Die Frau macht’s heimlich auf dem Klo
Und nennt es dann ganz keck ‚vomieren’.
So klingt sie wichtig unter Tieren
Auf jedem Speibankett.
Der Mann muss kräftig ‚keuzen gehn’,
Er denkt nicht an die edlen Formen.
Verspuckt sein Od frei, ohne Normen,
Und schaut dabei kokett.
Man kann wohl gut nach fettem Mahl
In Prunk verzierte Säle kotzen.
Und wie nur erst die Batzen strotzen
Vor Fäulnis und Couleur.
Hier braun, dort grün, auch etwas gelb
Entbindet man im Reiherreigen.
Und manchmal kann sich Rotes zeigen,
Aus jenem Brechdompteur.
„Es weht ein rauer Wind von Süden her,
Der mich vom rechten Kurs nach Norden treibt.
Den Osten hieß ich einst im Blute Bruder,
Doch zog der Westen mich von dort aufs Meer.
Jetzt hisst die Segel, setzt die Ruder,
Fahren werden wir bis Blau nur bleibt!
Mit voller Kraft auf weiter See zu Gang,
Zerbreche ich die Bande alter Zeit
Bis nichts als Krumen sich um Achtung zanken
Und immer tiefer steuert mich mein Drang.“
Es seufzt der Mast, es knacken Planken,
„Fahren wollen wir bis Blau uns freit!“
„Mein Kapitän!“, schallt es vom Guck mit Hast,
Bedrohung naht von Luv - noch tausend Fuß.
„Mir scheint ein Kraken möchte uns ertränken.“
„Die Speere! Spannt die Bögen! Unser Gast
Wird nimmer dieses Schiff versenken.
Sendet diesem Untier meinen Gruß!“
„Der Pfeilsturm lehrt den Moloch sicher Scheu.“
Erhoffen sich die Mannen festen Mut.
Doch ahnend sucht die Kreatur die Tiefe,
Als wär’ Apoll persönlich ihrer treu.
Dem Auge dünkt, die Mare schliefe
Ungestört von aller Stiche Wut!
Nur seichtes Kräuseln ist’s , was man erspäht.
Ein stummer Zeuge urgeborner Angst,
Die unsre Helden hier auf See ertragen.
„Ihr Meinen, jede leere Sehne lädt!
Erneut wird unser Feind es wagen.
Du, Apoll, was ist’s, das du uns bangst?“
„Mein Kapitän!“, tropft es vor Schweiß vom Kinn,
„Nicht hundert mehr bis alles Holz zerbricht.“
Gespannt verharren weiter Mann und Bogen,
Vertrauen hält die Hand des Feigsten hin.
Schon spürbar weht der Zephyr, Wogen
Schlagen Gischt den Schützen ins Gesicht.
„Seht dort! Von Achtern - harter Peitschenstoß!
Ein Mann von Bord gerissen - in die Flut!“
„Zum Steuer, Pack! Es gilt sich zu beeilen!
Lasst keine Rücksicht walten, denn das Los
Der Toten werden wir sonst teilen.“
Heckwärts stürmend bebt der Herzen Glut!
Umschlungen ist der Hort im fernen Blau.
Schon mancher Leib verlor den Seelenhalt,
Doch tapfer schneidet scharfer Stahl noch Wunden.
Es stellt sich hier ein übles Bild zur Schau,
Tentakelfleisch liegt ungebunden
Auf den Bohlen tief ins Braun gekrallt.
Nur Atemzüge trennen Schlacht und Sieg.
„Sie sinkt!“, ertönt es plötzlich mit Organ,
„Sie geht zurück in Hades’ kalte Hände,
Aus welchen sie verdammend einst entstieg!“
„Und wieder fern der goldnen Strände
Treibt im Winde unser freier Kahn!“
Ob Freude wohl dem rechten Segen gleich?
Zu finster wirkt der Horizontensaum.
„Was droht mit argem Blicke aus der Weite?
Ist’s Götterzorn, Poseidons Rachestreich?
Zerschlagen kann das Boot in Scheite,
Brennen kann es in der Wogen Schaum!“
Und näher rückt, was unaufhaltsam scheint.
Das Wasser kündet glühend Sturmflut an.
Wie Sägen beißt das Nass in dünne Remen.
Als letzte Warnung die Plejade weint,
Eh’ Groll und Blitz das Schiff verfemen,
Welches wagend einst die Fahrt begann.
Der Mast singt ächzend seine Klagesuite,
„Die Linnen ein!“, erkämpft man sich Gehör
Im schwarzen Donnerdunst der Urgewalten.
Mit Mühen freit das lang schon müde Glied
Das Weiß von Äolus’ Gestalten.
Risse bergen, was den Mut zerstör’.
Gebettet nun in rauer Wut und Zeit.
Dort liegen Tag und Nacht der Scheidung fern.
Am Bug sieht man die Wellen eifrig trimmen,
Zur Stelle, wenn ein Opfer sich nicht feit.
Befehlen doch die Götterstimmen
Rüder See, dem Menschen umzukehr’n.
„Was treibt mich weiter in Gefahr und Untergang?
Ist’s Fernweh, Hoffnung, Trauer, Daseinsfrust?
Die Tapfren mir zur Seite sind im Eide.
Um ihre Seelen ist es meiner bang,
Denn Dionys hängt seine Schneide
Über sie im Zeichen meiner Lust.“
Noch heult der Wind und Tropfen preschen dicht
Auf Deck und Haupt in lautem Tönespiel.
Geschwächt von Nässe hält man Kurs und Steuer.
Minuten sind’s, bis jede Planke bricht,
Doch weiter loht der Mannschaft Feuer,
Ungesunken schwimmt der Eichenkiel.
„Gesegnet seist du Helios, dein Reich.
Uns Armen bleibt zuletzt nur deine Gunst
Aus warmen Händen Güte zu empfangen.“
„Mein Kapitän, ein Lichtstrahl selten weich
Vermag im Wolkengrau zu prangen,
Führet durch den trüben Nebeldunst!“
„Und folgen werden wir mit aller Kraft
Aus dieser Not zu fliehen Richtung West,
Auf dass der alte Weg uns wieder habe!
Als wir einst hissten voll von Leidenschaft,
Da galt mein Trotz dem kalten Grabe,
Heut bleibt uns zum Hohn nur Sehnsuchtsrest.“
Zum Lohn bahnt sich schon bald das ärgste an!
Ein Los vor dem der Kühnste nicht besteht.
Wenn einem Gaumen Knochen schmeichelnd schmecken,
Wenn eine Hand kein Obst mehr fühlen kann,
Dann zwingt es den verwegnen Recken
In die Knie, bis er um Gnade fleht.
„Ach Blau, vom fernen Osten kam ich her,
Mein Blick doch nur im westlich Sehnen treibt.
Den Göttern trotzen wollte ich im Leben,
Getrotzt hab ich der Bestie und dem Meer!
Und nun dem kleinsten Feind ergeben?
Fahren müssen wir bis nichts mehr bleibt!“
Im neunten Mond gebar die Schlange mir
Ein Kind aus einer weißen Apfelblüte,
Auf dass ich es für alle Zeit behüte
Und muttergleich durch ihre Lehren führ.
Wie lang schon wach ich hier von Kräften bar?
Die Jahre gingen hin, wie fremde Gäste.
Gegraut ist Haar und Heil, es bleiben Reste
Von denen ‚Hoffnung’ einst ein Anteil war!
Ich sah die Frucht mir reifen, sie im vollen
Geschmack der Jugend drängend fortwärts ziehen.
Was bleibt jetzt noch? Wem kann nun ich entfliehen?
Das Lehren sollte wohl mein Leben zollen.
So ward ich gar zum Fallobst selbst gereift,
Gewürm ist’s, das bald gierig um mich streift.
Suchend taste ich im trüben Worte.
Ausgetrocknet ist, was unerschöpflich war,
Ein karger Tümpel nun - von Schönheit bar.
Neues Grün muss bald den Kargen zieren,
Denn zu lang' schon schloss sich mir die Pforte
Freien Sinnens, sprachschön zu kreieren.
Stein für Stein wird Wiesenflächen weichen.
Müßiggang sei nicht des Gärtners Eigenart,
Denn lieblich sprießt, was früh mit Müh' gepaart.
Schreiten werde ich an den Gestaden,
Welche frische Schöpferkraft gereichen.
Fern schleicht sich mein Geist - sucht die Plejaden.
Muse hieß ich jene, die verneinte.
Bannend schloss sie ihren engen Kreis um mich,
Dem meine Sternessehnsucht nicht entwich.
Ausgelaugt, -gesaugt hat sie mit Gieren,
Was auf diesem Wege kahl versteinte.
"Musiggang" wird sie die Tat kaschieren.
Ach Fliederkind, verschenke deine Blüten,
Und willst du nicht, dann droht dir fremder Schnitt.
Der kalte Stahl wird jene Zier zerwüten,
Um deretwillen deine Schönheit litt.
So lieblich ziehen zarte Striemen Bahnen,
Bekränzen weiche Formen - Blatt und Glied.
Gedämpftes stöhnen lässt wohl Lust erahnen,
Die wie ein Windhauch durch die Zweige zieht.
Azurnes grün in weinrot eingebettet,
Die Farbenpracht beschmutzt dein weißes Kleid.
Ob stiller Schrei vor falscher Kunst dich rettet?
Sei Dir gewiss, dich schmückt das Nymphenleid.
Egoman im Gen fixiert.
Unfrei ist, dem frei gefrönt.
Krönt man doch die Eigenminne,
die das Denken stimuliert,
all zu gern zum höchsten Sinne.
Spieglein, Spieglein: Er verwöhnt,
zeigt nicht das, was man kaschiert.
Ziert gar noch die feinste Finne,
welche man am andren höhnt.
Weihergleich hält er uns inne.
Passioniert im Glück verträumt,
zeugt der Geist auf weitem Meer
Schwerenmutes eine Welle,
die gestadenfern gebäumt
feste Gensubstanz zerschelle.
Zur Krönung meiner Existenz
Gereiche ich mir drei zur Ehre.
Nicht Baum, nicht Haus, nicht Kind beschere
Mir meine arge Insolenz.
Ich werde jene Linie richten,
Auf der die alten Lebenspflichten
Zu lange schon Ingredienz.
Die erste Last wird mir Plaisir
Im weihen falscher Heiligkeiten.
Man sieht mich Grab um Grab bereiten,
Der Fleischgestalten Schlafquartier.
Zu füllen gilt es diese Stätten
Mit Blut, das jene ersten Ketten
Betagter Pflichten arg lädier’.
Ich breche weiter Bund und Band,
Indem ich junge Bälger reiße,
In deren zarten Leib mich beiße.
Nicht schaffen; schänden muss die Hand
Mit ganzer Kraft den weißen Flieder,
Es geht ein greller Schrei hernieder,
Wo auf die Haut der Schmerz gebannt.
Nun labe ich den Geist im Licht
Der Opfer, die zu spät verneinten,
Zu lang den Traditionen weinten
Und Schwäche so im Angesicht
Des wahren Tatendranges zeigen.
Man mag zu "Menschenhasser" neigen,
wenn man von mir im Schaudern spricht.
Den heiligen Tempel,
lass mich ihn entweihen,
entweinen den weichen Granit.
Das Bauwerk von Zierde
soll fortwährend brennen,
im Herd meiner leidigen Taten,
so reiße ich Ziegel
und Lehm von der Zinne
im treibenden Streben zum Grunde.
Ach ich bin dir Vater,
Gefährte und Amme,
Verräter und Räuber zu gleich.
Behüter der Hallen,
die ewig nun bluten
auf Knospen, die nimmer ergrünen,
ergrauen im Lichte
gealterter Hände,
die Kunstwerke gierig verschlingen.
(Und diesmal habe ich länger nachgedacht, wie es sinnvoll passt, hoffe ich)
In einem Meer von Schaben wird er baden
Und Fühler werden ihm die Nerven kosen.
Ein Körpersegen für den Körperlosen,
Der nicht den Rückblick wagt gen Heimgestaden.
Mit festem Zuge nehm’ ich meine Route.
Das Schabennass behütet muttergleich
Und bettet meinen Leib in seinem weich,
Dass keine Woge meinen Rachen flute.
Es ist ein muntres Knacken harter Schalen.
Zum Vorschein tritt der warme, grüne Schmant,
Benetzt und reinigt meine Haut von Malen,
Die Blut und Fleisch auf meinen Balg gebrannt.
Den Tod kann ich vor Gliederwerk nicht klaren,
Entfremdet harrt mein Blick auf kalten Scharen.
Ich war zum Spiel des Schreie heut geladen,
sie formten im Gesang ein Klagelied.
Ein Chor von Sinnen zog durch jedes Glied,
in Schmerzeswogen sollte ich wohl baden.
Wer war der Sänger jener Klangballaden?
Sein zartes Stimmwerk, welches mir verriet,
dass alles Fühlen in ihm längst verschied,
erlosch im Fluss erfrischender Kaskaden.
So sah ich das Spektakel seiner Qual.
In Haut und Fleisch erbohrte heißer Stahl
den Kanon stolzer Elfenbeinpaläste.
Es schweifen meine Blicke durch den Saal,
ein Spiegel scheint das Ziel für ihre Wahl:
Ich bin heut Gast auf meinem Folterfeste.
Ein kalter Hauch von Stille drückt die Wiesenflächen.
Wie Blei liegt feuchter Morgentau auf allen Trieben.
Geknickt von dieser Last vermögen sie zu brechen.
Der rote Schein beginnt Vergangnes fortzuschieben
Denn wer erahnt der nächtlichen Exzesse Gier?
Statt Tau benetzte Fleisch das süße Bodengrün,
es metzelten sich Menschen ab, wie Schlachtgetier.
Man sah in ihren Augen falschen Hass erglüh’n!
Warum gebart sich jener Ort in solchem Schrecken?
Zwei Fürsten hießen sich im frommen Titel: Gecken!
Sie sandten ihre Mannen, für den kurzen Spaß.
Nach diesem Happen konnten sie die Finger lecken.
Das Blutmahl sonders gleichen schien doch wohl zu schmecken.
Es bleibt nur feuchter Morgentau im grünen Gras.
Es spiegeln sich silberne Schemen
im eisig beschlagenen Glase.
Das Flackern des magren Bijou
versucht gar das Nachtfahl zu zähmen,
in sachter Emphase, zur Ruh’.
Beschwingt tanzt mein Kiel zu dem Spiele
mit rastlosem Treiben am Blatte.
Befreit dort sein Schreibelixier,
auf dass jede leidige Schwiele
den Denkanker katte vom Pier.
So ziehen Gedanken nun Rinnen
im ewigen Nass weiter Meere.
Zurück bleiben Tinte und Kiel,
Papyri die Kammer zu minnen,
die Ferne verkläre mein Ziel.