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  • Vorzeitiger RuhestandDatum22.05.1970 09:02
    Thema von Feo im Forum Düsteres und Trübsinniges
    Vorzeitiger Ruhestand



    Respektvoll senkten viele ihre Lider,
    man flüsterte vorzeiten, wenn er kam.
    Die Speichellecker knieten sogar nieder,
    denn manchen fehlt Erkenntnis oder Scham.
    Doch solche Zeiten kehren wohl nicht wieder:
    Seit ihn der Schlag traf ist er ziemlich lahm.

    Das Mäusepack tanzt Polka auf dem Tisch.
    Das Katertier lebt jetzt von Dosenfisch.

  • Der PfauDatum22.05.1970 09:01
    Thema von Feo im Forum Natur
    Der Pfau




    Seit kurzem wirkt die Umwelt grau.
    Nicht überall, nur grade hier.
    In Nachbars Garten haust ein Pfau.

    Im Federkleid trägt er Saphir.
    Wenn er stolziert, dann leuchtet dir
    sein Sterz in tausend Farben.

    Den stellt er oft und gern zur Schau,
    zeigt seine Pracht ringsum genau.
    Er weiß sein Rad zu schlagen.
    Ich wage kaum zu sagen:

    Sein Gockeln ist nicht ganz mein Bier.
    Er ist ein wunderschönes Tier,
    doch sein Gesang zeigt Dissonanz
    und ist trotz Schillerschwanz
    schwer zu ertragen.

  • Kleine RegelabweichungDatum22.05.1970 07:22
    Thema von Feo im Forum Liebe und Leidenschaft
    Kleine Regelabweichung




    Ich werde in die Hölle kommen.
    Zumindest hoffe ich das sehr.
    In drastisch himmlischen Gefilden

    befinden sich nicht oft die Wilden,
    die voller Willen, Wut und Kraft,
    das tun, was Leben spürbar macht.

    Ich pfeife absolut drauf, was man tut,
    auf Ehre, Sitte, guten Ruf, Sakrales,
    auf Sparbuch, Hausrat, Notfallplan, Banales:
    Mir doch egal! Ach, Leidenschaft

    und Glut und mehr
    ist das, wonach ich mich verzehre.
    Mit der Erfüllung hier auf Erden
    scheint’s allerdings nicht viel zu werden.

  • MachtwechselDatum22.05.1970 06:55
    Thema von Feo im Forum Natur
    Machtwechsel




    Vor Nachtanbruch vertritt man sich die Beine.
    Der Eichenbaum verliert konstant Gewicht.
    Zwei graue Tauben hocken starr wie Steine
    auf nacktem Ast, im rosa Abendlicht.

    Im Park, die Bänke gähnen schon Vergessen,
    Rabatten leeren sich, um auszuruhn;
    die Sonne küsst zum Abschied sehr gemessen
    und eilt davon. Hat anderswo zu tun.

    Als wollte es sich selbst belügen,
    voll Sehnsucht nach entfernten Orten
    und um die Schwerkraft zu besiegen,
    versucht verwelktes Laub zu fliegen.

    Die jungen Drachen steigen auf zu Horten,
    die in den kahlen Wipfeln liegen.
  • SpätsommerDatum22.05.1970 04:00
    Thema von Feo im Forum Natur
    Spätsommer




    August wird gehn,
    mit ihm das seichte,
    federleichte Unerreichte:
    Rosenblätter, die verwehn.

    In den Beeten blühn die blauen
    Astern, die den rauen Winden
    und der Kälte trotzen, schauen
    Staren hinterher.

    Durch die Wurzeln, die sie binden,
    müssen sie vielleicht nicht finden,
    was die Vögel südwärts suchen:
    Etwas Wärme und Daheim.

    Bleiben wird die feuchte Erde,
    Eichenduft, manch späte Beere;
    jene herbstzeitlose Schwere
    wunder Stunden hängt sich wieder
    an die Wolken,

    zieht sie nieder,
    wie das Blattwerk, Drossellieder,
    Menschgesichter. Kühle Tage
    enden vage in der Herde
    früher Lichter.

  • Ene, mene, meckDatum22.05.1970 03:19
    Thema von Feo im Forum Kurzgeschichten, Erzäh...
    Ene, mene, meck





    Sie sang, sang, sang im Kopf, sang, auf dem ganzen Heimweg. Wir treffen heute unsre Freundin Biene Maja, diese kleine, freche Biene Maja, Maja zeigt uns ihre Welt. Den Blick hatte sie auf die Linien zwischen den Bordsteinplatten und auf ihre Schuhspitzen gerichtet. Aufgeschrappte, verbeulte, abgestoßene Lederschuhspitzen, alt, alt, alt, rot, rot, rot.
    Fünfzehn Hüpfer, ohne auf den Strich zu kommen und es wird ein guter Tag. Vorausgesetzt, die Bedingungen waren schwer genug: nur auf dem kippeligen linken Bein oder nur auf den Fersen auftuppen, Vogelvaufüsse plus der vollgepackte Tornister, der beim Hüpfen hin und her rumst.
    Heute waren es nur acht, weil der Dackel dazwischen kam. Acht, Mist. Mist, Mist, Mist. Man ruft nur: Flipper! Flipper ist unser bester Freund, lustig wird's immer, wenn er erscheint!
    Der silberne BMW stand vor der Haustür und Mutter hinter der Gardine. Zu spät, sich zu verstecken. Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm. Zu spät für Rulle aller Art. Zwei mal drei macht fünf, widewide, wer will’s von mir lernen, ich mach mir die Welt, widewide, wie sie mir gefällt. Hey, Pippi Langstrumpf, falleri, fallera, fallerhoppsassa, hey, Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt.
    „Beeil dich, Schatz, Onkel Werner ist da. Er wird dich nachher baden und ins Bettchen bringen.“ Ihre Mutter hatte hektische Engelaugen, das Ausgehkleid und das hohe, fröhliche Lachen angelegt. Auf der Kommode lag eine Schachtel Pralinen, auf dem Tisch ein neuer Knopfimohrbär. Die Wohnküche roch nach plüschrotem Nichts. Hey, hey, Wickie, hey, Wickie hey, zieh fest das Segel an.
  • Hier spielt die MusikDatum22.05.1970 02:52
    Thema von Feo im Forum Philosophisches und Gr...
    Hier spielt die Musik









    Das Firmament wirkt hohl und weit,

    als hätte jemand Raum gelassen,

    für Unerhörtes. Jene Massen



    an Blickdichtwolken stehn bereit,

    den Vorhang aufzuziehn. Für nichts.

    Kein Engelschor, kein Meer des Lichts,



    kein Großpalast des obersten Gerichts,

    kein Jenseits, das Glückseligkeiten schneit,

    kein Trostpreis und kein himmlisches Geleit.



    Nichts als Vakanz. Nur freier Platz,

    gestanzt, damit wir in das Ganze passen.

    Beim letzten Takt veratmet uns die Zeit.
  • 109P/Swift-Tuttle-GalaDatum22.05.1970 02:10
    Thema von Feo im Forum Natur
    109P/Swift-Tuttle-Gala



    Der Sommer zeigt verwaschen gilbe Ränder.
    Sein Saum wirkt glanzverloren, ausgefranst,
    Gutwettermücken haben ausgetanzt,
    ertrinkend krallen Wicken am Geländer.

    Selbst Löwenmäulchen kauern sich zusammen,
    als frören sie, so sonnenungeküsst,
    dass ihnen kaum nach Blütentreiben ist.
    Elfriede droht, den Garten zu verschlammen.

    Heut Nacht vertropft die Gratisglitzersuppe
    beim Bal paré der Meteorentruppe:
    Die Perseiden sind vielleicht zu sehen.

    Vielleicht. Falls nicht Gewitterwolken blähen.
    Kann jemand mal die grauen Felder mähen?
    Ich bräuchte eine Wünschdirwassternschnuppe.
  • PerspektivischDatum22.05.1970 00:26
    Thema von Feo im Forum Liebe und Leidenschaft
    Perspektivisch




    Im Juni, im Garten,
    auf saftgrüner Wiese
    gleich neben den Rosen
    und Meerschweinchengräbern,

    als unsere Lippen
    einander begruben
    und alles so still war
    und wir unersättlich

    vom Leben betrunken,
    da waren mir unter
    geschlossenen Lidern
    Himmel und Erde
    zum Anfassen nah.
  • ResonanzDatum21.05.1970 23:45
    Thema von Feo im Forum Mythologisches und Rel...
    Resonanz


    Doch als ich dort,
    nach meinem Fall,
    im dicksten Schlamm,
    im schwarzen Loch,
    im tiefsten Kerker
    jener Grube saß

    und niemand sonst,
    kein Stecken, Stab,
    kein guter Freund,
    mir seine Hand
    entgegen hielt,
    da flehte ich

    und rief und sang und schrie,
    verlassen von der Welt, sein Lied -
    und hörte tief, ganz tief in mir,
    den Widerhall und wie
    das Lebenwollen klang.
  • FederlesenDatum21.05.1970 23:27
    Thema von Feo im Forum Diverse
    Federlesen



    Der Blick nach oben scheint allmählich leichter,
    die Wirrnis in den Wipfeln wird sich legen;
    jetzt sieht man, wie die Himmel sich bewegen.
    Von unten wirkt das Blau noch unerreichter.

    Die Tage fallen taumelnd, kurz vor Nacht,
    der Herbst setzt ihnen eine letzte Frist,
    färbt Blätterwerk, das längst beschrieben ist
    und feiert, was der Lauf der Zeit draus macht.

    Doch manchmal, wenn ich in mir stille werde,
    dann höre ich das federleichte Krachen,
    das Fastgeräusch, das Engelsflügel machen,
    den Schwingenbruch, beim Aufprall auf die Erde.

    Der Mond lacht heute wie ein Pizzarand.
    Ich warte drauf, dass Fett und Käse tropfen.
  • BewandtnisDatum21.05.1970 23:03
    Thema von Feo im Forum Düsteres und Trübsinniges
    Bewandtnis



    Mir ist fast nie nach Beten.
    Ich hasse diese steten
    Zweifel. Wiederkäuen, Alltagsnagen,
    totgelebte Inhaltsfragen.

    Es geht nicht mal ums Lieben.
    Was soll ist nicht geblieben,
    was bleibt ist eine Wand,
    dahinter: braches Land.

    Was ich dir bin, was du mir warst,
    was ich nie tat, was du vergaßt,
    treibt Teufel ein und aus und sticht.

    Im bunten Glas, in Blei gefasst,
    bricht sich zum Abend hin das Licht
    im Fenster meiner Kirche.
  • NatternhautDatum21.05.1970 18:54
    Thema von Feo im Forum Düsteres und Trübsinniges
    Natternhaut







    Auch heute streife ich durch mein Gehege.
    Hier wuchern große Büschel Bilsenkraut.
    Sein strenger Duft, zu herb und zu vertraut,
    stößt sauer auf; zugleich macht er mich träge.

    Es drückt und zwickt, sobald ich mich bewege.
    Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut.
    Sie ist viel dünner, seltsam aufgeraut
    und spannt. Ein Fehler bei der Schönheitspflege?

    Gedanken werden immer wieder laut,
    Gewölle wird gekaut, gekaut, gekaut -
    mich würgt es permanent, wenn ich mich rege:

    Der Kragen platzt. Zu viel war angestaut.
    Jetzt juckt der Bauch - zum Teufel - ich erwäge,
    ob ich die Fetzenhaut alsbald zum Abfall lege.




  • FederleichtDatum21.05.1970 17:25
    Thema von Feo im Forum Philosophisches und Gr...
    Federleicht







    Doch manchmal, wenn die Melodie

    uns mit sich fortträgt, wie das Wort,

    wenn alle Silben fließen, gleiten,

    in metaphore Tiefen, Weiten,

    auf immer wieder neuen Seiten,

    in Klang und Zeit und Raum und Ort,



    vergessen wir im Schattenwind,

    dass wir nur Mensch sind, flügelfrei,

    und bloß mit Apparaten fliegen.

    Lass uns die Wirklichkeit verbiegen,

    mit Lust in vollen Zügen lügen,

    auf Versflucht aus dem Einerlei.



    ------------------------------------------------------------
  • OthelloDatum21.05.1970 12:58
    Thema von Feo im Forum Liebe und Leidenschaft
    Othello



    Im Kirschmundrot
    der Bettbezüge,
    als mir die Nacht
    die Farbe nahm,

    ist mir das Herz,
    von Brust und Bauch
    zu Salz und Schweiß
    ins Tuch getropft.

    Selbst mondenbleich
    pulst es noch leis.
    Soweit ich weiß

    tut Nabelschnur
    das anfangs
    auch.
  • GangbarDatum21.05.1970 12:10
    Thema von Feo im Forum Liebe und Leidenschaft
    Gangbar




    Du bist nicht mehr da. Sagen sie.
    Aber: Alle Tage bist du,
    klein, ganz klein und an jeder Ecke.
    Du wächst mit den Schatten
    und hüllst mich in deinen Mantel,
    schlingst die Nacht
    und die Beine
    um mich.
  • FlüsternDatum20.05.1970 22:02
    Thema von Feo im Forum Liebe und Leidenschaft
    Flüstern



    In deine Stimme möchte ich mich schmiegen,
    mich an sie lehnen, wie an eine Wand;
    dein Raunen kost gleich einer warmen Hand.
    Es ist so köstlich, Wort an Wort zu liegen.
  • KollateralschädenDatum20.05.1970 21:21
    Thema von Feo im Forum Gesellschaft
    Kollateralschaden



    Sein Lächeln haust in Kerben nah am Mund,
    scheint vor den Augen auszuschleichen
    und seinen Blick kaum jemals zu erweichen.

    Die Dinge laufen, wie sie sollen und
    trotzdem sind seine Lider rot und wund.
    Mit Worten kann er fast zu viel erreichen.

    Erreichen, oder nennt sich das Verkaufen?
    Statt dem, was früher echt gewesen ist,
    verkauft er sich, Effeff und List.

    Gibt es noch einen bessren Grund zum Saufen?
    Er fühlt sich nicht und bleibt Illusionist,
    verscheuert den zu Kunst erklärten Mist,

    um sich im Suff die Haare auszuraufen.
    Das leichte Spiel hat sich ins Ziel verlaufen.

  • ApriltreibenDatum20.05.1970 19:20
    Thema von Feo im Forum Natur
    Apriltreiben


    Mattsilbern dämmt der Übergang
    zum Horizont das Licht,
    derweil sich letzter Schein entlang
    der Glitzerflocken bricht.

    Im blütenweißen Flüsterkraut
    liegt Reinheit die besticht,
    bedeckt das Düstere vertraut
    mit Puderzuckerschicht.

    Hör, wie der Schwarm der Krähen ruft,
    dem Tag mehr Glanz verspricht:
    Im Taumelflug durch kalte Luft
    verflirrt gewohnte Sicht .

  • UngereimtheitenDatum20.05.1970 19:08
    Thema von Feo im Forum Diverse
    Ungereimtheiten


    Als könnten die, die auf dem Boden bleiben,
    damit die wirklich üblen Stürze meiden,
    (statistisch unabhängig des Geschlechts)
    lässt man auch meist den Schritt nach links und rechts.

    Und fehlt etwas, besteht vielleicht Vakanz,
    nur heimlich und aus sicherer Distanz,
    geschieht der Blick gen Himmel, zu den Sternen,
    als würde Traum alleine ernsthaft wärmen.

    Aus seiner Deckung wird man sich nie wagen;
    wer wagt und fällt, den fressen doch die Raben -
    das ist bekannt. Darum übt man Verzicht
    und reimt Gedichte. Leben reimt sich nicht.
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Feo
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