http://www.E-LIEratum.de

Foren Suche

Suchoptionen anzeigen
  • ......Datum03.11.2019 14:05
    Foren-Beitrag von munk im Thema

    ja. dass Verwundete, bewusst oder unbewusst um sich ein wundes Umfeld schlagen. Das ist nicht von mir, sondern von einem befreundeten Maler, der die Menschen genau beobachtet. Meine Alternative ist das Feldlager, das kann man aufschlagen. so meine ich, mit Liebe …


    fg munkel

  • .......Datum27.10.2019 17:20
    Thema von munk im Forum Kommentare, Essays, Gl...

    Wie können sich Schicksal und Tod so irren? Im Vorbeigehen kappten sie alle Nabelschnüre, die mich und dich verbanden. Was gab den Ausschlag, mich hier und dich da zu verorten?

    27.10.-2019

  • ......Datum27.10.2019 10:48
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Zeit umstellen, einen Menschen,
    wieder zum Leben erwecken,
    retten können, wer und was wert ist,
    loslassen
    zu lieben über den Tod hinaus;
    Tage überstehen,
    in der Welt, die zerbirst;
    nicht aufgeben, was übrig ist;
    dein Händedruck,
    Urvertrauen,
    die Liebe der Kinder,
    Gedanken wie dein geduldiger Kompass,
    zu kämpfen,
    noch einmal wirkliche Hoffnung haben,
    um der alten Zeiten willen;

    will ich weiter gehen,
    mit deinen und meinen Gedanken,
    wie ein Wanderer einen gemeinsamen Stern finden,
    ihn teilen wie Pegasus und Andromeda,
    da-sein im Herbst,
    da waren wir oft mit unsren Blicken,
    da sind wir für ein liebendes Immer;

    Fühlst du das Regenkühl,
    die Nebel des Schicksals?
    Warum sind sie so undurchdringlich?
    Warum ist mein Nachgehen zu unsren Toten so schwer?
    Ist es ihr Alleinsein mit uns?
    Das flüchtige flüchtende Glück?
    Nur du tröstest mich,
    skizzierst das Leben,
    so wie es ist!









    A.S./27.10.2019, in Liebe

  • ......Datum27.10.2019 10:17
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Was für ein verwunschener Herbst,
    unter dem von uns gepflanzten Baum,
    dem wir alles anvertrauten,
    der tobenden Stürmen standhielt.
    Du sagtest, er hat starke Wurzeln,
    so wie wir;
    sein Stamm, ein Atlas mit Rindenrelief,
    seine Zweige werfen Blätter wie Noten ab,
    der Oktober sammelt die Notenschlüssel,
    er hält die Brandungswellen auf Abstand,
    sie sollen nichts auslöschen,
    ein ewig Mollton setzen.

    ich zünde in tiefster Dunkelheit eine Kerze an,
    ich kenne deine Worte, den Himmel über uns,
    dein Grab;
    die Unglückszeit, ein bösartiges Tick-Tack, der das Atmen verschlägt,
    ein halbes Jahr dieselbe stille Geste, die nicht vergisst

    (Ein Freund sagt, Verletzte schlagen um ihre Verletzungen;
    es sei der Zeitgeist;
    ich schlage ein Feldlager auf,
    zeichne deine Liebesgesten,
    träume von hellen Zeiten.)

    A.S./ 25.102019

  • ......Datum24.10.2019 11:14
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Schmerz ist ein großer Lehrmeister,
    er schlägt sich durch, setzt Verletzungen,
    durchdrungen von deinem unglaublichen Tod,
    von unsrem Weg, der mit Liebe weiter geführt werden sollte;

    Man kann nur einmal getötet werden:

    du stehst wieder auf und gehst über die einsame Türschwelle,
    wir werden nicht angegriffen und bleiben unverletzt,
    wir haben zu uns gefunden und wenn die Sonne aufsteigt,
    hat der Tod uns verschont;



    A.S./ 24.10.2019, in Liebe

  • ......Datum23.10.2019 11:10
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Beherzt ruf ich nach dir, nach einer Antwort, die nicht erschrickt,
    lausche nach Vertrautem, Herzenswärme, Augen leuchten,
    aber kein Sterbenswörtchen, nie gehörte Stille,
    die Gewissheit, an diesem Ort spricht nur die Wehmut;
    aus deiner unendlich großen Tasche springen die Geschichten,
    du warst eine Sammlerin der knappen, auf dem Punkt bringenden,
    jedermann verstand dich;
    du warst meine Übersetzerin, die Quintessenz war dein Metier;
    und du trugst die ersehnte Liebe wie eine Heldin,
    schon von Anfang an wie aus einer anderen Zeit:
    du hobst uns damit auf und gabst uns Leben.


    A.S./ 23.10.2019

  • ......Datum22.10.2019 21:52
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Ein Herbst, der alles verändert,
    der zumutet, zudeckt, nicht vergisst,
    der dich in einer andren Welt weiß,
    der die Melancholie in die Dinge trägt,
    Bett, Tisch, Stuhl bleiben unbesetzt,
    deine Stimme setzt Lebenszeichen
    alle Gardinen werden Traumfänger,
    die Bilder an den Wänden leben,
    doch die Tage sterben,
    sind ein großes Brennglas;


    A.S./21.10.2019

  • ,,,,,,,Datum19.10.2019 14:46
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Was weiß die Zeit über uns,
    die uns leben und nicht leben lässt,
    die für jeden einen Tod parat hat,
    doch wie wir ihm begegnen werden,
    was mit uns passieren wird,
    wen es trifft und wann es beginnt,
    unwiederbringlich;
    scheint vorgezeichnet
    schon in uns angelegt,
    stumm, schleichend, ausbrechend,
    jede Firewall überrollend; niederfahrend:
    egal wie viel Glück wir erfahren,
    was für Unglück wir überstehen,
    Leben wird uns genommen werden.
    Danach wirkt alles falsch,
    Brillen, die heimatlos werden
    Blickwinkel, die es nicht mehr geben wird,
    ein Herbst nach dem andern ohne dich,
    unermesslich stapeln sich deine Schriften über die Zeit,
    deine Gedanken drängen in meine,
    das nach mir greifende Dunkle vertreibe ich,
    die Illusion stimmt:
    dein Körper wärmt meinen,
    deine Küsse glühen und sprießen,
    du bringst den Herbst zum Leuchten,
    trägst Lampionlicht ins Haus,
    schenkst mir Lichtungen für eine Zeit,
    unter einem Dach mit einem Morgen,
    der nicht aufhört zu beginnen,
    was uns bleibt ist,
    jener Zauber,
    was Liebe kann?


    A.S./ 19.10.2019

  • Nachwirkungen Datum05.08.2019 08:45
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Ich dreh mich um dich, Liebste, Sinnstifterin,
    mein Ein und Alles, meine Lebensachse,
    Gefährtin für alle Fälle, Mutter Courage,
    Pfadfindende, Trostspendende, Seelendurchschauende,
    Handwerksmeisterin, Friedhofmeidende, Zuhörende,
    mit Humor durchs Leben Gehende,
    das Verletzte und Verletzliche verschlossen im Herzen Tragende.
    Ich stell mir vor, was passiert ist,
    erlebe es als unendliches Mal und ewige Wunde,
    als unfassbar schnelllebige Zeitlupe;

    und du gehst immer aus unsrem Leben

    jetzt lebt alles langsam,
    die Tür, die ich aufschließe,
    zuviel Räume ohne dich,
    das Buch, was ich lese
    die raffiniert geraffte Gardine,
    deine Kaffeetassen mit Kandinsky-Muster,
    Tourenräder mit Wanderkarten,
    Wolkenbäume am Wehr,
    die Fluten der Spree,
    das Wasser der Lethe,
    das Wasser der Mnemosyne,
    stille Briefe an dich.


    A.S./ 5.8.19

  • Es ist nicht vorbeiDatum04.08.2019 23:29
    Foren-Beitrag von munk im Thema

    Hallo Yaya,
    räusp, den eigenen schnell entstandenen Text zu lesen,tut weh.

    Die Zeilenumbrüche sind gedanklich und temporal bedingt. Der Text ist wohl eher Prosa, aber er wollte einfach nur geschrieben werden.

    Ich kann als Leser dein Abschrecken nachvollziehen, doch war es genau diese erste Zeile, die alles andere initiierte. Ohne sie, ohne ihre Unduldsamkeit und Ausschließlichkeit, wäre nichts nachgefolgt. Sie ist also der Impulsgeber des gesamtes Textes und nun, wenn ich deinem einsichtig folge, würde ich fast diese Zeile als Titel verwenden wollen. Hm, aber auch das verwerfe ich. Doch bleibe ich dabei, genau die Aussage dieser Zeile war mir wichtig und wie schon erläutert Anlass, all das Nachfolgende zu schreiben. Denn in der Realität gab es so viele Einwände und Empfehlungen, wie ich meine Trauer gestalten sollte, da musste diese Geschichte auf die Weise erzählt werden, in der Hoffnung, die Nörgler und Besserwisser besinnen sich doch, eine persönliche Trauer, zuzulassen. Dennoch merke ich beim Lesen, dass dein Einwand Berechtigung hat. Vielleicht sind drei Forderungen doch zuviel. Wenn die erste Zeile abschreckt, könnte es auch eine Schlusszeile werden. Doch auch das passt nicht ... // Seufz, ich gebe nach. Oder so als Anfang

    Bitte schweigt!
    Lasst mich schreien!
    Lasst die Schatten nach mir greifen,
    damit ich all das versteh.


    Zur Sonderstellung: Gerade das macht das besondere Leid aus, alle anderen hatten eine lebenswerte Alternative.

    Zur Allgemeingültigkeit: Ich meine, das Verallgemeinern tötet das Lebendige, skelettiert, nimmt einem Text Fleisch und Seele. Und geht zu sehr ins Pathetische. Ach. wenn Allgemeingültiges neu erkannt wurde, also einen Erkenntnisgewinn bringt, ins Abstrakte geht, siehe Picasso etc., dann ... Aber alles wurde schon myriadenfach formuliert, gefühlt, erlitten, beschworen, auf den Podest gehoben oder vom hohen Ross gerisssen... mit übermeisterlichem Geschick, dem kann dieser Text nicht genügen. In mir schrieb nur das Leid, der Verlust, die Lücke, das Untröstliche, der Zweifel, die Verzweiflung


    Vielen Dank für deine Gedanken, liebe yaya.

  • Juli 2019Datum01.08.2019 22:25
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Gewitterfronten rücken an, ziehen ab
    drohend, verheißend, Sommerattitüden,
    nicht unüblich im späten Juli,
    besonders aber am letzten Tag,
    auf dem Balkon stehend,
    überwach, schlaflos,
    mit einem Traum im Kopf,
    der kein Traum ist

    Der Donner grollt warum,
    zählt ihr nicht die Sekunden,
    nach dem Blitz?
    Aber die Sekunden sind fehlbar,
    hören nicht auf,
    zu quälen und zu gewähren,
    mit deinem Sterben und Tod.

    Mir bleibt das Unerklärliche,
    die plötzliche Stille,
    offene Zimmer,
    ein Balkon mit Julihimmel,
    unser kleines Planetarium,
    die Galerie mit Nähstube,
    Bücher, eine Staffelei,
    Geschriebenes von dir.

    Schreie.

    A.S./ 31.7.19

  • MatrixDatum29.07.2019 18:57
    Thema von munk im Forum Philosophisches und Gr...

    Lebenszeichen sind Gralshüter,
    Glaubensbekenntnisse,
    Signale der Konsequenz,
    Zugewandte des Schönen, Wahren, Guten,
    standhaft, sattelfest, Verwandte des Glücks,
    Vertreter der Aufklärung,
    Botschafter des Vorwärts, der Smileys,
    Ratschläger, Strukturgeber, Korsett,
    Gemütsabklärer, treuer Gehilfe,
    Traum.

    Lebenszeichen sind fragil,
    nur noch halb gefühlt,
    Bedrückendes, Besorgtes, Galoppierendes,
    die Husarenattacken der Panik,
    Verlust, Verzweiflung, Halluzination,
    Rätsel, für das man keine Worte findet,
    Menschen, die plötzlich weg sind, tot,
    nicht mehr Lachen und Witze reißen,
    ein Lippenstiftherz am Badspiegel;
    nach oben, unten und zur Seite schauen,
    Fehlendes.

    Lebenszeichen sind Aufpasser,
    Haltepunkte,
    Landekreuz und Startrampe,
    Meister der Zwiesprache.

    Der Herbst wird kommen und gehen,
    was kann man machen.


    A.S./29.7.19

  • Für immerDatum28.07.2019 11:42
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Das Gespräch stürzt ab,
    das Schweigen dahinter macht Angst,
    ist tiefschwarz, Töne und Stille aufsaugend;
    ich könnte nur noch allein sein,

    ein letztes Lebenszeichen, bestürzt:
    Deine sanften Hände begütigend in meine,
    dein fassungsloser Gesichtsausdruck,
    schon von einer anderen Welt

    Die Wahrheit ist nicht einfach.
    Trotz aller Vorsätze, ihr nicht auszuweichen,
    verbreitert, vertieft, versetzt sie
    abgründige Schlaglöcher, nicht nur links und rechts,
    auch nach vorn.

    Ich schreie auf der Heimfahrt;
    immer lauter,
    peitscht das Echo der Schreie,
    schlägt blutige Breschen,
    in die Träume,
    ins verdorrende Ährenfeld,
    zu den Steinbrüchen

    nach Königshain.
    Hier gibt es unsren Liebesschwur!

    Doch dein Nichtdasein,
    kommt immer näher,
    ich komme denselben Weg,
    ins selbe Haus,
    nicht ins selbe Leben,

    das macht mich kaputt,
    und plötzlich ist mir,
    als ob ich du wäre,
    und ich falle,
    mein Kopf platzt

    wenn ich aufwache,
    bin ich gelähmt.
    Es ist kein Alptraum,
    sondern bösartig,
    tödlich

    ich höre dich nicht mehr

    wenn ich deine Lippen spür,
    das Kaffeearoma,
    den Sonntagsbrötchenduft,
    gibt es kein Grab

  • Skizze 1Datum26.07.2019 08:25
    Foren-Beitrag von munk im Thema

    guten morgen, mcberry,
    vielen dank für deinen kommentar. zwei absätze habe ich beherzigt, ergo eingearbeitet.



    lfg
    munkel

  • Skizze 1Datum25.07.2019 09:26
    Thema von munk im Forum Zwischenwelten

    Ich fahre auf derselben Landstraße. Sie hat mich immer erfreut, aufgenommen, begleitet oder wieder zurückgebracht, falls ich zu sehr in Tagträumen vertieft war. In traurigen Momenten wurde sie sogar eine Art Schutzmantel. Mit ihr konnte ich Pferde stehlen. Sie waren bei meinem Großvater, einem Tierarzt, im Warteraum positioniert und in einem Bild gebannt, das sie als Arbeitstiere vor einem Pflug spannte. Sie zogen mühselig Furchen in den robusten Acker. Trotzdem blieben sie im Bild willfährig, ihren Kraft raubenden Auftrag zum Ende zu bringen. Der schwerblaue Himmelhintergrund unterstrich, hier war etwas am Werk, das an sich glaubte und den Boden unter sich urbar machen wollte. Eine Kraft des unbedingten Willens, mit Fleiß zu überleben.

    Es verwunderte mich immer, dass kein Mensch in diesem Bild Platz hatte. Ich aber durfte ab und an als akzeptierter Requisiteur in die dargestellte Szene hineinspringen und sogar alle Pferde ausspannen. Ich entführte sie auf eine Koppel, die ich entdeckt hatte, als ich den Vollmond zwischen den Wipfeln einer Baumgruppe, im Morgentau spiegelnd, sah. Er war eingebettet in einem breitgefächerten Wolkenfeld. Mir kam er bekannt vor. Oft hatten wir, meine Frau und ich, vom Balkon aus, seine geheimnisumwitterte Aura gespürt und sogar die wagemutigen Ballonfahrer der Nacht an ihm vorbeifliegen sehen.

    Heute stehe ich allein auf demselben Boden und sehe, wie der ebenso Halbierte, das Verlorene in mir wahrnimmt und frage mich, ob es eine Mondmagie gibt, die mir hilft, dieselben Wege und auch andere, neue zu beschreiten, ohne diese von mir Besitz ergreifende Wehmut, die tief aus meinem Innern, immer wieder den Verlust emporschleudert, den ich empfinde, wenn wir uns über das Gesehene nicht mehr austauschen und die Bilder gemeinsam festhalten können.

  • Status quoDatum25.07.2019 05:59
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Ich denke Frühling, der nicht war,
    der Sommer ist nicht wahr,
    dein Leben ist mein Kokon,
    eine Sternschnuppe,
    das hellhörige Ohr,
    der träumende Schatten,
    meine Liebe,
    ein Sterben mit wunden Gesichtern,
    an der Maschine und ohne sie,
    ein Vierteljahr wie ein Jahrhundert,
    drei halbe Monde gemeißelter Schmerz,
    unendliche Sehnsucht, Wundmal, Liebesmal
    eine nicht heilende Haut über deinen Grabstein,
    mit Augen zu den Mythen,
    zu Jupiters Monden,
    zum Leben nach dem Tode.

    Jetzt bin ich ganz du,
    mein Fernweh wurde Nahweh,
    neben deinem Nähtisch,
    rückte mein Schreibtisch,
    schweigende Stille,
    stockendes Schreiben,
    ein sprechendes Zitronenbäumchen,
    darunter ungelesene Bücher,
    unweit eine knarrende Treppe,
    jetzt müsstest du kommen.
    Lesestunde!
    Du fängst an.

  • ImmortalitaDatum20.07.2019 21:03
    Foren-Beitrag von munk im Thema

    Hallo Joame,
    Schuld an sich, andere oder Umstände zuzuschreiben sind allzu menschlich. Daran kommen Menschen mit Problemen, in Konflikten, in Nöten, bei Verlusten nicht vorbei. Die Auseinandersetzung mit der Schuldfrage führt uns Menschen leider oft in süchtiges Verhalten. Wenn es andere oder sich zerstört, wird es tragisch. Außenstehende und Hilfegebende sind dann oft machtlos und müssen mitunter die Dramaturgien ablaufen lassen, ohne einschreiten zu können.

    Aber du hast recht, auch ich suchte, suche immer wieder nach Schuld bzw. warum war ich nicht zur richtigen Zeit am Ort des Unfalls oder warum, waren wir zusammen nicht an einem anderen Ort oder, oder und doch ist die Suche danach fruchtlos. Es ändert nicht mehr am Geschehenen und beschwert das Danach. Vielleicht hat uns die Natur aber gerade das auferlegt und uns verschieden ausgestattet, mit Unglück umzugehen.

    Ich habe erst durch das Unglück meiner Frau erfahren, wie sich ein Mensch fühlt, der sehr, dazu noch liebevoll, bezogen war, wenn plötzlich alles Bezogene durch das Verschwinden des geliebten Menschen einen anderen Charakter bekommt. Zum einen verschwindet es mit, stirbt sozusagen, zum anderen bekommen die zurückgelassenen Gegenstände eine Patina, eine Art Aura, wenn man die Kraft hat, den Blick darauf zu richten. Doch hat sich in mein Bewusstsein für meine Arbeit eine Erkenntnis ausgeprägt. Für Menschen, die Bezüge verloren haben, sind im tiefsten Innern neue Bezüge, ausgenommen eine neue Zweisamkeit, die es schwer haben wird, nur Ersatz. Sie geben zwar Struktur und Halt, ersetzen aber nicht die Liebe und können auch der Sehnsucht nach ihr nicht nachkommen, sie nicht stillen, eher noch den Abstand zum eigentlich Gewünschten vergrößern und je nach Wesen das Hoffnungslose, die Verzweiflung verstärken. Es gibt natürlich Menschen, die aus verschiedensten Gründen keine Zweisamkeit haben können oder nach negativen Erlebnissen auch nicht mehr haben möchten ...

    Ja, Joame, die Welt für vom Schicksal Geschlagenen ist radikal und absolut geändert. Die Veränderungen erreichen das Bewusstsein in einem Auf und Ab. Ich merke, es gibt Tabuzonen, die ich nicht mehr oder noch nicht betreten kann und Rückzugsorte, die immer mehr für mich und meine Trauer wichtig werden.

    Aber verstehen werde ich das Unglück nie. Es ist schwer, sich aus den Krakenarmen der Schwermut zu befreien. Es tut weh, nichts am Tod ändern zu können. Es ist unglaublich schmerzvoll, allein weiter gehen und leben zu müssen. Und selbst das beschwert das Gemüt, denn mir ist bewusst, Sterbende würden zurufen, Lebe deine Zeit, die dir bleibt, denn sie ist kostbarer, als du denkst und die Lebenden rufen, was willst du bei den Toten, wir Lebenden brauchen dich bei uns.





    Vielen Dank für deine Gedanken

    Liebe, freundliche Grüße

    Munkel

  • Terra inkognitaDatum20.07.2019 08:22
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Ein Abendregen ohne Anfang und Ende,
    ein schwarzer Tränenmacher, Blütenüberbordspüler,
    ein Dauerbrandlöscher, Julimörder,
    ein Augenaufmacher, ein Alchimist
    was nie wieder sein darf:
    Tod, Grab, verlassende Seele,
    eine noch verletzlichere Haut,
    abgeplatzte Baumrinden,
    zu früh gefallene Kastanien.

    Ich umfasse einen sterbenden Baum,
    kettle Schatten an Schatten,
    Alpträume an Träume,
    Uferloses ans Meer,
    Sturm an die Sehnsucht,
    den Fels an die Brandung,
    den Tod ans Leben,
    die Liebe an uns.

    Gestorbene Uhren sind wie dein Gestern,
    still, wenn ich den Friedhof verlasse,
    wie ein magisches Oben,
    ein Regenbogen übers Haus,
    vergoldete Wipfel,
    Sonnensteine.

    Dieser Juli ist wie eine Wetterscheide,
    nach innen, nach außen wandernd,
    beides bleibt umgestürztes Land,
    mir fremd und Wunde.

  • ImmortalitaDatum14.07.2019 07:59
    Thema von munk im Forum Liebe und Leidenschaft

    Ich schreie, weil du tot bist,
    doch nichts ändert sich,
    alles von dir ist in allem,
    alles ist mit dir verwandt,
    alles verwandelt sich,
    bleibt berührt, verdichtet,
    was du warst, ist einzig hier.

    Du bist meine Nabelschnur zum Leben,
    die tiefe Wunde, die nicht heilt,
    der Schnitt durch die Seele,
    mein zweiter Atem,
    die Haut auf meiner Haut,
    das Herz, was mich führt,
    die Auserwählte.

    Charon, der Fährmann lässt mich zurück
    und Hekate schickt mir die Einsamkeit;
    noch tickt deine Uhr neben mir
    und ich fasse nach ihr wie nach dir,
    hole die gestohlene Zeit und dich zurück
    wie aus einem russischen Märchen
    und wir können von vorn beginnen,
    der Schatzhauser ist mit uns.

    Ich sehe unsre starke Liebe,
    die immer mehr trug und wuchs,
    gewollt, gelebt und groß
    bis das Unglück auf dich niederfuhr,
    und dich zerstörte.
    Seitdem lebe ich mehr tot,
    sehr nah dem Irrsinn,
    immerzu hoffend,
    du stehst neben mir,
    liebevoll wie in der letzten Stunde,
    verliebt wie in der ersten Stunde

    An der Nordseite unsres Hauses,
    im gelbrotgestreiften Himmel,
    stehen Seit an Seit du und ich
    bereit für die Reise durch die Liebe,
    um wieder Zwei in Eins,
    Eins im Andern zu sein,
    in einer ungenannten Stunde.

    Du bist nun der Schmetterling,
    der im weißen Lilienkleid durch Regenbogen fliegt
    oder die über mich wachende Wolke
    oder das zärtliche Werben des Windes im Jasmin
    oder die lockende Flut im Bächlein, im Meer
    zur uns gegebenen Stunde.

    An der Südseite deiner Nähecke aber,
    fand ich unser Stundenglas,
    einst mit den Kindern zusammengebaut,
    gefüllt mit Sand von Ostsee und Mittelmeer,
    träume
    von der Quelle unsres Lebens und Liebens.

    Drei Monate kämpfe ich mit mir;
    ich wehre mich gegen den April im Juli,
    gegen die eigenen Aufschläge.
    Kopf und Herz ziehen dann ums Haus,
    zu den drei Rosenbäumchen,
    die nur dir geweiht sind,
    für die einfache Wahrheit.

    Es regnet leise.
    Die Stille spricht.
    Zarte Grashalme sprießen aus der Muttererde.
    Ein kleiner Regenbogen zeigt sich am Julihimmel.

    Es ist Frühling.





    Branitz, 14.7.19 A.S.

  • Foren-Beitrag von munk im Thema

    Hi mcberry,
    so richtig verfolgt habe ich die Gemini-Geschichte nicht, aber ein anderer Duktus tut diesem Forum hier vielleicht auch gut. Ich bin für Chancen und ich bin auch davon überzeugt, Menschen können sich doch ändern, sich Gegebenheiten anpassen oder zumindest die Grenzen des jeweilig Anderen tolerieren lernen, denn jeder trage die Last des Anderen, so wäre mein Sinn oder noch erhabener Goethes "Gemeinsinn eilt, die Lücke zu verschließen..."

    Liebe Grüß
    Munkel

Inhalte des Mitglieds munk
Beiträge: 761
Ort: Branitz im Land Brandenburg
Geschlecht: männlich
Seite 1 von 32 « Seite 1 2 3 4 5 6 32 Seite »

Besucher
0 Mitglieder und 22 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: anisa258
Forum Statistiken
Das Forum hat 8588 Themen und 62957 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 420 Benutzer (07.01.2011 19:53).