Vreni war in der Alp beim Käsmachen die Beste.
Das Melken, das Seihen, das Schöpfen, das Rühren, das Topfen, das Feuchten, das Formen :
das konnte es auf das Handwerk genau. Seine Hürden waren immer auf's Tadellose ausgerichtet.
Lang wurde ihm die Zeit nicht. Hatte nie Kurzweil außer Gang in den nahen Forst, nie weit von den Kühen.
Stolperte an einem Sonntagmorgen fast über den Verletzten. Der Raubvogel sah sie mit grimmen Augen an. Litt es dennoch, daß sie ihn in die Stube trug und den Flügel verband.
Beide wurden sie miteinander vetraut. Sie atzte den Vogel, er bot ihr den Schnabel.
Gesundete. Und blieb. Kehrte wieder nach seinen Flügen.
Peter kam. Ein Draufgänger. Vom Kriegsdienst befreit durch bürgermeisterliches Geschick.
Wußte um Vreni. Stieg ihr nach. Und so auch auf die Alp.
Schritt, kaum daß er geklopft hatte, in die Käserei. Machte ein schiefes Maul und süßes Gerede.
Hätte ihm sehr gepaßt: Vreni und die Käserei ..
Vreni blieb bei sich. Ließ sich zu nichts bereden, verweigerte das Nachtlager, den Trunk und das karge Mahl.
Der Peter wurde feurig. Glaubte, sich mit Macht nehmen zu können, was ihm verweigert wurde.
Griff sich das Mädel grob, wollte zwingen, bezwingen.
Der Vogel flog von seinem Fensterplatz auf, fuhr dem Peter mit seinen Klauen in Augen, Wangen, Nase und Kehle.
Der tödlich Verletzte lag.
Vreni stand starr ohne Tränen.
Ja, lacht, Ihr Faune!
Du, Pan, locke mit der Flöte
den Spott in die Stille!
Im Blütenduft, Blättergeraune
liegt alles: wieder die Dornenröte
und ein machtvoller Wille
zum...oh: Dasein, Leben!
Drunten, in Höhlen, erbeben
neue in alten Zweigen.
Ja, lacht! In spottlosen Küssen
wird liebend ein leidender Mund umrissen
von glückhaft siegendem Schweigen.
Zierlich kommst Du. Klein.
Wahrlich hoch dennoch zu Rosse!
Ewig wirst Du Statt mir sein,
Immer: meine erste süße Sprosse.
Bist mir Heim und Haus gewesen;
Ruhe gabst Du mir und Kraft.
Unverschont, doch dann genesen...
Endlich ich in Deiner Haft.
Charon wird mich einmal tragen;
Keiner trägt so schwarz wie Du!
Eines weiß ich schon zu sagen:
Nur in Dir komm ich zur Ruh.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
Das Mädchen war mir niemals treu.
So sieht es aus im Großen Ganzen.
So sieht es aus im großen Ganzen:
Das Mädel war ehr frech als scheu.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
So sieht es aus im Großen Ganzen:
In jedem Tanz lebt sie aufs Neu.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
Geht statt zur Kirche gern ins Heu.
So sieht es aus im Großen Ganzen.
So sieht es aus im Großen Ganzen,
ich war Kater ihr, nicht Leu.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
Die eine will, der andre kann nicht tanzen.
Es sei denn, daß man dazu just ihn bleu.
So sieht es aus im Großen Ganzen.
Ich schnüre meinen Ranzen. Sie will tanzen.
Dann, wenn die Unke ihre Spindel streicht,
die Roggenflöte bläst,
wenn sich in ihre Warzenseiten
Kinderflut hineingeweicht, sich eingefräst....
wenn Maul und Aug sich weiter spreiten,
Patten glatter, Krötenzungen nasser gleiten...
wenn Pflaumenblüten sich mit Schneckenglanz vermischen,
Spinnenfäden, Hummeln, Falter über frischen
Halmen schweben...
Wenn Düfte leis die Natter locken,
Syrinx, Rose, Schwertzahn sich beflocken,
wenn endlich diese tote Blässe weicht...
wenn sich im roten Mondenschein
die Echse aus dem dunklen Neste schleicht,
die Mauern satt umgarnend,
sanft den Stämmen sich vermengend...
wenn der erste Vampir still und fein
die kühle Wange mir umstreicht...
wenn Nchtigallen warnend
ihren Liebsten sengend
heiß und fordernd ihren Sinn entblößen...
wenn in unterirdschen Höhlen
düster Nachtlemuren schweigen,
troglodytenhaft die Häupter neigen,
neidvoll lauschend all dem Wachsen, Werden..
wenn mit warmen, regenfeuchten Stößen
der junge Wind sich taucht in alle Seelen,
sich all dem neuen Sein zu zeigen,
sich flüsternd wiegt in Blütenzweigen...
wenn Aufbruch klingt in offnen Erden..
wenn all die quellend vollgesognen Samen
sich wuchtig blähend durch den Boden winden,
sonnentoll dem Blau entgegenzwängen,
lianenhaft die Bergzyklamen
dem Glast der Hitze sich verbinden
in perlend süßen Lerchensängen...
wenn sich die dunkle Tulpenglut
Päonien beugt, im Mittag ruht, Blüten streut...
wenn wild der Flammenrotdorn dräut...
wenn stolz die Weihe streift vorbei..
wenn im Dämmern schwer wie Blei
sinkt ins Herz die Träumerei...
Es wird bald sein.
Bald kommt das Ende meiner Qual.
Der Schmerz erleichtert mir das Scheiden.
Und: laßt mich bitte dann allein
in meiner Wahl. Ich will nicht leiden,
daß Ihr die Tage meßt an meinen Klagen,
an meinem Schreien, Schweigen.
Wie mich der Krebs zerfraß
und an mir - ewig hungrig - frißt...
wie kann ich Euch das sagen?
Gebt mir den Nektar süßen Schlafs.
Gebt mir Ambrosia dem Schmerz entgegen.
Eva.. Adam...
Alle trafs.
Der Tod ist Freund.
Nur Schmerz ist Feind.
E r hat den Tod betrogen.
Die Muhme ruft.
Seit gestern zeigt sie sich
in meiner Birke.
Fein ist sie, so zartbehuft,
kränzt sich mit Maie,
grün und wild und stuft
sich hoch an Zweigen,
wie nur Muhmen steigen.
Zum Brocken strebt sie,
Mond- und Himmelwärts,
im Närrischen mir
Narretei zu zeigen.
Aus Federn band ich ihr
den Besen,
zuhilfe nahm ich
Weißdorns Ast,...
Sie hat m i c h auserlesen,
sie zu gegleiten.
Welch übervolle süße Hast, -
wie herrlich, mitzureiten!
Im Tag ein Traum. Im Träumen süße Nacht.
Im Banne eines Blicks mit Meerestiefe,
im sanften Zwange einer starken Hand
mit unermeßlich' , nie gekannter Macht..
ach, daß ich ewig, nimmerendend schliefe
und so dann nie verlöre dieses unlösbare Band
von mir zu allerhöchstem Geistesland!
Hand und Blick, die all mein Sein umfangen,
hoben strafend sich sich zu meinem Blick,
zogen Grenzen, die zu überschreiten selbst mein Wunsch nicht wagte,
über die hinüber zu gelangen - und ich so voll Bangen! -
mir diese Hand versagte.
Jämmerliches Ungeschick,
das zwischen Blick und Sehnsucht ragte,
da ich in schwachem Können jäh verzagte.
Zur Hölle! - sag ich - mit dem Blau in diesen Augen!
Ah nein - zum Himmel muß es leuchten,
weil es des Geistes, Wissens Stätte bleibt...
Zur Hölle! - sag ich - mit der Hände Gruß!
Ah nein - weil sie das Firmament erreichten,
das Stern zu Sternen, sie zur Sonne treibt.
Und es ist eine dieser Hände,
die zum wehen, dunklen Ende,
zum letzten Tagesschluß -
weil heiße Wünsche nicht mehr taugen -
mir ein Menetekel schreibt,
das Upharsin in meinen Tag, in meinen Traum.
Doch: keine Wand, an der ein Glas zerschellt,
kein Tisch, den Tränen oder Flüche rauhen.
Nur mein Tasten längs des Schlafes Saum,
dem Frühe, Düster, Hoffnung sich gesellt,
worin ich - leise, sachte! - Zukunftssegel schauen
kann. Sonder Glück. Und ohne ihnen ganz zu trauen.
In diese reiche Lebensfülle,
in die mich rätselhaftes Los getrieben,
dringt eine ahnungsschwangre Stille,
ein kühler, starker, ferner Wille
wie ein Gebot, daß ich nun meine Hülle
abzustreifen habe, sie nicht mehr lieben
darf, da diese Zeit nun endet.
Der fremde Wille schreckt als Drängen
auf neue, unbekannte Dornenpfade,
zu andrem Büßen, andrer Gnade,
zu tiefern, wildern Orgelklängen,
zu demutsvollen Weihgesängen,
zu einem dunklen Nachtgestade
hin, von dem der Tag sich wendet.
Als Trost wird mir Dein Blick nur bleiben
aus Augen hehr und tief und klar,
jeden Spottes, jeden Tadels bar,
bereit, Dämonen zu vertreiben,
Hohes auf das blasse Pergament zu schreiben,
das einstmals meine Seele war,
entrissen mir, getreten und geschändet.
Nun hab ich alles: Leben, Herz und Hülle,
Pulsschlag, Geist, geliebte Stille
für Deinen Kuß auf meine Stirn verpfändet.
In diesen hellen Mauern fand
mein wehes Herz ein festes Band,
das unlösbar im fein Gewebten
mir Träume wirkte zum Erlebten,
das allen Mächten widersteht.
So ist mein Abschied nur ein Bild,
des' Ursprung in die Welt gehüllt,
die Geist mir gab und Hohen Dienst,
Ob Du auch sonder Mitleid schienst,
wenn ich Dich nächtens angefleht.
Du sanft Gemäuer bargst in Dir
die einzig wahre, offne Tür,
durch die ich staunend, liebend schritt.
Dies Staunen nehm als Preis ich mit;
die Liebe bleibt. Und sie besteht.
Kaum hat mich der Schlaf, noch zögernd, verlassen,
Orgelt es wie in den Trauernächten,
Mahnend tief gleich voll von Todesmächten.
Mond ist nicht mehr, Sonn noch nicht zu erfassen.
Träumt' von den alten lieben Zaubergassen,
Ahnend schon des Schicksals rasches Flechten,
Nahend sich mit neugeschaffnen Rechten.
Zwing' mich, Dich nicht voller Grollen zu hassen.
Mählich fang ich an, mich um Dich zu drehen,
Immerfort, ein Schreiten fast, fast halbes Stehen...
Tanzend hältst Du mir den alten Leib gar warm!
Mutig läßt Du Deine dunklen Fetzen wehen,
Innig in Dein fahles Auge mich sehen.
Rasend flieg ich fort, geborgen Deinem Arm!
Lieb! Hattest mich so ganz verlassen.
Ich wollte alle Wege mit Dir gehn.
Es treibt mich noch durch dunkle Gassen,
Bleib doch im Schauen nicht mehr stehn.
Laß hinter mir des Seins Entzücken
Im alten Dämmer meine stete Liebe.
Es gab danach nur Tageshiebe.
Brennend roh auf meinen Rücken.
Geh nicht, mein Lieb!
End nicht in meinen Träumen!
Heute brauche ich Dich sehr.
Noch traf mich nicht der letzte Hieb.
Ich möcht ihn gerne heut versäumen.
Es fällt, dennoch, das Warten nicht mehr schwer.
Mögest Du niemals erblassen,
Ewig mein leuchtendes "Denk daran!" sein!
Nur Dich will mit Glauben ich fassen,
Ohne wirklich schon Asche zu sein.
Reich mir die Flammen, die Glut!
Es gab kein letztes Wort, nur einen allerletzten stundenlangen Blick. Du gingst so schweigend fort. In meinem schmerzzerfetzten Innern blieb nur LEER! zurück.
Ich wußte um Dein Scheiden. Du glaubtest noch an Wiederkehr. Und doch!: In Deines Blickes Leiden sah ich das Joch des "Nimmermehr".
Einen Tag noch Deine Hand: Sanfter, schwacher Druck in der meinen. Und dort das unlösbare Band mit einem leisen Ruck gelöst. Mir bleibt nur Weinen.
Ich liebe Jesus' Glans,
das rote adernvolle Schwellen,
das vor den vollmundigen Höllen,
sprich den hinterwärtgen Höhlen
nicht unterscheidet zwischen Franz und Hans,
vor beidem läßt's sich, angesichts des Todes,
endlich violett bellen...
Klar , hier hat doch wer gefehlt!
Nur zwölf? Ei, Rotschopf hat gewählt
am End die andre Seite.
Hat irgendwie den Marthen nachgefühlt,
das gut Gewissen weggespült,
wollt Abendmahl . Nicht Freite.
Nun, so hangelt sich der letzte Gang
nach Golgatha den steilen Weg entlang.
Die treuen Schwänze haben sich verdrückt,
sind vom Abendmahl noch so gedrückt.
So sind sie entwichen,
auf zum nächsten Mahl geschlichen,
da gabs dann Teddies, Wein und Sturm
nebst allerliebstem Hosenwurm.
Daß dem alten Freunde dort am Kreuz
Lanze (ach?) wurd in Seit gestochen...
Hat das Einer vorher gerochen?
Vielleicht war der ja auch ein ganz
besonders feiner Masochist,
daß er am Kreuz - - verendet ist?
Auf jeden Fall: in unsrer Runde
hatt es keiner so cool an den Hufen,
nach seinem "Vater" zu rufen.
Er hat halt zu früh zu viel riskiert.
Heut wird das auf Schnauze frisiert.
Aber eins haben wir dem seltsamen Exophilen
dann doch übelgenommen:
Sagt: "Liebtet den Nächsten. Laßt
die Kinderlein zu mir kommen".
Da spricht doch weiß wer
gegen Gleichbehandlung,
Ist das nicht Teenieverschandlung?
Der Olle, halt raus aus'm Kreis...
Ne Nacht lang noch warten?
Na, son Ding macht doch..., (na eben! nicht heiß!)...
und dann: uralter Garten.
Nee, lieber mal mit dem Boysotollen
sich daheim ins interbett scrollen...
Gethsemane ? Ach geh...
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So hat Er, sehr bedacht,
jede Liebe zu Liebe gemacht.
Womit sank er wohl
in ewige Nacht
mit seinem "Es ist vollbracht" ?
Mein schöner Weg!
Wie hat man Dir Gewalt getan!
Die Hecken, Büsche Dir genommen!
Bist zu fahlem Grau verkommen,
zu asphaltreichem Steg.
Wie dauert mich
Dein neues, schroffes, ekles Bild!
Nicht länger bist du wild
wie in vergangnen Tagen.
Ich beweine klagend Dich.
Mein armer Weg!
Nicht länger neckst Du mich mit Nesseln,
kein Schöllkraut streichelt meine Fesseln..
nun bist Du neu und schrecklich alt und kahl.
Man ließ Dir wahrlich keine Wahl,
nur Hieb statt Pfleg.
Mein letzter Traum
wird Dir für alle Zeit gewidmet sein.
Ich laß Dich, Qual zum Trotz, noch nicht allein,
daß meiner Schritte wohlvertraute Klänge
Dir noch bringen meine alten Sänge
wie Wiesenschaum.