt die Hoffnung
im lockenden Schein
bitter brennt Täuschung
im wahren Erkennen hart treffen Schläge
am falschen Ziel ein.
Das hätte mir ungleich besser gefallen, nämlich gut. Ich bitte um Entschuldigung. Nina hat recht, wenn sie schreibt, dass ich zu flüchtig lese.
Digitale Grüße
Lieber Albert Lau,
fühle mich vollkommen richtig verstanden im Hinblick auf deine Bemerkungen zu Bruckner – Jodeln – Kürze – Länge, deshalb auch kein weiterer Kommentar.
Freut mich sehr, dass du bei erneutem Hinschauen deinen Anfangseindruck revidiert hast. Ist ja oft nicht leicht, zumal man sich nicht immer die Zeit oder Freiheit nimmt etwas neu zu betrachten. Ja, das Spiel mit Sein und Schein spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle, wobei nicht gesagt ist, dass mehr Schein als Sein da ist. Es nur nicht auszumachen, wo das eine, und wo das andere ist. Ein bisschen auch das Spiel mit verdeckten Identitäten. Der Schlag soll hier (so die „wahre Geschichte“) nicht nur abstrakt verstanden sein „es ist ein Schlag für ihn“, sondern es geht auch um Schläge, die das lyr.Du dem lyr.I unabsichtlich/ungerechtfertigt/ aufgrund von Verwechslungen/Verwicklungen zufügt. Von denen jedenfalls das lyr.I meint, dass sie (die Schläge) es in dieser Wucht nicht hätten treffen dürfen/müssen/brauchen, wenn es denn nicht so viele Irrungen und Wirrungen gegeben hätte. Vielleicht als Gedankenanreiz die Erinnerung an den Mechanismus des tragischen Dramas, bei dem, obwohl die Protagonisten das Beste wollen, alles irgendwie so läuft, dass es kein Entrinnen vor dem bitteren Ende gibt. Ich weiß nicht, ob dies dich dem „falschen Ziel“ näher bringt ?
Und zu guter Letzt muss ich zugeben, dass du mit deiner kleinen Änderung völlig Recht hast. Nur so kann es sein. Vielleicht habe ich es sogar in einer Version so gehabt und dann aus Versehen anders reingesetzt. Jedenfalls bin ich jetzt sehr zufrieden., vielen Dank.
Ich finde, dass hier viele interessante Gesichtspunkte zur Sprache gekommen sind, wobei dieses Gedicht ja nur der Aufhänger war. Zum Beispiel die Diskussion, kann oder sollte man heute im Stil anderer Epochen schreiben, Kürze, ja oder nicht. Wie authentisch kann oder muss etwas sein, und vieles mehr. Habt Ihr eigentlich schon mal bekannte Gedichte mit in die Diskussion einbezogen, um etwas zu verdeutlichen, um eigene Vorlieben zu präsentieren o.ä. ?
Vielen Dank noch mal an alle
für die Aufmerksamkeit und den Gedankenaustausch
alfabeta
Knud Knudsen schrieb am 07.02.2007 19:40 Uhr:
Schein
He Alter, dort am morschen Tresen,
schlag für mich auf Dein bestes Fass,
bin gerade noch auf See gewesen,
komm mach mir meine Seele nass.
Füll mir den Becher, mit dem Roten,
nur frage nicht :“Woher? Wohin?“
Ich komm gerade von den Toten,
und such des Lebens tiefen Sinn.
So schwer wie Blei sind die Gedanken,
ein starker Sog zieht mich hinab,
ich hör das Splittern fester Planken,
und schaue in das tiefe Grab.
Die gestern mir noch Spießgesellen,
hinweggefegt von starker Hand,
und ruhen nun in großen Wellen,
nur eine spülte mich an Land.
Wie konnten sie nur mich verschonen?
Ich fühl mich schuldig und sehr klein,
ist Weiterleben ein Belohnen,
das Leben nur ein falscher Schein?
Hallo Knud Knudsen,
Fünf Strophen, die mir wie ein Film vorm inneren Auge ablaufen. Ich sehe die Hafenkneipe, den Wirt, den Seemann, der reintaumelt, draußen stürmt es, man ahnt die Schreckensszene, die sich gerade auf dem kenternden Schiff abgespielt hat. Dann seine Verzweiflung, das Hadern mit dem Schicksal, das Schuldgefühl.
Jedes Wort, jede Zeile schlüssig, starke Wortspiele „…auf See gewesen, …mach mir meine Seele nass.“ Oder „..komm gerade von den Toten, …such des Lebens tiefen Sinn.“ Kein Reim wirkt auf mich gesucht, alles wirkt natürlich, locker und dabei keineswegs trivial. Auch der Fortgang der „Handlung“ vollzieht sich in einem starken, aber ruhigen Zug, Sprache, Inhalt und Form greifen bruchlos ineinander. Zum Schluss das Reflektieren auf den Lebenssinn, das Fragile der Existenz.
Ich find’s sehr beeindruckend, sehr plastisch, wie schon gesagt, sozusagen filmreif.
Nur ein persönlicher Eindruck natürlich.
GerateWohl schrieb am 08.02.2007 06:33 Uhr:
Dir auch vielen Dank für Deinen Kommentar zu meinem Kommentar, und viel Spaß noch.
Grüße,
GerateWohl
P.S. Eine Frage noch. Verstehe ich das richtig, dass Du Dein Ausflug in diesen etwas ausgetretenen Pfad dichterischer dadurch einen gewissen originalitätswert zurechnest, weil die geschriebene Sprache, nämlich Deutsch nicht Deine eigene ist?
Verzeihe mir, wenn ich diesen Faktor bei der Betrachtung eines Gedichtes nicht gelten lasse. Deine Antworten und Kommentare lassen darauf schließen, dass Du Dich recht souverän in dieser Sprache bewegen kannst und mich daran zweifel lassen, ob die Schilderung der von Dir gefassten Begebenheit in Deiner Muttersprache ungleich origineller und besser ausgefallen wäre.
Aber ich will Dein Gedicht ja auch nicht runtermachen, sondern Dich ermutigen, mit dem Medium Gedicht etwas mehr anzufangen, als Inhalte auf sprachlich, wie ich finde, unoriginelle Weise zu verdichten, sondern Dich vielleicht den von mir oben angesprochenen Aspekten von Gedichten zuzuwenden, auch wenn Du Dir die von Dir so abgelehnten Stilmittel nicht zueigen machen musst. Unterschätze da mal lieber Deine Leser nicht. Man muss kein großer Dichter sein, um eines gut beurteilen zu können.
Zitat:
Verstehe ich das richtig, dass Du Dein Ausflug in diesen etwas ausgetretenen Pfad [/color]dichterischer dadurch einen gewissen originalitätswert zurechnest, weil die geschriebene Sprache, nämlich Deutsch nicht Deine eigene ist?
Nein, siehe Antwort von Fingerspiel. Diese Zusatzinformation ist auch nicht wichtig. Darüberhinaus zählt einzig das, was man aus einer Sache macht.
Zitat:
...auch wenn Du Dir die von Dir so abgelehnten Stilmittel nicht zueigen machen musst.
Jedes Stilmittel, jeder eingeschlagene Pfad, ist so gut oder schlecht wie die Ausführung. Schwulst, Plagiat, Manierismus sind keine Stilmittel, sondern Negativkategorien, die jeder vermeiden sollte.
Zitat:
Unterschätze da mal lieber Deine Leser nicht...
... ich schätze sie natürlich aufgrund der hier geäußerten Beiträge ein, d.h wie logisch-schlüssig argumentiert wird, wie fachkundig argumentiert wird, wie der eigene Sprachstil ist, natürlich ob eigenes (Sprach)verhalten mit Kritiken an anderen kompatibel ist etc., und natürlich am persönlichen Stil. Ein objektives Über- oder Unterschätzen gibt's doch nicht, es kommt auf die eigene Messlatte an.
Gruß
PS. habe nachträglich in einem anderen Thread einen Satz von dir gefunden "Ich glaube, dass die Sprache des Herzens eine sehr einfache und direkte ist, sumindest muss sie direkte und einfache Züge tragen, dann trifft sie auch." Das ist ziemlich genau, das was ich auch denke;und es zeigt, dass du doch nicht soo weit von mir entfernt bist, oder
Margot schrieb am 08.02.2007 11:27 Uhr:
Ich schliesse mich Ninas Meinung an, die Diskussion ist besser, als das Gedicht. Mir scheint, alphabeta, Du verkohlst uns hier ein wenig und es geht Dir gar nicht um Dein Gedicht, sondern darum, die Kritiker hier zu testen. Nun ja, ist auch ne Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben. *g
Liebe Margot,
Nein, es geht mir nicht um mein Gedicht. Sondern um Austausch mit den Forumisten über Gedichte, meins, eure, über Grundsätzliches und Besonderes. Eben um das, was man in einem thematischen Forum so sucht und macht.
Du solltest unterscheiden: Du fühlst dich verkohlt. Das nehme ich zur Kenntnis, respektire es, sehe es aber nicht als mein Problem an.
Ich verkohle niemanden, warum sollte ich. Sehe auch nicht, wo dies bei mir rauszulesen sein sollte.
Ich weiß nicht, ob Du vielleicht noch zu jung bist, aber meine vielleicht erste bislang erklommene Sprosse auf der Leiter der Altersweisheit ist die Erkenntnis, dass es eben nicht nur auf die eigene Messlate ankommt. Zumindest nicht, wenn man will, dass bei Diskussionen wirklich was für einen rumkommt. Vielleicht liegt hierin ja ein Großteil der Irrtümer in der Vorangegangenen Diskussion.
Ja, schon recht, aber wer sagt dir, ob ich unter- oder überschätze (so war's eigentlich gemeint, wahrscheinlich schlecht ausgedrückt von mir).
Ich befürchte, älter als die meisten hier zu sein. Auf der Leiter der Altersweisheit bin ich aber wahrscheinlich schon von der ersten Stufe abgerutscht . Da bist du mir sicher überlegen.
Lassen wir das arme Gedichtlein jetzt ruhen. Es ist ja nichts Dolles und "will's" ja auch nicht sein.
mich beeindrucken die außerordentlich sinnfällig komponierten Wortschöpfungen.
„Einsamwissen“, „trugbetäubt“. Die Eingangszeile lädt ein, dem lyrI in sein Einsamwissen zu folgen.
In Str2 wird eine inzwischen verlorene Beziehung evoziert. Überaus deutlich, dennoch elegant ausgearbeitet, erfahren wir, wie Routine, Alltag, bequemes sich dem Vertrauten Überlassen eine ursprünglich (nach außen? Vielleicht überinterpretiert) glänzende, verheißungsvolle Liebe sich dem Mechanismen der Abnutzung nicht entziehen kann. Sehr stark für mich die Entlehnung aus der Musik : virtuose Liebesklänge verspielen sich….takteten dann…
„Trostversprechen“, „taubgeschnürt“. Der schmerzhafte Prozess der Loslösung, der schließlich Erlösung in der Selbstfindung erlangt. Aber eben: allein. Das Brechen der taubgeschnürten Seelen lädt zu eingehender Betrachtung ein. Könnte man darin die einzeln zurückbleibenden Liebespartner erkennen, deren Seelen notwendigerweise brechen müssen, um wieder neu zu erstehen? Weiss nicht, wäre für mich eine Möglichket. Auch Str3 in folgerichtig, sinnfällig.
Gliederung und Aufbau gefallen mir ausgesprochen gut. Der Schlussvers nimmt die jeweilige Thematik sinnvoll auf und schließt sie gleichzeit zusammenfassend ab. Ein Gedicht, das die Dialektik Einsamkeit – Zweisamkeit relativ kompakt, aber nicht simpel darstellt.
Schon allein, sich ungefragt Interpretationshoheit über Beiträge einer anderen Person anzumaßen, lässt Fragen aufkommen. Von Stil und Form ganz zu schweigen, sie sprechen für sich.
gut, es ist so weit, kannst wieder reden, aber nicht son Scheiß wie vor 10 Monaten, bitte...
und was deine Reibung angeht, was ist so schlecht daran?
Zeigt doch nur, dass ich weiss wie man ne Unterhaltung interessant führt.