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  • EmesisDatum11.05.1970 21:52
    Thema von Ahsil im Forum Humor und Fröhliches
    Emesis

    Die Frau macht’s heimlich auf dem Klo
    Und nennt es dann ganz keck ‚vomieren’.
    So klingt sie wichtig unter Tieren
    Auf jedem Speibankett.
    Der Mann muss kräftig ‚keuzen gehn’,
    Er denkt nicht an die edlen Formen.
    Verspuckt sein Od frei, ohne Normen,
    Und schaut dabei kokett.

    Man kann wohl gut nach fettem Mahl
    In Prunk verzierte Säle kotzen.
    Und wie nur erst die Batzen strotzen
    Vor Fäulnis und Couleur.
    Hier braun, dort grün, auch etwas gelb
    Entbindet man im Reiherreigen.
    Und manchmal kann sich Rotes zeigen,
    Aus jenem Brechdompteur.
  • Die AndrenDatum11.05.1970 21:31
    Thema von Ahsil im Forum Gesellschaft
    Die Andren
    Interviewauszug mit einem perfekten Menschen

    A:
    Ich bin achtsam und bescheiden,
    Schaue zu, wenn andre horten,
    Werfe nie mit Widerworten,
    Möchte Ärger stets vermeiden.

    Ach wie schön ist doch das Leben
    Ohne Streit und Diskussionen.
    Man kann Geist und Körper schonen,
    Wenn man kuscht, wo andre streben.

    Hundert Jahr’ werd’ ich wohl lachen,
    Fröhlich durch die Straßen streifen,
    Während andre ‚überreifen’ -
    Gammlig von den Stämmen krachen.

    B: ...

    A:
    Lirum larum, meine Ziele
    Stehen hier doch außer Frage!
    Bin ich plötzlich eine Plage,
    Weil ich mich in Hochmut siele?
  • Hisst die SegelDatum11.05.1970 21:24
    Thema von Ahsil im Forum Mythologisches und Rel...
    Hisst die Segel

    „Es weht ein rauer Wind von Süden her,
    Der mich vom rechten Kurs nach Norden treibt.
    Den Osten hieß ich einst im Blute Bruder,
    Doch zog der Westen mich von dort aufs Meer.
    Jetzt hisst die Segel, setzt die Ruder,
    Fahren werden wir bis Blau nur bleibt!

    Mit voller Kraft auf weiter See zu Gang,
    Zerbreche ich die Bande alter Zeit
    Bis nichts als Krumen sich um Achtung zanken
    Und immer tiefer steuert mich mein Drang.“
    Es seufzt der Mast, es knacken Planken,
    „Fahren wollen wir bis Blau uns freit!“

    „Mein Kapitän!“, schallt es vom Guck mit Hast,
    Bedrohung naht von Luv - noch tausend Fuß.
    „Mir scheint ein Kraken möchte uns ertränken.“
    „Die Speere! Spannt die Bögen! Unser Gast
    Wird nimmer dieses Schiff versenken.
    Sendet diesem Untier meinen Gruß!“

    „Der Pfeilsturm lehrt den Moloch sicher Scheu.“
    Erhoffen sich die Mannen festen Mut.
    Doch ahnend sucht die Kreatur die Tiefe,
    Als wär’ Apoll persönlich ihrer treu.
    Dem Auge dünkt, die Mare schliefe
    Ungestört von aller Stiche Wut!

    Nur seichtes Kräuseln ist’s , was man erspäht.
    Ein stummer Zeuge urgeborner Angst,
    Die unsre Helden hier auf See ertragen.
    „Ihr Meinen, jede leere Sehne lädt!
    Erneut wird unser Feind es wagen.
    Du, Apoll, was ist’s, das du uns bangst?“

    „Mein Kapitän!“, tropft es vor Schweiß vom Kinn,
    „Nicht hundert mehr bis alles Holz zerbricht.“
    Gespannt verharren weiter Mann und Bogen,
    Vertrauen hält die Hand des Feigsten hin.
    Schon spürbar weht der Zephyr, Wogen
    Schlagen Gischt den Schützen ins Gesicht.

    „Seht dort! Von Achtern - harter Peitschenstoß!
    Ein Mann von Bord gerissen - in die Flut!“
    „Zum Steuer, Pack! Es gilt sich zu beeilen!
    Lasst keine Rücksicht walten, denn das Los
    Der Toten werden wir sonst teilen.“
    Heckwärts stürmend bebt der Herzen Glut!

    Umschlungen ist der Hort im fernen Blau.
    Schon mancher Leib verlor den Seelenhalt,
    Doch tapfer schneidet scharfer Stahl noch Wunden.
    Es stellt sich hier ein übles Bild zur Schau,
    Tentakelfleisch liegt ungebunden
    Auf den Bohlen tief ins Braun gekrallt.

    Nur Atemzüge trennen Schlacht und Sieg.
    „Sie sinkt!“, ertönt es plötzlich mit Organ,
    „Sie geht zurück in Hades’ kalte Hände,
    Aus welchen sie verdammend einst entstieg!“
    „Und wieder fern der goldnen Strände
    Treibt im Winde unser freier Kahn!“

    Ob Freude wohl dem rechten Segen gleich?
    Zu finster wirkt der Horizontensaum.
    „Was droht mit argem Blicke aus der Weite?
    Ist’s Götterzorn, Poseidons Rachestreich?
    Zerschlagen kann das Boot in Scheite,
    Brennen kann es in der Wogen Schaum!“

    Und näher rückt, was unaufhaltsam scheint.
    Das Wasser kündet glühend Sturmflut an.
    Wie Sägen beißt das Nass in dünne Remen.
    Als letzte Warnung die Plejade weint,
    Eh’ Groll und Blitz das Schiff verfemen,
    Welches wagend einst die Fahrt begann.

    Der Mast singt ächzend seine Klagesuite,
    „Die Linnen ein!“, erkämpft man sich Gehör
    Im schwarzen Donnerdunst der Urgewalten.
    Mit Mühen freit das lang schon müde Glied
    Das Weiß von Äolus’ Gestalten.
    Risse bergen, was den Mut zerstör’.

    Gebettet nun in rauer Wut und Zeit.
    Dort liegen Tag und Nacht der Scheidung fern.
    Am Bug sieht man die Wellen eifrig trimmen,
    Zur Stelle, wenn ein Opfer sich nicht feit.
    Befehlen doch die Götterstimmen
    Rüder See, dem Menschen umzukehr’n.

    „Was treibt mich weiter in Gefahr und Untergang?
    Ist’s Fernweh, Hoffnung, Trauer, Daseinsfrust?
    Die Tapfren mir zur Seite sind im Eide.
    Um ihre Seelen ist es meiner bang,
    Denn Dionys hängt seine Schneide
    Über sie im Zeichen meiner Lust.“

    Noch heult der Wind und Tropfen preschen dicht
    Auf Deck und Haupt in lautem Tönespiel.
    Geschwächt von Nässe hält man Kurs und Steuer.
    Minuten sind’s, bis jede Planke bricht,
    Doch weiter loht der Mannschaft Feuer,
    Ungesunken schwimmt der Eichenkiel.

    „Gesegnet seist du Helios, dein Reich.
    Uns Armen bleibt zuletzt nur deine Gunst
    Aus warmen Händen Güte zu empfangen.“
    „Mein Kapitän, ein Lichtstrahl selten weich
    Vermag im Wolkengrau zu prangen,
    Führet durch den trüben Nebeldunst!“

    „Und folgen werden wir mit aller Kraft
    Aus dieser Not zu fliehen Richtung West,
    Auf dass der alte Weg uns wieder habe!
    Als wir einst hissten voll von Leidenschaft,
    Da galt mein Trotz dem kalten Grabe,
    Heut bleibt uns zum Hohn nur Sehnsuchtsrest.“

    Zum Lohn bahnt sich schon bald das ärgste an!
    Ein Los vor dem der Kühnste nicht besteht.
    Wenn einem Gaumen Knochen schmeichelnd schmecken,
    Wenn eine Hand kein Obst mehr fühlen kann,
    Dann zwingt es den verwegnen Recken
    In die Knie, bis er um Gnade fleht.

    „Ach Blau, vom fernen Osten kam ich her,
    Mein Blick doch nur im westlich Sehnen treibt.
    Den Göttern trotzen wollte ich im Leben,
    Getrotzt hab ich der Bestie und dem Meer!
    Und nun dem kleinsten Feind ergeben?
    Fahren müssen wir bis nichts mehr bleibt!“
  • OlympiaDatum11.05.1970 20:06
    Thema von Ahsil im Forum Liebe und Leidenschaft
    Olympia

    Bist du’s, Geliebter?
    Versuchst mich gar zu öffnen -
    Mit Gewalt?
    Geläng es dir, Verehrter,
    Spräch ich von allem,
    Jeder Lust mich frei.

    Die Augen funkeln.
    Sie sind’s, die dich verrieten -
    Glanzbemalt.
    Entfern sie dir in Treue
    Und mir zum Preise,
    Hold sei dann dein Lohn.

    Ein Puppenspielchen
    In fein gezognen Mienen –
    Lacherkrankt,
    So will ich dir erscheinen,
    Musst du mich fühlen -
    Mein Nathanael.
  • Im neunten MondDatum11.05.1970 16:45
    Thema von Ahsil im Forum Mythologisches und Rel...
    Im neunten Mond

    Im neunten Mond gebar die Schlange mir
    Ein Kind aus einer weißen Apfelblüte,
    Auf dass ich es für alle Zeit behüte
    Und muttergleich durch ihre Lehren führ.

    Wie lang schon wach ich hier von Kräften bar?
    Die Jahre gingen hin, wie fremde Gäste.
    Gegraut ist Haar und Heil, es bleiben Reste
    Von denen ‚Hoffnung’ einst ein Anteil war!

    Ich sah die Frucht mir reifen, sie im vollen
    Geschmack der Jugend drängend fortwärts ziehen.
    Was bleibt jetzt noch? Wem kann nun ich entfliehen?

    Das Lehren sollte wohl mein Leben zollen.
    So ward ich gar zum Fallobst selbst gereift,
    Gewürm ist’s, das bald gierig um mich streift.
  • MusiggangDatum10.05.1970 11:03
    Thema von Ahsil im Forum Liebe und Leidenschaft
    Musiggang

    Suchend taste ich im trüben Worte.
    Ausgetrocknet ist, was unerschöpflich war,
    Ein karger Tümpel nun - von Schönheit bar.
    Neues Grün muss bald den Kargen zieren,
    Denn zu lang' schon schloss sich mir die Pforte
    Freien Sinnens, sprachschön zu kreieren.

    Stein für Stein wird Wiesenflächen weichen.
    Müßiggang sei nicht des Gärtners Eigenart,
    Denn lieblich sprießt, was früh mit Müh' gepaart.
    Schreiten werde ich an den Gestaden,
    Welche frische Schöpferkraft gereichen.
    Fern schleicht sich mein Geist - sucht die Plejaden.

    Muse hieß ich jene, die verneinte.
    Bannend schloss sie ihren engen Kreis um mich,
    Dem meine Sternessehnsucht nicht entwich.
    Ausgelaugt, -gesaugt hat sie mit Gieren,
    Was auf diesem Wege kahl versteinte.
    "Musiggang" wird sie die Tat kaschieren.
  • NymphenzierDatum10.05.1970 08:50
    Thema von Ahsil im Forum Liebe und Leidenschaft
    Nymphenzier

    Ach Fliederkind, verschenke deine Blüten,
    Und willst du nicht, dann droht dir fremder Schnitt.
    Der kalte Stahl wird jene Zier zerwüten,
    Um deretwillen deine Schönheit litt.

    So lieblich ziehen zarte Striemen Bahnen,
    Bekränzen weiche Formen - Blatt und Glied.
    Gedämpftes stöhnen lässt wohl Lust erahnen,
    Die wie ein Windhauch durch die Zweige zieht.

    Azurnes grün in weinrot eingebettet,
    Die Farbenpracht beschmutzt dein weißes Kleid.
    Ob stiller Schrei vor falscher Kunst dich rettet?
    Sei Dir gewiss, dich schmückt das Nymphenleid.
  • LeidenschaftDatum10.05.1970 02:21
    Thema von Ahsil im Forum Philosophisches und Gr...
    Leidenschaft

    Egoman im Gen fixiert.
    Unfrei ist, dem frei gefrönt.
    Krönt man doch die Eigenminne,
    die das Denken stimuliert,
    all zu gern zum höchsten Sinne.

    Spieglein, Spieglein: Er verwöhnt,
    zeigt nicht das, was man kaschiert.
    Ziert gar noch die feinste Finne,
    welche man am andren höhnt.
    Weihergleich hält er uns inne.

    Passioniert im Glück verträumt,
    zeugt der Geist auf weitem Meer
    Schwerenmutes eine Welle,
    die gestadenfern gebäumt
    feste Gensubstanz zerschelle.
  • NachtspaziergangDatum09.05.1970 23:31
    Thema von Ahsil im Forum Natur
    Nachtspaziergang

    Ach, Ich such’ im nächtlich Weiten.
    So will ich nahe dunkler Weiher,
    Tümpel, Seen zeitlos schreiten.

    Und sinnend spiel’ ich meine Leier,
    zupfe ihre alten Saiten.

    Dicke, kalte Nebelschwaden
    Umschmeicheln blickdicht meine Glieder,
    locken mich von sichren Pfaden.

    Die Leier tönt und führet wieder
    meinen Gang an die Gestaden.

    Still die Wasser; schwarze Brache
    verschluckt im Gieren Lunas Segen.
    Drohend dünkt die Mahrenlache.

    Beherzt lass’ ich die Hand sich regen,
    fern sind hier die Heimgemache.
  • DreiDatum09.05.1970 19:00
    Zur Krönung meiner Existenz
    Gereiche ich mir drei zur Ehre.
    Nicht Baum, nicht Haus, nicht Kind beschere
    Mir meine arge Insolenz.
    Ich werde jene Linie richten,
    Auf der die alten Lebenspflichten
    Zu lange schon Ingredienz.

    Die erste Last wird mir Plaisir
    Im weihen falscher Heiligkeiten.
    Man sieht mich Grab um Grab bereiten,
    Der Fleischgestalten Schlafquartier.
    Zu füllen gilt es diese Stätten
    Mit Blut, das jene ersten Ketten
    Betagter Pflichten arg lädier’.

    Ich breche weiter Bund und Band,
    Indem ich junge Bälger reiße,
    In deren zarten Leib mich beiße.
    Nicht schaffen; schänden muss die Hand
    Mit ganzer Kraft den weißen Flieder,
    Es geht ein greller Schrei hernieder,
    Wo auf die Haut der Schmerz gebannt.

    Nun labe ich den Geist im Licht
    Der Opfer, die zu spät verneinten,
    Zu lang den Traditionen weinten
    Und Schwäche so im Angesicht
    Des wahren Tatendranges zeigen.
    Man mag zu "Menschenhasser" neigen,
    wenn man von mir im Schaudern spricht.
  • Tagewerk (Fortsetzung 2)Datum09.05.1970 11:32
    Thema von Ahsil im Forum Diverse
    Und war es euch noch nicht genug,
    ihr Gierschlote; Sucher, nicht Finder?
    Dann seht, wie ich Lug und Betrug
    Beflissen im Kreuzgange linder’.

    Mit Stahlscharf und Kürass am Leib
    gelange ich bankfern zur Küste,
    wo uniformiertes Gereib
    sich Sonnengelb regt im Gelüste.

    Als Gog zieh’ ich läuternd, beherzt
    die Klinge durch fettige Bäuche.
    Mein Banner vom Blute geschwärzt,
    bezwingt die sich suhlende Seuche.



    Nu da hoffe ich mal ein sinnvolles Ende gefunden zu haben, wenn nicht, ich bin für Anregungen offen
  • PhilosDatum09.05.1970 08:55
    Den heiligen Tempel,
    lass mich ihn entweihen,
    entweinen den weichen Granit.
    Das Bauwerk von Zierde
    soll fortwährend brennen,
    im Herd meiner leidigen Taten,
    so reiße ich Ziegel
    und Lehm von der Zinne
    im treibenden Streben zum Grunde.

    Ach ich bin dir Vater,
    Gefährte und Amme,
    Verräter und Räuber zu gleich.
    Behüter der Hallen,
    die ewig nun bluten
    auf Knospen, die nimmer ergrünen,
    ergrauen im Lichte
    gealterter Hände,
    die Kunstwerke gierig verschlingen.



    (Und diesmal habe ich länger nachgedacht, wie es sinnvoll passt, hoffe ich)
  • Tagewerk (Fortsetzung)Datum09.05.1970 08:26
    Thema von Ahsil im Forum Diverse
    Schnurscharen schleusen mein Denken
    vorbei an verzuckerter Pracht
    heimwärts - auf sandigen Bänken,
    wo einsam mein Lebensbaum wacht.

    Trocken gebettet erfahre
    ich Labe vom blättrigen Dach.
    Schützend umsäumt mich die Mare
    in Wogen voll tosendem Krach.

    Hier am Ort möchte ich siechen
    und nimmer das Festland mehr schaun.
    Euch, die als Larven dort kriechen,
    euch werden die Magog zerhaun.
  • TagewerkDatum09.05.1970 07:50
    Thema von Ahsil im Forum Diverse
    Tagewerk
    I. Dem Ursprung gewidmet

    Jeder Sekunde zum Gruße
    beschaffe ich reinstes Profan.
    Scheint doch meine Dasein nicht Muße,
    nicht Muse dem zeitenden Zahn.

    Eiweißverkleidungsgepoche
    entflügelt den Schädelgeysir.
    Zehrend belagern Moloche
    den Geist, stehn dem Irrsinn Spalier.

    Spießrutenschicksale tragend,
    durchquer’ ich die Fratzenallee.
    Jede der Larven erschlagend,
    erschließt sich mir mein Resümee.



    (Erster Teil einer Trilogie)
  • EntfremdungDatum09.05.1970 06:43

    In einem Meer von Schaben wird er baden
    Und Fühler werden ihm die Nerven kosen.
    Ein Körpersegen für den Körperlosen,
    Der nicht den Rückblick wagt gen Heimgestaden.

    Mit festem Zuge nehm’ ich meine Route.
    Das Schabennass behütet muttergleich
    Und bettet meinen Leib in seinem weich,
    Dass keine Woge meinen Rachen flute.

    Es ist ein muntres Knacken harter Schalen.
    Zum Vorschein tritt der warme, grüne Schmant,
    Benetzt und reinigt meine Haut von Malen,
    Die Blut und Fleisch auf meinen Balg gebrannt.

    Den Tod kann ich vor Gliederwerk nicht klaren,
    Entfremdet harrt mein Blick auf kalten Scharen.

  • AbgangDatum09.05.1970 06:17
    Nachtgewand von nun ade.
    Ich ziehe dich vom roten Fleisch
    und tarne schwarz, was einst geschah.

    Kränze zieren jedes Grab,
    dass deine Hände tief geschürft.
    Es blühen alte Rosen schön,
    verbannen fauligen Geruch.

    Ewig wird wohl Stille sein
    am Orte hier, voll Einsamkeit,
    wo ihr, ihr Lieben, schlummernd liegt.
    Seid jetzt des Schlafes Untertan.

    Nachtgewand, warst Du mir Knecht,
    so sei vom Tage an erlöst.
    Mein Henker, Obdach, Treueschwur.
  • Ich bin heut Gast auf meinem Folterfeste

    Ich war zum Spiel des Schreie heut geladen,
    sie formten im Gesang ein Klagelied.
    Ein Chor von Sinnen zog durch jedes Glied,
    in Schmerzeswogen sollte ich wohl baden.

    Wer war der Sänger jener Klangballaden?
    Sein zartes Stimmwerk, welches mir verriet,
    dass alles Fühlen in ihm längst verschied,
    erlosch im Fluss erfrischender Kaskaden.

    So sah ich das Spektakel seiner Qual.
    In Haut und Fleisch erbohrte heißer Stahl
    den Kanon stolzer Elfenbeinpaläste.

    Es schweifen meine Blicke durch den Saal,
    ein Spiegel scheint das Ziel für ihre Wahl:
    Ich bin heut Gast auf meinem Folterfeste.
  • MorgentauDatum09.05.1970 06:09
    Morgentau

    Ein kalter Hauch von Stille drückt die Wiesenflächen.
    Wie Blei liegt feuchter Morgentau auf allen Trieben.
    Geknickt von dieser Last vermögen sie zu brechen.
    Der rote Schein beginnt Vergangnes fortzuschieben

    Denn wer erahnt der nächtlichen Exzesse Gier?
    Statt Tau benetzte Fleisch das süße Bodengrün,
    es metzelten sich Menschen ab, wie Schlachtgetier.
    Man sah in ihren Augen falschen Hass erglüh’n!

    Warum gebart sich jener Ort in solchem Schrecken?
    Zwei Fürsten hießen sich im frommen Titel: Gecken!
    Sie sandten ihre Mannen, für den kurzen Spaß.

    Nach diesem Happen konnten sie die Finger lecken.
    Das Blutmahl sonders gleichen schien doch wohl zu schmecken.
    Es bleibt nur feuchter Morgentau im grünen Gras.
  • KammerspieleDatum09.05.1970 04:16
    Thema von Ahsil im Forum Philosophisches und Gr...
    Kammerspiele

    Es spiegeln sich silberne Schemen
    im eisig beschlagenen Glase.
    Das Flackern des magren Bijou
    versucht gar das Nachtfahl zu zähmen,
    in sachter Emphase, zur Ruh’.

    Beschwingt tanzt mein Kiel zu dem Spiele
    mit rastlosem Treiben am Blatte.
    Befreit dort sein Schreibelixier,
    auf dass jede leidige Schwiele
    den Denkanker katte vom Pier.

    So ziehen Gedanken nun Rinnen
    im ewigen Nass weiter Meere.
    Zurück bleiben Tinte und Kiel,
    Papyri die Kammer zu minnen,
    die Ferne verkläre mein Ziel.
  • VerschmelzungDatum09.05.1970 03:04
    Verschmelzung

    Tentakel ziehen Furchen
    auf weißem Pergament.
    Es fließt ein rotes Nass
    vom Born der eignen Vene
    in karge Spur.

    Geeint wird Leib und Leiden
    mit Geistesgrübelei.
    So treibt der Fingerkiel
    den warmen Saft zum Sinne
    in karger Spur.
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