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  • deutscher sirtakiDatum02.06.2010 11:33
    Thema von feldkampkarl im Forum Diverse

    vor tagen noch griechisch
    in bergen der mani
    mischten himmel
    und meer ihr blau
    zu gischtender freiheit

    jetzt hängen deutsch alltagsgrau
    wolken über mir und
    gedanken in ketten
    schleppen bedenkenträgern
    ihre leichte last
    zum weltuntergang

    mühsam hüpft
    ein sirtaki
    von der duty free cede

  • Ausschreibung für die Anthologie
    „Zwischen Wahn und Sinn“ - Gedichte, Geschichten, Gedanken

    Wie schmal ist die Grenze zwischen Wahn und Sinn? Wie dünn ist die Schicht
    der Vernunft, unter der unsere Wahnvorstellungen schlummern oder brodeln?
    Wer unterscheidet zwischen Wahnsinn und Normalität?
    Für viele ist der Wahnsinn im ganz normalen Alltag zu finden: bei Intrigen und Mobbing, beim Beziehungsstress, bei Isolation und Einsamkeit etc.
    Auch der globale Wahnsinn existiert real: die Regenwaldrodungen, die Meeresverseuchung, die Erderwärmung, das Problem der Atommüllentsorgung, die staatlich angeordneten Menschenrechtsverletzungen etc.
    Größenwahn hat in der Geschichte der Menschheit schon viel Unheil
    angerichtet, wie z. B. die Inquisition, den Holocaust, den Zweiten Weltkrieg.
    Aber bei allem Wahn ist natürlich auch Sinnvolles gefragt, wie z.B. Frohsinn, Unsinn, Sinnliches, Lebenssinn.

    Der Titel unserer Anthologie „Zwischen Wahn und Sinn“ soll Sie, liebe
    Autorinnen und Autoren, dazu anregen, Ihre Phantasien, Erfahrungen, Gefühle
    oder Überlegungen literarisch umzusetzen.
    Jeder kann bis zu drei Gedichte und/oder einen Prosatext von maximal vier
    Normseiten (30 Zeilen zu 60 Anschlägen) abgeben. Die Rechte an den Texten müssen bei Ihnen liegen. Ausgeschlossen sind Gedichte und Geschichten in Mundart oder dialogische Texte.
    Jede(r) Einsender(in), dessen Text abgedruckt wird, erhält ein Probeexemplar.
    Eine Jury wählt aus und lektoriert gegebenenfalls (Absprache mit dem Autor). Deswegen bitte als Word-Datei abspeichern (kompatibel mit Word 2003) und nicht als pdf-Datei.
    Es gibt keine Altersbegrenzung, aber entscheidend ist der Bezug zum
    Bergischen Land: Entweder wohnt(e) die Autorin / der Autor in dieser
    Region, ist Mitglied des Vereins Wort & Kunst oder sie / er ist hier geboren.
    Wir bitten um eine Kurzbiographie (bis zu vier Zeilen), aus der der Bezug zur bergischen Region deutlich wird.
    Die Jury besteht aus folgenden Personen: Gisela Becker-Berens (Autorin),
    Karl Feldkamp (Autor), Günter Helmig (Autor), Dr. Bernd Höver und Frank Mäuler (Autor).
    Einsendeschluss: 15. September

    Adresse: Stadtbücherei Bergisch Gladbach
    z.Hd. von „Wort & Kunst e.V.“
    (Stichwort: Anthologie)
    Hauptstraße 250,
    51465 Bergisch Gladbach
    (ein Ausdruck und CD mit digitaler Fassung des Textes als
    Word-Datei)

    oder per E-Mail an:
    guenter.helmig@web.de
    weitere
    Informationen: http://www.bergischgladbach.de/WahnUndSinn.aspx

  • Lust auf LangeweileDatum22.07.2010 13:46

    Wer unter Ehrgeiz leidet, geizt nicht etwa mit Ehren sondern giert danach. Geizen kommt in diesem Fall vom althochdeutschen „giten“ und bedeutet gieren.
    Für jemanden, der unter Ehrgier leidet, ist diese kaum lustvoll. Geehrt zu werden, hingegen, kann durchaus Lustgefühle hervorrufen.
    Hat ein Mensch die vermutete Hälfte seines Lebens hinter sich und ihm wurden bis dahin nur begrenzt Ehren zu teil, treiben ihn die vorhandenen Ehrgeiz-Reste zu Taten, zu denen er allerdings aus Altersgründen kaum noch fähig ist. Dabei empfindet er dann jene Ohnmacht, die er lieber für ordinäre Langeweile hielte, weil ihm im Alltag mangels Tatkraft und Taten viel zu wenig Ehre widerfährt.
    Moderne Parolen vom Entschleunigen, Entspannen und Nur-für-sich-Dasein helfen bedingt. Andere Slogans, die sich Werbefachleute ständig neu ausdenken, wirken lächerlich wie die glückstrahlenden Gesichter jener Aktiven dank Doppelherz und Ausgeschlafener, denen Granufink angeblich beim (trockenen) Durchschlafen half.
    Zudem sind Seniorinnen und Senioren in der Öffentlichkeit von modernen Drängler umgeben. Im Straßenverkehr verschaffen sich ungeduldige Zeitgenossen hupend und mit nervösem Gas-Pedal-Fuß Platz- und Zeitgewinne. In Schlangen vor Supermarktkassen schießen sie verächtliche Ungeduldsblicke auf alte Damen ab, die sich Zeit nehmen, in ihrem Portemonaie passendes Kleingeld zu suchen, um es dann der Kassiererin auch noch Münze für Münze vorzuzählen. Überall scheinen Leute zu stehen, die Stoppuhren am Handgelenk tragen, um mit deren Hilfe die Zeit für notwendige Handlungen zu minimieren.
    Offenbar wollen sie nicht glauben, dass sie mit der Stoppuhr zwar die Zeit stoppen aber nicht anhalten können.
    Zeit zu haben und sich gar noch zu nehmen ist absolut unzeitgemäß. Keine zu haben, vermittelt vorbei hastenden Mitmenschen den Eindruck, man sei ein viel Gefragter und müsse deswegen unbedingt zum nächsten beruflichen und/oder privaten Date. Zum Beweis klingelt das Handy, weil der Angerufene gerade wieder einmal unentbehrlich für seinen Anrufer zu sein hat.
    In der Welt der Zeitlosen – damit bekommt Zeitlosigkeit eine vollkommen andere Bedeutung – geht Langeweile überhaupt nicht mehr. Wer Zeit hat ist out.
    Das altmodische Wörtchen Muße - nicht einmal als Anglizimus (leisure) bekannt – hebt die angloamerikanische Sprache als gänzlich bedeutungsloses Wort selbstverständlich nicht aus dem deutschen Wortschatz hervor.
    Jugendliche reden zwar vom „Schillen“, wenn sie abhängen. Sobald aber nach dem ersten und zweiten Ernst des Lebens (Schule und Universität) mit dem Beruf der dritte beginnt, hat freie Zeit endgültig zur Mangelware zu werden.
    Frauen, die berufliche Karrieren anstreben, leisten sich allenfalls noch kurz vor ihrem Gebär-Ultimo ein Einzelkind. Männer bevorzugen ohnehin Sex ohne Folgen. Nachwuchs kostet einfach zu viel Geld und Zeit, die bekanntlich auch Geld ist.
    Und wer keine Zeit hat, lernt auch nicht, mit ihr umzugehen. Wozu auch?
    Was mit Lebenszeit heute anzufangen erlaubt ist, bringen Eltern, Lehrer, Chefs, Freizeitindustrie und –dienstleister Kindern sowie Erwachsenen nachhaltig bei: Karriere machen und Arbeiten, um Freizeit machen zu können, die dazu dient, neue Kraft für die Arbeit zu tanken. Nur arbeitsscheuer Abschaum faulenzt, weil er nicht begreifen will, dass Leistung sich immer wieder lohnen muss.
    Nicht von ungefähr legen Ruheständler Wert darauf, Unruheständler zu sein. Wollen sie doch nicht im Altersheim mit trüben Augen vor sich hinstarren und nur auf den Tod warten. Da bleiben sie lieber zu Hause, um sich vom Altenpfleger betreuen zu lassen. Der wird nach Zeitaufwand bezahlt und achtet nach den Maßgaben der Pflegeversicherung darauf, sich möglichst wenig Zeit für seine Tätigkeit zu nehmen.
    Ausschließlich engagierte Macher und Macherinnen haben in der globalisierten und nach Computer-Takt funktionierenden Medienwelt eine wirkliche Lebensberechtigung.
    So ist es mir geradezu peinlich, in letzter Zeit öfter ehrgeizlos unter Langeweile zu leiden.
    Mein schlechtes Gewissen gegenüber den Zeitlosen plagt mich heftig, denn wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir das unzeitgemäße Dösen gelegentlich sogar Spaß. Jedenfalls erheblich mehr als Ehrgier.
    Um nicht ins Nichts zu starren, schalte ich den Fernseher ein und schaue mir kulturell wertvolle Sendungen an. Das ist übrigens gar nicht so einfach, denn die Anzahl der Kultursendungen nimmt seit Jahren ab.
    Schon am Vormittag gerate selbst ich (als Mann) daher immer öfter an so genannte Hausfrauensendungen. In jenen Talkshows privater Fernsehanstalten geht es um hochdramatische menschliche Tragödien wie Vaterschaftsanerkennung, Seitensprünge, romantische Liebeserklärungen, Gewalt in der Ehe, tragische Beziehungskisten, Machos, Schlampen und Tussies - zumeist nach immer gleichen Strickmustern: Mann missversteht Frau. Frau missversteht Mann. Kinder leiden mit. Männer wollen immer nur das Eine. Frauen immer öfter auch. Beide gehen fremd. Man brüllt sich an, trennt sich, versöhnt sich.
    Seit ein paar Wochen weine ich sogar bei romantischen Liebesleid-Liebesglück-Telenovelas mit und verhindere mit diesen hohen Gefühlsdosierungen müßiggängerische Langeweile.
    Dennoch langweile ich mich, selbst bei laufenden Tränen.
    Um nicht fernsehsüchtig zu werden, versuche ich seit Tagen, mich ohne den Einfluss privater und öffentlich rechtlicher Fernsehsendeanstalten ganz mit mir allein zu langweilen.
    Und mich selbst ohne Ablenkung auszuhalten ist wahrlich nicht sehr einfach.
    Ich entwickele dabei den gänzlich neuen Ehrgeiz, mich genauer kennen zu lernen.
    Plötzlich tauchten aus meiner Vergangenheit Peinlichkeiten, Niederlagen, aber auch Glücksmomente auf. Um die unangenehmen Erinnerungen ungeschehen zu machen, nützt selbst die stärkste Ehrgier nichts. Trennen von Vergangenheiten geht (leider) nicht. Da hilft nur versöhnen und manchmal nützen auch ein paar Tränen ganz ohne die Mithilfe von Fernsehdarstellern. Und das, denke ich, ehrt mich dann doch irgendwie.

  • auf wacheDatum16.01.2012 12:05

    ich fürchte sie
    diese tage ohne echo
    mit unbeschreibbarem pergament
    behäutet und dennoch wund

    ich fürchte
    den druck entfesselter worte
    die tonlos ohnmacht schreien
    die schlaflosen nachtstunden
    die mich traumlos ins leere schicken

    ich fürchte meine wächter
    und sie mich

  • ohne nachbarnDatum27.02.2012 13:28

    hab mir im februarnebel
    müde augen fast blind gesehen
    kein nachbarn zu hause
    in eingeschlagenen fensterscheiben
    wurden weiße fahnen gehisst
    eine graugestreifte katze spielt
    mit einer halbtoten maus
    tschilpend bekacken spatzen
    die rostige satellitenantenne
    tagesschau schaltet keiner mehr ein
    und tragische liebesfilme mit todesfolge
    werden nicht wiederholt

    die kulissen stehen
    habe schon zuviel geprobt
    die premiere ist dennoch verschoben

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