Ja, das ist sehr anregend! Wenn ich auch die Absicht nicht recht verstehe, so sähe ich dennoch in diesen wunderbar gehenden Versen meine eingene Intention und die klänge dann so:
Unterwegs
Ich fühle nur das Wachsen meiner Schwächen, wenn ich mit jedem Blick und sturem Wildern versuche, eine Stärke zu bebildern, die Gleichmut ist. Ich fühle mich zerbrechen.
Wer weiß denn schon, was Demut ist. Ein Stechen durchzieht mein Herz, die Schmerzen abzumildern, um Grausamkeit mit Gleichmut zu verwildern. Und Heilung ist: du wirst mir widersprechen.
Wunderbar. Danke schön für die lyrische Stimulanz!
ich stimme dir, was den Gehalt des Buches anbelangt voll und ganz zu. Schön davon zu hören, dass es auch noch andere Leser gibt. Ich habe das nämlich wie sauer Bier in meinem Bekanntenkreis angepriesen. Scheint zu dick zu sein. Dabei: ich lasse es mir seit beinahe zwei Jahren von Wolfram Berger vorlesen und werde davon nicht satt. Gruß Anton
Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.
Robert Musil, der Mann ohne Eigenschaften, Kapitel eins Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht __________________________
Hallo Gb.
freut mich sehr, das es dir gefallen konnte und herzlichen Dank für deine Rückmeldung
ich danke dir sehr für deine detaillierte Auseinandersetzung mit den Versen. Eigentlich sollte sich, wennn es denn funktioniert, dem Leser ein eigener Zugang zum Text eröffnen, oder eben nicht. Als Koan hätte ich das gar nicht klassifiziert, wenngleich ich diese Sichtweise momentan ganz verführerisch finde. Ich hätte das wohl eher zusammengefasst als: es bleibt nichts, aber das nichts bleibt ist bedeutungslos. "Kälte" ist mir zu eindeutig konnotiert, die würde ich gerne herauslassen. Die Endzeile ist sicherlich ein schwieriger Fall, denn sie ist grammatisch undeutlich in zweierlei Richtungen bedenkbar, ohne jedoch eine wirkliche Auflösung zu finden. Insofern genau das, was sich den Eingangsversen wiedersetzt. Ich dachte mir "fort, immer fort" ließe sich auch als "fort, immerfort" lesen, dass reizte und überzeugte mich zu der gewählten Formulierung,
Herzlichen Dank, Anton
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Hallo Perry,
nun, der Text leitet ein Stück in die Irre, wenn man zu nahe bei den Schlüsselwörtern bleibt. Er handelt von verhärmter Liebe, nicht von der nicht vorhandenen Fähigkeit zu lieben. Auch Trübsal wird nicht dezidiert angesprochen, jedoch scheint das irgendwie die einzig mögliche Umgangsweise zu sein, Kjub bestätigte dem Text ja bereits "Gejammere". Nö, also ich wünschte mir, dass die Verse weniger beengt gelesen würden. Allerdings glaube ich, dafür ist er nicht gut genug. Würde ich den Ausgangsvers fort lassen, so würde durch den Fortfall des "immer ersehnte" diese von dir gelesene Tendenz noch verstärkt. Das ist insofern logisch. Ich behalte den Vers aber bei, denn er ist ja nach meiner Intention wichtig.
gefällt mir teils. Und zwar im wesentlichen bis zum Erste-Klammer-zu. Wobei ich dieses Geklammere nicht verstehe, das ist ja wie lisp-Programmiererei. Der Sinn bleibt mir verborgen. Vielleicht soll das soetwas wie Parallelität andeuten, sage ich mir, frage ich mich. Das Bild "wie changierendes Brokatwasser, das von schwerer Kühle unterströmt wird" ergibt sich mir konsequent, direkt und ohne dass ich verstünde, was Brokatwasser ist: weil ich es vor mir sehe. Deshalb ist für mich das Highlight in diesem Text.
Unmittelbar danach muss ich mich über den verdrehten Satzbau ärgern, und weiteres Geklammere, das zudem nicht in mir verträglichen Bildern entsteht. Zu kompliziert, abgesehen vom "rotgoldenen", zu adjektivisch überladen"zufrieden schnurrend" geht noch, dann aber weich verschleiernd belegt und zugedeckt von einer herzlichen warmen Mutter ... überhaupt kommt dieses letzte bei mir gar nicht an, dieser beliebteste deutsche Aufenthaltsort: bei den Müttern, wie mal wer sagte.
Das Regentropfenmantra verfehlt hingegen nicht seine Wirkung, und: das es die Gedanken LI's wegtrommelte. Wobei ich mir dies durchaus auch so vorstellen könnte: "Das Regentropfen-Mantra trommelte meine Gedanken weg, ich dachte an sie. " Weil: völlig gedankenlos wird man auch bei Regen nicht, eher schläfrig eingelullt. Das war es, was ich beim ersten Lesen dachte.
Die weitere Klammer macht mir insofern das Leben schwer, als das ich mir unter dem Besitztum hölzerner Löffel gar nichts vorstellen kann, das, so sage ich mir, ist wohl eine ganz spezielle Erinnerung des LI, und die bleibt mir ohne verständliches Bild. Hölzerne Löffel sind nicht das Problem. Die kann ich mir schon vorstellen.
Und dann überlas ich irgendwie das "drahtene", war unvermittelt in Anatolien, allerdings nicht im Regen. Ich war noch nie in Anatolien, aber da sieht man wieder mal, wohin einen Worte führen können.
Nein, so richtig schlüssig ist das für mich nicht. Vor allem das experimentelle Schriftbild, die Klammern und Einrückungen sind nicht mein Ding.
danke nochmals für die innige Betrachtung und Reflexion meinen Werkes, es entstand zusammen mit dem (starkes Chi da, sehr inspirierend) und hütet ähnliche Geheimnisse.