http://www.E-LIEratum.de

Foren Suche

Suchoptionen anzeigen
  • Winter-VillanelleDatum17.09.2018 08:58
    Thema von gugol im Forum Natur

    Sobald sich an den Buchen und den Eichen
    die bunten Blätter unaufhaltsam lichten,
    erkennen wir darin ein klares Zeichen.

    Der Winter kommt und wird so rasch nicht weichen.
    Was Grünes sieht man nur noch an den Fichten,
    jedoch nicht an den Buchen und den Eichen.

    Und wenn die Bäume erst Gerippen gleichen,
    die ihre Knochenfinger auf uns richten,
    erkennen wir darin ein klares Zeichen:

    Der Tod greift jedem einmal in die Speichen.
    Er gönnt uns unsre Lebenskraft mitnichten,
    es geht uns wie den Buchen und den Eichen.

    Wir werden selbst zu kalten Winterleichen
    und müssen auf das warme Licht verzichten.
    Erkennen wir auch dann ein klares Zeichen?

    Ja, eines Tages werden alle bleichen
    Geschöpfe wieder Frühlingssonne sichten.
    Hat’s Knospen an den Buchen und den Eichen,
    erkennen wir darin ein klares Zeichen.

  • Sestine von SelestineDatum15.09.2018 07:40
    Thema von gugol im Forum Humor und Fröhliches

    Es wohnte einst in der Bretagne
    die Königstochter Selestine.
    Sie war die Schönste dort im Land,
    nur leider einsam, wie so viele
    und wusste nichts von Selestino,
    dem edlen Prinz aus Pergamo.

    Man kannte nicht mal Pergamo
    am Königshof in der Bretagne,
    geschweige denn den Selestino.
    Doch der vernahm von Selestine
    – es schien, als liebten sie gar viele –
    auf einem Ritt durchs Frankenland.

    Ein jeder sprach von ihr im Land,
    sodass der Prinz aus Pergamo
    sich rüstete. Es dauert viele,
    ach viele Wochen zur Bretagne
    aufs Schloss der schönen Selestine;
    das wusste auch der Selestino.

    “Auf wiedersehn!” rief Selestino
    und ritt hinaus ins weite Land,
    vor seinem Auge Selestine
    und hinter sich schon Pergamo.
    “Ist das denn endlich die Bretagne?”
    befragte der schon Müde viele.

    Ach nein, es folgten noch sehr viele
    und harte Meilen. Selestino
    verfluchte langsam die Bretagne,
    dies ferne, unbekannte Land.
    Er sehnte sich nach Pergamo
    und weniger nach Selestine.

    “Was wäre denn, wenn Selestine
    – sie hat ja der Verehrer viele –
    mir gar nicht folgt nach Pergamo?”
    das dacht’ verzweifelt Selestino
    und hasste vollends dieses Land,
    die vielgepriesene Bretagne.

    Nach Pergamo ritt Selestino,
    ins Heimatland statt zur Bretagne!
    Auch dort gibt’s viele "Selestine"...

  • Eine OdysseeDatum13.09.2018 18:44
    Thema von gugol im Forum Humor und Fröhliches

    Ein kleiner Teddy liegt im Strassengraben:
    Achtlos hingeschmissen?
    Vom Regen mitgerissen?
    Was mag es damit auf sich haben?
    Ein Ohr halbiert und eine Tatze amputiert.

    Er wird von einem Müllmann aufgelesen,
    herzlos mitgerissen,
    als Abfall weggeschmissen.
    Das ist es also jetzt gewesen:
    Sein Plüsch verdreckt und er mit Unrat zugedeckt,

    bis Hunde ihn heraus- und weiterziehen.
    Wieder weggeschmissen,
    vom Adler hochgerissen
    zum Horst - hier gibt es kein Entfliehen:
    Der arme Bär, ach wenn er doch ein Vogel wär.

    Im tiefsten Winter stürzt er aus dem Nest; der
    Wind hat’s hochgerissen
    und ihn aufs Eis geschmissen.
    Dort bleibt er liegen bis Silvester:
    Weil kaum noch Fell, gefriert der kleine Kerl ganz schnell.

    Neujahr - da scheint wer sanft nach ihm zu greifen.
    Nichts mehr wird geschmissen,
    und nichts mehr wird zerrissen.
    Man will ihm nur den Schnee abstreifen:
    Es kommt schon gut. Der Bär schöpft neuen Lebensmut.

    Der Finder nimmt das Bündel mit nach Hause,
    näht, wo was zerrissen,
    hat andres hingeschmissen
    und gönnt sich auch nicht eine Pause:
    Das Ohr geflickt und eine Tatze angestrickt.

    gugol / L A F

  • ineinanderDatum10.09.2018 20:44
    Thema von gugol im Forum Liebe und Leidenschaft

    einmal sah ich tief in deine augen
    blicke später wusste ich:
    ja, du hast mich in den bann ge
    zogen wir uns gegenseitig an?

    ewig soll nur dir mein herz ge
    hören seither beide seinen takt
    wenn auch manchmal leise und ver
    halten wir doch aneinander fest

    dir alleine schenk ich meine liebe
    leien sind das längst nicht mehr
    nein gewiss, ich brauche dich zum leben
    sfreude kehrte bei mir ein

  • Der Zugvogel IIDatum31.08.2018 11:41
    Thema von gugol im Forum Natur

    Wind aus dem Norden,
    trage den Vogel
    über den Ozean;
    er braucht deine helfende Hand.

    Tief im Gefieder
    Schnee vom Gebirge,
    träumt er von Griechenland.
    So nimm ihn doch mit an den Strand,

    scheuche die Wolken,
    lenke die Sonne
    auf sein Federgewand
    und lege ihn sanft in den Sand.

  • Zeit zu gehenDatum27.08.2018 20:41
    Thema von gugol im Forum Düsteres und Trübsinniges

    Mein Kinderteller wurde niemals leer,
    die Mutter und der Vater gaben ihr
    wohl Bestes und das Allerletzte her
    für mich, ich war ihr Lebenselixier.
    Doch irgendwann, da engte mich das ein,
    mein Elternhaus erschien mir plötzlich klein,
    ich sehnte mich nach einem grossen Saal.
    Am Ende blieb mir keine andre Wahl:
    Es kribbelte vom Kopf bis zu den Zehen,
    das spürte ich zum wiederholten Mal,
    und eines Tages war es Zeit zu gehen.

    Ich mochte meine neue Freiheit sehr,
    genoss in vollem Mass das Jetzt und Hier.
    So ging das sieben Jahre ungefähr,
    dann wuchs ein neues Leben ran in mir.
    Der Kleine war mein heller Sonnenschein.
    Die Jahre flogen! Kann das möglich sein?
    Es waren bald schon achtzehn an der Zahl,
    ein junger Mann, sein Körper hart wie Stahl.
    Als Mutter konnte ich das gut verstehen,
    es ist naturgegeben und banal:
    Für alle Kinder kommt die Zeit zu gehen.

    Das Glück beschenkte mich danach noch mehr;
    du wolltest mich und ich vertraute dir,
    wir lachten viel, verbrachten unbeschwer-
    te Stunden – du und ich, perfektes Wir.
    Doch unvermutet traf das Schlimmste ein,
    man sah von Weitem deine grosse Pein:
    Der Kopf war aufgedunsen und ganz kahl,
    die Wangen leichenblass, die Lippen schmal.
    Da halfen auch nicht Beten oder Flehen,
    das Leben war für dich die reinste Qual,
    und eines Tages war es Zeit zu gehen.

    Seit jenem Abschied ist mein Alltag schal,
    mir fehlen Liebe und ein Sonnenstrahl.
    Gleichwohl, ich sollte es gelassen sehen:
    Alsdann folgt auch für mich das letzte Mahl,
    und eines Tages wird es Zeit zu gehen.

    (Chant Royal, zweiter Versuch)

  • Tod des Riesen (ein Chant Royal)Datum17.08.2018 12:37
    Thema von gugol im Forum Düsteres und Trübsinniges

    Bis gestern lebte er im offnen Meer,
    wo er die schönsten Walgesänge sang,
    die Bucht durchschwommen hatte, kreuz und quer
    und mit den andern um die Wette sprang.
    Er kannte selten Kummer und Verzicht,
    auch echte Feinde hatte er dort nicht.
    Aus heiterm Himmel traf ihn dieser Pfeil,
    daran gebunden war ein langes Seil.
    Das Blut, vermischt mit Wasser, wirkte fahl –
    am Fleisch verletzt, doch blieb die Seele heil?
    Das weiss allein der alte Buckelwal.

    Zumindest setzte er sich kaum zur Wehr,
    als ob er nicht um seine Freiheit rang.
    Die Walfangmänner zogen an dem Speer,
    der tief in Haut und Fett des Riesen drang
    und hätten nun die gottverdammte Pflicht,
    ihn fair zu töten, aber machen schlicht
    von dem was richtig wär das Gegenteil:
    Sie bieten ihn auf einem Tiermarkt feil,
    und Käufer kommen her in grosser Zahl.
    Doch findet das ein Meeressäuger geil?
    Das weiss allein der alte Buckelwal.

    Ein junger Unternehmer bietet mehr
    als seine Konkurrenz für diesen Fang.
    Sein Engagement kommt nicht von ungefähr,
    das wird die Attraktion vom Zoo Pjöngjang:
    Ein Wal im Delfinbecken! – ein Gedicht,
    von dem schon bald die ganze Gegend spricht.
    Die Zoobesucherzahlen steigen steil
    und insbesondere die Kinder eil-
    en schnurstracks rein ins Tierquäljammertal.
    Wie tragisch alles ist, ahnt keines, weil
    das weiss allein der alte Buckelwal.

    Im Herbst verbreitet sich die Kunde meil-
    enweit, welch Schicksal ward dem Wal zuteil:
    'Er ist befreit von seiner langen Qual.'
    War’s Selbstmord, oder war’s des Neiders Beil?
    Das weiss allein der alte Buckelwal.

  • AbstandDatum06.08.2018 21:20
    Thema von gugol im Forum Philosophisches und Gr...

    Wieder mal ein Solo fliegen
    und das Ei allein ausbrüten
    keine fremden Küken hüten
    nicht des Andern Vögel kriegen

    Aus der Vogelperspektive
    werden die Probleme kleiner
    Da versteht auch unsereiner:
    Alles sind nur Relative

    Ab und zu vom Kurs abkommen
    und den grossen Schwarm verpassen
    Dabei ein paar Federn lassen
    schliesslich landen - ganz benommen

    Heilsam wars! Doch nun ist Zeit
    für den nächsten Flug zu zweit

  • Der ZugvogelDatum05.08.2018 19:46
    Thema von gugol im Forum Ausgezeichnete Lyrik

    An jenem Frühlingsmorgen
    setzte sich ein Vogel
    sacht auf meine Hand
    Er sang für mich das Lied
    und ich für ihn
    zuweilen kam es zum Duett

    An einem Spätherbstabend
    flog mein lieber Vogel
    unvermutet weg
    und mit ihm unser Lied
    Ich blieb allein
    gar traurig war die Winterzeit

    Am ersten Frühlingsmorgen
    setzte sich der Vogel
    sacht auf meine ...

  • Die FlutDatum07.02.2018 15:59
    Thema von gugol im Forum Natur

    Die Flut

    Regen fällt ununterbrochen vom Himmel, Leute ertrinken
    Reissender Fluss, überflutetes Dorf, die Welt will versinken
    Seen bedecken das Land, und die Zeit wird kaum noch empfunden
    Alles ist still, kein Vogelgesang und das Lachen verschwunden
    Autos verbeult oder treibend im Fluss, mit den Rädern nach oben
    Weil auf dem Weg zwischen Brücken und Stegen Wildbäche toben
    Weit in der Ferne ertönt das Surren des Hubschrauberrotors
    Flussrichtung abwärts ein Lärm - wohl der Kampf eines Aussenbordmotors
    Rettung ist nah! Die Starre entweicht aus Gesichtern und Gliedern
    Winkende Hände an Fenstern und Türen: Den Suchruf erwidern

  • Der PreisDatum07.02.2018 15:55
    Thema von gugol im Forum Philosophisches und Gr...

    Der Preis

    Die Sonne schien an einem Sommertag
    und in der Ferne tönte frohes Lachen,
    als könnte sich nie wieder wer verkrachen,
    weil einfach Frieden auf der Erde lag.

    Dann braute sich am Himmel was zusammen.
    Gewitter, Sturm und starker Regenguss
    verwandelten das Land in einen Fluss
    und wollten wutentbrannt das Glück verdammen.

    Bevor sich noch die Wolken recht verzogen,
    erblickte ich den zarten Regenbogen
    und wusste: Nur durch eitel Sonnenschein

    entstünde nie ein solches Farbenspiel.
    Der Preis ist hoch, doch für ein hehres Ziel
    muss nebst dem Frieden auch ein Krach mal sein.

  • mitten im kalten WinterDatum13.12.2017 21:34
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Guten Abend mcberry und vielen Dank für deinen Kommentar zu meinem Sonett.
    Ich bin keine grosse Blumenliebhaberin und genau diesem Umstand verdankt dieser Trieb sein winterliches Blühen, wuchs er doch frech über unsere Aussentreppe. Ich wollte-sollte ihn x-mal zurückschneiden, vergass es jedoch immer wieder. Er dankte es mir mit diesem eindrücklichen Moment.
    E liebe Gruess, gugol

  • mitten im kalten WinterDatum11.12.2017 20:25
    Thema von gugol im Forum Mythologisches und Rel...

    Die Rose blüht, es ist die letzte heuer.
    Ich sah sie, als ich spät nachhause kam
    und auf dem Schnee das helle Rot wahrnahm,
    ein buntes Farbenspiel aus Eis und Feuer.

    Ich flüsterte: "Es ist ein Ros' entsprungen"
    und heute weiss ich, was der Text mir sagt.
    Warum nur hab ich nie danach gefragt,
    obwohl an jedem Weihnachtsfest gesungen?

    Ich dachte stets: 'Es kann nicht möglich sein,
    dass so ein zarter Kopf den Schnee durchdringt'
    und steckte lieber meinen in den Sand.

    Jetzt nehme ich mein Schicksal in die Hand
    und hoffe, dass sie neues Leben bringt,
    denn diese Rose blüht für mich allein.

    |addpics|ina-1-d7d2.jpg|/addpics|

  • ALLESDatum03.12.2017 13:31
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Hallo alba, mit Vierbeinern hab ich's nicht so, deshalb finde ich deinen Vergleich ziemlich erstaunlich, aber ja - warum auch nicht.
    Der 1. Korinther 13 bildet die Grundlage dieses Gedichts: Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles und hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

    Wenn es in einer Freundschaft mal hart auf hart kommt und beide auf diesem Boden stehen, kann fast nichts schief gehen. Die Katzen werden's wohl intuitiv so halten, aber der Mensch braucht hin und wieder einen Gedanken-Anker.
    E liebe Gruess, gugol

  • ALLESDatum26.11.2017 19:24
    Thema von gugol im Forum Liebe und Leidenschaft

    ALLES

    Die Liebe glaubt
    du meinst es gut mit mir
    Und knuffst du mich mal in den Bauch
    genau wie ich dich auch
    gehört mein Herz trotz allem dir

    Die Lieb' erträgt
    so manchen Seitenhieb
    Es kommt ja gar nicht oft zum Streit
    doch gingen wir zu weit
    war's keine Feindschaft, die uns trieb

    Die Liebe hofft
    dass nach dem Regenguss
    die warme Sonne wieder scheint
    Und habe ich geweint
    versöhnst du mich mit einem Kuss

    Die Liebe hält
    tatsächlich allem stand
    Wenn wir uns gründlich missverstehn
    wird's dennoch weitergehn
    weil Liebe uns seit je verband

    Hört die Liebe
    wirklich niemals auf
    zanken wir auch nach dem Tod
    unterm Abendrot
    Sei gewiss, ich freu mich drauf

    1. Korinther 13,7-8

  • Welle7Datum07.10.2017 14:00
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Vielen Dank mcberry für die Beglückwünschung, die Urkunde und natürlich die Eule. Ich werde wohl in diesem Forum nicht sehr aktiv sein, weil ich schon in einem anderen fleissig mitschreibe und dort viel mehr Zeit verbringe, als für meinen Rücken und meine anderen Verpflichtungen gesund ist. ;-) Dennoch schaue ich gern ab und zu hier vorbei, die Stimmung gefällt mir nämlich ausnehmend gut. Beste Grüsse, gugol

  • NachsaisonDatum04.10.2017 20:45
    Thema von gugol im Forum Gesellschaft

    Nachsaison

    Ende September, die Gäste sind fort,
    Geschäfte geschlossen, verschlafen der Ort.
    Die Bottsliegestellen im Hafen schon leer,
    die Kneipen zwar offen, doch ohne Gewähr.

    Ich liebe die Strassen, die Plätze und Gassen
    von all diesen geldgeilen Geistern verlassen
    und spüre das Flair, wie es früher mal war,
    bevor der Tourismus den Wahnsinn gebar.

    Man kennt sich nun wieder und sagt sich "hallo".
    Sogar mich als Fremde begrüssen sie so.
    Die Bank an der Sonne gehört mir allein,
    doch ist mir bewusst: Auch die Saison muss sein.

  • ABSTIMMUNG zur Sommerausschreibung 2017Datum04.10.2017 16:21
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Liebe alba, zu gewinnen, weil das wohlverdiente Siegergedicht ausser Konkurrenz lief, ist nur halb so schön, aber freuen tu ich mich natürlich trotzdem. Dir herzliche Gratulation zu diesem wunderschönen, clever aufgebauten bilingualen Text.
    gugol

  • Der BernsteinDatum24.09.2017 18:52
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Danke alcedo und salz für eure Rückmeldung zum Bernstein. Alcedo, du sprichst genau die wunden Punkte an und wie du weisst, schliff ich daran herum, um dann doch wieder bei der Ursprungsversion zu landen, bevor alles nur noch Staub war. Wer weiss, irgendwann vielleicht...
    Beste Grüsse, gugol

  • Der BernsteinDatum22.09.2017 21:11
    Thema von gugol im Forum Natur

    Der Bernstein

    Er dümpelt vor sich hin in einem Priel,
    der sich gebildet hatte nach der Flut.
    Er fällt nicht auf, zeigt nichts von seiner Glut.
    Den kleinen, braunen Klumpen ziert nicht viel.

    Und dennoch nehme ich ihn deutlich wahr,
    weiss auf der Stelle, dass es diesmal passt,
    weil mich bei seinem Anblick Glück erfasst.
    Sein Leuchten seh ich vor mir, hell und klar.

    Ich quäle ihn, zerbrech die Kruste ganz,
    behandle ihn mit Feilen, hart wie Stahl.
    Am Ende folgt die feine Politur,

    dann braucht es einen kleinen Zauber nur:
    Ich halte ihn in einen Sonnenstrahl
    und er, er dankt es mir mit hellem Glanz.

    Dänemark, im Juli 2017

  • Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Der Bernstein

    Er dümpelt vor sich hin in einem Priel,
    der sich gebildet hatte nach der Flut.
    Er fällt nicht auf, zeigt nichts von seiner Glut.
    Den kleinen, braunen Klumpen ziert nicht viel.

    Und dennoch nehme ich ihn deutlich wahr,
    weiss auf der Stelle, dass es diesmal passt,
    weil mich bei seinem Anblick Glück erfasst.
    Sein Leuchten seh ich vor mir, hell und klar.

    Ich quäle ihn, zerbrech die Kruste ganz,
    behandle ihn mit Feilen, hart wie Stahl.
    Am Ende folgt die feine Politur,

    dann braucht es einen kleinen Zauber nur:
    Ich halte ihn in einen Sonnenstrahl
    und er, er dankt es mir mit hellem Glanz.

    Dänemark, im Juli 2017

  • Welle7Datum20.09.2017 08:06
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Besten Dank für den freundlichen Willkommensgruss, Joame Plebis (was dein Name wohl bedeutet?). Es freut mich, dass dir mein Sonett gefällt. Es ist eins der wenigen Gedichte, deren Thema ich tagelang mit mir herum trug, und als es dann reif war, schrieb ich es und änderte nichts mehr daran. Normalerweise beginnt ja nach der ersten Niederschrift die richtige Arbeit erst.
    E liebe Gruess, gugol

  • Welle7Datum19.09.2017 18:56
    Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Hallo mcberry und herzlichen Dank für die nette Begrüssung. Ich denke, gar auf dem Meer hat es was mit der siebten Welle; jedenfalls zählte ich eine halbe Nacht lang während eines Sturms zwischen Menorca und Empuriabrava im Bug des 12m Segelschiffs die schwächeren und starken Wellen.
    Sollten wir aufhören mit Sandburgen bauen, nur weil wir mit Zerstörung rechnen müssen? Ich denke das Leben würde sehr arm dadurch, denn allein das Tun stellt Befriedigung dar, wenn das Leben an sich auf Fels steht.
    E liebe Gruess, gugol

  • Welle7Datum19.09.2017 09:45
    Thema von gugol im Forum Natur

    WELLE7

    Die Welle kam, es war die Siebte heute,
    als früh am Morgen ich den Strand betrat.
    Ich sah von Weitem ihre Missetat:
    Sie holte sich gar lustvoll ihre Beute.

    Die Erste bis zur Sechsten waren milde.
    Sie warfen ein paar Muscheln auf den Strand
    und gleissten hell im Sonnenlichtgewand.
    Die Siebte erst zerschlug mein Sandgebilde.

    Ich hatte es mir sorgsam aufgebaut.
    In jedem Sandkorn steckte meine Liebe,
    doch Welle Sieben brach es mir entzwei.

    Nun ist's mit meiner Schwärmerei vorbei.
    Es fühlt sich an wie sieben Seitenhiebe.
    Sie hat mir meinen schönsten Traum geklaut.

    Dänemark, im Juli 2017

    Eine Legende besagt, dass jede siebte Welle stärker ausfällt als die anderen davor.

  • Foren-Beitrag von gugol im Thema

    Guten Tag, liebe literatum-Forümler, Alcedo hat mich eingeladen als Neuling in diesem Forum ein Gedicht einzustellen, das zum aktuellen Wettbewerb passt. Mir schwebt aber grade ein anderes vor, das ich gerne hier einreiche. Und weil es ja scheinbar auch zwei sein dürfen, wird das andere in den nächsten Tagen folgen. Beste Grüsse, gugol


    WELLE7

    Die Welle kam, es war die Siebte heute,
    als früh am Morgen ich den Strand betrat.
    Ich sah von Weitem ihre Missetat:
    Sie holte sich gar lustvoll ihre Beute.

    Die Erste bis zur Sechsten waren milde.
    Sie warfen ein paar Muscheln auf den Strand
    und gleissten hell im Sonnenlichtgewand.
    Die Siebte erst zerschlug mein Sandgebilde.

    Ich hatte es mir sorgsam aufgebaut.
    In jedem Sandkorn steckte meine Liebe,
    doch Welle Sieben brach es mir entzwei.

    Nun ist's mit meiner Schwärmerei vorbei.
    Es fühlt sich an wie sieben Seitenhiebe.
    Sie hat mir meinen schönsten Traum geklaut.

    Dänemark, im Juli 2017

    Eine Legende besagt, dass jede siebte Welle stärker ausfällt als die anderen davor.

Inhalte des Mitglieds gugol
Beiträge: 243
Geschlecht: weiblich
Seite 8 von 8 « Seite 1 3 4 5 6 7 8 Seite »

Besucher
0 Mitglieder und 21 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: anisa258
Forum Statistiken
Das Forum hat 8588 Themen und 62957 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 420 Benutzer (07.01.2011 19:53).