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  • WiderworteDatum22.05.1970 17:32
    Widerworte


    Ich mochte nie gemocht,
    nicht um den Preis
    gemocht, dass ich fortan
    jedweden Scheiß,
    den ich verzapfte,
    automatisch anerkannt bekäme.

    Schrei mich an,
    verzehre mich im Zorn!
    Ich will, dass du
    mit aller Kraft
    mein nicht geringer achtest,
    als ich dich.

    Wenn du mich magst,
    dann widerspreche.
    Wenn du mich aber lieben willst,
    dann bitte
    ohne Worte.
  • KreismeisterschaftDatum22.05.1970 16:03
    Kreismeisterschaft


    Bulle Yorck hat hier im Kreis gewonnen,
    die Meisterschaft im Dreisprung: 13,10.
    Fast alle haben staunend zugesehn.
    Nur einer hat an diesem Tag begonnen

    und seitdem unentwegt herum gesponnen,
    als würden wir vom Messen nichts verstehn,
    vom Springen schon gleich gar nicht. Aber den
    hat ohnehin kein Mensch je ernst genommen.

    Was kümmert mich, ob Bulles Sprung zu kurz war?
    Ich komme aus dem Kaff hier nie heraus,
    mit meinen kurzen Sätzen. Das ist eh klar.

    Und Bulle ist mein Freund, wie säh das aus,
    wenn ich verriete, dass das Maß gezinkt war?
    Ich sähe dadurch auch nicht besser aus!

  • Morgens in MissouriDatum22.05.1970 16:03
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Gesellschaft
    Morgens in Missouri


    Okay, der Verrat an Verrätern mag nicht zählen.
    Außerdem ist das dein Onkel Sam gewesen,
    der Namensvetter meines Bruders.

    Mein Bruder liebte dieses Land.
    Er war sehr stolz,
    hielt sich und dich für Männer
    und vertraute dir.

    „Das Vertrauen eines Mannes ist heilig“,
    sagte er immer und sah dabei aus wie Hollywood.
    Keine Ahnung, was er damit sagen wollte.

    Aber wenn es mein Bruder wäre, Sam,
    den du so zynisch einer Lüge opfertest,
    dann würde ich nicht dich,
    ich würde deinen Daddy killen.

    Und dessen Kopf
    am Grabe deines schlimmsten Feindes
    auf eine Lanze stecken,
    dir zur Schmach.

    Wie konntest du ihm auch noch spotten?


  • Wolf im PelzDatum22.05.1970 16:03
    Wolf im Pelz


    Mein Gott,
    wie sehr ich dich verachte!

    Dich kümmert nicht,
    wie viele dieser dummen Schäfchen
    im wahren Neuen Bund des Glaubens
    ans monetäre Kreuz genagelt werden,
    solange du nur große Sprüche klopfen darfst.

    Geh endlich und für alle Zeit
    zu deinem Schöpfer!
    Und nimm dein Lumpenpack gleich mit.
    Dann will auch ich
    die Hölle wieder fürchten.

  • ErntedankDatum22.05.1970 15:14
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Natur
    Erntedank


    Noch wölben Bäuche satt ins Land,
    neigen volle Häupter sich einander zu,
    meiden heftige Bewegung.

    Man tuschelt und verschwört,
    was der Kassandra zu entgegnen,
    wie jenem Herbststurm zu begegnen sei,
    der sich versammelt.

    Schon färbt so mancher Kamerad sein Haar
    und Andere sind ganz geknickt.
    Noch sind sie isoliert, doch bald
    bricht sich Gewalt vom Horizont
    und zeigt die großen Köpfe nackt und bloß.

    Wer nicht gefallen,
    ist gleichwohl geworfen,
    zurück auf Mutters Schoß.



    Lektorat: Simone
  • Mis en bouteilleDatum22.05.1970 15:01
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Diverse
    Mis en bouteille



    Hommage a Rimbaud



    Déchire le cordage, contrainte,
    de la courte nuit
    de chaque mardi
    qui rend oublieux
    de la lune.


    Ça bouchonne, je reste coincé
    dans le goulot.
    Tu es dans le ventre
    Et dis-mois si
    nous nous revoyons le vendredi
    Je, est un autre.


    Moi aussi.




    Merci Margot, Bertrand & Reinhard



    Deutsche Fassung:



    Abgefüllt in Flaschen



    Reiß Leine, Zwang
    der kurzen Nacht
    zu jedem Dienstag,
    der den Mond
    vergessen macht.


    Es staut, ich stecke fest
    im Flaschenhals.
    Du bist im Bauch
    und sagst mir, falls
    wir uns am Freitag wieder sehen,
    ist Ich ein Anderer.


    Ich auch.
  • im wort sinnDatum22.05.1970 13:21
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Gesellschaft
    im wort sinn


    in menschen massen
    offensichtlich gut versteckt
    wort reich gefallen
    in gewissen sinn
    entdeckt
  • GewebeDatum22.05.1970 12:13
    Gewebe


    Mein Arzt war fair, als er die Diagnose
    mit nüchternem Gesichtsausdruck erstellte
    und damit auch mein Todesurteil fällte,
    verzichtete er auf die Mitleidspose.

    Nur leider hat die altbekannte Chose
    das nicht getan. In meinen Ohren gellte
    der Chor der tief Betroffenen, gestellte
    Gefühle aus der Blutkonservendose.

    Ich wünsche keine Kondolenzbesuche,
    kein Beileid mir, solange ich noch lebe,
    und Mitgefühl schon gar nicht. Nein, ich strebe

    auch weiterhin, wonach ich immer suche:
    dem Wettstreit, dass die Konkurrenz belebe
    den Geist in mir. Der Rest ist nur Gewebe.
  • SchlussendlichDatum22.05.1970 11:25
    Schlussendlich

    Ein Abgesang auf einen Schlossherren


    Albert Falt, ein unerreichter Dichter,
    findet an der Zeit, dass das Gelichter
    seinen Wald verlässt und daher bricht er
    alle Brücken ab. Und danach spricht er:

    Wer in meinen Wald will, soll bekennen
    sich, und mich bei meinem Namen nennen,
    der da lautet „Herrscher aller Hennen,
    der da wacht, wenn alle Hennen pennen“.

    Walter Bald, ein Troller unter Trollen,
    wollte nun partout nicht dort verzollen,
    legte daher falschen Eid beim ollen
    Albert ab und konnte sich nun tollen.

    Doch er merkte bald, in solchen Festen
    und bei immergleichen Partygästen,
    kommt es nur zu ständigen Inzesten,
    lebt man allzu bald nur von den Resten.

    „Albert“, spricht nun Walter, „komm zu Sinnen!
    Mache deine Dichter nicht zu Minnen,
    lasse doch die Spinner einfach spinnen,
    wer nichts wagt, der kann auch nichts gewinnen!“

    „Walter“, sagt nun Albert, „dein Begehren,
    ist es nicht, die Dichtkunst hier zu ehren.
    Du willst lediglich in meinem Hof verkehren
    und mir meinen Elfenturm entehren.

    Du kannst keinen Blumentopf gewinnen:
    Besser ist, du machst dich jetzt von hinnen!
    Du bleibst draußen, ich bleib schön hier drinnen,
    jeder hütet seine Dichterinnen.“

    Und so bleibt das Tor dem Troll verschlossen,
    denn, so hat es Albert Falt beschlossen:
    Lieber wird die Friedhofsruh’ genossen,
    ehe man als Opfer solcher Possen

    auch mal über sich wird lachen müssen.
    Dem legt man mit Regeln und Beschlüssen,
    wie bei Spatzen mit Kanonenschüssen,
    einen Riegel vor; nun will ich schließen.
  • Führers GeburtstagDatum22.05.1970 11:23
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Circus Lyricus
    Führers Geburtstag

    Nachträglich


    Heil dir, Alfred, Führer durch das Grauen;
    gibst uns und du forderst auch Vertrauen,
    führst uns voller Liebe, dafür bauen
    wir dir einen Tempel in den Auen.

    Heil dir, Alfred, Schrecken aller Trolle;
    Kapitän der Optimistenjolle,
    segelst weit voraus, doch nimmst dann volle
    Fahrt zurück zur exklusiven Scholle.

    Heil dir, Alfred, Held aus dunklen Wäldern;
    hier zuhaus, in erntereifen Feldern,
    wartet nun dein Lohn, der nicht in Geldern,
    nein, in Liebe misst, wir haben dich gern.

    Aber Alfred, sag, führt all dein Sehnen
    nicht auch mal zu frischem Blut in Venen,
    die vertrocknet scheinen und von denen
    dich am Ende keine wird belehnen?
  • StauwehrDatum22.05.1970 10:43
    Stauwehr


    Ich wollte, doch ich konnte nicht verzeihen.
    Zu tief saß jener Stachel, den du stachst.
    Zu innig lauschte ich, als du noch sprachst.
    So konnte auch kein Wort in mir gedeihen,

    um meinem Kummer Ausdruck zu verleihen.
    Wenn du mich ohne Rücksicht unterbrachst,
    war klar, dass du nur deinen Fluss bewachst.
    Wir mussten an der Quelle uns befreien.

    Doch stauten wir die Worte hinter Mauern
    aus Gleichmut und Gewöhnung. Mit der Zeit
    verlernten wir, Versäumtes zu betrauern.

    Der Druck nimmt zu. Wann ist es wohl so weit?
    Wann bricht der Damm und welche Fluten lauern?
    Bist du dafür, und bin ich selbst bereit?

  • Kleine AnfrageDatum22.05.1970 10:17
    Kann ich bitte den freien Usertitel "Seine Omnipotenz" bekommen? Und wenn ihr schon dabei seid, dann ändert doch bitte meinen Nick in "Papst Matte I." Danke.
  • Aber aberDatum22.05.1970 10:17
    Aber aber


    Leck mich! Hab mich lieb, denn mich zu lieben,
    adelt dich und mich und unsre Triebe.
    Bitte, ach, ich bitte um die Liebe
    ein ums andre Mal. Was ist geblieben?

    Reizlos, kaum beachtet, abgeschieden
    hängt nicht nur mein Arsch in diesem Liede.
    Auch mein Alter Ego, wie perfide,
    bleibt – und nicht nur lyrisch – meist gemieden.

    Aber sei ich noch so wund gerieben,
    reizt es mich ja doch, und untertrieben
    bleibt noch jeder Ausdruck meiner Schmerzen,

    alldieweil der Rest der Welt zu Scherzen
    eingestellt und aufgelegt. Hienieden
    reimen du und ich wohl sehr verschieden.
  • Re-Re-RenaissanceDatum22.05.1970 10:16
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Diverse
    Re-Re-Renaissance


    Ganz ehrlich, Leute, nur gequirlte Kacke
    schrieb William Shakespeare, doch er gilt als Star,
    wie vorher und auch nachher keiner war,
    und klebt daher den Schülern an der Backe.

    „Thou, thee and thine“ und jed’ Meng’ Elisionen
    und metrisch wie ein Bolzenschussgerät.
    Im Grunde nur ein Wurm, der ständig dreht,
    die Reime grad so unrein, wie die meinen.

    Doch wird sein Ruhm auf dieser Welt nicht schwinden,
    da kann ich ihn noch mal so scheiße finden.
    Am Ende muss ich doch zu Kreuze kriechen

    und mit den Wölfen heulen, diesen blinden
    und mich durch alle Werke Shakespeares schinden,
    obwohl die nur nach Aufgewärmtem riechen.
  • Im VorbeigehenDatum22.05.1970 10:16
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Diverse
    Im Vorbeigehen

    Michael Lüttke gelesen


    Ob ich gestern auch schon hier gewesen bin?
    He, du altes Arschloch, scheiße siehst du aus.
    Nächstes Wochenende, nächstes, ganz bestimmt.
    Müde, wenn ich nur nicht furchtbar müde wär.
    Alles wiederholt sich, nichts kommt dabei raus.
    Christus, mir am nächsten bin ich schon noch selbst.
    Heute wird bezahlt, die Mahnung war recht klar.
    Treffen wir uns wieder? Ja, bestimmt, demnächst.

    Hast du je Lüttkes Titten fliegen sehen?
  • Unter SchafenDatum22.05.1970 10:14
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Circus Lyricus
    Unter Schafen

    Im Auenland


    Traumhaft friedlich ist es hier im Paradies,
    reife Äpfel, griffbereit an Bäumen…
    Ohne uns! Denn nicht einmal in Träumen
    Ließen wir aus unserem Verlies

    leichtsinnig die Luft heraus, denn dies’
    Eine ist es, dem wir ohne Säumen
    Rundheraus das Privileg einräumen:
    Wehre jeder Freiheit des Genies!

    Über uns sind drohend Paragraphen,
    Nettiquette und Gott. Die Regeln strafen
    strengstens, wer den Himmel kritisiert.

    Choreographiert und wie bei Schafen
    hütet uns die Modhound-Gang, die braven
    Trolle haben längst mit Gott paktiert.
  • ReitknechtDatum22.05.1970 10:14
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Circus Lyricus
    Reitknecht


    Der lächerlichste Forengott der Welt
    heißt Knallterbald und hält sich selbst für mächtig,
    gebietet er doch über einen Wald,
    in dem zwar kein Modinchen von ihm trächtig,
    doch wo er gerne alle User knallt.

    Ob Weibchen oder Männchen ist egal,
    er ist so präpotent bisexuell,
    das spielt dann keine Rolle, geht so schnell,
    da schmeckt das Bier danach nicht einmal schal,
    obgleich noch vor dem Triebesakt bestellt.

    Doch wenn ein Mitglied das nicht mal kapiert,
    weil Gott ihn nicht tatsächlich penetriert,
    dann schlage ich ’nen Stellungswechsel vor.
    Denn wer sich selbst und and’re so kastriert,
    der ist nicht Gott, nur ad mini strator.

  • DschinnDatum22.05.1970 10:14
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Circus Lyricus
    Dschinn

    Dem Adlatus eines Admin gewidmet


    Cruzifixus, Herrgottszeiten, Sakra!
    Tte, so siehst du aus, das musst du sein,
    doch, wenn du auch schnüffelst wie ein Schwein,
    findest keine Trüffel in dem Acker.

    Meistens bist du nur ein blöder Macker,
    und mit Wikipedia allein
    wirst du nie der Schlauen einer sein.
    Lies noch einmal nach, du alter Kacker,

    was da unter Macker steht, bist du.
    Ganz genau, kastrierter Esel. Buh!
    Jetzt lauf schnell zu deinem Herrchen hin,

    wedle mit dem Schwänzchen. Gib doch zu,
    ohne dessen in dir drin wärst du
    freud- und auch charakterloser Dschinn.
  • Lass mich kalt!Datum22.05.1970 10:13
    Lass mich kalt!


    Ach, wenn ich jetzt schon sonnensatt auf fauler Haut mich strecke,
    wo Vogelküken morgens noch in dünnen Häuten frieren
    und Tröpfchen kühlen Taus die grad erwachten Trolli zieren,
    wie wird es dann erst sein, wenn ich im dicken Fell des Sommers stecke?

    Zartbitterkalte Zeit des Winters, komm, bedecke,
    was ich nicht mehr ertrage zu verlieren!
    Lass mich aus diesem süßen Kelch nie mehr probieren,
    denn Sehnsucht wächst mit jedem Tropfen Nektar, den ich lecke.

    Komplett mit reinem Schnee bedeckt, so will ich ausprobieren,
    die heiße Leidenschaft mit kalter Lust zu kompensieren,
    wann immer ich beim Lächeln meine Zähne blecke.

    In solchem Reigen will ich meine Welt klimatisieren,
    die geile Glut mit Stumpf und Stiel kurieren,
    weil ich in dieser Hitze sonst verrecke.
  • LichtblitzDatum22.05.1970 09:55
    Thema von Pog Mo Thon im Forum Gesellschaft
    Lichtblitz


    Die Lärmschutzwand ist meine Klagemauer,
    ich fahre täglich schnell daran vorbei,
    als Selbstbeweger zwar, jedoch nicht frei:
    Die Heckenschützen liegen auf der Lauer.

    Sie nehmen es mit mir sehr viel genauer,
    als meinem Streben zuträglich, wobei
    das ist nun mal der Job der Polizei.
    Ich wünschte nur, ich wäre etwas schlauer

    und stillte diese nicht an meinen Zitzen,
    beendete mein morgendliches Flitzen
    und abendliches Rasen, denn die Zeit

    vergeude ich sowohl als auch im Sitzen.
    Was also bringt der Donner nach den Blitzen?
    Mein Hals wird dicker und mein Arsch wird breit.
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