Respektvoll senkten viele ihre Lider,
man flüsterte vorzeiten, wenn er kam.
Die Speichellecker knieten sogar nieder,
denn manchen fehlt Erkenntnis oder Scham.
Doch solche Zeiten kehren wohl nicht wieder:
Seit ihn der Schlag traf ist er ziemlich lahm.
Das Mäusepack tanzt Polka auf dem Tisch.
Das Katertier lebt jetzt von Dosenfisch.
Seit kurzem wirkt die Umwelt grau.
Nicht überall, nur grade hier.
In Nachbars Garten haust ein Pfau.
Im Federkleid trägt er Saphir.
Wenn er stolziert, dann leuchtet dir
sein Sterz in tausend Farben.
Den stellt er oft und gern zur Schau,
zeigt seine Pracht ringsum genau.
Er weiß sein Rad zu schlagen.
Ich wage kaum zu sagen:
Sein Gockeln ist nicht ganz mein Bier.
Er ist ein wunderschönes Tier,
doch sein Gesang zeigt Dissonanz
und ist trotz Schillerschwanz
schwer zu ertragen.
Ich werde in die Hölle kommen.
Zumindest hoffe ich das sehr.
In drastisch himmlischen Gefilden
befinden sich nicht oft die Wilden,
die voller Willen, Wut und Kraft,
das tun, was Leben spürbar macht.
Ich pfeife absolut drauf, was man tut,
auf Ehre, Sitte, guten Ruf, Sakrales,
auf Sparbuch, Hausrat, Notfallplan, Banales:
Mir doch egal! Ach, Leidenschaft
und Glut und mehr
ist das, wonach ich mich verzehre.
Mit der Erfüllung hier auf Erden
scheint’s allerdings nicht viel zu werden.
Vor Nachtanbruch vertritt man sich die Beine.
Der Eichenbaum verliert konstant Gewicht.
Zwei graue Tauben hocken starr wie Steine
auf nacktem Ast, im rosa Abendlicht.
Im Park, die Bänke gähnen schon Vergessen,
Rabatten leeren sich, um auszuruhn;
die Sonne küsst zum Abschied sehr gemessen
und eilt davon. Hat anderswo zu tun.
Als wollte es sich selbst belügen,
voll Sehnsucht nach entfernten Orten
und um die Schwerkraft zu besiegen,
versucht verwelktes Laub zu fliegen.
Die jungen Drachen steigen auf zu Horten,
die in den kahlen Wipfeln liegen.
Sie sang, sang, sang im Kopf, sang, auf dem ganzen Heimweg. Wir treffen heute unsre Freundin Biene Maja, diese kleine, freche Biene Maja, Maja zeigt uns ihre Welt. Den Blick hatte sie auf die Linien zwischen den Bordsteinplatten und auf ihre Schuhspitzen gerichtet. Aufgeschrappte, verbeulte, abgestoßene Lederschuhspitzen, alt, alt, alt, rot, rot, rot.
Fünfzehn Hüpfer, ohne auf den Strich zu kommen und es wird ein guter Tag. Vorausgesetzt, die Bedingungen waren schwer genug: nur auf dem kippeligen linken Bein oder nur auf den Fersen auftuppen, Vogelvaufüsse plus der vollgepackte Tornister, der beim Hüpfen hin und her rumst.
Heute waren es nur acht, weil der Dackel dazwischen kam. Acht, Mist. Mist, Mist, Mist. Man ruft nur: Flipper! Flipper ist unser bester Freund, lustig wird's immer, wenn er erscheint!
Der silberne BMW stand vor der Haustür und Mutter hinter der Gardine. Zu spät, sich zu verstecken. Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm. Zu spät für Rulle aller Art. Zwei mal drei macht fünf, widewide, wer will’s von mir lernen, ich mach mir die Welt, widewide, wie sie mir gefällt. Hey, Pippi Langstrumpf, falleri, fallera, fallerhoppsassa, hey, Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt.
„Beeil dich, Schatz, Onkel Werner ist da. Er wird dich nachher baden und ins Bettchen bringen.“ Ihre Mutter hatte hektische Engelaugen, das Ausgehkleid und das hohe, fröhliche Lachen angelegt. Auf der Kommode lag eine Schachtel Pralinen, auf dem Tisch ein neuer Knopfimohrbär. Die Wohnküche roch nach plüschrotem Nichts. Hey, hey, Wickie, hey, Wickie hey, zieh fest das Segel an.
Der Sommer zeigt verwaschen gilbe Ränder.
Sein Saum wirkt glanzverloren, ausgefranst,
Gutwettermücken haben ausgetanzt,
ertrinkend krallen Wicken am Geländer.
Selbst Löwenmäulchen kauern sich zusammen,
als frören sie, so sonnenungeküsst,
dass ihnen kaum nach Blütentreiben ist.
Elfriede droht, den Garten zu verschlammen.
Heut Nacht vertropft die Gratisglitzersuppe
beim Bal paré der Meteorentruppe:
Die Perseiden sind vielleicht zu sehen.
Vielleicht. Falls nicht Gewitterwolken blähen.
Kann jemand mal die grauen Felder mähen?
Ich bräuchte eine Wünschdirwassternschnuppe.
Der Blick nach oben scheint allmählich leichter,
die Wirrnis in den Wipfeln wird sich legen;
jetzt sieht man, wie die Himmel sich bewegen.
Von unten wirkt das Blau noch unerreichter.
Die Tage fallen taumelnd, kurz vor Nacht,
der Herbst setzt ihnen eine letzte Frist,
färbt Blätterwerk, das längst beschrieben ist
und feiert, was der Lauf der Zeit draus macht.
Doch manchmal, wenn ich in mir stille werde,
dann höre ich das federleichte Krachen,
das Fastgeräusch, das Engelsflügel machen,
den Schwingenbruch, beim Aufprall auf die Erde.
Der Mond lacht heute wie ein Pizzarand.
Ich warte drauf, dass Fett und Käse tropfen.
Auch heute streife ich durch mein Gehege.
Hier wuchern große Büschel Bilsenkraut.
Sein strenger Duft, zu herb und zu vertraut,
stößt sauer auf; zugleich macht er mich träge.
Es drückt und zwickt, sobald ich mich bewege.
Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut.
Sie ist viel dünner, seltsam aufgeraut
und spannt. Ein Fehler bei der Schönheitspflege?
Gedanken werden immer wieder laut,
Gewölle wird gekaut, gekaut, gekaut -
mich würgt es permanent, wenn ich mich rege:
Der Kragen platzt. Zu viel war angestaut.
Jetzt juckt der Bauch - zum Teufel - ich erwäge,
ob ich die Fetzenhaut alsbald zum Abfall lege.
Du bist nicht mehr da. Sagen sie.
Aber: Alle Tage bist du,
klein, ganz klein und an jeder Ecke.
Du wächst mit den Schatten
und hüllst mich in deinen Mantel,
schlingst die Nacht
und die Beine
um mich.
In deine Stimme möchte ich mich schmiegen,
mich an sie lehnen, wie an eine Wand;
dein Raunen kost gleich einer warmen Hand.
Es ist so köstlich, Wort an Wort zu liegen.
Als könnten die, die auf dem Boden bleiben,
damit die wirklich üblen Stürze meiden,
(statistisch unabhängig des Geschlechts)
lässt man auch meist den Schritt nach links und rechts.
Und fehlt etwas, besteht vielleicht Vakanz,
nur heimlich und aus sicherer Distanz,
geschieht der Blick gen Himmel, zu den Sternen,
als würde Traum alleine ernsthaft wärmen.
Aus seiner Deckung wird man sich nie wagen;
wer wagt und fällt, den fressen doch die Raben -
das ist bekannt. Darum übt man Verzicht
und reimt Gedichte. Leben reimt sich nicht.