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  • Schweine jagenDatum23.05.1970 17:40
    Schweine jagen
    (G.O. gewidmet)

    Morgen gehn wir Schweine jagen,
    blast die Hörner, schärft das Beil!
    Morgen werden wir es wagen,
    morgen geht es an den Kragen,
    Schlagt die Trommeln, spitzt den Pfeil!

    Vieles haben wir ertragen,
    wähnten uns in ihrer Schuld -
    doch es häuften sich die Klagen
    und eh wir noch ganz verzagen
    reißt der Faden der Geduld!

    Morgen gehn wir Schweine schlagen,
    reißt die Borsten, sengt den Speck!
    Allzu dreist war ihr Betragen,
    klatscht die Schinken, trefft den Magen,
    jagt sie wieder in den Dreck!
  • ObamaDatum23.05.1970 16:33
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Obama

    Arbeitslos wird der Osama,
    ruhig schläft der Dalai Lama
    (ohne oder mit Pyjama).
    Buttergleich schmeckt nun die Rama
    in Madrid und Yokohama -
    glimpflich endet jedes Drama,
    denn ab jetzt regiert Obama!
  • Weihnachtsbaum-MonologDatum23.05.1970 13:52
    Weihnachtsbaum-Monolog

    Nun lieg ich hier im Straßengraben
    bei einer leeren Flasche Wein -
    noch gestern stand ich so erhaben
    und goldverziert im Lichterschein.

    Ich fühlte mich ja so geadelt:
    im Mittelpunkt - ein Kindertraum!
    Doch dann der Urteilsspruch: "Er nadelt,
    nun ja, es war ein schöner Baum..."

    So gab ich mich dem hohen Feste
    der Weihnacht hin - hallélujah!
    Ein Hund bepinkelt meine Äste.
    Adieu - sic transit Gloria!
  • Rock-BalladeDatum23.05.1970 12:56
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Rock-Ballade

    Wenn Frauen ihre Röcke lüften,
    entsteigt in Höhe ihrer Hüften
    aus sehr geheimnisvollen Grüften
    ein magisches Gewölk von Düften.

    Wenn Männer ihre Röcke heben,
    weil sie nach gleichem Zauber streben,
    zielt dieses Sinnen oft daneben,
    wenn sie nicht bei den Schotten leben.
  • O HeilandDatum23.05.1970 11:54
    O Heiland
    (zum Mitsummen geeignet)

    O Heiland, reiß die Himmel auf,
    Herab, herab, vom Himmel lauf!
    Reiß ab vom Himmel Tür und Tor,
    Reiß ab, wo Schloß und Riegel vor!

    O Heiland, reiß die Himmel auf,
    nimm deinen Knüppel und schlag drauf!
    Schlag zwischen uns das Menschenvieh
    im neuen Anno Domini.

    O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
    dass wieder neue Hoffnung werd.
    Steck die Verräter in den Sack
    und prügle Demut in das Pack!

    Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
    auf den sie all ihr Hoffnung stellt?
    Du hast dich lang genug versteckt -
    wann wirst du endlich aufgeweckt?

    Hier leiden wir die größte Not,
    vor Augen steht der ewge Tod;
    Ach komm, führ uns mit starker Hand
    vom Elend ins verheißne Land.



    der text ist eine variante des kirchenliedes aus dem 17.jhdt., die meisten zeilen stammen von diesem originaltext - daher auch die tw. etwas veraltete sprache.
    hier der komplette originaltext von Friedrich Spee von Langenfeld, Köln, 1623:

    O Heiland, reiß die Himmel auf,
    Herab, herab, vom Himmel lauf !
    Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
    Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

    O Gott, ein' Tau vom Himmel gieß;
    Im Tau herab, o Heiland, fließ.
    Ihr Wolken, brecht und regnet aus
    Den König über Jakobs Haus.

    O Erd', schlag aus, schlag aus, o Erd',
    Daß Berg und Tal grün alles werd'
    O Erd', herfür dies Blümlein bring,
    O Heiland, aus der Erden spring.

    Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
    Darauf sie all' ihr' Hoffnung stellt ?
    O komm, ach komm vom höchsten Saal,
    Komm tröst uns hie im Jammertal.

    O klare Sonn', du schöner Stern,
    Dich wollten wir anschauen gern.
    O Sonn', geh auf, ohn' deinen Schein
    In Finsternis wir alle sein.

    Hie leiden wir die größte Not,
    Vor Augen steht der ewig' Tod;
    Ach komm, führ uns mit starker Hand
    Vom Elend zu dem Vaterland.

    Da wollen wir all' danken dir,
    Unserm Erlöser, für und für.
    Da wollen wir all' loben dich
    Je allzeit immer und ewiglich.

  • Winters BotschaftDatum23.05.1970 09:03
    Thema von viktor im Forum Natur
    Winters Botschaft

    Nun hab ich mich an deine Macht gewöhnt,
    du schattenvoll genässte Kaltmamsell.
    Ich hab mich nolens volens jetzt versöhnt
    und mir dein Grau durch rote Glut verschönt,
    denn allzu machtvoll ist das Zeit-Kartell.

    Ich danke dir, dass du mich Demut lehrst
    und dass die Hoffnung stark ist wie das Licht,
    dass du der Sonne ihre Kraft verwehrst,
    das leichte Sein in deiner Zeit beschwerst -
    denn ohne dich säh ich den Sommer nicht...
  • Erste WinterfreudenDatum23.05.1970 02:25
    Thema von viktor im Forum Natur
    Erste Winterfreuden


    Schon allein des Winters Glätte
    bringt viel Schwung in unsre Städte:
    Blechkarossen rutschen keck
    auf des Vorderfahrers Heck.

    Schaut nur, Fräulein Meier purzelt -
    schwerkraftmäßig ganz entwurzelt -
    Arm und Beine ausgestreckt:
    haltungsmäßig fast perfekt!

    Kinderfinger, blau gefroren,
    leuchtend rot gekühlte Ohren -
    brauner Schneematsch weit und breit:
    herrlich bunte Winterzeit!

    Um uns dröhnen leise Lieder,
    so, wie "Alle Jahre wieder".
    In der winterklaren Luft
    liegt ein Glühweinrülpserduft.
  • Straßenverkehr 3Datum23.05.1970 02:15
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Straßenverkehr 3

    Paule Pim und Petra Pampel
    waschen nun gemeinsam Strampel-
    höschen für den kleinen Veit,
    der viel trinkt und gut gedeiht.

    Schaut, wie Petras Augen strahlen!
    (Paule strahlt nicht: er muss zahlen...)
  • Straßenverkehr 2Datum23.05.1970 00:54
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Straßenverkehr 2

    Petra Pampel, dieses Trampel,
    übersah die rote Ampel,
    knallte Paule Pim ins Heck.
    Paule dachte nur: "oh, Schreck,

    fängt das Weib schon wieder an,
    Hilfe! Bäuerin sucht Mann!"
  • Elegisches (die Wahrheit)Datum23.05.1970 00:39
    Thema von viktor im Forum Gesellschaft
    Elegisches (die Wahrheit)

    Von traumverwirrten Bildern tief durchdrungen
    hat der Poet den Leib dem Bett entschwungen
    und rührt versonnen seinen Müsli-Brei.
    Dann zieht er eine Kippe durch die Lungen
    und ordnet sein Gedankenallerlei.

    Sein Dichterhirn ist noch vom Traume schwanger,
    so mäht er seiner Phantasien Anger
    und drischt die Ernte in die Tastatur.
    "Die schwarze Dichtkunst steht ab jetzt am Pranger!
    Entlarve die Chimäre der Kultur!

    Ich schaute letzte Nacht in tiefste Tiefen
    und lauschte neuen Geistern, die mich riefen:
    Verlogen ist die Trauerpoesie!
    Wo Texte Tod und Liebesdrama miefen
    stimmt dieses leider selten oder nie!

    Der wahre Grund der Dichter Höllenqualen:
    Sie können ihre Raten nicht bezahlen!
    das - und nichts Andres - zwingt sie in die Knie.
    Denn wo Gerichtsvollzieher sie zermahlen,
    verdrängen sies und fliehn in Elegie!

    Wie soll dem Dichter Positives glücken
    Wenn Rechnungsberge, Raten ihn bedrücken?
    Die Wirklichkeit wird so zur Dauerqual,
    Sie schlägt auf Magen, Herz, Gemüt und Rücken
    oh Schmerz, dein Stachel sticht so trivial..."
  • November (Sonett)Datum22.05.1970 21:43
    Thema von viktor im Forum Natur
    November
    (Sonett)

    Der Dichter schwärmt vom goldenen Oktober,
    er fabuliert berauscht vom kühlen Wein,
    sein Auge blickt verzückt den schönen Schein:
    Die Flora leuchtet golden und zinnober.

    Auch hüpft das Herz des Dichters im Dezember,
    wenn Nikolaus den Kindern Printen bringt
    und jeder von Advent und Weihnacht singt...
    Doch warum schweigt der Dichter im November?

    Warum wird der November ihm zur Plage?
    Warum verdrängt er diese grauen Tage,
    als seien sie ein Klotz am Bein der Zeit?

    Warum bleibt er verstimmt am Ofen hocken?
    Es fehlt der weiße Zuckerguss der Flocken,
    weil es so selten im November schneit!
  • StraßenverkehrDatum22.05.1970 20:05
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Straßenverkehr


    Paule Pim und Petra Pampel
    standen vor der roten Ampel,
    sahen sich versonnen an:
    "Schöne Augen!" - "Strammer Mann!"

    Paule schnurrte wie ein Tiger,
    Petra stand auf "Linksabbieger"
    und schon sprang die Ampel um,
    ...schade drum.
  • NeologismusDatum22.05.1970 17:11
    Neologismus

    (C. gewidmet!)

    Ein Dichter stand nach seinem Tod
    genervt vor Gottes Thron:
    "Oh Herr, wir sind in großer Not!"
    "Ach was, erzähl, mein Sohn!"

    "Es reimt sich nichts auf "Mensch", mon Dieu,
    nicht EIN wort, das ich kenn
    Drum bitte ich Euch in der Höh,
    dass man uns umbenenn!"

    "Dein Wunsch, Poet, ist wohl fundiert:
    Die Himmels-Wortfraktion
    wird unversehens informiert
    zum Zweck der Revision!"

    Tatsächlich: schon nach kurzer Zeit
    lag eine Liste vor,
    das Fazit der Büroarbeit
    verlas der Engelchor:

    "Filou", "Ganove", "Pöbel", "Pack",
    "Kreator", "Edeltier",
    "Betrüger", "Oberaffe", "Sack",
    "Gelehrter", "Kavalier",

    auch "Nackthaut", "Schreihals" etc. -
    die Liste war sehr lang,
    doch unser Dichter rief: "Oh Weh,
    noch fehlt der rechte Klang!

    Am besten reimt im Deutschen EIN!"
    "Na gut", sprach Gott gestresst,
    der Mensch heißt nun "Charakterschwein -
    quod factum verum est!"
  • EhegeschäfteDatum22.05.1970 16:05
    Thema von viktor im Forum Liebe und Leidenschaft
    Ehegeschäfte

    "Im sturmgeschützten Ehehafen
    beginnt die Ehe einzuschlafen",
    so meinte jüngst mein Weib Marie,
    "mein Schatz, wir gehn zur Therapie!"

    "Sie müssen mal Was Neues wagen!"
    sprach Dr. Dr. Hohlseich-Hagen,
    "denn nur, wer seine Grenzen sprengt,
    gelangt zu dem, was er verdrängt!"

    Die Worte wirkten wie ein Beben
    auf unser braves Eheleben.
    Ich ging Marie ein bisschen fremd,
    sie riss mir forsch ein Loch ins Hemd.

    Ich schlug sie öfter mal aufs Bäckchen,
    sie kniff mir dann und wann ins Säckchen,
    erst lachte man, dann tat es weh -
    war das die Perspektive? Nee!!

    So eilten wir zu Hohlseich-Hagen,
    um neue Hilfe zu erfragen.
    Sie schaute uns versonnen an:
    "Ich schicke Sie zu meinem Mann,

    dem Scheidungsanwalt Ansgard Hohlseich,
    nicht billig, aber sehr erfolgreich.
    Doch zahlen Sie mein Honorar
    zunächst - am Besten gleich in bar...
  • PlatzkonzertDatum22.05.1970 14:51
    Thema von viktor im Forum Gesellschaft
    Platzkonzert

    Erst platzte ein Scheck bei Amigos in Kiel,
    es knallte nur leis und man hörte nicht viel.
    Auch fiel es kaum auf, dass beim Beten in Wierthe
    ein Pastor dezent am Altar explodierte.

    Dann platzte ein Doktor der Rechte in Bern,
    das hörte man dann aber auch schon von fern.
    Es platzten die Veden, Korane und Bibeln,
    Bananen, Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln.

    Es platzten die Knappen von Schalke Null Vier
    und zwei Tage später der Rest vom Revier.
    Das war nur der Anfang vom Puffen und Knallen -
    denn bald war der Erdball in Gänze befallen!

    Und als dann letztendlich fast alles geplatzt war,
    war allüberall ungewöhnlich viel Platz da.
    Weshalb das geschah, könnt ihr mich nicht mehr fragen:
    Mich hat grad ein Knall ins Nirvana getragen.
  • Der GottesbeweiserDatum22.05.1970 14:31
    Der Gottesbeweiser

    Der Gottesbeweiser Ignatius Müller
    verspürte ein Glühn nach erleuchteter Nacht.
    Denn Ignaz, der allseits verehrte Enthüller
    des Göttlichen hatte tief, ganz tief gedacht!

    Vom Aldiweinengel gestützt und beflügelt
    schwebt Ignaz zum Schreibtisch und greift zum Papier:
    "Ich schreib es nun auf, es wird schriftlich besiegelt,
    die Welt zu belehren liegt einzig an mir!"

    Der Gottesbeweiser Ignatius Müller
    hub an, doch der Teufel bewies seine Macht:
    es fehlte der Engel der Tinte im Füller.
    So wurde die Welt um die Wahrheit gebracht.
  • Ein wildes TierDatum22.05.1970 11:40
    Ja, ja, viktor, so empfinde ich das auch oft in letzter Zeit. Das, worauf ich hocke, gleicht mehr einem müden Gaul als einem wilden Tier...

    Gruß Habibi
  • SabberdichterDatum22.05.1970 09:28
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Sabberdichter

    Es nahet nun die Zeit der Sabberdichter,
    die stets erwachen, wenn der Vorhang fällt.
    Im Dunkeln leuchten auch die kleinsten Lichter,
    je dunkler - desto heller ihre Welt.

    Sie spüren jenes Jucken in den Eiern
    das ihresgleichen nun verstärkt bedrängt,
    die hustend jedes bunte Herbstblatt feiern,
    das noch mit letzter Kraft am Aste hängt.

    Das Sterben der Natur erst macht sie munter,
    wenn alles welkt, erblühet ihr Talent.
    Und frierend holen sie sich einen runter,
    denn Frust und Sterben ist ihr Element.
  • Grenzdebile SommertunteDatum22.05.1970 08:34
    Thema von viktor im Forum Natur
    Grenzdebile Sommertunte


    Grenzdebile Sommertunte,
    riechst du nicht des Herbstes Lunte?
    Für ein Fass gepanschten Wein
    lädst du diesen Freier ein?


    Für zwei Äpfel und ne Birne
    schenkst du ihm die Sonne, Dirne!
    Warum lässt du diesen Bock
    unter deinen hellen Rock?


    Siehst du nicht den Kerl dahinter,
    seinen wahren Herrn, den Winter,
    der die Hände reibt und lacht?
    Troll dich Sommer, gute Nacht!
  • Schweres ErbeDatum22.05.1970 01:40
    Thema von viktor im Forum Humor und Fröhliches
    Schweres Erbe

    Klaus Guntram war kein Däne und kein Serbe,
    kein Desperado und kein Asylant.
    Klaus Guntram war ein stinkend reicher Erbe:
    Mama von Adel, Vater Spekulant.

    Doch als er auf die Platin-Rolex schaute,
    um eins, nach sorgenschwer durchkokster Nacht,
    weil sich ein harter Tag zusammenbraute,
    ging Klausi in sich und hat nachgedacht:

    "Ja, MUSS ich denn partout Champagner saufen
    und jeden Tag ab fünfzehn Uhr zum Golf?
    Ja, WILL ich überhaupt noch Weiber kaufen
    und täglich Austern schlürfen bei "Chez Rolph"?

    Ich hätt nicht wenig Lust, mich auszuklinken,
    des Schicksals Bürde geht mir auf die Nuss!
    Ich sende eine Spende an die Linken,
    weil sich hier dringend etwas ändern muss."

    So zwang sich Klaus zum Weg in neue Freiheit
    und aß vereinzelt scharfe Currywurst.
    Statt Golf versüßte Fußball seine Freizeit
    und Lidl-Bier erstickte seinen Durst.

    Dass er genas, genoss er mit Genossen,
    die stets man noch wie ihn zur Unlust zwang.
    Bei Fertigpizza hat er sich verschossen,
    wodurch sein Elend zur Erlösung drang.

    Tatsächlich: Sie erhörte die Signale,
    sie lud ihn zum Gefecht der Ehe ein!
    Und wenn sie noch nicht starben zum Finale,
    dann turteln sie noch heut in Liechtenstein.
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