jetzt komme ich auch einmal dazu, deinen Riddler, den ich schon gelesen habe, als du ihn eingestellt hast, zu kommentieren.
Mir hat dieser kurze, aber treffende Dialog von Beginn an sehr zugesagt. Besonders die von Don bereits angesprochene Stelle hat es mir angetan - ein Gedankengang, der wirklich etwas Wahres hat, den man aber erst einmal denken muss.
das steht ja nun schon eine Zeit lang unkommentiert da, aber das hat deine wirklich köstliche Parodie nicht verdient. Ich kann nur darin eine Begründung finden, dass vielleicht ze riddas didnd nu watt ju mien.
Aber wenn man sich erst einmal eingelesen hat, geht es so halbwegs. Dennoch möchte ich nicht wissen, was der Erzähler in diesem Fall dann letztendlich wirklich bekommen hat ...
würde bezüglich der letzten Zeile auch eher zu Margots Variante tendieren, aber das ist wohl Geschmackssache. Ansonsten: Ein sehr rundes Gedicht, bei dem du wieder einmal gekonnt auf den Punkt kommst. Das mag ich an vielen deiner Gedichte: Du sagst, was du sagen willst und zwar so, dass man es versteht und damit hat sich die Sache. Klar und deutlich.
Was mir noch zu sagen bleibt: Ich selbst bin ein großer Fan des Winters und insofern kann ich mich inhaltlich dir nicht anschließen, aber gern gelesen habe ich dein Gedicht dennoch.
ich denke, wenn ich von Schönheiten umrungen und bestaunt werden würde, dann könnte ich überhaupt keine Gedichte mehr schreiben.
Muss dazu sagen, dass ich - atypisch für einen Österreicher - kein Wintersportler bin. Allerdings mag ich Kälte einfach mehr als Hitze. Aber da prallen wohl verschiedenen Weltsichten aufeinander und ich möchte dir den Sommer auch gar nicht ausreden.
der Oberüberdrübermoderator, der große, einzige Pate, der Don aller Döner feiert heute Geburtstag! Also hoch die Tassen - da darf niemand zurückbleiben!
Alles Gute, Don! Und vielen Dank dir und den anderen Offiziellen hier bei dieser Gelegenheit für die gute Mod-Arbeit!
vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Der Grund, warum ich mich relativ spät melde, ist, dass ich das Gedicht noch ein klein wenig überarbeitet habe, noch ein bisschen poliert habe an der einen oder anderen Stelle. Und das wollte ich erst unter Dach und Fach bringen, bevor ich dir schreibe.
An deiner grundsätzlichen Kritik am Text ändert sich dadurch natürlich nichts, da der prosaische Charakter gleich geblieben ist. Waren auch nur ein paar Stellen, die ich mir noch einmal vorgeknöpft habe.
Die ewige Debatte, wo Prosa aufhört und Lyrik anfängt bzw. umgekehrt, wird durch diesen Text, glaube ich, wohl nicht gelöst. Wieder einmal eine schmale Gratwanderung, wobei ich nicht so richtig aus meiner Haut kann. Das ist mein Stil, so schreibe ich. Für einen Prosatext sind mir hier aber zu viele Bilder und Metaphern drinnen. Das heißt natürlich nicht, dass ein Prosatext frei von Bildern und Metaphern sein sollte - das wäre natürlich absoluter Unfug - aber ich denke, im Gegensatz zu dir, dass man das Teil für einen reinen Prosatext gewaltig umschreiben müsste, quasi ein wenig in die Länge ziehen, um dem Leser Verschnaufpausen zu gönnen.
Der von dir angesprochene Kreis von Anfang und Ende bzw. Überschrift und Ende schließt sich meines Erachtens nach schon, wenngleich nicht direkt und offensichtlich. Denn ich finde, dass sowohl die Agrarmetaphorik als auch die Fischereimetaphorik zusammenpassen, aber da ist es durchaus möglich, dass ich durch mein Interesse für Wirtschaftsgeographie, wo ja im primären Sektor sowohl Land- und Forstwirtschaft, Bergbau als auch das Fischereiwesen zusammenkommen, vorbelastet bin. Was nun das Gedicht betrifft, so passt mir am Ende die Fischermetapher nicht mehr wirklich rein - das wäre zu sehr erzwungen, wie ich finde. So ist mir die Rückbesinnung auf die Zeilen "Ich Wanderer Beheimateter Fremder / der die Saat der Stadt gestreut / und die Ernte eingefahren hat" geeigneter, um das Gedicht abzuschließen. Denn eben in jenen gerade angesprochenen Zeilen steckt für mich die Grundthematik des Gedichtes drinnen.
Das alles ist natürlich nur meine persönliche Meinung und ich bin mir sicher, dass sich auch viele finden werden, die deiner Meinung sind und das, was ich gerade von mir gebe, mit einem genervten "Bullshit" kommentieren - zumindest geistig. Und ich kann deine Kritik auch verstehen und nachvollziehen, teile sie aber nicht so ganz - eben aus den dargelegten Gründen.
Es freut mich aber wirklich sehr, dass sich auch für dich - wo du eine völlig andere Art der Dichtung bevorzugst als ich und auch deine berechtigten Gründe hattest, den Text nicht allzu sehr zu mögen - das Lesen gelohnt hat. Mir persönlich ist dieses Gedicht sehr wichtig, es steckt mehr von mir selbst drinnen als in allen anderen Gedichten von mir und insofern freut es mich besonders, dass meine philosophischen Betrachtungen nicht bloß heiße Luft geblieben sind. Das war im Grunde meine größte Befürchtung - dass ich mich nicht verständlich machen konnte bzw. die Leser meinen Text nicht nachvollziehen können.
Vielen Dank noch einmal für deine Beschäftigung mit meinem Text.
vielen herzlichen Dank für eure Kommentare! Was den Salinger betrifft (ist ja von beiden erwähnt worden), so lautet die Antwort klassisch "Jein".
Die Sache ist so, dass der "Lachsfischer im Roggen" seinen Hintergrund in dem Buch "Der Lachsfischer" von Dermot Healey hat, das ich zu der Zeit, als ich das Gedicht geschrieben bzw. angefangen habe (hat sich über mehrere Wochen gezogen). In dem Buch "Der Lachsfischer" geht es vorrangig um die Liebe einer protestantischen Nordirin mit einem katholischen Iren, zeichnet aber anhand dieser Geschichte ein politisches und religiöses Bild des modernen Irlands. Kann ich euch übrigens sehr empfehlen. Aber sicherlich fragt ihr euch, wie das nun wieder in mein Gedicht passt? Nun, der Held, der katholische Ire, klebt gewissermaßen fest an seiner Heimat. Das Paar lebt eine Zeit lang in Belfast, dort kommt aber der Südire nicht zurecht und so ziehen sie irgendwann wieder in den Süden zurück. Genau diese Verwurzelung mit der heimatlichen Erde fließt indirekt auch in dieses Gedicht ein - v.a. im dritten Teil. Zudem ist der Lachsfischer als surrealistisches Landschaftselement gedacht, als etwas irritierend Fremdes in einer ansonst vertraut wirkenden Landschaft. Dazu muss man sagen, dass der Arbeitstitel des Gedichtes "Fremdes Land" geheißen hat, da ich hier eine Landschaft beschrieben habe, die ich zwar gut kenne, die mir aber dennoch fremd und neuartig geblieben ist und die mich immer wieder fasziniert, wenn ich mich wieder mal in der Gegend aufhalte.
Und wie passt nun der Salinger rein? Mir ist natürlich, nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe, die Verwandtschaft zu dem Titel "Der Fänger im Roggen" ebenso aufgefallen wie euch. Ursprünglich war das für mich fast ein Grund, meine Zeilen zu ändern, da hier eben Verweise auf ein anderes Buch entstehen können, das ich ursprünglich gar nicht drinnen haben wollte. Andererseits habe ich mir gedacht - ohne jetzt das Buch gelesen zu haben (steht aber seit Jahren auf meiner Leseliste) - dass der Verweis dennoch gut passen könnte. Ich weiß vom Fänger im Roggen nicht allzu viel, außer, dass es eine durch und durch amerikanische Generationsbeschreibung ist. Eine junge, hungrige Generation, die nicht so recht weiß, was sie mit sich anfangen soll. Wie gesagt, ich habe das Buch bis jetzt noch nicht gelesen, aber was ich darüber gehört habe, ist mir in etwa so im Gedächtnis geblieben. Ich hoffe, das stimmt jetzt auch so ungefähr. Wenn man sich nun diese Generationenproblematik vor Augen hält, dann passt diese wieder sehr gut in meinen dritten Teil des Gedichtes, da hier beschrieben wird, wie eine junge Generation, auch viele Zugereiste, Zugewanderte ihre Zeit vergeuden und quasi festkleben an der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind und wo es für sie kaum Perspektiven gibt. Die Landjugend hat heute fast nur eine einzige wirkliche Chance: Flucht vom Land und in die Stadt, doch genau dieser Schritt ist so schwer. Das wollte ich mit meinem dritten Teil des Gedichtes andeuten. Und deshalb passt der Salinger auch irgendwie rein, soweit ich das sehe.
Also - Salinger ist mir nicht gewollt reingerutscht, aber jetzt, wo er schon mal hier ist, ist er herzlich willkommen.
Puh - viel Lärm um nichts, um noch einen anderen großen Schriftsteller ins Spiel zu bringen.
Ich hoffe jedenfalls, dass ich euch den Lachsfischer im Roggen ein wenig klarer machen konnte. Im Grunde ist das kaum erklärbar - ihr seht ja, wie viele Worte hier notwendig waren. Aber ich hoffe doch, dass ich es so halbwegs geschafft habe. Ansonsten nervt mich ruhig noch mal.
Jetzt aber zu euren Kritiken im Einzelnen.
@ Alcedo: Die Hunde: Ja, damit sind die Begleiter der Bauern gemeint bzw. die Hunde, die in der Früh von den Dorfbewohnern in den Feldern spazieren geführt werden.
Diese "sie" im dritten Teil sollten nun nach meiner weitschweifenden Erklärung oben hoffentlich so halbwegs klar geworden sein: Jugendliche am Land ohne Perspektiven. Im Grunde kann man hier natürlich alle Landbewohner einschließen, aber auf die Jugendlichen habe ich es im Speziellen abgesehen.
Dass der Erzähler in diese Gruppe nicht eingeglieder ist, hast du sehr gut erkannt - mir ging es eben um den distanzierten Blick eines Fremden. Das ist mir augenscheinlich so halbwegs gelungen, wie ich aus deinen Worten entnehmen kann. Freut mich!
Teil 4: Damit hat es angefangen, genau mit den ersten beiden Zeilen. Witzig, aus was alles ein Gedicht entstehen kann. Jedenfalls hatte ich dieses Bild den ganzen Tag im Kopf und nach und nach formte sich eine Strophe dazu. Dann die erste Strophe, dann eine lange Pause und schließlich, nach einigen Wochen die Strophen 2 und 3. Ausgangsbasis war aber der Mond, das war für mich einfach ein perfektes Bild. Wahrscheinlich ist das wirklich die beste Stelle im Gedicht, quasi die "Wurzel" des Gedichtes.
Es ehrt mich über die Maßen, dass dir mein Gedicht so sehr zusagt und dich beeindruckt zurücklässt. Was kann es für einen kleinen Autor wie mich Schöneres geben? Hab vielen Dank dafür!
@ Gem: Wegen dem Salinger siehe oben.
Was die Zeilenschaltungen betrifft, so kann man diese sicherlich auch ein wenig anders setzen, aber meinem Stil kommen diese einfach am nächsten. Ich bin mir sicher, dass du diese ganz anders gesetzt hättest, was dem Gedicht dann sicherlich auch eine völlig neue Richtung gegeben hätte.
Der Hasensatz ist eigentlich einfach nur ein zweiter Hauptsatz, der passte mir sehr gut zu dem Leben davor - denn für die Hasen geht es ja um Leben oder Tod.
Vielen Dank für dein nettes Lob betreffend des erzählerischen Talents, bei dem ich mir selbst noch nicht so ganz sicher bin, denn zumindest ausbaufähig ist es jedenfalls noch. Aber ich arbeite daran! Gedichte wie dieses hier deuten zumindest schon mal in die richtige Richtung.
Einen ebenso zuckerbestäubten Gruß zurück und auch dir, Alcedo, viele Grüße
auch ich mag dein Gedicht sehr gern. Die wesentlichsten Verbesserungsmöglichkeiten hat dir Margot ja schon aufgezeigt. Das "Licht der Liebe" empfinde ich übrigens auch als die schwächste Stelle in deinem Gedicht.
Metrisch ist mir noch aufgefallen, dass ich S2Z2 gerne anders betonen würde und mich daher ein wenig biegen muss, um im Metrikschema zu bleiben. Aber das fällt nicht allzu sehr ins Gewicht, wollte es nur anmerken.
Sonstige Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind: In S2Z1 gehört das Komma rausgenommen, in S3Z1 sind es, auch bei neuer Rechtschreibung, "Füße" statt "Füsse".
Aber, wie gesagt: Mir hat dein Gedicht wirklich gut gefallen, es liest sich locker und flüssig und hat zudem einen schönen Inhalt, der mit passenden Worten umgesetzt wurde.
jedenfalls ein würdiger Sieger. Ich gratuliere sehr herzlich!
Der Tonfall in deinem Gedicht ist wirklich ganz außerordentlich, es singt einen sehr melancholischen Blues um dann doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu finden. Wirklich großartig!
da kann ich Fabian nur Recht geben - dieses Gedicht ist dir wirklich sehr gut gelungen. Hier sieht man wieder mal, welch Potential in dir steckt, wenn du dich nicht von postpubertären Einfällen leiten lässt.
Interessanterweise habe ich vor kurzem ein Gedicht mit ähnlich gelagertem Inhalt geschrieben - vielleicht stelle ich es demnächst einmal ein. Aber ich kann jedenfalls vieles von mir in deinem Gedicht wiedererkennen und viele Stellen sind wirklich so ausgezeichnet, dass ich beinahe ein wenig neidisch auf dich werden könnte, da dir so treffende Formulierungen eingefallen sind und mir nicht. Aber das lassen wir - genießen wir lieber dein Gedicht.
Eine runde Sache, wie ich finde. Davon jederzeit gerne mehr!
Also Margot, dass du mich aber auch immer in die Gräber, die ich mir schaufle, reinstoßen musst!
Dann mal vielen Dank für dein Kompliment und Schande über mich, dass ich es nicht als solches erkannt habe.
Ich denke, du weißt, dass ich sehr gern mit dir über dieses und jenes in Dichtung und Undichtung palavere und insofern vielen Dank für deine Beiträge, die immer anregend sind, mal ganz pauschal. Hier aber besonders, denn eines ist mir wieder einmal sehr bewusst geworden: Erst dann, wenn man in der Lage ist, seine eigene Dichtung zu begründen und glaubhaft zu "verteidigen" (obwohl jetzt das Wort an sich etwas unpassend erscheinen mag), darf man sich - im weitesten Sinne des Wortes - einen Dichter nennen. Und ich merke, dass ich mich da herantaste, da ich von deinem Kommentar voll gefordert war, aber dennoch eine halbwegs schlüssige Antwort zu Wege gebracht habe.
Im Übrigen stimme ich dir voll und ganz zu, dass gleichgeschaltete Vorlieben so ziemlich das Letzte sind, was wir brauchen. Denn dann wäre es ganz schön langweilig hier.
Was jetzt deinen Geschmack betrifft (da habe ich mich wohl wieder mal wunderbar missverständlich ausgedrückt in meinem ersten Beitrag), so weiß ich oder glaube ich zu wissen, dass dir ein metrisch und reimtechnisch ordentlich durchkomponiertes Werk mehr zusagt als meine schnoddrige Prosadichtung. Liege ich da so halbwegs richtig?
Wie auch immer, es hat mich sehr gefreut, deinen Namen unter einem von meinen Gedichten zu lesen, denn jedesmal, wenn das der Fall ist, dann weiß ich, dass eine gute und fruchtbare Diskussion zustande kommt, aus der ich viel für mich mitnehmen kann.
gleich einmal vorab: Ich hoffe, es ist okay, wenn ich die Du-Form verwende, da mir das in Internet-Foren angebrachter erscheint. An Höflichkeit will ich es natürlich dennoch nicht mangeln lassen und falls das mit dem Duzen doch nicht angebracht erscheint, dann lass es mich bitte wissen für zukünftige Kommentare.
Als Urheber der Paranoia-Reihe, die dich zu deinem Text angeregt hat, muss ich wohl ein paar Worte hier verlieren. Ich muss gestehen, dass ich deinen Text wohl kaum gelesen hätte, wenn ich nicht am Anfang meinen Namen plötzlich gelesen hätte (ja, die liebe Eitelkeit ...), denn hier stellt sich wieder mal das Problem, dass längere und lange Text fürs Internet nur bedingt geeignet sind. Vor dem gleichen Problem bin ich selbst auch schon gestanden. Ich bin mir sicher, dass deine Geschichte gedruckt zwischen zwei Buchdeckel ein breiteres und dankbareres Publikum finden würde als unter den überhasteten Internet-Lesern. Wie auch immer, neugierig geworden durch die Erwähnung, dass mein Text dich angeregt hat, habe ich dann doch deinen Text in einem Aufwisch gelesen und ich muss sagen: Hut ab!
Ich weiß nun nicht, wie du zu meiner Paranoia-Reihe stehst, denn zwar finden sich gewisse Motive hier wieder, aber in neuem Kontext und mit neuer Einschätzung, aber ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass du das, was ich mit den Paranoia-Texten ausdrücken wollte, verstanden und es in eine Form gebracht hast, die noch besser geeignet ist, das auszudrücken, was ich ausdrücken wollte. Kurz: Du hast einen Text geschrieben, um den ich dich nur beneiden kann, trifft er doch meine Intention besser als mein eigener Text.
Gerade durch den szenischen Aufbau mittels kurzer Blicke durch die Kamera gelingt es dir, eine paranoide Grundstimmung zu erzeugen, die den Leser schon von Anfang an mit einem Gefühl der Unsicherheit konfrontiert. Auf gewisse Art und Weise relativiert sich alles, was hier steht, da es schließlich nur eine kurze Momentaufnahme ist, aber dennoch bleibt ein flaues Gefühl im Magen zurück. Ich denke, dass man eine kollektive Paranoia nicht besser auf den Punkt bringen kann.
Was die Erzählperspektive betrifft, so kann ich Margot nicht zustimmen, denn durch die zweite Person wird der Leser unmittelbar an das Geschehen herangeführt, er wird also quasi "herangezoomt" und direkter mit der Handlung konfrontiert als es in der ersten Person (hier) möglich wäre. Es verlangt dem Leser auch eine Art Rollenspiel ab, da er durch die unmittelbare Anrede ständig dazu aufgefordert wird, den Protagonisten selbst Gestalt zu verleihen. Dadurch verschwimmen Grenzen, eine objektive Wahrheit bzw. Handlung ist nicht mehr auszumachen. Noch so ein Aspekt der Paranoia, wie ich finde.
Bin jedenfalls schwer beeindruckt von deinem Text und ich gratuliere dir von ganzem Herzen dazu. Im Grunde macht er meine vier Texte zu dem Thema überflüssig, denn was ich sagen wollte, findet sich hier und das auch noch viel besser und durchdachter ausgearbeitet als ich es gekonnt hätte.
da tümpele ich mal wieder so vor mich hin und was sehe ich? Dein wundervolles "St. Helena", das ich schon andernorts bewundert und kommentiert habe. Den Kommentar von damals kann ich natürlich auch heute noch so aufrecht halten wie er ist - da hat sich nichts geändert. Nur: Meiner Ansicht nach verliert dein Gedicht hier ein klein wenig an Wirkung aufgrund der Widmung, die hier ein wenig ins Leere geht - es fehlt diese witzige zweite Ebene. Was jedoch bleibt ist ein sehr gut gemachtes, sprachlich überzeugendes Gedicht über einen kleinen Mann, der gerne groß sein wollte und es für eine Zeit lang auch war, ehe der tiefe Fall kam.
Wieder einmal sehr gern gelesen, nur wundere ich mich, dass du es erst jetzt im Tümpel einstellst.
Viele Grüße
Thomas
PS: Btw, netter neuer Avatar! Sehr grüblerisch. Herbststimmung?
@ Gem: Ich habe "Darwin's Nightmare" schon im Kino gesehen und jetzt in Amerika wieder (was mich sehr gefreut habe - ist im Hauptabendprogramm auf einem Free-TV-Sender gekommen, wodurch sich mein Respekt vor dem amerikanischen Fernsehprogramm schlagartig von Null in einen leicht positiven Bereich erhöht hat).
Eine verdammt gute Dokumentation, wenngleich sie auch mit Vorsicht zu genießen ist. Ich denke, ein Hauptgrund dafür, dass es trotz Nominierung letztlich doch nicht für den Oscar gereicht hat, ist, dass Hubert Sauper (so heißt der Regisseur, glaube ich) zu wenig Fakten gebracht hat und mehr auf Mutmaßungen bzw. eine etwas einseitige Darstellung gebaut hat. Der Effekt ist natürlich enorm, aber dennoch muss man den Film mit Vorsicht genießen. So ist beispielsweise die Stadt, in der die Dokumentation gedreht wurde, eine der größeren Städte Tansanias, kommt aber im Film als kleines Dorf rüber. Auch kann Sauper keine Beweise für den Waffenschmuggel bringen, wenn man von einem halben Geständnis des (an dieser Stelle des Films entweder zutiefst verzweifelten oder zutiefst betrunkenen) Piloten des Frachtflugzeuges absieht.
Wie gesagt - eine enorm wichtige Dokumentation, die ein wenig sensibilisiert für die Problematik in der Afrika/Europa-Beziehung, der man aber nicht alles vollkommen unreflektiert glauben sollte. Aber in jedem Fall äußerst sehenswert.
habe mir heute "Flug 93" angeschaut, den Film über das Flugzeug, das am 11. September in Washington in ein Gebäude (wahrscheinlich Kapitol) gelenkt hätte werden sollen, aber durch die Passagiere in Pennsylvania zum Absturz gebracht worden ist.
Wirklich gut gemacht - direkt, unverblümt, ohne rot-weiß-blauen Pathosanstrich, selbst die Terroristen sind nicht als Bestien, sondern als normale, wenngleich durch Religionsfanatismus fehlgeleitete Menschen dargestellt worden, die auch mal Angst haben und denen es selbst ziemlich an die Nieren geht, dass sie für Allah ins Gras beißen sollen. Besetzt ist der Film ausschließlich mit unbekannten Gesichtern, was ihm einen zusätzlichen Anstrich von Glaubwürdigkeit verleiht. Obwohl man das Ende kennt, fiebert man mit und am Ende zieht man seinen realen oder imaginären Hut vor dem Mut der Menschen an Bord, die die Lage erkannt und richtig eingeschätzt haben und dann auch die Courage gehabt haben, etwas dagegen zu unternehmen, auch wenn von Anfang an klar war, dass sie dabei drauf gehen können. Die Helden von 9/11 - ein Begriff, der in Hinblick auf die Opfer von damals so gerne strapaziert wird - waren meiner Ansicht nach im Grunde alle in diesem Flugzeug. Die Polizisten und Feuerwehrmänner, die umgekommen sind, haben ihren Dienst verrichtet und sind dabei tragisch ums Leben gekommen. Die Menschen in den Gebäuden und in den Flugzeugen, die in die Gebäude gelenkt wurden, sind auch nur Unschuldige, die es zu betrauern, aber nicht zu ehren gilt meiner Ansicht nach. Aber die Passagiere des Fluges 93 haben meinen vollen Respekt. Das sind die Menschen, die einen Unterschied gemacht haben. Das stellt der Film wunderbar dar. Und setzt diesen Menschen damit ein Denkmal, das sie verdienen. Nicht kitschig. Nicht pathetisch. Sondern einfach durch die Darstellung der Fakten, wie es sich damals zugetragen hat (und wie man durch Telefongespräche und Funkaufzeichnungen akkurat nachvollziehen konnte).