als der mond noch ging und gut war,
still und alt mit silberschein,
war ein zauber in den tönen,
war ein sein und noch kein sehnen,
konnten wir noch kinder sein.
als der wald noch finster drohte,
hexen, räuber zwischendrein,
war kein zweifel in den sagen,
war ein haben und kein jagen,
konnten wir noch kinder sein.
heute ist der mond bewandert,
wald vor bäumen nicht in sicht.
immer wird ein sinn erkundet,
immer wird streng abgerundet:
kinder, ich beneid’ euch nicht!
Hi Ihrs von der Technik,
weiß nicht, ob dies hier schonmal auseinanderklamüsert wurde. Kriegt man es irgendwie hin, dass ich, wenn ich in irgendeinem Faden meine grenzenlos unbedeutenden Bemerkungen mache, automatisch benachrichtigt werde, wenn andere ihre grenzenlos bedeutenden Bemerkungen ergänzend dazutun?? Ich muss jetzt immer irgendwo draufklicken - und das vergesse ich meist - und so verliere ich manchmal im wahrsten Sinne des Wortes den Faden.
Liebe Grüße von
DOCC
(Falls schonmal beantwortet, dann bitte löschen!!!)
mit platzen des schädels ertönt ein signal.
sie treiben fortan einen silbrigen stahl
querdurch eine ader bis hinter die stirn.
dann ist endlich stille im saal.
es ticken die zeiger, ein kardiograph spuckt
die falschen bilanzen. der assistent zuckt
verschlafen die schultern: da ist was kaputt.
es wird eine pille geschluckt.
die waschung ist gründlich, der müll wird getrennt.
sie lachen laut während ein leichnam verbrennt
und legen sich dann noch die messer erneut
fürs morgige experiment.
funkelnde augen verzehren das bild,
zitternde hände auf hochglanzpapier.
ein schluckreflex plagt,
der atem jagt wild.
störend ist nur dieses publikum hier.
brennende augen befühlen den tanz,
bebende hände bezahlen die gier.
zum anfassen nah:
schönheit und glanz.
störend ist nur dieses publikum hier.
glühende augen verorten das kleid,
krampfende hände verschließen den schrei.
jetzt oder nie,
es ist an der zeit:
nur sie und er und sonst publikumsfrei.
mein junge, nun lauf! – es macht dir doch spaß
euer baumhaus vorm drachen zu schützen.
ich stopf dir das hemd, wisch ab dir das blut
und dann spring mittenrein in die pfützen.
ach mädchen, nun geh! – es sind dir ja doch
viel zu nah und zu reif nachbars pflaumen.
nun drück mich noch mal, halt kurz meine hand
und dann halt in den wind deinen daumen.
los kinder, nun kommt! – bezwingt diesen fluss
aus geboten und schildern und plänen.
erstürmt diesen tag, verliebt euch zur nacht
und dann steht wieder auf mit den hähnen.
tja leute, was bleibt? – ich wollt euch den weg
nicht mit steinen und talern vermauern.
habt nachsicht mit mir, habt vorsicht mit euch
und dann ist wirklich nichts zu bedauern.
der schnitt durch die zunge tat gar nicht so weh.
der stahl in den augen, der schmerzte nicht sehr.
ich war schon verflogen, ein wenig verglüht,
ich war in mir drin, und der himmel war leer.
das blei in den ohren floss gar nicht so heiss.
das häuten war blutlos, gegerbt wurde gleich.
ich war schon verschwommen, ein wenig verdampft,
ich bin tief getaucht, und mein fluss war ein teich.
halbherzige wunden, zerträumtes asyl.
der erste versuch hat nur tage gelebt.
ich bin nicht vergangen, ich halt wieder schritt
ich bin wieder da, und die erde erbebt.
meine taggebrochnen hände
sehen wie dein haar verklebt,
und die ausgebrannten augen
hören wie dein busen bebt.
meine flügellahme zunge
riecht den glitzertau im schoß,
und die zugefrornen ohren
fühlen dich ganz atemlos.
meine abgestumpfte nase
schmeckt die körperexplosion –
alle sinne gehen tanzen,
tauschen ihre position.
denn nur so kann ich dich halten,
wird mein alltag weggesteckt.
und nur so und immer wieder
habe ich dich neu entdeckt.
nur einen tag –
nur einen tag lass mich regieren,
zepter schwingen und amtieren,
so, wie ich es mag!
nur einen tag!
nur eine nacht –
nur eine nacht belass mich oben,
will dich führen, kräfte proben...
schenk mir diese schlacht!
nur eine nacht!
den einen tag –
den einen tag blas die trompete,
schreib verdikte und dekrete,
hier ist der vertrag
für einen tag.
heut ist die nacht,
die nacht, in der ich mich ergebe,
zitternd ahne, kundig bebe
bis der schnitt gemacht,
in dieser nacht.
kamingetränkt und weinbeglüht,
eingepackt in rotes leder
sitz ich und es singt die feder
ein unendlich warmes lied.
so liebesgrün und frühlingsnackt
schäumen szenen aus den adern.
es entsteht aus lustgeschwadern
lyrik im dreiviertel takt.
jetzt schreibbewaffnet, knallgedrückt
sticht mein stift ins menschenleid:
zetert, bittet, bettelt, schreit,
doch findet keinen kampfbereit,
der auf mein wort sein richtschwert zückt.
achseltief und schlaggezuckt
schreib ich wieder über himmel,
luft und see – mit kampfgetümmel
wird mein blatt nie mehr bedruckt.
der aderlass der städte
hat die dörfer fett gemacht.
der teich schlägt nun geseif’ne blasen,
aus wiesen wurd’ steriler rasen,
der storch hat sich schon umgebracht.
die sommerfrischler haben
winterfest sich eingebaut.
die eignen kinder schreibend fragen,
welch’ brauch wir heut zu grabe tragen
und wer wem über’n weg noch traut.
ach kind, verkauft seit gestern
ist das land vor unserm haus.
du wolltest hier noch träume jagen
und eine frau durchs grüne tragen...
sie machen einen jahrmarkt draus.
da trinke ich dann schweigend
scharfen schnaps zur erntezeit.
die hände tief im schoß vergraben,
der kopf nur will noch auslauf haben
und plant beschwipst vergangenheit.
ich sitz auf meiner wolke
und such mich im gewühle
dort unten auf der erde,
doch der denker sind zu viele.
ich kann von hier weit oben
mein lachen kaum bezähmen,
weil all die bunten zwerge
sich so schwergewichtig nehmen.
ich leg mich auf den rücken,
lausch anderen planeten,
und weil die auf mich pfeifen
geht der blaue erstmal flöten.
ich will mich nicht erinnern
den mond verbellt zu haben –
es ist mir ziemlich schnuppe,
denn mein hund liegt hier begraben.
komm jetzt die strasse runter,
verlier mich in den sternen.
mich gänzlich zu vergessen,
na, dass muss ich wohl noch lernen.
weil ich euch flehen höre,
beende ich die kür jetzt.
und wiedermal passiert es,
dass mein ich sich neben mich setzt.
die nacht reisst meine augen auf.
das schwarz will weiss zerbrechen.
mein atem rüttelt an der tür,
kann doch nicht weg: in meine hand
erbricht sich mein versprechen:
nachdem du gestern von mir gingst,
war hier noch wildes treiben.
verträge boten teufel, gott
und einer, der gerecht mir schien -
der durfte bei mir bleiben...
der tag reisst meine augen auf.
dein duft ist auch geblieben.
mein atem rührt ein rotes haar,
ich halt es fest und atme durch:
noch ist nichts unterschrieben!
Hallo Margot,
der Titel klingt märchenhaft, die Story ist es eher nicht - es sei denn, die Schlafende am Ende ist Dornröschen, die ja auch so lange pennen musste, bis der Traumboy kam.
Das Gedicht ist eine schöne Innenschau über das Wachsen oder Sterben (ich würd mal eher sagen über das Sichändern) zwischenmenschlicher Gefühle - konkreter der Liebe. Wobei Du hier nicht dem Klischee folgst: alte Liebe rostet, dann kommt der Neue und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen. Du lässt offen, was beide trennt oder am Fremdgehen hindert(die Moral ja offensichtlich nicht) - ich tippe mal auf Eingerichtetsein.
Hier jetzt Krümelkäse:
Lodern und Flammen in Str1 - für mich ist nicht nachvollziehbar, dass Lodern und Flammen unterschiedliche Wärmestufen darstellen (eher so Glimmen und Lodern). Als "Saat" würde ich Kinder definieren - die passen aber nicht ganz ins Gedicht.
Ansonsten stört mich noch das häufige "doch" am Versabfang.
Liebe Grüße von
DOCC
Hallo Littleshine,
wie macht ihr Frauen das bloß? Ich stopfe soviel Schokolade in mich rein, bis mir schlecht wird, aber ansonsten geht bei mir da gar nichts ab.
So kann ich Dein Gedicht gefühlsmäßig nicht so richtig nachvollziehen, aber das liegt sicher an meinem Stumpfsinn (ich kann auch mit Sekt mit Erdbeeren, Austern, Artischocken oder was weiß ich nichts so richtig anfangen). Ich würde Dein Gedicht auch weniger erotisch auffassen, sondern eher als Beschreibung des Genusses (der Bestandteil der Erotik ist).
Schade ist eigentlich auch, dass man sogleich auf Rocher kommt und somit Dein Gedicht für mich etwas wie Werbung hat.
Sonst aber gern gelesen und verschmunzelt.
Liebe Grüße von
DOCC
Hallo nathschlaeger,
vorab die schlechte Nachricht: als Gedicht würde ichs so nicht durchgehen lassen (subjektiv). Als wunderschönes Stimmungsbild schon. In dem Gedicht sind einige highlights drin, die mich beeindrucken.
- der nach vorne offene Einstieg "jetzt ist es später" ist schonmal genial;
- "seltsame Beweglichkeit" märchenhaft-mystisch;
- "meine Finger sind kleine Boote"... kann ich aus Erfahrung sagen: meine Frau mag das auch ohne Ende!;
- der Hammer ist dann "meine Finger spalten die Früchte der Nacht"
auf sowas muss man erstmal kommen!!!
Hi Angel,
kurz meine Meinung:
1. ein tolles Stimmungsbild, dass sich für mich aus dem Kampf der Farben und Charaktere ergibt.
2. vamp hat Recht, was den Zeilenkram betrifft (finde ich) - da hab ich jetzt auch gleich noch was mitgelernt.
3. wie findest Du nur solche Adjektive? ("kahlgeschorenen Schwarzwinterwald", "schnobernde Wolkenschiffe", "saumseliger Sonnenauftritt" usw.) Respekt!
Liebe Grüße von
DOCC
Hallo nathschlaeger,
vielleicht hast Du Recht - aber nur bedingt: also von Versmaß und Jambus und Bambus und Hebung und Senkung hab ich die Ahnung gewiss nicht. Ich urteile da eher aus dem Gefühl heraus: also wenn ich ein Gedicht genausogut hitereinanderweg schreiben könnte (also ohne Zeilenumbrüche), ohne dass es was an Melodie verliert, dann runzle ich bissel die Stirn. Oder wenn es Zeilenumbrüche gibt, die fließende Gedanken zerhacken, dann find ich das auch nicht so toll.
Und beides trifft so stellenweise auf Dein Gedicht zu.
Liebe Grüße von
DOCC
Hi ihrs,
also ich versteh die ganze verbale Zankerei hier nicht und dies aus folgenden Gründen:
1. das Gedicht steht in Humor und Fröhliches. Sicher: auch da ist nicht alles erlaubt, aber zumindest wird die Grundintention des Autors damit mehr als deutlich.
2. Was kann Besseres passieren, dass so ein Gedicht trotzdem zur Diskussion herausfordert. Muh präsentiert einen Standpunkt, der nicht mal der seine sein muss, und der Leser kann sich seine Gedanken dazu machen. Is doch okay - oder?
3. Bei "bosseln" bin ich nicht mal auf die Idee gekommen, im Wörterbuch nachzuschlagen, weil ich dachte, dass ist eine muhsche Wortschöpfung (Humor!!!), damit sichs reimt. Ich finde es fast schade, dass dahinter doch eine Bedeutung steht.
4. das Gedicht selbst ist nicht ohne Metrik. Nun bin ich da kein Kenner und will es auch nicht werden. Es hat Melodie - ist zumindest metrisch nicht frei. Somit stehen Inhalt und Form bei muh in erfrischendem Gegensatz.